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An den Schnittstellen der neuen MedienEin Interview mit Micky Kwella, dem künstlerischen Leiter der transmediale |
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Vom 12. bis 21.2.1999 fand in Berlin die transmediale 99 statt.
Im folgenden Gespräch mit dem epilog-Redakteur Bernhard Kempen (BK) zieht
Micky Kwella (MK), der die Veranstaltung seit den Anfängen als künstlerischer Leiter
betreut, ein Resümee dieses bedeutenden internationalen Medienkunstfestivals. BK: Welche Zielsetzung verfolgen Sie als künstlerischer Leiter der transmediale? MK: Die allgemeine Zielsetzung ist, neue Tendenzen aus den Bereichen Video, Fernsehen und Multimedia vorzustellen und vor allem zu schauen, wo es Berührungspunkte zwischen den einzelnen Bereichen gibt, weil das für uns das eigentlich Spannende ist. Deswegen auch dieser relativ neue Name transmediale. Wir wollen schauen, was an den Schnittstellen zwischen Video und Internet oder Fernsehen und Internet und so weiter passiert. Und ich denke, wir haben wieder ein ganz spannendes Programm zusammengestellt. Der besondere Anspruch für dieses Jahr lag darin, etwas einzulösen, was uns im letzten Jahr nicht so richtig gelungen ist. Dort standen die Bereiche eher nebeneinander. Das heißt, Video, Fernsehen und Multimedia wurden unabhängig voneinander behandelt, und in diesem Jahr haben wir sehr starkes Gewicht darauf gelegt, rote Fäden zu haben. Beispielsweise haben wir uns am Anfang mit dem Begriff der Virtualität im weitesten Sinne beschäftigt. Am ersten Tag haben wir uns damit auseinandergesetzt, was die digitale Filmproduktion mit sich bringt. Am nächsten Tag haben wir uns die virtuellen Welten in Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft etwas näher angesehen. Einen Tag später haben wir gefragt, welche Lebewesen diese virtuellen Welten bevölkern. Bei der Programmgestaltung wurde auch sehr schnell klar, daß man, wenn man sich mit diesen neuen dreidimensionalen Computerwelten beschäftigt, auch betrachten muß, wie sich Navigation und Interaktion verändern. Auch das war ein Thema an einem weiteren Tag. Und so ziehen sich viele rote Fäden durch verschiedene Veranstaltungen, und das ist etwas, mit dem wir sehr zufrieden sind. BK: Wie haben Sie die Veranstaltung finanziert? MK: Wir werden zum Teil vom Berliner Kultursenat finanziert. Ansonsten bekommen wir Mittel aus dem Hauptstadt-Kulturfonds. Und wir haben einiges an Sponsorengeldern. Das ist nicht so wahnsinnig viel, aber wir haben sehr viele Sponsorensachleistungen. Und darüber hinaus erwirtschaften wir selbst noch einiges durch den Verkauf von Eintrittskarten, Katalogen, T-Shirts und so weiter. BK: Welches Resümee würden Sie für die diesjährige transmediale ziehen? MK: Ich bin schon seit einigen Tagen recht euphorisch. 1997 haben wir das Festival verlegen müssen, weil die Finanzierung zu spät kam. Sie fand im Mai statt, wir hatten gleichzeitig den Namen geändert, und das war ein ganz fürchterlicher Einbruch. Wir hatten zwei Drittel unserer Zuschauer verloren, und auch die Presse und das Fernsehen hatten nicht mehr soviel berichtet wie vorher. 1998 sind wir dann in den Februar zurückgegangen, und es ging sofort wieder aufwärts. Aber an die sehr erfolgreichen Zahlen von 1996 konnten wir nicht unmittelbar anknüpfen. Doch in diesem Jahr ist die transmediale ein überwältigender Erfolg. Insgesamt ist es bei den Veranstaltungen sehr voll. Natürlich gibt es mal Ausreißer, daß einzelne Themen nicht so gut besucht sind, aber im großen und ganzen haben wir mehr Zuschauer, als wir erwartet hatten. Vor allem hat sich eins bewährt, was wir im letzten Jahr probiert haben, als wir zum ersten Mal mit Gastkuratoren zusammengearbeitet haben. Wenn man ein so breites Themenspektrum anbietet, kann man einfach nicht in allen Bereichen bestinformiert sein. Allein der Unterschied bei Multimedia im Internet und auf CD-ROM bringt so viele Spezifika mit sich, die Entwicklung der Software und so weiter, daß wir uns im letzten Jahr gesagt haben, wir suchen uns Gastkuratoren für die Fachgebiete. Das ist sehr gut gelaufen, und daraufhin haben wir dieses Prinzip in diesem Jahr ausgebaut, so daß wir noch mehr Gastkuratoren für die verschiedenen Bereiche haben. Und die wiederum haben zum Teil sehr kompetente Gäste mitgebracht, die wirklich an der Speerspitze der Entwicklung stehen und die hier sehr kompetente Vorträge gehalten und Beispiele gezeigt haben. Insofern hat sich dieses Prinzip als gut erwiesen, und auch der Zuschauerzuspruch geht meiner Ansicht nach darauf zurück, daß wir hier wirklich eine Menge mit Substanz zu bieten haben. Eine Menge an Fachleuten und in unseren Vorführungen eine Menge an guter Unterhaltung und gleichzeitig an Informationen über die Entwicklungen im Videobereich. BK: Wie sieht die Planung für die transmediale im nächsten Jahr aus? MK: Innerlich ist dieses Festival für mich schon längst vorbei. Ich mache mir bereits Gedanken, was wir im nächsten Jahr präsentieren werden, obwohl es jetzt noch nicht um einzelne Bereiche oder konkrete Themen geht. Dazu ist es noch zu früh, denn wir wollen ja auch möglichst aktuell sein. Aber eins ist klar, wir werden uns wieder sehr stark mit den virtuellen Welten beschäftigen, weil der Fortschritt dort enorm ist. Wir haben gesehen, daß die Frage nach dem Nachwuchs im Videobereich, nach neuen Talenten, offenbar viele Leute sehr interessiert, weil sich hier in der letzten Zeit einiges festgefahren hatte. Es gab keine richtigen Entdeckungen mehr, und viele Leute haben gesagt, Video sei tot. Deshalb werden wir uns speziell um den Nachwuchs im Videobereich kümmern. Und nachdem wir uns in diesem Jahr eher national mit Fernsehen und Multimedia beschäftigt haben, werden wir im nächsten Jahr den internationalen Blick öffnen und interessante multimediale Fernsehprojekte aus aller Welt nach Berlin holen. BK: Vielen Dank für dieses Gespräch.
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