| Der zweite Roman der Hardcover-Neuausgabe der Bücher von George R.R. Martin
bei Phoenix ist zugleich auch sein zweiter Roman. Eigentlich handelt es sich bei diesem
gemeinsam mit Lisa Tuttle verfassten Buch eher um eine Sammlung von drei Novellen, die
zwischen 1975 und 1981 verfasst und später mit Prolog und Epilog versehen wurden. In
einem kurzen Exkurs in die Geschichte des Planeten Windhaven erzählen die Autoren, wie
ein großes Raumschiff vor vielen Jahrhunderten vom Kurs abkam und auf Windhaven notlanden
musste. Der Planet ist eine nahezu metalllose Wasserwelt mit nur wenigen Inselgruppen. Das
Wetter ist sehr rauh, ständig weht ein starker Wind. Das brachte die Zwangssiedler auf
die Idee, aus den Materialien des Raumschiffs Flügel zu bauen, denn die starken Winde
konnten durchaus einen Menschen tragen. Jahrhunderte später segeln Schiffe über die
Meere, doch das ist sehr gefährlich und langwierig. Die einzige Möglichkeit der
schnelleren Kommunikation zwischen den Inseln sind die Flieger, die besonderes Ansehen
genießen. Es gibt nur wenige Flügel, da man die Fähigkeiten, neue zu bauen, verlernt
hat.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die Fliegerin Maris, deren Lebensgeschichte
episodenhaft geschildert wird. Die Flügel eines jeden Fliegers werden nach einer
bestimmten, festgelegten Zeit weitervererbt. Doch Maris tolpatschiger Halbbruder Coll, der
ihre Flügel erben soll, hat keinerlei Interesse am Fliegen und will stattdessen lieber
Sänger werden. Die einzige Möglichkeit für Maris, die Flügel offiziell
zurückzubekommen, ist eine große Versammlung aller Flieger, doch eine solche hat seit
Generationen nicht mehr stattgefunden. Nach einigen dramatischen Verwicklungen setzt Maris
die Idee durch, eine Universität zu gründen, auf der jeder das Fliegen lernen kann, der
sich dazu berufen fühlt. Und die besten Flieger sollen schließlich eigene Flügel
erhalten.
Im weiteren Verlauf des Buches wird der Lebensweg von Maris und ihren Schülern
erzählt. Dabei lebt die ereignisreiche Handlung nicht nur von spannenden Wendungen,
sondern auch das persönliche Verhältnis zwischen den Figuren spielt eine große Rolle.
Die beiden Autoren schaffen es immer wieder, der im Grunde einfachen Gesellschaftsstruktur
von Windhaven neue Aspekte abzugewinnen und die Gegensätze zwischen Tradition und
fortschrittlichen Ideen herauszuarbeiten. Andererseits haben die Autoren auch nicht den
Fehler begangen, sich zu sehr auf die Hauptfigur Maris zu konzentrieren - die Nebenfiguren
wirken sehr plastisch und jede hat ihre eigene Geschichte, ohne dass die Autoren von der
eigentlichen Handlung abschweifen.
Es dürfte kaum einen Leser geben, der durch diesen Roman nicht großartig unterhalten
wird und zuweilen in schwärmerisches Träumen gerät.
Hardy
Kettlitz ALIEN CONTACT
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