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Walter Moers

Rumo & Die Wunder im Dunkeln

Originalausgabe • 2003

Science Fiction > Alien Contact | Buch-Tips
Dies ist die Geschichte des größten Helden Zamoniens, jenes wunderbaren Landes, das der Leser bereits in den Büchern Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär und Ensel und Krete besuchen durfte. Ein kleiner, namenloser Wolpertinger wächst bei den Fhernhachenzwergen auf und freut sich seines jungen Lebens. Doch gerade, als er den Zwergen zeigen will, dass er aufrecht laufen kann, geschieht ein Unglück: Das friedliche Dorf wird von einer Horde Teufelsfelszyklopen überfallen, alle Einwohner werden auf die heimatliche Insel der Zyklopen verschleppt, um später als lebende Nahrung zu dienen. In der Gefangenschaft lernt der junge Welpe die Haifischmade Volzotan Smeik kennen. In Smeik wächst die Hoffnung auf Flucht, denn er weiß, dass Wolpertinger zu den besten Kämpfern Zamoniens zählen. Er nennt den Kleinen Wolpertinger nach einem Kartenspiel Rumo, bringt ihm sprechen bei und erzählt so manche Geschichte aus der Vergangenheit Zamoniens. Als Rumo fast ausgewachsen ist, gelingt es ihm, durch seine unglaubliche Schnelligkeit die Zyklopen zu töten und die überlebenden Gefangenen zu befreien. Gemeinsam mit Smeik flieht er von der Teufelsfelsinsel und beide wandern durch Fhernhachingen in Richtung Wolperting, denn Rumo muss zu seinen Artgenossen. Es gibt nämlich zwei Arten von Wolpertinger: Die einen sind nur eine Art wilde Hunde mit Hörnern, die anderen dagegen können aufrecht gehen und sprechen. Vor Wolperting müssen sich die beiden trennen, denn kein Nichtwolpertinger darf die Stadt betreten. Und nun beginnt für Rumo ein ganz neues Leben. Er besucht die Schule, lernt Heldenlehre, Lesen und Schreiben und natürlich auch das Kämpfen mit Waffen. Er wird sogar von einem der besten Kämpfer der Stadt persönlich ausgebildet. Doch all dies hilft ihm nicht, als er sich in Rala verliebt, sich jedoch nicht traut, ihr seine Liebe zu gestehen. Um ihr Herz zu erobern, begibt er sich auf eine gefährliche Reise. Als er zurückkehrt, sind jedoch alle Wolpertinger aus der Stadt verschwunden. Sie wurden nach Untenwelt entführt, dem finsteren Reich, das vom wahnsinnigen König Gaunab und seinem verschlagenen Berater Friftar beherrscht wird. Nun muss Rumo seine Qualitäten als Kämpfer und Held beweisen, denn die Gegner sind schier übermächtig und die Lage scheint aussichtslos. Zum Glück begegnet Rumo einigen seiner Gefährten wieder, die ihm bei der Befreiung seines Volkes helfen können ...

Ebenso wie seine beiden Zamonien-Vorgänger sprüht das Buch nur so vor irrwitzigen Ideen. Jede handelnde Figur bekommt ihre eigene Geschichte, oftmals sogar noch haarsträubender und phantasievoller als die eigentliche Haupthandlung des Buches. Leider sind diese jedoch einfach so in den Text eingestreut. Einige sind sehr amüsant, wie zum Beispiel Smeiks Erzählungen über die Eroberung der Lindwurmfeste, die man bereits als Heimatort von Hildegunst von Mythenmetz aus Ensel und Krete kennt. Andere hingegen, wie die Historie von Untenwelt, sind einfach zu lang geraten und unterbrechen die Handlung empfindlich.

Erfrischend ist der Unterschied des Helden Rumo zu Käpt'n Blaubär. Rumo kann zwar besser kämpfen und ist viel schneller als alle anderen, aber dafür ist er schüchtern, kann keine Geschichten erzählen und hat große Schwierigkeiten, Pläne zu schmieden. Leider sind die Bösewichte sehr eindimensional, wodurch die Helden kaum in Gewissensnöte geraten, wenn es gilt, ihre Widersacher umzubringen. Das kann man dem Autor aber nur schwer vorwerfen, denn so ungewöhnlich seine Schöpfung Zamonien auch ist, sie folgt immerhin traditionellen Mustern der Helden- und Fantasygeschichten - auch wenn Walter Moers immer wieder auf seine unvergleichliche Art dagegen aufbegehrt. Und so besteht ein weiterer Spaß beim Lesen des Buches im Auffinden von Anspielungen und Zitaten. Wie bereits im Blaubär verzichtet der Autor auch diesmal auf den erhobenen Zeigefinder und die »Moral von der Geschicht«; im Gegenteil, er lässt Smeik an einer Stelle zu Rumo sagen: »Es gibt viele Lehren, die man aus dieser Geschichte ziehen kann. Such dir bei passender Gelegenheit eine davon aus.«

Der Wechsel des Autors von Eichborn zu Piper ist den Büchern kaum anzumerken, lässt man die vermehrte Anzahl von Druckfehlern außer Acht. Ebenso opulent gestaltet wie seine Vorgänger ist auch Rumo ein Werk, das die Bezeichnung »Buch« wirklich verdient hat: Zahlreiche Illustrationen, edler Schriftsatz, angenehme typographische Spielereien und ein Leseband lassen das Schmökern zum Genuss werden.

Wenn der Autor auf einige Ausschweifungen verzichtet hätte, wäre Rumo sicherlich noch großartiger, aber auch so ist es ganz sicher eines der schönsten und phantasievollsten Bücher eines deutschen Autors in diesem Jahr.

Hardy KettlitzALIEN CONTACT

Originalausgabe
Walter Moers, Rumo & die Wunder im Dunkeln
(München: Piper, 2003) Bestellen
Titelbild und Illustrationen von Walter Moers, 695 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Taschenbuch
Walter Moers, Rumo & die Wunder im Dunkeln
(München: Piper, 2003) [4177] Bestellen
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28.08.10 • 08.09.10