Dies
ist die Geschichte des größten Helden Zamoniens, jenes wunderbaren Landes, das der Leser
bereits in den Büchern Die 13 ½ Leben
des Käpt'n Blaubär und Ensel und Krete
besuchen durfte. Ein kleiner, namenloser Wolpertinger wächst bei den Fhernhachenzwergen
auf und freut sich seines jungen Lebens. Doch gerade, als er den Zwergen zeigen will, dass
er aufrecht laufen kann, geschieht ein Unglück: Das friedliche Dorf wird von einer Horde
Teufelsfelszyklopen überfallen, alle Einwohner werden auf die heimatliche Insel der
Zyklopen verschleppt, um später als lebende Nahrung zu dienen. In der Gefangenschaft
lernt der junge Welpe die Haifischmade Volzotan Smeik kennen. In Smeik wächst die
Hoffnung auf Flucht, denn er weiß, dass Wolpertinger zu den besten Kämpfern Zamoniens
zählen. Er nennt den Kleinen Wolpertinger nach einem Kartenspiel Rumo, bringt ihm
sprechen bei und erzählt so manche Geschichte aus der Vergangenheit Zamoniens. Als Rumo
fast ausgewachsen ist, gelingt es ihm, durch seine unglaubliche Schnelligkeit die Zyklopen
zu töten und die überlebenden Gefangenen zu befreien. Gemeinsam mit Smeik flieht er von
der Teufelsfelsinsel und beide wandern durch Fhernhachingen in Richtung Wolperting, denn
Rumo muss zu seinen Artgenossen. Es gibt nämlich zwei Arten von Wolpertinger: Die einen
sind nur eine Art wilde Hunde mit Hörnern, die anderen dagegen können aufrecht gehen und
sprechen. Vor Wolperting müssen sich die beiden trennen, denn kein Nichtwolpertinger darf
die Stadt betreten. Und nun beginnt für Rumo ein ganz neues Leben. Er besucht die Schule,
lernt Heldenlehre, Lesen und Schreiben und natürlich auch das Kämpfen mit Waffen. Er
wird sogar von einem der besten Kämpfer der Stadt persönlich ausgebildet. Doch all dies
hilft ihm nicht, als er sich in Rala verliebt, sich jedoch nicht traut, ihr seine Liebe zu
gestehen. Um ihr Herz zu erobern, begibt er sich auf eine gefährliche Reise. Als er
zurückkehrt, sind jedoch alle Wolpertinger aus der Stadt verschwunden. Sie wurden nach
Untenwelt entführt, dem finsteren Reich, das vom wahnsinnigen König Gaunab und seinem
verschlagenen Berater Friftar beherrscht wird. Nun muss Rumo seine Qualitäten als
Kämpfer und Held beweisen, denn die Gegner sind schier übermächtig und die Lage scheint
aussichtslos. Zum Glück begegnet Rumo einigen seiner Gefährten wieder, die ihm bei der
Befreiung seines Volkes helfen können ...Ebenso wie seine beiden
Zamonien-Vorgänger sprüht das Buch nur so vor irrwitzigen Ideen. Jede handelnde Figur
bekommt ihre eigene Geschichte, oftmals sogar noch haarsträubender und phantasievoller
als die eigentliche Haupthandlung des Buches. Leider sind diese jedoch einfach so in den
Text eingestreut. Einige sind sehr amüsant, wie zum Beispiel Smeiks Erzählungen über
die Eroberung der Lindwurmfeste, die man bereits als Heimatort von Hildegunst von
Mythenmetz aus Ensel und Krete kennt. Andere hingegen, wie die Historie von
Untenwelt, sind einfach zu lang geraten und unterbrechen die Handlung empfindlich.
Erfrischend ist der Unterschied des Helden Rumo zu Käpt'n Blaubär. Rumo kann zwar besser
kämpfen und ist viel schneller als alle anderen, aber dafür ist er schüchtern, kann
keine Geschichten erzählen und hat große Schwierigkeiten, Pläne zu schmieden. Leider
sind die Bösewichte sehr eindimensional, wodurch die Helden kaum in Gewissensnöte
geraten, wenn es gilt, ihre Widersacher umzubringen. Das kann man dem Autor aber nur
schwer vorwerfen, denn so ungewöhnlich seine Schöpfung Zamonien auch ist, sie folgt
immerhin traditionellen Mustern der Helden- und Fantasygeschichten
- auch wenn Walter Moers immer wieder auf seine unvergleichliche Art dagegen aufbegehrt.
Und so besteht ein weiterer Spaß beim Lesen des Buches im Auffinden von Anspielungen und
Zitaten. Wie bereits im Blaubär verzichtet der Autor auch diesmal auf den
erhobenen Zeigefinder und die »Moral von der Geschicht«; im Gegenteil, er lässt Smeik
an einer Stelle zu Rumo sagen: »Es gibt viele Lehren, die man aus dieser Geschichte
ziehen kann. Such dir bei passender Gelegenheit eine davon aus.«
Der Wechsel des Autors von Eichborn zu Piper ist den Büchern kaum anzumerken, lässt
man die vermehrte Anzahl von Druckfehlern außer Acht. Ebenso opulent gestaltet wie seine
Vorgänger ist auch Rumo ein Werk, das die Bezeichnung »Buch« wirklich verdient hat:
Zahlreiche Illustrationen, edler Schriftsatz, angenehme typographische Spielereien und ein
Leseband lassen das Schmökern zum Genuss werden.
Wenn der Autor auf einige Ausschweifungen verzichtet hätte, wäre Rumo
sicherlich noch großartiger, aber auch so ist es ganz sicher eines der schönsten und
phantasievollsten Bücher eines deutschen Autors in diesem Jahr.
Hardy
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