| Sachliteratur zu Star Trek ist inzwischen keine Seltenheit mehr.
Trotzdem verdient dieser Band einen zweiten Blick: Ausgehend von Ansätzen der kritischen
Theorie versucht Andrea zur Nieden, das Phänomen Star Trek
kulturwissenschaftlich in den Griff zu bekommen, wobei sie sich auf die beiden Serien The
Next Generation und Voyager konzentriert. Dabei verfolgt sie zwei
Hauptlinien: Zum einen untersucht sie, wie in den Serien die technische Durchdringung
menschlicher Körper thematisiert wird, zum anderen und in Verbindung damit, wie
Geschlechterverhältnisse verhandelt werden. In Star Trek bewanderte werden beim Thema
technische Durchdringung natürlich an die Spezies der Borg denken - doch
überraschenderweise braucht die Autorin eine ganze Weile, um genauer auf selbige zu
sprechen zu kommen. Vorerst führt sie vor, wie sehr die Helden der Serie selbst schon
Cyborgs sind und wie verdächtig ihre Föderation dem totalitären Borg-Kollektiv zuweilen
gleicht. So kommt sie zu ihrer zentralen These: dass an den Borg praktisch das Negativbild
der Föderation abgearbeitet wird, dass die Serienhelden sich an ihnen immer wieder
beweisen, was sie nicht sind. Treffend charakterisiert sie die paradoxen
Verhältnisse in der Föderation, die zwar die Freiheit von politischen und ökonomischen
Zwängen für sich behauptet, deren Mitglieder sich dennoch bereitwillig strengsten
Arbeits- und Militärregimes unterwerfen. Die Cyborgisierung der Föderationsmenschen
deutet zur Nieden dabei unter anderem als eine Krise klassisch patriarchaler
Männlichkeitskonzepte. An der Figur der Ex-Borg Seven of Nine zieht sie schließlich ihre
These der »Barbiiesierung der Körper« in Star Trek auf, die auf der Annahme
basiert, dass in den von ihr behandelten Serien Körper biologistisch über ihre Gene
definiert werden. Dabei enthalten diese Gene scheinbar das Versprechen des
perfektionierten Körpers - eine Körperbild, dem die Autorin deutlich ablehnend
gegenübersteht. Wer halbwegs Star-Trek-fest ist, dürfte zur Niedens
Argumentation ohne weiteres folgen können - und dabei auch den einen oder anderen
Detailfehler bemerken. Zuweilen werden da schon ein paar Handlungsstränge durcheinander
gebracht, und bei der Schreibweise der Namen außerirdischer Spezies liegt die Autorin in
rund fünf von zehn Fällen falsch. Für ihre Thesen fällt das zwar nicht weiter ins
Gewicht, trotzdem hätte hier etwas genauere Recherche nicht geschadet. Auch ihre
Kommentare über die Serie Deep Space Nine erscheinen ausgesprochen uninformiert
- besser wäre es gewesen, wenn sie sich ganz auf ihre beiden offensichtlichen
Lieblingsserien beschränkt hätte. Abgesehen davon kann man das Buch jedoch insbesondere
Trekkies empfehlen, die Lust haben, ihre Helden einmal kritisch in Augenschein zu nehmen.
Nur allzu empfindlich sollten sie nicht sein - denn das Buch lässt sich durchaus als
vernichtende Kritik an Star Trek lesen. Dennoch macht die Autorin letztlich
keinen Hehl daraus, dass ihr Interesse ein durch und durch fannisches ist.
Jakob Schmidt ALIEN CONTACT
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