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| Prawda | Folge 6 ALIEN CONTACT 41 |
| Science Fiction > Alien Contact > Gefählich Ehrlich | Buch-Tips |
| Wenn sich die Scheibenwelt drehen würde, was sie
meines Wissens nicht tut, dann würde sie jetzt in Höchstgeschwindigkeit rotieren, denn Die
volle Wahrheit, Terry Pratchetts 25. Roman innerhalb der Serie, schüttelt den ganzen
Planeten ordentlich durch. Es ist eine fixe Idee der Kritiker (meine Wenigkeit
eingeschlossen), daß es sich lohnt, Pratchett genau zuzuhören, wenn er andeutet - wie er
das schon mindestens einmal getan hat -, daß seine Scheibenwelt-Komödien kurz vor dem
Absturz in die Wirklichkeit stehen und daß er dagegen angekämpft hat, es zuzulassen. Mit
Die volle Wahrheit hat er jedoch seine Meinung geändert - oder den Kampf
verloren. Die Industrielle Revolution, in Form der Druckerpresse und der Tageszeitung, hat
nun auch Ankh-Morpork in Aufruhr versetzt - jene Stadt im Herzen der runden Scheibe, die
auf vier Elefanten usw. durch den Weltraum auf Was-weiß-ich zustürzt. Mit großer
Spannung warten wir auf das, was als nächstes passieren wird. (Meine Vermutung lautet:
Ankh-Morpork wird wie London immer mehr in eine Welt der Uhren und Motoren übergehen; und
der Rest der Scheibenwelt wird immer mehr die Rolle einer Reihe von Poldern übernehmen,
Enklaven einer erhöhten Wirklichkeit, die der Zeit widerstehen, den Gesimsen
vergleichbar, die die Hölle umschließen. Aber wer weiß ...) Wie die meisten Scheibenwelt-Geschichten mit Hauptmann Mumm und Lord Vetinari ist auch diese Komödie von Finsternis durchwoben. Vetinari mag zwar gelegentlich wie John Cleese als Robin Hood in Time Bandits klingen, aber er gebraucht seinen kühlen, realpolitisch denkenden Verstand eher, um aus Ankh Morpork - das er regiert - einen Ort zu machen, an dem empfindende Wesen tatsächlich gerne leben würden. Vimes hat sich im Laufe der Jahre und mit zunehmendem ethischen Gewicht der Bücher verändert. Die Handlung dreht sich um den jungen William de Worde, der eine Zeitung (mit dem Namen Times) gründet, die einen unstillbaren Hunger auf Geschichten hat. Ein Aufgebot von Zwergen erfindet die Druckerpresse, um sie zu füttern, und die Katze ist aus dem Sack. Die zentrale Geschichte, der de Worde unvermittelt nachspürt, ist ein Versuch, Vetinari einen versuchten Mord unterzuschieben, damit eine Verschwörung von Erzkonservativen die Uhr zurückdrehen kann. Einen Mann von Vetinaris strategischem Genie hereinlegen zu wollen, ist eine wenig überzeugende Idee; Pratchett gelingt es nur, sie entfernt plausibel zu machen, indem er Vetinari fast den ganzen Roman hindurch bewußtlos sein läßt. Es gibt einige Figuren in Die volle Wahrheit, die wahrscheinlich nicht noch einmal auftauchen werden - in erster Line ein Mörderpaar (das auf lustige Weise an das Mörderduo in Niemalsland von Neil Gaiman erinnert), dessen Pläne unausweichlich nach hinten losgehen, die aber für ein Scheibenwelt-Buch nichtsdestotrotz ziemlich starker Tobak sind. Andere bleiben uns vielleicht erhalten, wie Otto, der Vampir-Photograph, dessen übermäßiges Gemaule merkwürdig an den blutsaugenden Helden aus Das zehnte Königreich erinnert. Es gibt weniger Witze als sonst, aber sie sind so gut wie immer. Der grausame adelige Vater von de Worde ist - wie fast von Anfang an angedeutet - der Bösewicht des Stückes. Seine Niederlage ist die Niederlage der falschen Vergangenheit. Die Presse gewinnt; und der junge de Worde benötigt auch schon weitere Geschichten für die kommenden Ausgaben der Times - Geschichten, um die Zukunft zu erfinden. Der Himmel ist frei von überkommener Schicklichkeit, und die Katze ist aus dem Sack, was de Worde durchaus bewußt ist. »Freie Menschen«, sagt er am Ende des Buches und am Anfang einer neuen Scheibenwelt, »ziehen in die unterschiedlichsten Richtungen ... nur so ist Fortschritt möglich. Und natürlich müssen wir mit der Zeit gehen. Einen schönen Tag auch.« Erstveröffentlichung in INTERZONE 162 |
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