Die
FBI-Agentin Teresa Simons verbringt ihren Urlaub im englischen Küstenstädtchen
Bulverton. Diese Reise ist zugleich eine Flucht und eine Suche. Denn ihr Mann, ebenfalls
beim FBI, war Experte für Amokläufer und wurde bei einem Auftrag in Kingwood City im
US-Bundesstaat Texas erschossen. In Bulverton richtete Garry Grove, ein introvertierter
Jugendlicher und Waffennarr, mit einem halbautomatischen Gewehr ein Blutbad an. Beide
Blutbäder geschahen am gleichen Datum, dem 3. Juni des Vorjahres, und bei beiden gab es
Unstimmigkeiten im Ablauf. Teresa Simons nutzt für ihre Nachforschungen eine interaktive
Virtual-Reality-Technik, ExEx genannt, mit der sie in perfekt simulierte Wirklichkeiten
eintauchen kann. Das Fatale daran: Die Grenzen zwischen Welt und Simulation verschwinden.
Waffen sind plötzlich doppelt vorhanden, aber nicht doppelt auffindbar, und Simons
scheint dem Amokläufer in der Simulation erst die richtige Handhabung zu zeigen. Sie
verstrickt sich immer tiefer in das Geschehen und schafft neue Verbindungen ...Die
Amok-Schleife ist ein Thriller, doch Christopher Priest gelingt zugleich eine
überzeugende Welt: vertraut nicht nur wegen der Zeitnähe, sondern durch das optisch
genau beschriebene Kleinstadtleben; fremd wegen der stets fremden Realität der Gewalt,
der puren und ratlosen Aktion des Amok. Wie gewohnt stellt Priest das zuvor Gelesene auf
den Kopf und bietet eine zusätzliche Wahrheit, eine andere Möglichkeit der
Interpretation an. Der Autor ist, wie er im Interview sagt, ein Literat der Ideen - und
damit in der Science Fiction, so
seltsam es scheint, heute eine Rarität. Doch manche Internet-Videowelt-Trickserei hätte
er für seine Ideen gar nicht gebraucht.
Uwe Salzbrenner ALIEN CONTACT
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