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Lexikon

Die Entwicklung des Lebens

von Ernst Probst

Lexikon
Die ältesten Lebensspuren auf der Erde wurden in 3,8 Milliarden Jahre altem Ablagerungsgestein Westgrönlands entdeckt. Der Nachweis gelang Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz. Die uralte Gesteinsprobe aus dem Präkambrium enthielt feinste Spuren von biologischem Kohlenstoff, Reste mutmaßlicher Einzeller und Abbauprodukte des grünen Blattfarbstoffes Chlorophyll. Die Befunde werden so gedeutet, dass es schon bald nach der Entstehung der Erde vor etwa 4,6 Milliarden Jahren primitives Leben gegeben habe. Vor 3,8 Milliarden Jahren funktionierte auch schon die Photosynthese. Mit Hilfe des Sonnenlichts wurden aus Kohlendioxyd und Wasser durch das Chlorophyll Kohlehydrate aufgebaut.

Die ersten vielzelligen Meerestiere lebten gegen Ende des Präkambriums vor etwa 700 Millionen Jahren. Reste von ihnen kennt man aus Südaustralien, Südwestafrika, Neufundland, England und Sibirien. Diese wirbellosen Meerestiere gelten unter anderem als Quallen, Seefedern und Ringelwürmer. Als eine der bedeutendsten Fundstellen aus der Zeit des späten Präkambriums werden die Ediacara-Berge angesehen, die etwa 350 Kilometer nördlich von Adelaide in Südaustralien entfernt sind.

Die ältesten Lebensspuren in Deutschland hat man in etwa 600 Millionen Jahre alten Gesteinen in Bayern nachgewiesen. Es sind elliptische Querschnitte von maximal 3 Millimeter Länge mit einem hellen Kern, der von dunklen Rändern umgeben ist. Solche Lebensspuren aus dem späten Präkambrium kennt man aus den Gegenden von Ebnath und Waldmünchen in Bayern. Sie haben große Ähnlichkeit mit Funden aus Sibirien, die als Osagia tenuimellate und Osagia undosa bezeichnet werden. Den Funden aus Bayern ähneln auch bestimmte Fossilien aus Südwestfinnland.

Die ersten fischähnlichen Wirbeltiere erschienen im Kambrium vor etwa 570 bis 510 Millionen Jahren. Sie waren kieferlos und gepanzert.

Die ersten Fische mit Kiefern gab es in den Meeren des Silurs vor mehr als 410 Millionen Jahren.

Die frühesten flugunfähigen Insekten krochen im Devon vor etwa 410 bis 355 Millionen Jahren auf dem Festland umher.

Die ersten fischähnlichen Amphibien existierten im Devon vor mehr als 355 Millionen Jahren. Aus den ursprünglichen Amphibien mit Fischschwanz gingen später die eigentlichen Lurchtiere hervor. Amphibien sind Tiere, die sowohl im Wasser als auch an Land leben können.

Die frühesten flugfähigen Insekten entwickelten sich im Karbon vor etwa 355 bis 290 Millionen Jahren aus tausendfüßerähnlichen Vorfahren, die ihre Beinzahl auf sechs reduziert hatten. Die Flügel entstanden wahrscheinlich aus Fortsätzen der ersten Beinabschnitte.

Die ersten Reptilien (Kriechtiere) lebten im Karbon vor mehr als 330 Millionen Jahren. Dies beweist ein Fund aus Schottland.

Die frühesten säugetierähnlichen Reptilien lebten im Perm vor etwa 290 bis 250 Millionen Jahren. Sie werden Therapsiden genannt. Funde von ihnen kennt man vor allem aus Südafrika.

Die ersten Säugetiere sind gegen Ende der Triaszeit vor mehr als 205 Millionen Jahren nachweisbar. Sie waren kleiner als heutige Ratten. Unter ihnen gab es sowohl Pflanzenfresser als auch solche, die Insekten sowie kleinere Amphibien und Reptilien verzehrten. Solange die Dinosaurier und andere Reptilien die Erde beherrschten, konnten sich die Säugetiere kaum entfalten. Erst nach dem Aussterben der Dinosaurier und anderer Reptilien gegen Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren begann eine explosionsartige Entwicklung der Säugetiere. Aus diesem Grund wird die nachfolgende Zeit auch das »Zeitalter der Säugetiere« genannt.

Die ersten Vögel flogen in der Jurazeit vor etwa 150 Millionen Jahren. Sie hatten Merkmale von Reptilien (Kriechtieren) und Vögeln. Die schönsten und besterhaltenen Funde wurden in Deutschland entdeckt, sie stammen alle aus Bayern und gehören zur Gattung Archaeopteryx.

Die ersten Vormenschen erschienen im Pliozän vor etwa 5 Millionen Jahren in Afrika. Sie gehören zur Gattung Australopithecus (Südaffe). Außerhalb des Schwarzen Erdteils lebten offenbar keine solchen Vormenschen.

© Ernst Probst
Entnommen aus Rekorde der Urzeit

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21.05.06 • 10.06.06