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| ALIEN CONTACT 55 |
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| Bei Monsterfrauen handelt es sich um eine akademische Arbeit, die
sich mit Weiblichkeitsbildern in Science-Fiction-Filmen aus Hollywood auseinandersetzt
das verspricht zumindest der Untertitel und lässt damit hoffen, dass dieses
überfällige Thema in dem unfangreichen Band ausführlich gewürdigt wird. Tatsächlich
ist der Großteil des Bandes den diversen Star-Trek-Serien gewidmet, daneben
nimmt nur noch die Alien-Reihe eine wichtigere Rolle ein. Zwar sind auch die
anderen einschlägigen Filme der 80er und 90er vertreten (Blade Runner, Independence Day, Matrix, Starship Troopers, Der Wüstenplanet u.a.),
sie werden jedoch recht schnell abgehandelt. Rainer wendet sich ihrem Gegenstand mit psychoanalytischem Instrumentarium zu und konzentriert sich im ersten Teil des Buches hauptsächlich auf die Analyse der Bildsprache von SF-Filmen. Anhand dieser versucht sie nachzuweisen, wie Weiblichkeitsbilder nicht nur im SF-Kino immer wieder als Bedrohung einer als rechtmäßig verstandenen, patriarchalen Gesellschaftsordnung inszeniert werden. Zentrale Aspekte sind für sie die Verbindung der außerirdischen Bedrohung mit unbegrenzter Reproduktionsfähigkeit sowie die Angst vor der »kastrierenden Frau«. Diese Konzepte macht sie anhand zahlreicher Beispielen deutlich. Desweiteren beschreibt Rainer am Beispiel der von ihr untersuchten Filme die »Abstrafung« selbstbewusster Frauenfiguren durch ihren Tod oder ihre Wiederunterwerfung unter die patriarchale Ordnung. Auch diese Passagen gehören zu den überzeugenderen des Buches. Dafür, dass andere Teile leider weniger zufriedenstellend sind, gibt es mehrere Gründe. Zuallererst erdrückt Rainer ihr Thema beinahe unter der aufgewendeten Beweislast. Im Schnelldurchlauf spult sie die vorgefundenen Bilder und Figuren ab und ordnet ihnen Bedeutungen zu. Zwar sind diese Passagen auch ohne Hintergrundwissen verständlich, aber sie bleiben so thesenartig und wenig durchargumentiert, dass sie als Behauptungen erscheinen, zu deren Überprüfung andere Arbeiten herangezogen werden müssten. Zugleich erscheint Monsterfrauen übermäßig redundant: Begriffe und Konzepte werden oft mehrmals erklärt, nur leider jedes Mal gleich und jedes Mal zu kurz. Hier hätte eine sorgfältigere Strukturierung Not getan, etwa mit deutlich ausformulierten Thesen zu Kapitelbeginn oder wenigstens einem thematischen Register. Rainers polemischer Stil ist anfänglich noch recht erfrischend, und dass man sich als SF-Konsument oft von ihr provoziert fühlt, gehört eher zu den Bonuspunkten des Buches. Zugleich produziert diese Polemik jedoch ein hohes Maß an analytischer Unschärfe: Denn Rainers Analyse zielt eigentlich gerade auf die selbstverständlichen und meist unbewussten ideologischen Elemente ab, die in kulturelle Produktionen einfließen, ohne dass dafür der böse Wille von Drehbuchautoren und Produzenten nötig wäre. Rainer spricht jedoch entgegen ihrer eigenen Analyse immer wieder von der »rechten Ideologie« hinter einer Serie wie Star Trek oder erklärt sie gar zum »Propagandainstrument«, als stünden hinter den Ideologien einfach nur reaktionäre Masterminds. Durch das Buch zieht sich auch Rainers durchaus schlüssige These von einer reaktionären »Remaskulinisierung« der amerikanischen Gesellschaft. Doch der Versuch, jeden Film und jede Serie in das entsprechende Schema einzugliedern, produziert zuweilen wenig überzeugende Interpretationen wie zum Beispiel, wenn sie eine Star-Trek-Folge, in der die Helden einen Militärputsch verhindern, als Befürwortung einer Militärdiktatur interpretiert. Noch problematischer wird es dann, wenn die Autorin sich den Themen Rassismus und Militarismus zuwendet: Hier wird ausgesprochen unscharf mit Begriffen verfahren. Alle von Rainer (durchaus sympathischerweise) zurückgewiesenen Ideologien werden unter einen schwammigen Begriff dessen, was politisch »rechts« ist, gefasst. Es ist zum Beispiel schon seltsam, wenn Rainer bemängelt, dass sich die Außerirdischen bei Star Trek nicht »multikulturell« verhielten, da sie sich der Föderation unterordneten während sie anderorts überzeugend dargelegt hat, wie rassistische Ideologien gerade in Star Trek durch eine stereotype (und eben auch positiv stereotype!) Darstellungsweise außerirdischer »Rassen« bestärkt werden. Auffällig ist auch der Antiamerikanismus, der sich mit einer argumentfreien Selbstverständlichkeit durch das Buch zieht, die in Deutschland mittlerweile leider allzu normal ist. Und obwohl die Autorin insgesamt recht fundiert arbeitet, fallen doch einige krasse Fehlinformationen auf. So wird die australische Serie Farscape als US-amerikanische Produktion ausgewiesen (was im Kontext des Buches durchaus kein unwichtiger Unterschied ist), und über den Film Starship Troopers erklärt sie: »Der Film basiert auf einer Comic-Serie aus den 50ern, die als faschistisch eingeschätzt wird.« Man muss vielleicht nicht unbedingt wissen, dass der Film auf einem Roman von Robert A. Heinlein basiert. Für eine wissenschaftliche Arbeit sollte man aber doch wenigstens den Rechercheaufwand betreiben, sich den Filmvorspann mit dem entsprechenden Hinweis anzusehen. Insgesamt besteht Monsterfrauen zu einem großen Teil aus verschenkten Gelegenheiten. Die zahlreichen interessanten Ansätze des Buches werden einfach unter den Mängeln begraben. Zu empfehlen ist es damit eigentlich nur jenen, die sich ganz explizit mit Science Fiction und Geschlechterverhältnissen auseinandersetzen und Vorwissen oder Zeit zum Weiterlesen mitbringen denen bietet sich das Buch durchaus als Fundgrube an. Jakob Schmidt ALIEN CONTACT |
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