| Das Buch der toten Tage von Marcus Sedgwick ist ein Schauerroman,
der im trüben Licht von Gaslaternen in einer großen, heruntergekommenen Stadt spielt.
Ein mürrischer Zauberkünstler sucht verzweifelt nach einem bestimmten Buch, das ihn vor
seinem Schicksal bewahren soll. Dieses Schicksal ist der Tod, der ihn am Silvesterabend
ereilen wird. Sein begriffsstutziger Gehilfe Boy und das Mädchen Willow müssen ihm bei
seiner Suche helfen. Während der Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, den »toten
Tagen«, kommt es zu einer Folge düsterer und verstörender Ereignisse. Sedgwick greift
für seinen düsteren Roman nicht zu den üblichen Effekten des Horrorgenres und variiert
geschickt die gewohnten Konventionen des Jugendbuchs. Er schafft eine düstere Atmosphäre
voller Beklemmung und Hoffnungslosigkeit durch die Beschreibung der Abhängigkeiten seiner
Figuren, die Darstellung der verkommenen Stadt und das ständige Aufflackern und Erlischen
der Hoffnung seiner Charaktere (und des Lesers). Das Happy End ist trügerisch und sieht
weder die Lösung sämtlicher Probleme noch eine zum Helden gereifte Hauptfigur. In
Sedgwicks verstörender Welt gibt es kein falsches Heldentum, nur normale Menschen und
einen kleinen Hoffnungsschimmer.
Das Buch der toten Tage ist rundum geglückt und darüberhinaus exzellent
übersetzt. Es sei darum wärmstens all denen empfohlen, die vor dem heiteren Sommer in
düstere Lektüre fliehen wollen. Oder in den »toten« Tagen nach angemessenem
Schmökerstoff suchen ...
Simon Weinert |
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