Der
Titel des Buches sagt es bereits: Dies ist die zweite Anthologie der schon von Anfang an
auf zwei Bände angelegten »furchtbar fiesen Webgeschichten«, die ihren Ursprung als
»e-tales of Terror« auf der Homepage des Festa-Verlages hatten. In den 16 Erzählungen
beschäftigen sich die Autoren erneut mit der Welt des Internet und der eletronischen
Kommunikation sowie mit deren zum Teil recht unerfreulichen Auswirkungen. So lässt Falko
Löffler seine Protagonisten im World Wide Web nach einem virtuellen Gral suchen
(»Virtugral«) und Rüdiger Silber bereitet seinem Helden in »Klick or Treat« eine
äußerst unerfreuliche Halloween-Überraschung. Besonders beeindruckt die Geschichte
»www.bankraub.com« von Matthias Penzel über einen Mann, der virtuell systematisch
ausgeraubt wird. Ebenfalls hervorragend ist die kurze, neurotische Geschichte
»Wohnzimmerkrieger« von Jan Gardemann, in der Technikfeinde die Internet-User als Aliens
ansehen, die es zu bekämpfen gilt. Ausgezeichnet erzählt ist auch die Geschichte »Der
Kreis« von Gerd Rödiger, in der ein obskurer Todesfall aufgeklärt werden muss.Wenn
Herausgeber von Anthologien eigene Texte in ihren Büchern unterbringen, so sind dies
erfahrungsgemäß eher schwache Beiträge. Nicht so Malte S. Sembtens Geschichte
»languerous@barron.feu« - ein Stück elegante Prosa über einen uralten Geist, der im
virtuellen Raum wiedererweckt wird und seine unschuldigen Opfer terrorisiert. Weitere
Texte stammen von Eddie Angerhuber und Thomas Wagner, Christian von Aster, Stefan Pfister,
Klais Köberer, Michael Baumgartner, Marie Zocchetti, Robsie Richter, Michael Siefener und
Mark Fahnert.
Leider gibt es gleich mehrere Geschichten, in denen Menschen direkt in das Internet
gehen oder gezogen werden. Wie genau man sich das vorzustellen hat, erklären die Autoren
jedoch nicht und einigen gelingt es auch nicht, die übernatürlichen Inhalte ihrer
Erzählungen mit der technischen Welt der Computer und des Internets in Einklang zu
bringen.
Am Anfang des Buches schreibt der Herausgeber: »Die Autorinnen und Autoren dieses
Bandes genossen die Freiheit zum individuellen orthografischen Bekenntnis - zur Wahl der
alten Rechtschreibung, der neuen oder des Besten aus beiden Welten.« Doch es
wurden einige Freiheiten zu viel gelassen; eine ganze Reihe von Tipp- und
Schriftsatzfehlern sowie falsche Anführungszeichen erinnern leider zu stark an die
orthografische Anarchie des Internets.
Dennoch ist es insgesamt eine Anthologie, die sich sehen lassen kann und den Leser
bestens unterhält. Wer den ersten Band bereits hat, sollte sich diesen auch zulegen. Und
wer den ersten nicht hat, sollte ihn sich schnellsten besorgen.
Hardy
Kettlitz ALIEN CONTACT
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