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ALIEN CONTACT

Norman Spinrad

Champion Jack Barron

Bug Jack Barron • 1969

Science Fiction > Alien Contact | Buch-Tips
Wer an Bilder um 11 seine Freude hatte, den wird dieses Buch begeistern. Spinrad sagte selbst vor kurzem, was Champion Jack Barron in den Sechzigern war, das ist Bilder um 11 in den Neuzigern.

Spinrad hat mit seinem New-Wave-Roman einen Klassiker geschrieben, der bei seiner deutschen Erstveröffentlichung 1982 bei Moewig etwas untergegangen ist. Die neue Hardcover-Ausgabe mit reich illustriertem Vorwort wird dem Buch eher gerecht. Wolfgang Jeschke erzählt im Vorwort die Publikationsgeschichte des Romans: Das Buch wurde eigentlich im Auftrag des Verlages Doubleday geschrieben, dann jedoch wegen seiner rüden und obszönen Sprache abgelehnt. Michael Moorcock, Herausgeber des innovativen englischen Magazins NEW WORLDS, brachte den Roman in fünf Folgen von Januar bis Mai 1969, was jedoch in England zum Eklat führte. Sogar das englische Unterhaus befaßte sich mit dem skandalösen Text und strich NEW WORLDS die ohnehin spärlichen Zuschüsse.

Der Grund für die Aufregung um Champion Jack Barron ist heute ebenso aktuell wie vor dreißig Jahren: Norman Spinrad schrieb über die ganz großen Themen der Literatur, und er tat es auf sehr eigenwillige und ungewöhnliche Weise. Jack Barron ist Moderator einer Talk-Fernsehshow, wie es sie noch nicht einmal heute gibt. Zuschauer können anrufen und ihre Probleme schildern, während Barron sich direkt mit den Verursachern an höchster Stelle in Verbindung setzt, um die Probleme zu klären. Eines Tages gerät er mit der Stiftung für Unsterblichkeit aneinander, weil deren Präsident Benedict Howards sich verleugnen läßt. Barron wird sauer und macht Stimmung gegen die Stiftung, deren Geschäft darin besteht, Menschen gegen einen Geldbetrag von 50.000 Dollar nach ihrem Tod einzufrieren, bis es eine Möglichkeit gibt, sie wiederzuerwecken und unsterblich zu machen. Doch wer hat schon 50.000 Dollar? Sicher nicht die Armen und Machtlosen, für deren Rechte Barron oft eintritt. Der Talkmaster stellt Fragen, die Howards und der Stiftung mehr als unangenehm sind. Soll tatsächlich die Unsterblichkeit verwirklicht werden, oder wird mit den über fünfzig Milliarden Dollar, die bisher gesammelt wurden, nur Macht ausgeübt? Barron kommt dahinter, daß Howards den Präsidentschaftskandidaten gekauft hat und dabei ist, einen Gesetzesentwurf zu manipulieren. Da Barron mit seiner Medienmaschinerie für öffentliche Unterstützung sorgen könnte, muß auch er gekauft werden. Aber da ist Howards an den Falschen geraten. - Womit Howards den Moderator auf seine Seite ziehen will, sei hier nicht verraten. Doch der rotzige Barron weiß sich zu wehren. - Spinrad hat den Roman in einem saftigen Stil geschrieben, die Sprache ist voller Kraftausdrücke, teilweise fast pornographisch.Wie der Autor korrupte Politiker und skrupellose, machtbesessene Wirtschaftsbosse bereits vor dreißig Jahren (und noch vor Watergate) beschrieben hat, ist beeindruckend und mutig. Er spricht Zustände an, die heute ebenso relevant sind wie damals. Und er hat die Medien so beschrieben, wie sie heute schon fast sind. Ein Dank an den Herausgeber, der diesen Roman für die neunziger Jahre neu entdeckt hat.

Hardy KettlitzALIEN CONTACT

Norman Spinrad
Bug Jack Barron (1969)
Champion Jack Barron (München: Heyne) [06/8008]
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21.05.06 • 10.06.06