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| ALIEN CONTACT 67 |
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| Ein arbeitsloser Pilger betritt Ambra, die Stadt der Heiligen und
Verrückten. Der Blick durch ein Fenster zeigt ihm die Frau, die er zu lieben beschließt,
und ein tätowierter Zwerg bietet ihm Vermittlerdienste an. Die Bemühungen des in
Leidenschaft entbrannten Pilgers führen ihn zu einem onanierenden lebenden Heiligen und
ins irrsinnige Treiben auf dem Fest des Süßwasserkalmars, das für ihn zur
lebensbedrohlichen Falle wird. Die geheimnisvollen Grauhüte haben ihn als Opfer
ausgewählt ... In einem Gestöber lakonischer Fußnoten zu seinem Essay über die »Frühgeschichte Ambras« bringt der Historiker Duncan Shriek seine Geringschätzung für die Leser von Reiseliteratur zum Ausdruck. Gleichzeitig erfahren wir die wichtigsten Eckdaten der Geschichte der Stadt von den frühen Tagen, in denen Manzikert I. mit seiner Piratenflotte an den Ufern des Fluss Mott anlegte und die einheimischen Grauhüte abschlachten ließ, bis in die Gegenwart, in der die Pilze und Flechten, die die Rückkehr der Unterweltbewohner ankündigen, in jedem Winkel erblühen ... Martin Sees Verwandlung von einem zweitklassigen Maler in den eindrucksvollsten Künstler Ambras ist den Kunsthistorikern bis heute ein Rätsel. Auch die Expertin Janice Shriek hat keine Ahnung, dass Sees düsteres künstlerisches Erwachen die Folge mörderischer Ereignisse ist. Die Stadt ist vom Bürgerkrieg zwischen den Verehren und den Verächtern des jüngst verstorbenen Opernkomponisten Voss Bender gespalten doch erst, als Martin See auf eine kostümierte Verschwörergruppe trifft, wird ihm die Rolle klar, die der große Musiker für ihn persönlich spielt ... Im Voss-Bender-Gedächtnis-Sanatorium sitzt ein Geistesgestörter ein, der die Stadt Ambra für eine Ausgeburt seiner Phantasie hält. Als er verschwindet, findet man in seiner Zelle ein krudes Sammelsurium von Texten und Notizen Kurzgeschichten bekannter ambrischer Autoren, Briefe, ein pseudowissenschaftliches Pamphlet über den Süßwasser-Königskalmar. Zwischen den Zeilen wachsen die Flechten und Pilze, die das Kommen der Grauhüte ankündigen ... ... und an diesem Punkt
ist man erst auf halbem Weg durch die Stadt der Heiligen & Verrückten. Es
bedarf einer gewissen Arroganz, ein Buch zu schreiben, dass sich Seite für Seite immer
deutlicher ums Schreiben selbst dreht. VanderMeers Geschichten und Fragmente ziehen enger
werdende Kreise um die Frage, welche dunklen Veränderungen ein Mensch im Bann der eigenen
Phantasie durchläuft wie man dazu kommt, etwas Erstaunliches, Monströses,
Geistesgestörtes zu erschaffen, wie man die Kontrolle darüber verliert falls man
sie jemals hatte. Denn keine Quelle ist verlässlich in Ambra, keine Urheberschaft
eindeutig. Innerhalb des Buchs erhalten wir immer wieder widersprüchliche Informationen
zur Autorschaft: die Eröffnungsnovelle »Dradin, verliebt« wird das eine Mal als
Autobiographie eines Irren angeführt, ein anderes Mal wird es dem ebenfalls verrückten
Mr. X zugeschrieben, der als VanderMeers verzweifeltes Alter Ego auftritt. Duncan Shrieks
historische Abhandlung über Ambra scheint authentisch, doch im Glossar am Ende des Buches
erfahren wir, dass sie von einem Witz des Romanautors Sirin inspiriert wurde. Über die
Süßwasserkalmare, die den ambrischen Bürgern Nahrung liefern und die möglicherweise
mit den unheimlichen Grauhüten im Bunde stehen, lesen wir am meisten in einem Pamphlet,
das von der wissenschaftlichen Gesellschaft von Ambra abgelehnt wird und das in keiner
Weise den Regeln der Wissenschaftlichkeit folgt. Jakob Schmidt ALIEN CONTACT |
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