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ALIEN CONTACT

Das schönste Feuerwerk der Welt

Ein Interview mit Jeff VanderMeer, geführt von Peter Wild

Science Fiction > Alien Contact | Interview
Wenn Sie noch nie in Ambra oder den umliegenden Gegenden waren, dann ist jetzt wohl der richtige Zeitpunkt dafür. Jeff VanderMeer, Autor von Stadt der Heiligen & Verrückten, hat mich bei der Hand genommen und durch verwinkelte Straßen und schmale Gassen geführt ...
Peter Wild: Ich habe mich Stadt der Heiligen & Verrückten mit einer gewissen Beklommenheit genähert. Einerseits hat das wohl mit der Kurzgeschichte zu tun, die quer über das Cover läuft, andererseits mit der Vielzahl unterschiedlicher Schriftarten, die einem bereits bei einem kurzen Durchblättern auffallen. Und ein weiterer Grund waren sicher die biographischen Informationen deiner Wenigkeit, die man auf der hinteren Buchklappe finden kann. Beginnen wir bei Ihnen: Sie schreiben sich selbst in die komplexen Phantasiegespinste hinein, die in Stadt der Heiligen & Verrückten entwirrt werden, zur Zeit werden Sie »vermisst«, dein Buch wurde von Hoegbotton & Söhne »veröffentlicht« – den fiktiven (?) Verlegern, die in der Stadt Ambra aus Stadt der Heiligen & Verrückten ihren Handelssitz haben ... Was ist denn eigentlich wahr? Sind sie wirklich Jeff VanderMeer oder ist das ein Pseudonym? Haben Sie den Verlag Hoegbotton & Söhne selbst gegründet? Wie viele der Bücher, die in deiner Bibliographie aufgelistet sind, existieren wirklich? (Es tut mir Leid, wenn ich damit Löcher in deine Fabel piekse – aber das ist für mich nun mal ein Zugang zu dieser Welt!)

Jeff VanderMeer: Das sind alles berechtigte Fragen. Es kam mir darauf an, das Buch ohne ein konspiratives Augenzwinkern oder einen anderen Hinweis auf die Welt loszulassen – in anderen Worten: Mit Ausnahme der Danksagungen sollte das gesamte Buch ein Artefakt sein; das gesamte Buch, auch die Liste der Bücher am Anfang und die Fußnoten am Ende, sollten Teil der Geschichte sein. Ich wollte ein Buch, das von Geschichten durchdrungen und zerfressen ist. In erster Linie wollte ich das, weil ich das Geschichtenerzählen liebe. Allerdings wollte ich auch mit der Vorstellung spielen, was denn ein Buch ist, mit den ganzen Ornamenten wollte ich die eigentliche Fabel und somit das Herzstück des Buches stärken: dass es diese fremde Stadt namens Ambra möglicherweise wirklich gibt. Allerdings habe ich Penn & Teller[1] immer schon gemocht, wir können also gerne alle Fäden aufdröseln.
   Der »eigentliche« Verlag des Buches ist Prime Books in den USA sowie Pan Macmillan in Großbritannien und Klett-Cotta in Deutschland. Es ist wichtig, dass wir das betonen, denn sie waren verrückt genug, mir bei der Zusammenstellung eines Buches, das eine vierundzwanzigseitige fiktive Bibliographie zur Geschichte der Süßwasserkalmare enthält, keinen Werbetext auf dem Cover hat, eine chiffrierte Geschichte enthält, von sieben Künstlern und drei Designern gestaltet wurde, etc., freie Hand zu lassen. Auszuschließen ist es aber nicht, dass auch Hoegbotton & Söhne, Verleger in Ambra, die Hand im Spiel hatten, denn ich betreibe – um der Zwiebel noch eine weitere Schicht hinzuzufügen – nebenbei tatsächlich einen kleinen Privatverlag, der den Namen Hoegbotton & Söhne trägt. Dieser kleine Verlag soll sich Projekten widmen, die in größeren Verlagshäusern meiner Meinung nach auf kein Interesse stoßen würden, die ich aber persönlich für künstlerisch wertvoll halte ... Was die Authentizität des Autors betrifft – nun ja, leider bin ich tatsächlich Jeff VanderMeer. Ich wäre viel lieber jemand anderer – sagen wir Alice Sebold[2], unmittelbar nach ihrem Wahnsinnserfolg in den USA, aber noch vor den abfälligen britischen Besprechungen. Die biographischen Angaben, beispielsweise mein Studium der Pilzgewächskunde, sind vielleicht ein klein wenig irreführend. Was die Liste der übrigen Bücher betrifft – alles, was vor dem Titel Sie betreten jetzt Ambra steht, gibt es wirklich.

PW: Stadt der Heiligen & Verrückten zu lesen ist so, als sähe man das schönste Feuerwerk der Welt – Seite um Seite wirkt es wie eines dieser Spektakel, bei denen Feuerwerkskörper detonieren, aus denen sich immer kleinere Feuerwerkskörper lösen, während sie aus dem Nachthimmel stürzen. Wie viel Arbeit ist es, ein Werk von solch lyrischer Dichte wie Stadt der Heiligen & Verrücktenzu schaffen (sowohl hinsichtlich der übergeordneten Struktur – vier Novellen, die an ein und demselben mythischen Ort spielen und dazu eine enorme Vielfalt von Fußnoten – als auch hinsichtlich der einzelnen Sätze – hier denke ich, sagen wir einmal, an die üppige, fast schon wuchernde Stadt, die von Dradin in »Dradin, verliebt« beschrieben wird und an die gleichzeitig witzige und furchterregende Mischung aus Kauzigkeit und grausamen Bluttaten in »Hoegbottons Führer zur Frühgeschichte der Stadt Ambra«)?

JV: Die thematische und symbolische Klangvielfalt von Protagonisten und den Bildern, die diese Protagonisten stützen, entsteht im ersten, groben Entwurf – bevor ich allzu bewusst über den Text nachdenke. Dann folgen sechs bis fünfzehn Überarbeitungen, in denen ich nach und nach Elemente und Schichten hinzufüge. Ich kann es nur mit einer körperlichen Arbeit vergleichen: mit dem Kneten von Teig oder Ton. Ich tippe das Ganze in den Computer, drucke es aus, schreibe es noch einmal mit der Hand, tippe es ab, nehme es wieder handschriftlich auseinander, baue es dann wieder zusammen und füge dabei jedes Mal kleine Dinge hinzu, bis alle notwendige Elemente im richtigen Verhältnis vorhanden sind. Auf eine andere Art käme ich nicht mehr in die Geschichte hinein, weil ich sie dazu wieder so erleben muss, als würde ich sie zum ersten Mal schreiben. Dann folgt ein letztes Korrekturlesen.
   Zwischen der konkreten Arbeit am Text denke ich immer wieder über die unterschiedlichen Zusammenhänge nach – Zusammenhänge zwischen Geschichten, zwischen Figuren, etc. Auf dieser Ebene kommt alles, was ich gerade lese, in die Mischung – Historienschinken, Romane, was auch immer. Das alles ist Dünger für mich. Treibstoff. Jede Kleinigkeit kann in mir den Funken einer Idee entfachen oder mich auf eine Verbindung hinweisen und mir somit unglaublich nützlich sein. Zum Beispiel: Ich habe mir gerade erst einen Neudruck von The Wordsworth Guide to Edible Plants & Animals: An Omnivorous Feast of Unusual Meat and Vegetables[3] hergenommen, und wenn das kein Kompendium menschlicher Narretei und Eitelkeit ist, das als wissenschaftliches Werk daherkommt, dann weiß ich auch nicht. Ein Eintrag lautet: »Stinktiere ... Preiselbeeren wurden anfänglich nicht zu gebratenem Truthahn, sondern zu gebratenem Stinktier serviert. Im 18. Jahrhundert bezeichnete William Byrd das Fleisch des Iltis als überraschend süß. Zweifellos sprach er hier über das Stinktier.« – »Es heißt, dass die Zigeuner in Britannien den Igel (samt seinen Stacheln) mit Lehm überziehen und in einem Grubenfeuer backen. Wenn der Lehm brüchig wird, werden die Stacheln abgebrochen und entfernt. Man kann sie dann als Zahnstocher verwenden.« Eine Geschichte der Plünderung Roms erzählt, dass die Anführer der Visgoten Umhänge aus dem Pelz von Feldmäusen trugen; je mehr Feldmauspelze man verwendet hat, um so größer war das Prestige des Anführers. So etwas kann man einfach nicht erfinden – und das betrifft hier nur die Interaktion/Ausbeutung, die zwischen Mensch und Tier stattfindet. Wenn wir da noch Sozialgeschichte, Politik – die Venezianer gaben tatsächlich Portraits von erfundenen Dogen in Auftrag, um damit einen Zeitraum der französischen Besatzung zu vertuschen – und den ganzen Rest hinzunehmen ... Wenn ich in meinen Geschichten solche Details verwende, dann wirkt das alles sehr exotisch, aber doch realistisch. Unsere Welt ist so seltsam, so wandelbar und so vielfältig – manchmal wundere ich mich, dass wir noch Münchhauseniaden erfinden müssen.

PW: Um das aufzugreifen – da Stadt der Heiligen & Verrückten ein äußerst ambitioniertes und auch experimentelles Buch darstellt (Ambition und Experiment, was äußerst wichtig ist, immer im Rahmen einer mitreißenden Erzählung – oder eben einer Folge von Erzählungen ... einem Mahlstrom von Erzählungen ...einem... sehen Sie, wie schwierig es ist, das auf einen Punkt zu bringen?), frage ich mich, wie Sie zu der überstrapazierten Bezeichnung »experimentelle Schriftstellerei« stehen. Denken Sie, es schreckt manche Leute ab? Kümmert Sie das? Nachdem Sie diese schwindelerregenden Höhen erklommen haben, denken Sie daran, in die stillen Wasser einer – Sie Haben sie angesprochen – Alice Sebold abzutauchen?

JV: Ich habe nur ein Problem mit der Bezeichnung »experimentelle Schriftstellerei«. Und das besteht darin, dass viele Leute »experimentell« mit »humorlos« gleichsetzen. Wenn ich experimentelle Techniken und Herangehensweisen benutze, bemühe ich mich, wo immer dies möglich ist, eine Menge an Humor einfließen zu lassen. Ich würde zum Beispiel von keinem Leser erwarten, dass er oder sie sich in die mehr als einhundert Fußnoten in der »Frühgeschichte« oder die Bibliographie der Kalmarliteratur in »Der Königskalmar« vertieft, wenn darin kein solides satirisches oder humoristisches Element zu finden wäre. Das wäre einfach nicht fair. So etwas würde ich selbst nicht lesen wollen.
   Was die Dinge betrifft, von denen sich manche Leute abschrecken lassen: Ich muss eben eine Art von Buch schreiben, das ich selbst gerne lesen würde und dann hoffen, dass es anderen Leute ebenfalls gefällt. Das mag jetzt seltsam klingen, aber wenn ich über meine Leser nachdenke, darüber, was sie mögen und nicht mögen könnten, dann gefährde ich damit meine Fähigkeit, sie zu unterhalten. Auch nutze ich in den meisten Fällen die experimentellen Elemente dazu, die Marotten und Eigenheiten meiner Protagonisten zu unterstreichen, und ich manchen Fällen kann der Leser oder die Leserin das Experimentelle, obwohl es absolut essentiell ist, durchaus überlesen. Mit Stadt der Heiligen & Verrückten habe ich bei Fantreffen und bei Signierstunden in Buchgeschäften die wunderbare Erfahrung gemacht, Menschen dabei zu beobachten, wie sie mit meinem Buch interagieren und wie einzigartig diese Interaktion zu sein scheint. Anfänglich zögern sie, aber dann lesen sie etwas auf dem Cover oder den Klappen, und sie grinsen oder lachen, und in neunzig Prozent der Fälle kaufen sie das Buch, oder sie stellen wenigstens eine bedeutsame Verbindung dazu her. Natürlich soll es tiefgründig sein, aber auch witzig.
   In künftigen Arbeit ist wohl einiges an Zurückhaltung notwendig, da ich sonst, ganz ehrlich, gänzlich in meiner eigenen Welt verschwinden würde. Das Ende einer solchen Experimentierfreude ist literarischer (oder buchstäblicher) Wahnsinn. Experimente können andere, weniger aufdringliche Formen annehmen – beispielsweise die Kreuzung unterschiedlicher Genres. Mein nächstes Buch ist der SF-Roman Veniss Underground[4], eine Mischung aus Philip K. Dick, einer Oper (übersteigerte Gefühle, Melodrama) und griechischer Mythologie, bei dem Hieronymus Bosch die Kulissen entworfen hat. Danach kommt Shriek – Ein Nachsatz[5], ein weiteres Ambra-Buch, dieses Mal eine seltsame Familienchronik, erzählt in der ersten Person und mit experimentellen Elementen, die aber nicht im Vordergrund stehen werden. Mir kommt es vor allem darauf an, die richtige Struktur für die jeweilige Geschichte zu finden. Manche Geschichten erfordern keine außergewöhnliche Struktur, andere schon. Für »Der Königskalmar« wäre mit beispielsweise keine andere Form eingefallen, die Geschichte eines Mannes zu erzählen, der gleichzeitig versucht, etwas zu verstecken und es zu enthüllen. Etwas zu gestehen und es nicht zu gestehen.
   Aber wenn ich jemals ein Buch über ein ermordetes Mädchen schreibe, das vom Himmel hinabblickt, dann wird dem geschwind ein letzter Wille und ein Schritt vom Rand eines zehnstöckigen Gebäudes folgen. (Das alles ist Alice Sebold gegenüber sehr unfair, deren Bücher ich nie gelesen habe und die nur einen Vokal davon entfernt ist, einer meiner Lieblingsautoren zu sein.)

PW: Auch wenn sich Stadt der Heiligen & Verrückten sehr von allem unterscheidet, was ich bisher kannte (du hast Recht, es ist tatsächlich durchdrungen und zerfressen von Geschichten), hatte ich beim Lesen hin und wieder Déja-vu-Erlebnisse (angefangen mit Italo Calvinos Wenn ein Reisender in einer Winternacht, über Die hungrige Straße von Ben Okri, Don Quijote, Nächte im Zirkus von Angela Carter, Gormenghast von Mervyn Peake, die Geschichten aus 1001 Nacht, Infinite Jest von David Foster Wallace[6], House of Leaves von Mark Danielewski[7] ... und ich bin noch lange nicht fertig). Ich habe mich gefragt, mit welchen dieser Vergleiche Sie einverstanden wären (welche davon Sie als »Inspiration« mit an Bord nehmen würden) und ob Ihnen welche davon völlig missfallen.

JV: Auf dieser Liste stehen einige meiner Lieblingsbücher. Calvino, Cervantes, Carter und Peake hefte ich mir sofort als Ehrenmedaillen an die Brust. Den Namen Okri schreibe ich mir beschämt auf ein Stück Papier und stecke das ein – das Wenige, was ich von Die hungrige Strassegelesen habe, war großartig, aber ich hab es nie fertig gelesen. Wallace hefte ich mir an den Hintern, weil ich noch nicht ganz überzeugt bin, dass er wirklich so toll ist. Danielewski trag ich noch mit mir herum, weil er nicht unbedingt zu meinen Inspirationen zählt – sein Buch habe ich gelesen, lange nachdem ich den Großteil von Stadt der Heiligen & Verrückten geschrieben hatte. House of Leaves ist ein großartiges Buch. Ich würde der Liste auch gerne einige Namen der Liste hinzufügen: Alasdair Gray, Edward Whittemore, Rikki Ducornet und Jorge Luis Borges. Unter ihnen ist Whittemore der Unbekannteste, aber vielleicht der Beste. Glücklicherweise sind seine Bücher neu aufgelegt worden[8] – es war geradezu ein Verbrechen, ihn nicht zu drucken. Dass ein so talentierter Schriftsteller – der selbst Thomas Pynchon gewachsen ist – mehr als fünfzehn Jahre vergriffen war, ist eigentlich undenkbar. Auch das, was Steve Aylett schreibt, finde ich sehr gut – er und dann noch Richard Calder.

PW: Gestern Abend habe ich »Die Verwandlung des Martin See« noch einmal gelesen – so eine Art Porträt des Künstlers als junger Mann, wie es Hieronymus Bosch gemalt hätte – oder Stanley Kubrick verfilmt (als Eyes Razorwired Shutvielleicht?) – oder Edgar Allan Poe nach einer besonders langen durchsoffenen Nacht geschrieben hätte -, und mir ist besonders die Gegenüberstellung von Fiktion und Tatsachen aufgefallen, ähnliche wie bei dem Historiker in »Hoegbotton Führer zur Frühgeschichte« – die Geschichte von Martin See verläuft parallel mit der kritischen Würdigung seines Werkes ... und letztere liegt so gut wie immer falsch. Herr VanderMeer – haben Sie mit gichtfingrigen Akademikern ein Hühnchen zu rupfen?

JV: Ich habe nicht so sehr etwas gegen Akademiker wie gegen Dummköpfe (meine eigenen Dummheiten eingeschlossen). Einen Großteil der kritischen Auseinandersetzung mit Literatur, die sich über das Leben des Autors Zugang zu seinem Werk verschaffen möchte, finde ich unseriös und gefährlich, da hier tatsächliche Erfahrungen so vollständig in den Dienst der Fiktion gestellt werden, dass selbst eine akkurate Analyse Gefahren birgt. Mit der akademischen Bewertung in »Verwandlung« will ich aber auch herausstreichen, dass eine solche Bewertung, selbst wenn sie hoffnungslos an der Sache vorbeigeht, von einer gewissen Schönheit sein kann. Außerdem, je exzentrischer diese Bewertung ist, umso ähnlicher wird sie selbst einer Fiktion. Und seltsamerweise wird Ambra dadurch, dass die Bewertung falsch ist, nur noch realer.

PW: Das würde ich gerne noch etwas vertiefen. Ihre Geschichten zeichnen sich durch einen ständigen Wechsel des Blickwinkels aus (Akademiker, Erzähler; Verhörender, Verhörter; Geschichte, Historiker), und das trifft auch auf die Bücher zu, auf die Ihre Texte verweisen (in einem Moment ist es Kafka, im nächsten Aylett, einen Augenblick später Cervantes, dann wieder Ishiguro – insbesondere Die Ungetrösteten) – Sie sind sowohl Zeitgenosse als auch Historiker. Sind Sie ein Anhänger des kanonischen Gesetzes von T.S. Eliot (dass alles, was wahrhaft neu ist, seinen Hut vor den vergangenen Meistern ziehen muss und sich aus der Vergangenheit nimmt, was es brauchen kann und es dann den Bedürfnissen der Gegenwart und der Zukunft gemäß formt)? Oder sind Sie einfach jemand, der gerne den Blickwinkel wechselt???

JV: Um diese Frage zu beantworten, möchte ich etwas weiter ausholen, möglicherweise sogar die Frage davor noch einmal beantworten ... Im Hintergrund all meiner Geschichten steht die Subjektivität der Welt. Die Geschichte an sich ist subjektiv – alles außer Namen, Daten und anderen grundlegenden Elementen wird aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet und vorsortiert, jedem Bericht liegt ein bestimmter Standpunkt zugrunde, und damit ist er subjektiv. Daraus entstehen fiktive Texte, die wir als Sachtexte behandeln. Das ist jetzt nicht sonderlich neu, aber dieses Wissen auf eigentliche Erzähltexte anzuwenden – das könnte sehr wohl etwas Neues sein ... ich glaube, in der Welt herrscht eine Art natürliche Spannung, die von dieser Vielzahl unterschiedlicher Standpunkte verursacht wird, von denen aus jeder angeblich objektive Vorfall betrachtet werden kann. Wenn ich den Blickwinkel wechsle, dann deswegen, weil man, um in fiktiven Texten zu irgendeiner Form von »Wahrheit« zu gelangen, jede allein gültige Wahrheit scheuen muss. Um »Realität« und »Phantasie« miteinander zu verschmelzen, muss man mehrere Spezialisten nach ihrer Meinung fragen und sie dann aufeinander loslassen.
   Das ist eine Antwort. Aber es gibt eine andere Antwort, die etwas mehr mit den Einflüssen zu tun hat, denen ich ausgesetzt war und bin. Ich lese alles Mögliche und eigne mir dabei Informationen und Techniken von überallher an. Im Leben eines jeden Schriftstellers stellt sich eine gewisse Trägheit ein, und dann kopiert man sich entweder selbst oder hört ganz auf zu schreiben. Um in Bewegung zu bleiben, muss man lernen, sich selbst der Herausforderung zu stellen, genau das zu tun, was man noch nie getan hat. Aber diese Erfahrung kommt der Auffrischung alter Schreibtechniken näher als dem Experimentieren. Wenn ich mir von einem mimetischen Schriftsteller[9] eine experimentelle Technik abschaue und diese dann selbst verwende, dann gestalte ich diese Technik um. Der neue Kontext bringt eine Veränderung hervor, die ein neues Experiment oder eine Erneuerung des Experimentes darstellt. Viele der experimentellen Techniken aus Stadt der Heiligen & Verrücktensind nicht neu, aber keine davon hat im Kontext eines phantastischen[10], eines nicht-realistischen Werkes Anwendung gefunden. Durch diese wechselseitige Befruchtung entsteht etwas Neues. In dieser Hinsicht hat Eliot Recht – ein Schriftsteller kann nichts schaffen, das sich nicht auf frühere Werken bezieht, außer er wird in eine Glaskuppel gesperrt und ihm wird von Geburt an verboten, ein Buch zur Hand zu nehmen; eine lächerliche und unsinnige Vorstellung. Allerdings möchte ich nicht, dass man glaubt, ich würde ständig nur auf andere Autoren reagieren – das mache ich nicht. Jede Geschichte, jeder Roman hat seine Grundlage zuallererst im Leben der Protagonisten und in dem, was ich aus meinem eigenen Leben einfließen lasse.
   Bei der Beantwortung dieser Frage muss ich an Nabokov denken, der es in einem einzigen Satz fertig bringen konnte, den Leser aus der Gegenwart weit in die Vergangenheit zu transportieren, nur um dann einen Haken in die Zukunft zu schlagen und, wenn der Satz schließlich endete, war man wieder am Ausgangspunkt angekommen – aber doch, als Leser, in gewisser Hinsicht verwandelt.

PW: In »Der seltsame Fall von X« tauchen Sie scheinbar selbst als Protagonist auf (X ist der Autor des unglaublich erfolgreichen Buches Stadt der Heiligen & Verrückten, aber dieser Erfolg wurde dem Autor, mehr als alles andere, zu einer enormen Bürde). Dergleichen wird auch von anderen praktiziert (Philip Roth taucht relativ oft als er selbst – und bizarrer Weise als ein anderer Philip Roths – in seinen Bücher auf, ebenso wie Paul Auster), aber Sie gehen, wie überall in Stadt der Heiligen & Verrückten, mehr als einen Schritt weiter (der Schriftsteller X ist wahnsinnig geworden, und Ambra – die Stadt, die er erschaffen hat – erscheint ihm zum Beispiel beim Duschen). Ich habe mich gefragt, was Sie davon halten, wenn andere Autoren auf den Seiten ihrer Bücher auftauchen. Und: Hat Ambra Sie jemals bis an den Rand der Verzweiflung getrieben?

JV: Ich finde, Paul Auster hat das in der New York Trilogiehervorragend gemacht – wirklich aufwühlend, und es hat einfach perfekt gepasst. Wenn Roth so etwas macht, dann stört mich das aus unerfindlichen Gründen. Manchmal wirkt es schluderig oder unbeholfen. Nabokov platziert sich selbst des Öfteren in seine eigenen Kurzgeschichten. Manchmal passt es, manchmal nicht. Nabokov macht das für gewöhnlich nicht, um besonders raffiniert zu ein –darin ist immer eine Aussage über die Wirklichkeit oder über das Verhältnis zwischen Autor und Leser verborgen, mit der er sich auseinandersetzt.
   Um ehrlich zu sein, diese Art von Metafiktion[11] in meinen Ambra-Geschichten hat einen etwas seltsamen Ursprung. Etwa drei Jahre lang habe ich über nichts als über Ambra geschrieben, und plötzlich hatte ich selbst das Gefühl, ein Teil der Stadt geworden zu sein – ich dachte die ganze Zeit darüber nach, ganz so wie der Protagonist in »Der seltsame Fall.« Zuvor wurde ich von einem wiederkehrenden Traum heimgesucht, in dem eine düstere Gestalt meine Hand mit einem Messer aufschneidet, und sobald ich diesen Traum in einer Geschichte verpackt hatte (»Die Verwandlung des Martin See«), verschwand er – was ganz gut war: Nacht um Nacht schreiend aufzuwachen war nicht unbedingt sehr lustig. Als Ambra sich also in meinem Kopf sozusagen häuslich eingerichtet hatte, schrieb ich die Geschichte »Der seltsame Fall von X«. Ich habe sie für mich selbst geschrieben. Ich hab nicht damit gerechnet, dass ich sie veröffentlichen würde. Ich war mir nicht einmal sicher, ob sie wirklich als eine Geschichte durchgehen würde. Aber dann ist etwas Seltsames passiert (und das ist wahrscheinlich der Grundtenor meines Lebens). Ich habe sie Freunden zum Lesen gegeben, und sie haben mich angerufen und gefragt, ob es mir auch gut gehe. Sie haben mir erzählt, dass ihre Welt ein wenig aus den Fugen geraten ist, während sie die Geschichte gelesen haben. Nachdem die Geschichte eine so starke Reaktion hervorgerufen hatte, beschloss ich, sie versuchsweise an eine Zeitschrift zu schicken. Die Zeitschrift hat die Geschichte gekauft und ich habe mich entschlossen, sie in das Buch aufzunehmen. Danach flogen mir, ungebetener Weise, die anderen metafiktiven Ideen zu, die in Stadt der Heiligen & Verrückten Einzug gehalten haben.
   Bei gewissen Elementen der Metafiktion bin ich jedoch vorsichtig, beispielsweise bei der Idee, den Autor zum Protagonisten zu machen. Ich denke, so etwas kann für den Autor zur Falle werden. Anfangs ist es vielleicht noch ein Experiment und dem Kontext angemessen, aber das kann es bald zu einer automatischen Reaktion auf jedes Problem werden. Aus diesem Grund gibt es in meinen nächsten Bücher keinerlei metafiktionale Elemente. Eine ähnliche Gefahr stellt für mich dieser quasi-viktorianische Stil dar. Obwohl ich über Ambra als Schauplatz noch viel mehr zu sagen habe, werde ich die Art und Weise ändern, wie ich es sage. Teilweise musste ich Ambra dazu grundlegend neu erfinden – sie aus ihrer gegenwärtigen Insel im Zeitenlauf herausreißen und um Hunderte von Jahren in die »Zukunft« der neuen Geschichten versetzen. In eine Zeit, in der der Mott-Fluss im Norden ausgetrocknet, ein Großteil der umliegenden Gegend zur Wüste geworden ist und die Stadt von ihren unterirdischen Bewohnern übernommen wurde. Diese Geschichten verlangen nach einem flüssigen, einem kraftvollen Stil. Das Unterholz an barock-viktorianischen Einzelheiten wird zum Großteil beseitigt werden. Das wird mir erlauben, andere Themen zu behandeln und mich den Protagonisten anders zu nähern.

PW: Die besten und spannendsten Horror-Geschichten sind jene, in denen der Schrecken nur angedeutet wird, ohne ihn jemals offen zu zeigen (eine Technik, die von Ihnen in Stadt der Heiligen & Verrücktenimmer wieder außerordentlich wirkungsvoll angewandt wird). Deswegen habe ich über etwas nachgedacht ... Sie sagen, in den nächsten Geschichten holen sich die ursprünglichen Einwohner das zurück, was ihnen rechtmäßig zusteht. Werden wir mehr über die Vermissten erfahren? Oder achten Sie genau darauf, welche Karten Sie ausspielen und welche Sie für die Zukunft zurückhalten?

JV: Ich hatte immer eine sehr genaue Vorstellung von dem, was die ursprünglichen Einwohner von Ambra planen. Wenn man die unterschiedlichen Blickwinkel in Stadt der Heiligen & Verrücktenin Betracht zieht, hätte ich mir mit einer vollständigen Enthüllung selbst ins Bein geschossen – außerdem, wie Sie richtig bemerkt haben, ist andeuten effektiver als offen zeigen. In Shriek: Ein Nachsatz wird man die Meinung einer aus eigener Erfahrung berichtenden Figur hören, was tatsächlich mit all den Vermissten geschehen ist. Und ich glaube, dass er mit dem, was er sagt, Recht hat. Aber die »Stille«[12] ist nur ein Geheimnis, und wenn man in Ambra ein Geheimnis aufdeckt, folgt daraus üblicherweise unmittelbar das nächste. Sollte ich die Grauhüte, die Ureinwohner, »outen«, ihr Geheimnis aufdecken, dann riskiere ich, damit die geheimnisvolle Atmosphäre zu zerstören, die sie umgibt. Andererseits, wenn ich es tue, kann ich mich vielleicht weit interessanteren Fragen widmen.
   Ich bin froh, dass Sie die Horrorelemente ansprechen – für gewöhnlich werden diese Elemente in den Rezensionen meines eigenen Buches und in denen von Mark Danielewskis House of Leaves als ästhetisch uninteressant abgetan. Unglücklicherweise gibt es eine ganze Menge an miserabler Horrorliteratur, und so ist es für die Kritiker unschicklich geworden, über die wirklich guten Horrorbücher zu sprechen. Betrachtet man das Weltgeschehen im letzten Jahrhundert, dann scheint mir guter und durchdachter Horror in den Büchern nicht als Melodrama, sondern als ernsthafte Reflektion der Zustände in vielen Ländern. Meinen eigenen Texten kommt es sehr zugute, dass sie gleichzeitig als Teil des postmodernen Mainstream und des so genannten »Genres« betrachtet werden kann.

PW: Zu den besten Teilen von Stadt der Heiligen & Verrücktenzählen wohl die unglaublich umfangreiche Bibliographie (ich kann mich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal eine Bibliographie so gründlich gelesen habe, und zum ersten Mal habe ich so etwas zum Vergnügen gelesen und dabei noch lauthals gelacht), das Glossar und die verschlüsselte Geschichte. Wie viel Arbeit war für diese Teile des Buches notwendig? Gab es da Reaktionen von Lesern?

JV: So viel Spaß wie mit der Bibliographie habe ich seit Jahren nicht gehabt. Ich schreibe einen monatlichen E-Mail-Newsletter, in dem die Abonnenten Informationen über meine Bücher finden können und dazu noch Besprechungen anderer Bücher, Filme und CDs. Während ich also an der Bibliographie gearbeitet habe, habe ich meine Leser gebeten, sich Titel dafür einfallen zu lassen und sie mir zu schicken. Viele davon haben im gedruckten Text ihren Platz gefunden – der Spaß und die Zusammenarbeit waren mir dabei sehr wichtig. Ich habe mich durch Werke alter Naturforscher gekämpft – eigentlich durch alles, was eine Bibliographie hatte – und Einträge für mich umgearbeitet. Und dann habe ich natürlich auch meine ursprünglichen Notizen hinzugefügt. Zu meinen Lieblingen zählen, wie ich vielleicht schon erwähnt habe, die Einträge über die Folterkalmare.
   Auch das Glossar zu schreiben war sehr witzig. Es gab da wirklich viel zu viele kleine Geschichten, die sich aus meinen Haupterzählsträngen entwickelten. Das Glossar hat es mir ermöglicht, diese kleinen Geschichten mit hineinzunehmen, ohne die drei Hauptgeschichten in ihrer Struktur zu gefährden. Die Leser erfahren so auch mehr über die Nebenfiguren aus den »großen« Geschichten. Darüber hinaus habe ich einige interessante Information im Glossar versteckt. Wenn man sich den Text und die Illustrationen sorgfältig ansieht und sie mit der Rahmengeschichte im Annex vergleicht, kann man auf die ein oder andere Enthüllung stoßen.
   Die verschlüsselte Geschichte hingegen, die war die reine Hölle. Nachdem ich die Geschichte endlich »fertig« hatte, musste ich sie natürlich noch verschlüsselte (und dazu Worte aus den ersten vier Novellen des Buches aussuchen). Da habe ich dann natürlich die Geschichte umschreiben müssen, weil manche der gesuchten Wörter nicht in den Abschnitten vorkamen, auf die ich in der Verschlüsselung verweisen wollte. Es hat wohl länger als einhundertfünfzig Stunden gedauert, die gesamte Geschichte zu verschlüsseln[13], plus noch einmal zwanzig, dreiundzwanzig Stunden für meine schwer geprüfte Frau, die das Ganze für mich Korrektur gelesen hat. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich für einige Stunden vollkommen vergessen, warum ich diese Sache eigentlich machte, doch glücklicherweise ist es mir rechtzeitig wieder eingefallen und ich habe zur Belustigung der Leser noch einige Hinweise auf den Buchrücken drucken lassen und eine Erklärung zur Dechiffrierung geschrieben, in der ich sie sozusagen dafür schelte, dass sie überhaupt eine Dechiffrierung benötigen.
   Die Reaktionen auf das Glossar waren durchgehend positiv. Meine Leser scheinen ein erfundenes Glossar problemlos akzeptieren zu können. Die Reaktionen auf die Bibliographie waren eher gemischter – denjenigen, die sie gelesen haben, hat sie sehr gefallen, aber viele wollten sie einfach nicht lesen – ebenso wenig wie sie eine echte Bibliographie lesen würden. Diese Reaktion finde ich höchst amüsant. Zu einem Leser habe ich gesagt: »Warum hast du sie nicht gelesen? Die ganze Handlung wird in der Bibliographie aufgelöst.« – »Das ist eine Bibliographie, Jeff. Sie hat nicht wichtig ausgesehen.«
   Die Reaktionen auf die chiffrierte Geschichte reichten von spielerisch-spöttischen Antworten bis hin zu gespieltem Entsetzen. Im Locus Magazin hat man geschrieben, ich sei ein »verfluchter Sadist«. Jeff Topham, Rezensent der RevolutionSF-Website, hat seine Kritik so geschrieben, als blicke er aus der Zukunft zurück auf Stadt der Heiligen & Verrückten: »Das Bedeutsamste an Stadt der Heiligen & Verrückten war selbstverständlich die berüchtigte chiffrierte Geschichte, ›Der Mann, der keine Augen hatte‹. Jene Leser, die sich darüber erzürnten, dass man ihnen die mühsame (und äußerst langwierige) Aufgabe der Dechiffrierung auferlegte, können Trost finden in dem Gedanken, dass VanderMeer bei der Verschlüsselung selbst wohl zehnmal so viel gelitten hat. Erstaunlicherweise hat es recht lange gedauert, bis man den Schlüssel zur Dechiffrierung auch auf den Texten anderer Schriftsteller anwandte. Die Resultate waren oft verblüffend. Die Geschichte, die man damit aus Lawrence Sternes Buch Tristram Shandy herauschiffriert hat, gewann beispielsweise den diesjährigen Nobelpreis für Literatur. Als man den Schlüssel an 120 Tage von Sodom, dem erotisch-dekadenten Meisterwerk aus der Feder des Marquis de Sade, anwandte, baute man aus den resultierenden Plänen in weniger als einem Jahr einen voll funktionsfähigen Kaltfusionsreaktor.«
   Aber die wirklich kreativste Reaktion darauf stammt von dem Musiker Robert Devereux, der die verschlüsselte Geschichte musikalisch dechiffriert hat. Er selbst sagte dazu: »Ich dachte mir, da Musik ausgesprochen numerisch ist, insbesondere bei Musikprogrammen für den Computer ist es vielleicht möglich, den Code direkt in Musik umzusetzen. Dabei ist meine Idee, dass ich »13:1:5:3« hernehme und es so übersetze: Länge = 13 Ticks im MIDI sequencer; Geschwindigkeit (wie fest man die Taste anschlägt) = 10 (10*1, damit man genügend Variationsmöglichkeiten hat); Oktave = 5; Note = D (C=1, C#=2, D=3 etc.).« Bald wird es eine Ambra CD geben, die man zusammen mit dem Buch erhalten kann.[14]

»The Best Fireworks Display You’ve Ever Seen«
Erstveröffentlichung auf der Bookmunch Website am 9. März 2002
© 2002 und 2005 by Peter Wild
Mit freundlicher Genehmigung des Autors, vermittelt durch Jeff VanderMeer
Die Übersetzung folgt der Buchausgabe in

Why Should I Cut Your Throat? von Jeff VanderMeer
(Austin: MonkeyBrain Books, 2005)
Deutsch von Sebastian Buchner
© der Übersetzung 2005 by Sebastian Buchner & Shayol Verlag

Verwendung der Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Klett-Cotta


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Anmerkungen

1   Magier, die in ihrer Fernsehshow in den USA verraten, wie ihre Zauberkunststücke vollbracht werden. (Alle Fußnoten stammen vom Übersetzer oder von der Redaktion.)
2   äußerst erfolgreiche Schriftstellerin, vor allem mit einem Buch über ein Mädchen, das nach seinem gewaltsamen Tod vom Himmel herab das Treiben der Menschen auf der Erde verfolgt.
3   dt. in etwa: »Der Wordsworth-Führer zu essbaren Pflanzen & Tieren: ein Festessen, bei dem es alle nur denkbaren ungewöhnlichen Fleischsorten und Gemüsearten gibt«
4   dt. Ausgabe bei Piper in Vorbereitung
5   dt. Ausgabe bei Klett-Cotta in Vorbereitung
6   dt. Ausgabe bei Kiepenheuer & Witsch in Vorbereitung
7   dt. Ausgabe bei Klett-Cotta in Vorbereitung
8   fünf Romane, in schönen großformatigen Paperbackausgaben bei Old Earth Books; die vier »Jerusalem«-Romane Whittemores sind auch ins Deutsche übersetzt worden, aber nur antiquarisch erhältlich.
9   Die »Mimesis« ist die Kunst der Nachahmung (der Wirklichkeit) und ein zentraler Streitpunkt in der Auseinandersetzung zwischen »realistischen« und »phantastischen« Schriftstellern.
10   Jeff VanderMeer verwendet hier den Begriff »fabulist work«, der im augenblicklichen Diskurs um Neuerungen in der phantastischen Literatur – an dem Autoren wie M. John Harrison und China Miéville beteiligt sind – für eine Spielart der Phantastik abseits der ausgetretenen Pfade steht.
11   »[...] literarische Texte, die die Illusion des Textes durchbrechen und den fiktiven Charakter des ästhetischen Konstrukts spielerisch thematisieren.« Der Literatur-Brockhaus (21995), Band 5, S. 344.
12   Ein Ereignis in der Geschichte der Stadt Ambra, das für die Bewohner von traumatischer Tragweite ist.
13   Für die deutsche Ausgabe wurde nur eine Seite der Geschichte verschlüsselt – Autor wie Übersetzer waren sich einig, dass die hier beschriebene Tortour keiner Wiederholung bedurfte.
14   Inzwischen ist sie erschienen; auf der Internetseite von Jeff VanderMeer (www.jeffvandermeer.com) ist sie genauer beschrieben, und dort kann sie auch bestellt werden.

Alle Rechte vorbehalten. Dieser Text ist, wie alle Texte und Bilder in epilog.de, durch das Urheberrecht geschützt. Die unautorisierte Reproduktion, auch in Online- und Offlinemedien, ist verboten und wird straf- und zivilrechtlich verfolgt.
Siehe auch
VanderMeers Geheimnisse: Eine Einführung
Was Sie über Stadt der Heiligen & Verrückten schon immer einmal nicht wissen wollten ... • Teil 1
Was Sie über Stadt der Heiligen & Verrückten schon immer einmal nicht wissen wollten ... • Teil 2
Das schönste Feuerwerk der Welt - Ein Interview mit Jeff VanderMeer
Jeff VanderMeer, »Exponat H« [Story]
Jeff VanderMeer, »Die Geschichte vom Knochenschnitzer« [Story]
Jeff Vandermeer: Stadt der Heiligen & Verrückten [Rezension]
Homepage von Jeff VanderMeer
Infos zu Stadt der Heiligen & Verrückten bei Klett-Cotta
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21.05.06 • 02.09.10