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Jules Verne im
Ungarischen Lloyd 1867-1876
| Science Fiction > Alien Contact | Bärzin |
| Nachfolgend ein
Feuilleton-Artikel über Jules
Verne und sein Werk aus dem »Ungarischen Lloyd«. Er dürfte wohl zu den frühesten
Dokumenten der Verne-Sekundärliteratur in deutscher Sprache zählen. Der Artikel aus dem Jahre 1873 zeichnet ein Portrait der Person und des Autors Verne aus den wenigen Informationen, die man über ihn hatte, angereichert mit einer Handvoll Anekdoten. Als Quelle diente dem Verfasser mit dem Kürzel »-tsch«, vermutlich ein Lloyd-Redakteur mit dem Namen »Deutsch« (?), ein Artikel von Adrien Marx der im Pariser Figaro erschienen war. |
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Ungarischer
Lloyd, Abendblatt, Nr. 49. Budapest, Freitag, 28. Februar 1873, Titelseite und
folgende:Jules Verne-tsch. Eines Tages wird in den Blättern zu lesen sein: * * * J u l e s V e r n e ist gegenwärtig vierzig und einige Jahre alt. Er ist - schreibt Adrien M a r x im Pariser »Figaro«, dem wir diese geistreiche Skizze entnehmen - er ist ein guter Junge, liebenswürdig im Umgange und gegenüber Unbekannten von einer beinahe weiblichen Schüchternheit. Eine gewisse Reserve bewahrt er selbst seinen Freunden gegenüber; aber immer ist er bescheiden und man sieht, daß er der Einzige ist, der nicht weiß, daß er ein enormes Talent besitzt. Früher trug er das Gesicht glattrasiert und glich dem Bilde Lord Byron's; jetzt trägt er einen Vollbart und erinnert an den Demosthenes in der Galerie der Antiken. * * * Wunderbar begabt und von einer encyklopädischen Bildung wird er bei
seinen Arbeiten von einem merkwürdigen Gedächtniß unterstützt. Eines Tages war er in
Gesellschaft eines Römers und die Rede kam auf Rom. Der Italiener, der in der Nähe des
Capitols geboren wurde und dort wohnte, bewunderte den Redefluß und die pittoreske
Sprache seines Tischgenossen, der ihm der Reihe nach alle Monumente und die
geringfügigsten Ruinen der ewigen Stadt beschrieb! Verne fragte dann nach einem alten
Bettler, der gewöhnlich an der Ecke der Via sacra, gegenüber dem Laden eines
Pastetenbäckers, postirt war. * * * Verne hat eine große Abneigung gegen den Süden: »der Norden zieht mich an«, sagt er. Ah, sprechet mir von dem Eismeer, aber geht nur mit euerem Mittelmeere. Das ist ein schläfriger, zornloser See; er mag schäumen wie er will, ich halte ihn darum doch für kein Meer. Wenn ich an seinem Ufer stehe, so dünkt es mir, als könnte ich, wenn ich mich auf die Fußspitzen stelle, die andere Küste erblicken und wenn ich in Marseille niese, glaube ich in Afrika ein spöttisches »Helf Gott« zu vernehmen. * * * Er war der Reihe nach Advokat, dramatischer Schriftsteller, Sekretär
des Théâtre-Lyrique und der komischen Oper, dann Börsianer, als der glänzende Erfolg
seines »Fünf Wochen im Luftballon« seine Laufbahn entschied. Als Librettist der Bouffes
schrieb er unter dem Namen »M. de Chimpansé« eine Operette und zu dieser Zeit war er
auch Theilnehmer an dem Diner der »onze cent femmes«. * * * Wenn sich Verne in vertrautem Kreise befindet, gibt es keinen
interessanteren Erzähler. Sein Wort hat den selben Reiz wie seine Feder. Bevor er ein
Buch schreibt, lebt er mit seinen Helden. (»Die nur Franzosen sind,« sagt Marx, was aber
unrichtig ist, da der prächtige Michel A r d a n z.B. in
der »Reise um den Mond« ein Gascegner ist, - d. Red.) und indem er sich selbst zum
Helden macht, glaubt er endlich, daß seine Romane ihm selbst passirt sind. Er steht nicht
an, zu bemerken: »Wenn Sie wüßten, wie ich mich auf meiner Reise zum Mittelpunkte der
Erde unterhalten habe ...« |
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