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| Er hat einige der
erinnerungswürdigsten Figuren der Filmgeschichte geschaffen: den fiesen Alien-Jäger in Predator, den
»Terminator«, Danny DeVitos »Pinguin«-Look in Batman und Edwards
Scherenhände. Doch erst, nachdem er eine längst ausgestorbene Spezies zum Leben
erweckte, kennt man den Namen Stan
Winston nicht nur in Cineasten-Kreisen. Vier Oscars, neun Oscar-Nominierungen und
unzählige andere Auszeichnungen errang der »character designer« - so Winstons eigene
Berufsbezeichnung - im Laufe seiner Karriere. Und wenn das nächste Mal die begehrten
goldenen Statuetten vergeben werden, führt der Magier der Spezialeffekte mit seinen
Schöpfungen für Jurassic Park
III und A.
I. sicher wieder die Liste an. Kürzlich war der F/X-Mann in Hamburg, um seine neuesten Kreaturen vorzustellen. »Der ist echt«, sagt er, als sein Blick auf das Dino-Titelbild eines Kinomagazins fällt. »Das kann man an den Halsfalten sehen.« Kleiner Realitätsverlust, Mister Winston? Weit gefehlt. »Echt« bedeutet in diesem Fall: nicht aus dem Computer. Winston, der ursprünglich Schauspieler werden wollte - er studierte Drama und Kunst an der Universität von Virginia - entdeckte durch einen Job bei den Disney-Studios, wie faszinierend das Erschaffen künstlicher Filmfiguren sein kann. Mit der Gründung des Stan Winston Studios in Los Angeles wurde er 1983 sein eigener Chef und umgab sich mit einer Schar begabter Künstler, Ingenieure, Techniker und Handwerker, um mittels Animatronics quasi High-Tech-Puppen zu bauen und Charaktere mit Make-up-Effekten zu entwickeln. Doch er erkannte schon bald, welche Bedeutung digitale Effekte bekommen sollten, und gründete Ende der achtziger Jahre zusammen mit Regisseur James Cameron und Scott Ross (vormals ILM) die Digital-Effect-Company Digital Domain. »Computer-Grafik und Animatronics gehen Hand in Hand. Je realistischer CGI (Computer Generated Images) wird, um so realistischer werden auch die Animatronics und Robotics«, erklärt Winston. Die Technologien haben sich parallel entwickelt. »Die Robotics in Aliens und den Jurassic-Park-Filmen sind die organischsten Roboter, die jemals geschaffen wurden. Sie haben die größte Bewegungspanne, die größte Möglichkeit zu schauspielern, und sie wirken durch CGI sogar noch realistischer.« Und er fügt hinzu: »Mit Animatronics haben die Schauspieler die Möglichkeit, mit etwas Greifbarem in Interaktion zu treten. Sobald Schauspieler ins Nichts spielen, verschlechtert sich ihre Arbeit.« Den Beweis für diese Aussage tritt Winston mit seiner Schöpfung des fünfzehn Meter langen und drei Tonnen schweren Spinosaurus an, der die Schauspieler in Angst und Schrecken versetzt, wenn er mit seinen durch Hydraulik bewegten 1000 PS starken Massen ein Flugzeug zerlegt. »Jedesmal, wenn wir einen Film machen, legen wir die Latte höher und versuchen etwas zu machen, was wir vorher noch nicht gemacht haben. Damit riskiert man auch zu scheitern, doch das ist die Herausforderung bei jedem neuen Projekt.« Das Ergebnis beeindruckt nicht nur die Kinozuschauer: »Jurassic Park III übertrifft alles. Ich bin verblüfft, was die Dinosaurier in diesem Film alles können.« Und so wundert es auch nicht, daß Worte wie »echtes Tier« fallen, wenn Winston eine Szene beschreibt: »Als der Spinosaurus im Wasser war - das war ein echtes Tier, das das Wasser bewegte. Neunzig Prozent dieser Szenen entstanden mit einem realen Tier. Nur die Einstellung aus der Entfernung wurde im Computer gemacht.« Als Zuschauer wüßte man nie, ob das, was man gerade sieht, CGI oder real oder eine Mischung aus beidem ist. Wenn Stan Winston von seinen Kreaturen redet, benutzt er nicht Worte wie »bauen«, sondern spricht von »Schöpfung«. Was für ein Verhältnis hat er zu seiner Arbeit? »Ich fühle mich wie ein Schöpfer. Das unterscheidet doch die Menschen von den Tieren. Ich fühle mich nicht zu den Charakteren hingezogen, aber zum Ergebnis meiner Arbeit. Die Arbeit, die wir machen, ist schon ziemlich cool.« Was ist denn nun die größere Herausforderung - Monster oder möglichst reale Kreaturen zu schaffen? »Man hat natürlich viel mehr kreative Freiheit, wenn man einen Charakter kreiert, der völlig der eigenen Vorstellung entspringt und dennoch in der Realität verwurzelt ist. Das macht am meisten Spaß.« Kreaturen zu schaffen, die ein Abbild eines lebenden Wesens sein sollen - einen Menschen zu replizieren oder einen Gorilla - sei dagegen extrem schwierig. »Man muß haargenau richtig liegen, sonst liegt man völlig verkehrt. Was die Dinosaurier anbelangt, kreieren wir Leben, das aus paläontologischer Sicht richtig sein soll.« Und mit einem Zwinkern meint er: »Zum Glück stehen keine Dinosaurier daneben und beurteilen unsere Arbeit.« Doch die bislang schwierigste Aufgabe hatte das Stan Winston Studio für Steven Spielbergs neuesten Science-Fiction-Film A. I. zu lösen. Hierfür mußte eine Welt voller verschiedenartigster Roboter erschaffen werden, die man so noch nie zuvor gesehen hatte. »Die Spannbreite ging von Robotern, die sehr menschlich aussahen, bis zu sehr roboterhaft«, erzählt Winston und meint weiter: »Ich habe einen Ruf wenn es um denkwürdige Roboter wie den Terminator geht. Doch in der Zusammenarbeit mit Spielberg heißt es dann nur, wir können nichts gebrauchen, was dem Terminator ähnlich sieht. Du mußt alles, was du bisher getan hast, zur Seite schieben und mit etwas völlig Neuem kommen.« Und so benutzten Winston und seine Mitarbeiter sämtliche Techniken, die ihnen zur Verfügung standen und kombinierten Make-up-Effekte mit Computeranimation und Animatronics. Winston abschließend: »Wir schufen mit Teddy einen Roboter, der weiter entwickelt ist als alle Roboter, die wir jemals erschufen.« Winston, der schon als Kind ein Fan von Monster- und SF-Filmen war, arbeitete mit den namhaftesten Regisseuren dieses Genres zusammen. Und so sagt er auch: »Mein Erfolg basiert völlig auf der Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Steven Spielberg, James Cameron und Tim Burton. Sie haben dafür gesorgt, daß meine Arbeit im Film viel besser aussieht, als sie in Wirklichkeit ist, denn alles, was nicht gut aussieht, landet auf dem Fußboden des Schneideraums.« Mit jemanden wie Spielberg zu arbeiten sporne ihn zu noch größeren Leistungen an. »Denn diesen Mann will ich nicht enttäuschen. Wenn du von Leuten umgeben bist, deren Arbeit du respektierst, steigen auch die Ansprüche an dich selbst.« Diese Ansprüche zu erfüllen, gelingt ihm vor allem durch seine Jahre an der Universität: » Alles, was ich tue - wie die Charaktere aussehen und was sie tun - hat mit meinem Kunst- und Schauspielhintergrund zu tun. Was die technische Seite anbelangt, habe ich keinen Schimmer, wie die Dinge gemacht werden. Ich setze nur meinen Namen drunter.« |
![]() Foto: UIP |
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