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| Wer Ian Watsons Romane kennt, erwartet keine Spannungslektüre oder Action.
In diesem Buch geht es vordergründig um ein Monstrum, das seit Jahrhunderten in einer
Felsenhöhle an der nordenglischen Küste auf Opfer lauert. Doch der Autor schildert keine
blutigen Schlachten, sondern vielmehr die Geschichten und Historien, die sich um das
Ungeheuer ranken. Dabei beschäftigt er sich mit den vielschichtigen und fundamentalen
Ängsten unserer Zeit und unserer Vorfahren, sei es die Angst vor Einsamkeit, vor
Entfremdung, vor AIDS oder vor Analverkehr. Der Psychiater John Cunningham hat sich auf eine Reinkarnations-Therapie mittels Hypnose spezialisiert. Er selbst hält Reinkarnation für puren Unsinn, wenn jedoch seine Patienten daran glauben, so hat er die Möglichkeit anhand ihrer Erzählungen über frührere Leben ihr Unterbewußtsein zu erforschen. Einer von Cunningshams Patienten jedoch erzählt eine haarsträubende Geschichte über ein Monstrum in einer Felshöhle, das Macht über einige Menschen erlangt hat. Der Psychiater dringt mit seinem Medium weiter in die Vergangenheit vor, Jahrhundert um Jahrhundert, um schließlich im Mittelalter an die Ursprünge der Geschichte zu gelangen. Und so hat der Autor wiederum die Möglichkeit, das Leben mehrerer Generationen zu erzählen und läßt so ganz nebenbei einige interessante Details über die Historie Englands in sein Buch einfließen. Zwischendurch kehrt die Handlung mehrfach in die Gegenwart zurück, denn auch der Psychiater selbst ist eine interessante Persönlichkeit. Auf beinahe schizophrene Weise ist er nicht nur der anerkannte Psychiater John Cunningham, sondern auch der Horror-Autor Jack Cannon, der eine ganz andere Sichtweise der Dinge hat, während der Geistes-Zeitreisen des Patienten an seinem neuen Roman Feuerwurm arbeitet und zuweilen intensive Zwiegespräche mit seinem anderen Ich führt. Watson baut in diesem Roman eine ganze Reihe ambivalenter Charaktere auf, die für einen Horror-Roman vielleicht sogar eine Spur zu realistisch sind. Vielleicht ist das der Grund, daß das Ende des Buches zwar in gewisser Weise überraschend ist, aber dennoch unbefriedigend bleibt. |
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