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AnnäherungDas Unentdeckte Land ist die Region jenseits des Todes, die nicht nur den Lebenden unbekannt ist, sondern in die sich auch, wie die Herausgeber überrascht feststellen, Science-Fiction-Autoren bisher nur selten vorgewagt haben. Um dem Vorurteil entgegenzutreten, dies sei sogar für die SF ein Tabuthema, haben Pamela Sargent und Ian Watson 13 ältere und neuere Science-Fiction-Stories versammelt, die sich in irgendeiner Form mit dem Leben nach dem Tod beschäftigen. Dies ist schließlich auch das einzig Verbindende zwischen den Geschichten, denn herausgekommen ist eine recht uneinheitliche Sammlung, die sich auch nicht ganz an den Genrerahmen hält. So muß man »Staub« von Mona A. Clee eindeutig der Fantasy zurechnen, während auch Horror-Motive, beispielsweise in Leigh Kennedys »Tropismus«, nicht fehlen. Der erste Beitrag, »Das Ende ist nur der Beginn« von J. G. Ballard, scheint mit dem Thema auf den ersten Blick gar nichts zu tun zu haben, da er lediglich eine - zugegebenermaßen sehr reizvolle - verkehrte Biographie erzählt. Von einem Leben nach dem Tod kann man hier nur sprechen, weil in dieser Geschichte die Zeit sinnigerweise rückwärts läuft. Auch in Gregory Benfords etwas abstruser Story »Von Raum-Zeit und dem Fluß« geht es nur am Rande um den Tod: Die alten ägyptischen Götter, die außerirdische Rasse der Quarthex, sind zurückgekehrt, schneiden die Nilregion aus dem Erdball und entführen sie in den Weltraum, um darauf eine Art Totenreich zu errichten. In »Ein Kunstwerk« erzählt James Blish mit viel Einfühlungsvermögen und einer ernüchternden Pointe von der Wiedererweckung Richard Strauss' im Jahre 2161. »Können Seelen sterben?« fragt James Stevens und liefert damit den ersten echten Beitag zum Thema. Offensichtlich von Raymond Moody inspiriert, beschreibt er die gesellschaftlichen Probleme mit der Entdeckung, daß das Leben nach dem Tod viel angenehmer als das vorherige ist. Hier zeigt sich bereits, daß die Herausgeber die Anthologie keineswegs wahllos sortiert haben, denn während die ersten Geschichten dem Thema noch auszuweichen scheinen, kommen die späteren dann allmählich immer mehr zur Sache. |
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HighlightsUrsula K. LeGuin nähert sich dem Thema mit »Kleingeld« zunächst sehr mythologisch und symbolisch, hat dann aber enttäuschend wenig zu sagen. Nach dem bereits erwähnten, sehr atmosphärischen Beitrag von Mona A. Clee über die Reinkarnation einer sumerischen Priesterin folgt dann »Hemingways Jagd« von Howard Waldrop, das in einem merkwürdigen Zwischenreich, vielleicht der ganz persönlichen Hölle Ernest Hemingways, spielt. »Gefangen in der Zeit« von Rudy Rucker führt die Idee vom Zeitstillstand im Augenblick des Todes ziemlich nichtssagend und dilettantisch aus, während Leigh Kennedy mit »Tropismus« sanften Horror verbreitet und als Musterbeispiel einer guten Short Story gelten kann. Die beiden Beiträge der Herausgeber sind recht kontrovers: Pamela Sargent weicht in »Wenn ich jemals von dir gehe« nicht nur wieder dem Thema aus, sondern trägt in dieser rührseligen Zeitmaschinenliebesgeschichte auch etwas zu dick auf. Dagegen setzt Ian Watson mit »Viele Räume hat das Paradies« eines der Glanzlichter der Sammlung. In seiner Geschichte über eine künstliche Reinkarnation verzerrt er Kausalität und Wirklichkeit auf so geschickte Weise, daß das Ergebnis an Jorge Luis Borges heranreicht. Nach Gene Wolfes gut geschriebener, aber nichts Neues bringender »Abreise« schließt Harlan Ellison mit »In einer Welt dazwischen« die Sammlung ab. Diese Reinkarnationsgeschichte geht das Thema wieder unter einem religiöseren Aspekt an und besticht vor allem durch ihren Montagestil und die reizvolle graphische Gestaltung. |
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ResümeeZusammenfassend muß man anerkennen, daß Sargent und Watson ihre selbstgestellte Aufgabe, eine repräsentative Anthologie über das Thema Leben nach dem Tod in der SF zusammenzustellen, in jeder Beziehung erfüllt haben. Lob verdienen auch die Einführung und die kurzen, informativen Einleitungen zu den Beiträgen, die dem Leser wirklich helfen, einen Zugang zu den Geschichten zu finden. Allerdings hätten die Herausgeber mit ihren Beurteilungen ruhig etwas kritischer sein können, denn die Qualität der Beiträge fällt doch recht unterschiedlich aus. Dabei überrascht es, daß gerade einige der zugkräftigeren Namen wie LeGuin, Rucker und Wolfe wenig zu bieten haben. Die Frage der Herausgeber, warum das Thema Tod in der SF so selten ist, wird schließlich von den versammelten Geschichten selbst beantwortet. Denn offensichtlich gibt es jenseits von Raymond Moody nicht viel Raum für wissenschaftlich fundierte Spekulationen über das Leben nach dem Tod. Dies scheint der Grund dafür zu sein, daß sich immer wieder Fantasy- oder Horror-Elemente in die Geschichten einschleichen. Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser Ungereimtheiten bleibt Das Unentdeckte Land eine Anthologie, die man jedem, der sich in irgendeiner Form für dieses Thema - das ja letztlich uns alle etwas angeht - interessiert, guten Gewissens empfehlen kann. Auch wenn es von Druckfehlern leider nur so wimmelt, bleibt es ein gut lesbares und nachdenklich machendes Buch. |
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