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Personen-Lexikon

Ian Fleming

Britischer Autor (1908 - 1964)

Lexikon > Personen | Film
Name: Ian Lancaster Fleming
Geboren: 28.5.1908 in London
Gestorben: 12.8.1964 in Canterbury, England
Der Erfinder der Figur James Bond, verfasste 12 Romane und 8 Kurzgeschichten um seinen Helden, sowie das Reisetagebuch Thrilling Cities, das Sachbuch The Diamond Smugglers und das Kinderbuch Tschitty Tschitty Bang Bang.

Fleming wurde am 28. Mai 1908 als Sohn von Valentine Fleming und Evelyn St. Croix Rose Fleming geboren. Sein Großvater Robert Fleming war ein wohlhabender schottischer Bankier. Der Vater war ein Landbesitzer in Oxfordshire und Abgeordneter im Parlament. Er fiel im Ersten Weltkrieg, als Fleming knapp neun Jahre alt war. Winston Churchill verfasste den Nachruf für die TIMES. Die Mutter war gezwungen, Witwe zu bleiben, da sie im Fall einer erneuten Heirat den Landbesitz der Familie verloren hätte. Bis zu ihrem Tod hatte Fleming keinen Zugang zum Vermögen der Familie.

Flemings Vater blieb durch seinen frühen Tod ein unerreichbares Vorbild, ein wagemutiger, junger Held, redegewandt und überlebensgroß. Die Kinder der Familie wurden dazu angehalten, dafür zu beten, dass Gott sie einmal so gut wie ihr Vater sein ließe. Flemings älterer Bruder Peter Fleming wurde zum Oberhaupt der Familie und war in Eton und Oxford sehr erfolgreich.

So wie er es später für James Bond beschrieb, hatte Fleming ebenfalls Erfolg an der Eliteschule Eton, vor allem im Sport. Er musste die Anstalt jedoch nach zwei Jahren verlassen, weil er ein Dienstmädchen belästigt haben soll. An der Militärakademie Sandhurst trat Fleming kaum hervor. Auch diese Einrichtung verließ er vorzeitig. Er beklagte sich darüber, dass die zunehmende Mechanisierung der Armee eine Offizierslaufbahn uninteressant mache. Er wurde allerdings offiziell entlassen, weil er nach der Ausgangssperre nicht mehr auf dem Gelände war.

Flemings Ausbildung erhielt ein neues, positives Moment, als er sich in ein Internat im österreichischen Kitzbühel einschrieb. Die, verglichen mit Eton und Sandhurst, lockere Atmosphäre bekam ihm gut. Ausserdem musste er dort zum ersten Mal nicht mit seinem älteren Bruder Peter oder mit dem Andenken seines Vaters konkurrieren.

Nach dem Ende der Schulzeit bestand Fleming die Aufnahmeprüfung des Auswärtigen Dienstes nicht. Er wurde schließlich Journalist bei der Nachrichtenagentur Reuters und trat damit ein weiteres Mal in die Fußstapfen von Peter. Mit einem Bericht über einen Spionageprozess in der Sowjetunion konnte Fleming bei Reuters seinen größten Erfolg erzielen. Seine Kollegen waren beeindruckt. Er blieb jedoch der »andere Fleming«, der Bruder des großen Peter, der farbige Berichte aus einer Vielzahl von exotischen Plätzen ablieferte. Darüber hinaus stieß Fleming in diesem Beruf an seine finanziellen Grenzen. Er wechselte deswegen ins Bankgeschäft.

Der neue Beruf brachte ihm keinen Reichtum aber Unabhängigkeit, die er sehr genoss. In dieser Zeit entstanden seine Vorlieben für Glücksspiel, gutes Essen und kurze Romanzen. Die Tätigkeit als Bankier allerdings fing an, ihn zu langweilen. Im Jahr 1939 kehrte Fleming im Auftrag der TIMES in die Sowjetunion zurück. Wie heute bekannt ist, übernahm er dabei einen ersten Spionage-Auftrag für das Aussenministerium. Im Mai des selben Jahres wurde Fleming Adjudant von Admiral John Godfrey, dem Leiter des Marinegeheimdienstes. Wie Bond erhielt er damit zunächst den Rang eines Lieutenants, später Commanders. Im Raum 39 des Admiralitäts-Gebäudes von Whitehall dachte sich Fleming während des Krieges tausende von Möglichkeiten aus, die Deutschen zu verwirren, auszuspionieren oder zu verärgern. Viele waren absurd und viele kunstvoll. Während des französischen Zusammenbruchs 1940 reiste Fleming nach Dieppe und organisierte dort die Flucht von Exilanten. Einen seiner letzten Tage dort verbrachte er damit, die besten Speisen des Landes zu sich zu nehmen und die Flucht von König Zog von Albanien zu organisieren. Die Memoranden, die Fleming für Admiral Godfrey verfasste, waren lebendig und elegant geschrieben. Fleming erstellte auch ein Memo für den amerikanischen Offizier »Wild Bill« Donovan darüber, wie der OSS, der Vorgänger der CIA aufgebaut werden sollte. Diese Arbeit brachte Fleming einen Revolver mit der eingravierten Widmung »For special services« ein. In den späten Kriegsjahren leitete Fleming die »30 Assault Unit«, abgekürzt 30 AU, eine Gruppe von speziell ausgebildeten Kommandos, die für Spionage-Einsätze hinter den feindlichen Linien gebildet worden war. Die Gruppe operierte unter Flemings Führung sehr erfolgreich. Er selbst leitete sie von seinem Büro in London aus.

1944 hielt sich Fleming während einer Marine-Konferenz auf Jamaika auf. Direkt nach dem Krieg kehrte er auf die Insel zurück. Er ließ seinen Freund Ivar Bryce ein Grundstück kaufen und baute dort sein Haus »Goldeneye«. Fleming nahm eine Stellung bei Kemsley Newspapers an. Nach unbestätigten Angaben setzte er in der Zeit dieser Beschäftigung heimlich seine Arbeit für den britischen Geheimdienst fort. Er soll von London aus mehrere Agenten geführt haben, die in der Sowjetunion spionierten. Der Vertrag mit Kemsley enthielt die Bedingung, dass Fleming im Januar und Februar Urlaub auf Jamaika machen konnte. Sechs Jahre lang nutzte er diese acht Wochen nur zur Erholung und für diverse Romanzen.

1952 schließlich entschloss sich Fleming im Alter von 44 Jahren, Lady Anne Rothermere zu heiraten. Er hatte über Jahre hinweg eine Affäre mit der verheirateten Anne gehabt, die jetzt von ihm schwanger war. Während er in Jamaika darauf wartete, dass Annes Scheidung offiziell wurde, schrieb Fleming die ersten Seiten von Casino Royale, dem Roman, in dem James Bond die literarische Bühne betrat. Angeblich hatte ihm sein Arzt empfohlen, zur Beruhigung seiner Nerven ein neues Hobby aufzunehmen. Der mit Fleming befreundete Schriftsteller William Plomer empfahl das Buch dem Verleger Jonathan Cape, der schon Peter Flemings Reisebücher herausgebracht hatte. Der Erfolg der Bond-Romane ermöglichte Fleming ein Leben nach seinen Wünschen. Er beschäftigte sich mehr mit Golf und reiste viel in die USA. Seine Gesundheit konnte mit seinem Lebenswandel bald nicht mehr mithalten. Er fuhr fort, zu rauchen und zu trinken, als sein Herz bereits schwächer wurde. Nach seinem ersten Infarkt rieten ihm die Ärzte davon ab, am Begräbnis seiner Mutter teil zu nehmen. Er fuhr trotzdem hin. Seine Mutter hatte ihm erst jetzt, als er es nicht mehr nötig hatte, einen Teil des kleinen Familienvermögens hinterlassen. Fleming gönnte sich weiter keine Ruhe. Bei einem Treffen mit dem Golf-Komitee in St. Georges erlitt er seinen zweiten Herzinfarkt. Er starb am 12. August 1964 im Alter von 56 Jahren, nachdem er die Ärzte um Verzeihung für die späte Störung gebeten hatte. Er ist in Sevenhampton nahe der englischen Grenze zu Wales begraben. Seine Frau Anne verstarb 1981, sein Sohn Caspar 1974 an einer Überdosis Drogen. Beide sind neben ihm im Hof einer einfachen örtlichen Kirche begraben.

Arno BehrendALIEN CONTACT

Bibliografie

  • Casino Royale (1953)
  • Live and Let Die (1954)
  • Moonraker (1955)
  • Diamonds are Forever (1956)
  • From Russia with Love (1957)
  • The Diamond Smugglers (1957)
  • Dr. No (1958)
  • Goldfinger (1959)
  • For Your Eyes Only (5 Kurzgeschichten, 1960)
  • Thunderball (1961)
  • The Spy Who Loved Me (1962)
  • On Her Majesty's Secret Service (1963)
  • Thrilling Cities I+II
  • You only Live Twice (1964)
  • Chitty Chitty Bang Bang - The Magical Car I+II (1964)
  • Chitty Chitty Bang Bang - The Magical Car III (1965)
  • The Man with the Golden Gun (1965)
  • Octopussy and The Living Daylights (3 Kurzgeschichten, 1965)
  • Thrilling Cities (1965)
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21.05.06 • 10.06.06