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Stefan Heym

Deutscher Schriftsteller (1913-2001)

Science Fiction > Alien Contact | Personen-Lexikon
Name: Helmut Flieg
Pseudonym: Stefan Heym
Geboren: 10.4.1913 in Chemnitz
Gestorben: 16.12.2001 in Jerusalem
Am 10. April 1913 wurde Helmut Flieg in Chemnitz als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, das Pseudonym Stefan Heym legte er sich erst 1933 zu, als er vor den Nazis nach Prag floh. Hier lernte er unter anderem auch Karel Capek kennen. Bereits 1935 zog es ihn weiter in die USA, er nahm deren Staatsbürgerschaft an und leitete dort die linke Wochenzeitung DEUTSCHES VOLKSECHO. 1943 trat er als Spezialist für psychologische Kriegsführung in die US-Army ein und nahm 1944 an der Invasion in der Normandie teil. Er war Mitbegründer der amerikanischen NEUE ZEITUNG in München. Ab 1945 lebte er als englischsprachiger freier Schriftsteller in den USA, sein Debüt gab er aber bereits 1942 mit dem Roman Hostages (in Deutschland als Geiseln, später Der Fall Glasenapp veröffentlicht), der auch in Hollywood als Hostages (USA 1943) verfilmt wurde. 1948 folgte Crusaders (dt. Kreuzfahrer von heute, 1950). 1952 geriet er durch seine ablehnende Haltung zum Koreakrieg in den Verdacht, den Kommunismus zu unterstützen. Als er in den Sog der McCarthy-Verfolgungen geriet, gab er seine Kriegsauszeichnungen und die US-Staatsbürgerschaft zurück und übersiedelte in die DDR. Anfangs ganz auf der Linie der DDR-Regierung, die ihn unter anderem mit dem Nationalpreis honorierte, wurde er zunehmend kritischer und sein Verhältnis zu den DDR-Oberen schwieriger. Spätestens mit seinem Roman Fünf Tage im Juni (geschrieben 1959, aber erst 1974 in der BRD veröffentlicht) geriet Heym in das Visier des Ministeriums für Staatssicherheit. Er gehörte 1976 zu den Erstunterzeichnern der Petition gegen die Biermann-Ausbürgerung, wurde mit Publikationsverbot belegt und 1979, nach der Veröffentlichung seines Romans Collin in der BRD, aus dem Schriftstellerverband geworfen. Im Westen galt Stefan Heym als der bedeutendste oppositionelle ostdeutsche Schriftsteller, und in der Tat wurden seine Bücher in der DDR unter der Hand herumgereicht wie sonst nur Samisdat-Manuskripte. Auch verhalf er vielen DDR-Autoren, unter anderem Lutz Rathenow, zu ihren ersten Veröffentlichungen in Westverlagen. Während des Herbstes 1989 trat Heym für eine eigenständige DDR und gegen einen vorschnellen Beitritt zur BRD ein, er verfaßte zusammen mit Christa Wolf den Aufruf »Für unser Land« und trat auf dem Berliner Alexanderplatz als Redner auf. Seine scheinbare Hinwendung zur PDS Anfang der 90er Jahre nahmen ihm viele Menschen übel. Am 10. November 1994 eröffnete er mit einem Mandat der PDS als Alterpräsident den 13. Deutschen Bundestag, doch nur ein Jahr später zog er sich wieder aus der aktiven Politik zurück.

Stefan Heym wurde in den USA zum Schriftsteller; das prägte nicht nur seinen Stil, er schrieb auch bis in die 70er Jahre hinein alle seine Bücher auf Englisch, die er und seine Frau Inge dann ins Deutsche übersetzten. Heym beschäftigte sich intensiv mit zeitgeschichtlichen und historischen Stoffen, flocht aber oft auch phantastische Elemente ein. Die stärksten Science-Fiction-Einflüsse hat sein Roman Schwarzenberg, der 1984 in der BRD erschien, eine Gesellschaftsutopie, die manchen Kritikern zu zaghaft und inkonsequent vorkam. Aber auch Der König David Bericht (1972) und Ahasver (1981), die überhaupt zu seinen bedeutendsten Werken gehören, weisen phantastische Einflüsse auf, und in gewisser Weise setzt sich dieses Element bis zu seinem letzten Roman Pargfrider (1998) fort. Insgesamt schrieb Stefan Heym 15 Romane und mehrere Erzählungsbände, 2000 erschien sein letztes Buch, Architekten, das bereits Anfang der 60er Jahre entstanden war, aber erst im Herbst 1999, nachdem er aus einer schweren Erkrankung ins Leben zurückgekehrt war, von ihm selbst ins Deutsche übersetzt wurde.

In seinen letzten Lebensjahren ereilten Stefan Heym ungeahnte Ehrungen, so erhielt er für sein soziales Engagement 2000 die Friedensmedaille der IPPNW (Ärzte für Frieden und soziale Verantwortung) und 2001 die Ehrenbürgerwürde seiner Geburtsstadt Chemnitz.

Am Nachmittag des 16. Dezember 2001 starb Stefan Heym während einer Heinrich-Heine-Konferenz in Jerusalem an Herzversagen. Er wurde 88 Jahre alt.

Siegfried BreuerALIEN CONTACT

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28.08.10 • 08.09.10