- »In diese trüben Gefilde spazierte Hanns Kneifel, und plötzlich konnte man deutsche
SF lesen. Da gab es mit einem Mal konturierte Personen, pfiffige Dialoge, blendende
deskriptive Passagen, bestens visualisierte action; da schrieb jemand, der
Kipling und Hemingway gelesen und verdaut hatte; da gab es plötzlich Literatur:
Hintergründe..., gut aufgebaute plots, glaubhaft in die Umgebung eingepaßte
Personen solides Handwerk.«
- (Gisbert Haefs in seinem Nachwort zur Neuausgabe von Hanns Kneifel: Das
brennende Labyrinth im Haffmans Verlag 1989)
- »In den meisten Werken geht die bemerkenswerte Handlungsarmut Hand in Hand mit
gedrechselt wirkenden Dialogen. Die Hauptpersonen treten meist als blasierte
Intellektuelle auf, die sich stets als erfolgreiche Karrieristen entpuppen. Mit den
Romanen Der Traum der Maschine (1966) und Lichter des Grauens (1966)
erweckte Kneifel einige Hoffnung, daß ein Zugewinn von Qualität zu erwarten sei, doch
die Erwartungen erfüllten sich nicht. Der folgende Roman Das brennende Labyrinth
(1967) war wieder ein Konglomerat aus der üblichen Abenteuerromantik mit allen sattsam
bekannten Klischees der Heftchenschreiberei und belustigte allenfalls durch eine Fülle
von Stilblüten.«
- (Aus dem Eintrag zu Hanns Kneifel im Lexikon der Science Fiction Literatur
von Alpers, Fuchs, Hahn, Jeschke, Heyne 1980)
Hanns Kneifel ist, wie man an obigen Zitaten unschwer erkennen kann, ein durchaus
umstrittener Schriftsteller für die einen ein origineller Altmeister deutscher Science Fiction, für die anderen ein
typischer Vertreter trivialer Schundliteratur. Nachdem ich ihn zufällig getroffen und
festgestellt hatte, dass wir beide in München leben, wollte ich es genauer wissen: Nach
ein, zwei Telefongesprächen vereinbarten wir einen Termin, an dem ich Gelegenheit
bekommen sollte, ihn in seiner Wohnung im Stadtteil Schwabing zu besuchen, seine
Weinvorräte zu reduzieren und herauszufinden, was für Mensch hinter dem Namen Hanns
Kneifel steckt.
Doch zunächst einige Daten zu Hanns Kneifels Leben und Schaffen.
Geboren wurde er am 11. Juli 1936 in Gleiwitz/Oberschlesien, von wo es ihn während des
Zweiten Weltkrieges zusammen mit seiner Familie nach Oberbayern verschlug. Schon bald
zogen die Kneifels nach München, was Hanns den Besuch des Gymnasiums ermöglichte. Nach
dem frühen Tod seiner Eltern absolvierte er eine Lehre als Konditor. Bereits zu dieser
Zeit interessierte er sich für Science Fiction und begann selbst zu schreiben. 1956
erschien mit Uns riefen die Sterne der erste SF-Roman des frischgebackenen
Konditorgehilfen. Nachdem er seine Ausbildung mit der Meisterprüfung erfolgreich
abgeschlossen und nebenher weiterhin SF gelesen und geschrieben hatte, machte Kneifel 1962
sein Abitur nach und studierte Pädagogik. Als Berufsschullehrer verschlug es ihn nach dem
Staatsexamen nach Kitzingen, was ihn dazu bewog, den sicheren Beruf des Lehrers gleich
wieder an den Nagel zu hängen und stattdessen den weitaus unsichereren des freien
Schriftstellers zu ergreifen. Seitdem hat er neben Hunderten von Heftromanen (95 Perry Rhodan-Hefte, über 130 Atlan-Hefte,
außerdem Beiträge zu Dragon, Seewölfe, Mythor und Terra
Astra) zahlreiche »richtige« Bücher, bzw. Taschenbücher geschrieben. Erwähnt
seien hier nur seine über 80 Perry Rhodan-Planetenromane, die Bücher zur
TV-Serie Raumpatrouille und vor allen Dingen in den letzten Jahren seine
historischen Romane wie z. B. Der Traum des Pharao und Ich, Francis Drake.
Zudem war Kneifel Chefredakteur des Stadtmagazins Wir Münchner, das zwar
finanziell gesehen nicht gerade ein großer Erfolg war, aber immerhin eine neue Erfahrung
für ihn darstellte. Oder, wie Kneifel es selbst ausdrückt: »... wenigstens hatte man
fast überall freien Eintritt, lernte nette (aber auch miese) Leute kennen, und ich weiß
seitdem, wie man eine Zeitschrift macht.«
Heute lebt Hanns Kneifel im fünfzehnten Stock eines Hochhauses (ja, in
München nennt man Häuser mit mehr als fünf Etagen so) im Norden Schwabings und
verbringt immer noch viel Zeit mit dem Schreiben.
Wie ja schon erwähnt, handelt es sich bei Kneifel um einen jener
Autoren, welche von vielen Fans bewundert und gleichzeitig von einigen Kritikern
regelmäßig scharf attackiert werden. Um mir selbst ein objektives Bild Kneifels machen
zu können, beschloss ich, mich nicht nur auf mein journalistisches Gespür zu verlassen,
sondern mich nach einem geeigneten Hilfsmittel umzusehen. Nachdem ich in verschiedenen
SF-Werken Kneifels immer wieder über den sogenannten Extrasinn des Arkoniden Atlan (ein
unsterblicher, humanoider Macho-Außerirdischer aus Perry Rhodan) gestolpert war,
begann ich mich nach einer derartigen mentalen Stütze zu sehnen. Ein Extrasinn scheint in
einer zusätzlichen Gehirnregion lokalisiert zu sein, und seine Funktion ist es offenbar,
helfend einzugreifen, wenn der Rest des Hirns zu versagen droht. Eine Ermahnung hier, ein
kluger Ratschlag da, hin und wieder ein paar spitze Bemerkungen. So eine Art Übermutter
im Kopf also. Nun bin ich jedoch kein Arkonide und musste alleine zurechtkommen. Etwas
angesäuert begann ich, um wenigstens auf dem Gebiet der Recherche ordentliche Arbeit zu
leisten, ein weiteres Buch von Hanns Kneifel zu lesen. Ein Glückstreffer! In Der
Traum der Maschine fürchtet der Held, der von merkwürdigen Träumen gequält wird,
den Verstand zu verlieren, und sucht daher einen Psychologen auf. Und
tatsächlich schafft es der wortgewandte Seelenklempner nicht nur, unseren verstörten
Helden zu beruhigen, sondern brachte mich mit seinen Erklärungen auf eine geradezu
geniale Idee:
- »Das sogenannte Spaltungsirresein wirkt sich zunächst folgendermaßen aus: Man
verliert die innerliche Einheitlichkeit der Person und danach den Kontakt mit der sozialen
Gemeinschaft ... Schizophrene gelten vor Ausbruch ihrer Krankheit als scheu, empfindlich
und eigenbrötlerisch. Nichts davon trifft auf Sie zu. Sie werden sich bestimmt nicht für
Ramses, Napoleon oder de Gaulle halten.«
- (Der Traum der Maschine, S. 96 f. der 1994 im Haffmanns Verlag
erschienenen Ausgabe)
Das war die Lösung! Da meine Frau in einer Psychiatrischen Klinik arbeitet, ließ sich
mein Plan, zu dem mich das soeben gelesene inspiriert hatte, mit Leichtigkeit
durchführen. Nach ein paar Telefonaten stand ich im Archiv der Königlich Bayrischen
Psychiatrie und machte mich auf die Suche. Man muss wissen, dass Patienten, die unter dem
oben erklärten Krankheitsbild der Schizophrenie zu deutsch Spaltungsirresein
leiden, nach erfolgreicher Behandlung ihre krankhaften Persönlichkeitsauswüchse
gleich einer Schlange, die sich häutet, ablegen. Während die Patienten damit die
Einheitlichkeit ihrer Person wiedergefunden haben, bleiben diese nur scheinbar existenten
Pseudopersönlichkeiten zurück und werden im Archiv der Klinik abgeheftet. Kurzerhand
lieh ich mir von dem freundlichen Archivar, der lediglich durch ein leichtes, aber
beständiges Zucken im Gesicht auffiel, die abgespaltene Persönlichkeit eines Patienten,
der sich vor seiner Heilung für einen gewissen unsterblichen Außerirdischen gehalten
hatte.
Somit verfügte nun auch ich über einen Extrasinn, der mich während
des Interviews mental unterstützen sollte. Bestens ausgerüstet machte ich mich ein paar
Tage später auf den Weg zu Hanns Kneifel.
»Hier entlang«, donnerte mir eine voluminöse Stimme entgegen, als ich aus dem Aufzug
trat. »Vorsicht, ein Haluter!« wisperte mein neu erworbener Extrasinn. Haluter zählen
zu den beliebtesten Außerirdischen in der PR-Serie. Sie sind fast unbesiegbar
und vermögen, wenn sie in Rage geraten, selbst fünfzehnstöckige Hochhäuser in
Sekundenschnelle dem Erdboden gleichzumachen. Im übrigen sind sie für ihr friedliebendes
Gemüt bekannt. Mutig ignorierte ich die Warnung des Extrasinns und bog ums Eck, wo mich
kein vierarmiger Gigant mit drei glühenden Augen, sondern ein freundlich dreinblickender
SF-Autor erwartete, dessen Stimmvolumen sich auch alsbald als durchschnittlich humanoid
erweisen sollte. Nachdem Hanns Kneifel mich hereingebeten hatte und ich den beachtlichen
Blick von seinem Balkon genießen durfte man kann zumindest bei schönem Wetter
über fast ganz München hinweg bis zu den Alpen blicken -, nahm ich in seinem geräumigen
Wohn- und Arbeitszimmer Platz, ließ mir einen wohlschmeckenden Weißwein kredenzen, und
begann damit, Fragen zu stellen.
Was mich besonders interessierte, waren die wirtschaftlichen Umstände,
unter denen sogenannte Unterhaltungsautoren zu »funktionieren« hatten und auch heute
noch haben. Tatsächlich war der Verdienst pro Heftroman in den Sechziger Jahren des
letzten Jahrhunderts derart miserabel, dass man, wie Kneifel erzählte, monatlich im
Schnitt drei Stück an die Verlage verkaufen musste, um überleben zu können. Dass die
literarische Qualität dabei oftmals auf der Strecke bleiben musste, ist klar. Aber
Kneifel steht auch heute noch zu seinen damals entstandenen Werken. Den Leser zu
unterhalten war das, wofür er bezahlt wurde und viel mehr konnte und wollte er
nicht leisten. Außerdem ging das meiste nach Exposé, was bei Heftserien zumeist auch
heute noch der Fall ist. Sehr anschaulich berichtete der Autor von seiner Studentenzeit,
als er nebenbei seine ersten Perry Rhodan-Taschenbücher schrieb und zusätzlich
noch an einer Tankstelle Nachtschicht schob. »Da lernt man einiges über das Leben«,
erzählt er schmunzelnd. Und ich sah den jungen Hanns Kneifel bildlich vor mir, wie er
morgens nach Diesel stinkend in der Trambahn saß und todmüde die Erlebnisse mit
Fernfahrern, Besoffenen und anderen Nachtgewächsen Revue passieren ließ nur um
sich anschließend in die Uni oder an den Schreibtisch zu quälen. Nachdem Kneifel sich
als Schriftsteller selbständig gemacht hatte, schrieb er in Akkordarbeit wohl mehr Romane
als irgendein anderer deutschsprachiger SF-Autor nach dem Zweiten Weltkrieg. Staunend
musterte ich gerade die Regalwand mit Hunderten von Belegexemplaren, als sich mein
Extrasinn meldete: »Lass dich nicht täuschen das meiste muss einfach triviales
Zeug sein. Bei dieser Masse ist das anders gar nicht möglich!« Aber ich hatte keine
Lust, mich mit meinem ausgeliehenen mentalen Anhängsel über sogenannte Trivialliteratur
auseinander zu setzen, und trank lieber noch ein Glas des vorzüglichen Weißweines.
»Dann frag wenigstens nach den politischen Vorwürfen, die Kneifel als Vertreter der
angeblich reaktionären, wenn nicht gar faschistoiden bundesrepublikanischen Kommerz-SF
über sich ergehen lassen musste und auch heute noch muss!« Natürlich hatte mein
Extrasinn Recht deswegen war ich ja da. Höchst interessant war die Antwort, die
auf die entsprechende Frage kam: »Ein Fehler, den die meisten Kritiker selbst die
der angesehenen Süddeutschen Zeitung machen, ist der, den Autor mit seinen Helden
zu verwechseln. Perry Rhodan entsprach und entspricht natürlich dem herrschenden
Zeitgeist. Aber einen direkten Zusammenhang zwischen der Gesinnung des Autors und den
Inhalten von Abenteuer-SF zu sehen, wäre absurd.« Schelmisch lächelnd erklärte
Kneifel, er sei zu den 68er Zeiten das gewesen, was man als Edelkommunisten bezeichnen
könnte. Die sogenannten linken Kritiker etwa der Science Fiction Times hätten
zumindest damals überhaupt keine Ahnung vom Leben gehabt. Die politisch motivierten
Vorwürfe seien zumeist kaum mehr als Polemik gewesen. Bevor meinem vorlauten Extrasinn
irgendeine ironische Bemerkung einfiel, schleuderte ich den Namen K. H. Scheer in den
Raum. Der Mitvater von PR und Erschaffer der ZBV-Serie ist für
militaristische und scharf antikommunistische SF-Szenarien berüchtigt. »Oh ja, der
Scheer... das war einer...« Hanns Kneifel schüttelte die Hand, als hätte er sich die
Finger verbrannt. Nach einer kurzen Pause, in der sogar mein Extrasinn schwieg, erklärte
Kneifel, die erwähnten politischen Differenzen seien heute aber weitgehend beigelegt,
habe doch eine erfreuliche Professionalisierung in der SF-Szene stattgefunden. Auf die
Frage wie er zu Uwe Anton stehe, der früher in der SF Times als scharfer
Kritiker der Trivial-SF bekannt war, heute jedoch selbst Stammautor bei Perry Rhodan
und Atlan ist, meinte Hanns Kneifel, er sei ihm nicht mehr böse wegen der
Kritiken in »diesem Käseblatt«, werde ihn aber irgendwann noch zu einem ernsteren
Gespräch bei ein paar Bierchen zur Seite nehmen müssen.
Da es außerhalb der Heftroman-Szene nur wenige deutschsprachige SF-Autoren gibt, die
vom Schreiben leben können, wollte ich wissen, wie Kneifel die Nachwuchsförderung
hierzulande einschätzte. Außer Günter M. Schelwokat, der zahlreiche Projekte bei Pabel
und Moewig sowie anfangs die SF-Reihe bei Heyne betreut hatte, wollte Kneifel kaum
jemanden als echten Förderer gelten lassen. Nachwuchstalente wie etwa Peter Terrid seien
bei vielen Verlagen schlichtweg ignoriert worden, nur Schelwokat habe als Lektor und
Herausgeber ernsthaft einheimische Autoren aufgebaut. Ich erwähnte die zahlreichen
Anthologien verschiedener Verlage, in denen auch völlig unbekannte Autoren eine Chance
gehabt haben. Kneifel schüttelte den Kopf. Für ihn ist es nicht damit getan, hin und
wieder eine Story zu veröffentlichen. »Zum Glück«, meinte der Extrasinn und lenkte
meinen Blick auf die Wand mit den zahllosen Werken Kneifels: »Wären alle Autoren
derartig gefördert worden, dass sie eine vergleichbare Menge an Literatur hätten liefern
können die Welt wäre an SF-Büchern und Heften längst erstickt!«
Ausnahmsweise musste ich meinem Extrasinn recht geben und belohnte ihn
mit einem weiteren Schluck Wein, dessen geistige Wirkung allein für ihn bestimmt war.
»Was können die Leser in Zukunft von Hanns Kneifel erwarten?«, war
meine nächste Frage, die laut meinem beschwippsten Extrasinn obligatorisch für derartige
Interviews und damit überaus langweilig sei. Die Antwort jedoch war alles andere als
langweilig, bot Kneifel doch einen interessanten Überblick über seine literarischen
Pläne: Neben einer Trilogie über die Kreuzzüge sei ein weiterer historischer Roman zu
erwarten. Es handle sich dabei um eine Art Kriminalroman, der in der Renaissance spiele.
Der besondere Ansatz dabei sei, neben der spannenden Handlung dem Leser zu vermitteln, wie
das Weltbild der damaligen Menschen wirklich beschaffen gewesen ist. So eng sei die Welt
nicht gewesen, wie man heute glaubt. »Neben dem Anspruch zu unterhalten, habe ich auch
den Anspruch meinen Beitrag zur Volksbildung zu leisten«, erläuterte Kneifel und
berichtete über die Recherchearbeit, die hinter ernst gemeinten historischen Romanen
stehe. Interessanterweise arbeitet er nicht wie heute üblich mit Hilfe des
Internets, sondern erschließt sich geschichtliches Hintergrundwissen aus Büchern oder
geht in die Münchner Staatsbibliothek. Für SF-Leser von besonderem Interesse ist
allerdings ein groß angelegter SF-Roman für den Heyne Verlag, an dem zu schreiben dem
Autor momentan besondere Freude bereitet. Auf Heftromane aus Kneifels Feder wird man, von
gelegentlichen Gastromanen abgesehen, in Zukunft hingegen verzichten müssen. »Das will
ich nicht mehr, und ich könnte es auch nicht mehr.« Offensichtlich ist Kneifel
mehr als froh, dass er es nicht mehr nötig hat, am Fließband zu schreiben. »Na ja, aber
ein Thomas Mann ist er deshalb trotzdem nicht!«, warf mein Extrasinn hämisch ein. »Was
für ein unsinniger Vergleich«, wies ich ihn zurecht. Aber irgendwie kam das Gespräch
tatsächlich auf Thomas Mann, von dem Kneifel besonders den umfangreichen Roman Joseph
und seine Brüder schätzt. Nichts würde Kneifel ferner liegen, als sich selbst mit
Mann zu vergleichen, aber gleichzeitig erscheint es ihm absurd, die Literatur nach dem
bekannten U- und E-Schema zu unterscheiden, wobei U für »minderwertige«
Unterhaltungsliteratur und E für »ernsthafte« Hochliteratur steht. Obwohl gerade dieses
Thema noch Raum zu weiteren stundenlangen Diskussionen geboten hätte, verabschiedete ich
mich schließlich von Hanns Kneifel, der sich nicht nur als freundlicher Gastgeber,
sondern auch als kluger, humorvoller und manchmal sogar überaus selbstironischer
Gesprächspartner entpuppt hatte.
Noch am selben Abend fuhr ich in die Psychiatrische Klinik, um meinen
Extrasinn, der mich mehr genervt als gut beraten hatte, wieder abzugeben. Ich zog ihn am
Schopf aus mir heraus, faltete ihn sorgfältig zusammen und sprühte etwas Eau de Toilette
darüber, um den Weißweingeruch, der von ihm ausströmte, zu mildern. Dem Archivar, der
ihn freundlich zuckend in Empfang nahm, schenkte ich zum Dank je eine (von mir)
handsignierte Ausgabe von Joseph und seine Brüder und Der Traum der Maschine.
P. S.: »Spaltungsirresein« ist ein veralteter Begriff, der in der
modernen Psychiatrie keine Verwendung mehr findet. Ebenso wenig gibt es tatsächlich
»gespaltene Persönlichkeiten«, »Extrasinne« oder gar »Haluter«!
© 2005 Christian
Hoffmann |

Foto: Peter Fleissner |