| Raphael Aloysius Lafferty wurde 1914 in Neola im US-Bundesstaat Iowa geboren,
zog aber schon 1920 mit seinen Eltern nach Tulsa/Oklahoma. Dieser Wahlheimat blieb er bis
zu seinem Lebensende treu. Anfangs wies nichts drauf hin, dass aus ihm einmal ein
erfolgreicher Schriftsteller werden sollte. Bis zu seinem 45. Lebensjahr arbeitete er
vollberuflich als Elektroingenieur. R. A. Lafferty gab 1960 sein Story-Debüt mit der
Kurzgeschichte »The Day of the Glacier« in ORIGINAL SCIENCE
FICTION STORIES, seine ersten Science-Fiction-Romane erschienen 1968: Past
Master (dt. 1981, Astrobe, der goldene Planet), The Reefs of Earth
und Space Chantey (dt. 1980, Die Odyssee des Captain Roadstrum). Sein
Gesamtwerk umfasst über zwanzig Romane und etwa 150 Storys, von denen etliche in
Sammelbänden veröffentlicht wurden. Insbesondere ein Großteil des zusehends kryptischer
werdenden Spätwerkes wurde lediglich in Broschürenform publiziert. Zu den bekanntesten
Sammelbänden Laffertys zählen Nine Hundred Grandmothers (1970, dt. Neunhundert
Großmütter, auch So frustrierten wir Karl den Großen), Does Anyone
Else Have Something Further to Add? (1974) und Lafferty in Orbit (1991, dt. Lafferty
im Orbit). Lafferty galt als einer der wenigen Autoren, die sich auf humoristische SF
verstehen. Daneben war er aber auch bodenständig-katholisch und sah seine Humoresken als
eine Art göttliches Theater an, dessen Protagonisten Teile eines kosmischen Dramas
darstellen.
Neben den bekannten Erzählungsbänden - für die Story »Eurema's Dam« erhielt er
1972 den Hugo Gernsback Award
- war R. A. Lafferty auch als Romanautor erfolgreich, besonders die frühen Werke
begründeten seinen Ruf als anspruchsvoller Unterhalter. In Past Master wird
Thomas Morus in ein alternatives Utopia versetzt, das er retten soll. Morus scheitert aber
am Widerspruch zwischen utopischen Idealen und der realen Politik, die ihm schon als
Lordkanzler Heinrich VIII. den Kopf kostete. Fourth Mansions (1969) bildet die
Menschheitsgeschichte als barockes Drama nach, in dem geheimnisvolle Mächte das Schicksal
der Erdbewohner nach Gutdünken manipulieren. In Arrive at Easterwine (1971)
schließlich geht es um einen Computer, in dem sich künstliche Intelligenz mit
menschlicher Emotionalität verbindet. Die letzten Bücher Laffertys, der sich schon seit
einem Herzinfarkt im Jahr 1980 zunehmend vom Schreiben zurückgezogen hatte, erschienen
1992: die Romane More Than Melchisedech und Argo sowie der
Erzählungsband Iron Tears. 1990 wurde er mit dem World Fantasy Life Achievement
Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Raphael Aloysius Lafferty starb am 18. März 2002 nach langer Krankheit in Broken
Arrow/Oklahoma.
Siegfried Breuer ALIEN CONTACT
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