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| Science Fiction > Encyclopedia | Personen-Lexikon |
| LUNDWALL, SAM J.
(1941- ) Schwedischer Schriftsteller, Herausgeber, Kritiker, Übersetzer (von über 400
Büchern, größtenteils Science Fiction),
professioneller Photograph, Fernsehproduzent, Regisseur, Komponist, Sänger (zahlreiche
Aufnahmen) und Verleger. Seine erste veröffentlichte Arbeit war ein SF-Hörspiel für das
schwedische Radio, 1952 gesendet, als er 11 Jahre alt war. Seit 1956 ist er im
schwedischen Fandom ungeheuer aktiv und seit 1963 veröffentlicht er professionell. Sein
erstes Buch war ein Sammelband mit Erzählungen, Visor i var tid (Sb 1965). Sein
nächstes Buch verkaufte er in seiner eigenen Übersetzung an Ace Books: Science
Fiction: fran begynnelsen till vara dagar (1969; erw übers SJL als Science
Fiction: What Its All About 1971); eine der frühesten Untersuchungen zur SF in
englischer Sprache. Seit 1970 hat Lundwall mehrere Romanen geschrieben, von denen vier ins Englische übersetzt wurden. In Alices Welt (Alice! Alice! 1970 dos US/1974 S) kehrt ein Raumschiff auf eine verlassene Erde zurück und findet sie von Wesen aus Mythen und Literatur bevölkert vor. Lundwalls Satiren können sehr bissig sein, wenn er sich beispielsweise in 2018 oder der King-Kong-Blues (King Kong Blues 1974) der Werbebranche annimmt; in anderen Fällen ist sie eher mutlos wie in Bernhards magiska sommar [»Bernhards magischer Sommer«] (1974), dem dritten Band einer Trilogie, die mit No Time for Heroes (1970 dos US; übers SJL als Inga Hjaltar har Sweden 1972) und Der Schrecken des Universums (Uppdrag i universum 1973) begann -, oder urkomisch wie in Morkrets furste [»Der Prinz der Finsternis«] (1975), wahrscheinlich sein bester Roman, eine Burleske auf den Groschenroman der Jahrhundertwende. Von 1970 an gab er die SF-Reihe von Askild & Karnekull heraus und weckte damit das neue Interesse der schwedischen Verlagswelt an SF. 1973 machte er sich mit seinem eigenen Verlag Delta selbstständig, der bis 1991 existierte und sich auf SF in Erstausgaben und Nachdrucken spezialisierte, mit ungefähr 20 Titeln im Jahr. Unter dem Delta-Imprint gab Lundwall auch das wiederbelebte JULES-VERNE-MAGASINET, Schwedens einziges professionelles SF-Magazin, heraus, das in seiner ersten Inkarnation von 1940 bis 1948 erschienen war; es wird immer noch verlegt, inzwischen unter seinem persönlichen Imprint Sam J. Lundwall Fakta & Fantasi. Lundwalls sorgfältige Bibliographie der im Original und in Übersetzungen in Schweden veröffentlichten SF trägt den Titel Bibliografi over science fiction & fantasy, 1741-1973 (1974), die zweite revidierte Fassung eines Buches, das ursprünglich 1962 erschien; fortgesetzt wurde sie mit Bibliografi over science fiction & fantasy, 1974-83 (1984). Seine Anthologie-Serie »Den fantastiska romanen« (1973-4, 4 Bände), sammelt Dokumente über die Geschichte der SF mit kritischen Anmerkungen. Eine spätere von Lundwall herausgegebene Anthologie-Serie trägt den Titel »Det hande i morgon« [»Es geschah in der Zukunft«]. Science Fiction: An Illustrated History (1979 US) ist ein weiteres englischsprachiges Werk, das der europäischen SF den Vorzug gibt und ihr ein höheres Niveau zuspricht als der US-SF. Gemeinsam mit Brian W. Aldiss gab er das englischsprachige Buch World omnibus of Science Fiction (Anth 1986 dt. Der große Heyne World SF Omnibus) heraus, dessen eklektischer Inhalt größtenteils nicht aus den USA stammt und als Fußnote zu seiner früheren Argumentation betrachtet werden kann. Seit 1975 hat Lundwall ungefähr ein Dutzend Romane geschrieben, darunter CRASH (1980) über die Abenteuer eines schwedischen SF-Autors in der US-amerikanischen Verlagswelt. Sein bisher ambitioniertestes Projekt ist eine Serie (Romane, Erzählungen, Gedichte), die in einer probabilistischen Alternativwelt spielt, einer flachen Erde, der eine Auflösung in andere Wahrscheinlichkeiten droht; die wissenschaftliche Untermauerung wurzelt in der Quantenphysik. Nur drei Erzählungen dieser Serie sind ins Englische übersetzt worden: »Nobody Here But Us Shadows« (1975 Gal), »Take Me Down the River« (1979) und »Time Everlasting« (1986). Die zentralen Romane dieser Serie sind Fangelsestaden [»Gefängnisstadt«] (1978), Flicka i fonster vid varldens kant [»Mädchen am Fenster am Rande der Welt«] (1980), Tiden och Amelie [»Zeit und Amelie«] (1986), Gestalter i sten [»Figuren in Stein«] (1988), Frukost bland ruinerna [»Frühstück in den Ruinen«] (1988) und Vasja Ambartsurian [»Vasja Ambartsurian«] (1990). Lundwall ist als Schriftsteller, Herausgeber, Verleger, Unternehmer und Übersetzer eine zentrale Gestalt der schwedischen Science Fiction. John-Henri Holmberg/Peter Nicholls The Encyclopedia of Science Fiction |
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