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Tyneside | Daressalam | Tokio | Oxford | Moreton Pinkney | Kalifornien und Finnland | Watsons Welten | Bibliographie
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| Name: Ian Watson Geboren: 20.4.1943 in St. Albans/England |
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TynesideIan Watson ist das einzige Kind von John William Watson, einem Postangestellten, und Ellen Cowe Rowley. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog die Familie zurück nach North Shields im nordenglischen Tyneside-Bezirk, wo Ian ab 1948 auf die Tynemouth School ging, die er 1959 mit nur 16 Jahren abschloß. Bereits als Jugendlicher las er viel Science Fiction, aber auch klassische Literatur. Nach der Schule arbeitete er zunächst als Buchhalter und reiste per Anhalter von Rotterdam bis Wien. Mit einem Stipendium studierte er ab 1960 Englische Literatur am Balliol College in Oxford, wo er 1963 seinen Bachelor of Arts mit Auszeichnung machte. Anschließend schrieb er eine Arbeit über den Einfluß französischer Autoren auf den englischen Schriftsteller Walter Pater, was ihm 1965 den Master of Arts einbrachte. |
![]() Foto: Peter Fleissner |
DaressalamNach dem Studium machte er eine Europa-Reise und erfuhr während seines Aufenthalts in Ravenna, daß seine Bewerbung als Dozent am University College von Daressalam in Tansania angenommen worden war. Dort lebte er von 1965 bis 1967 gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Malerin Judith Jackson, die er bereits 1961 geheiratet hatte. In Tansania schrieb er Artikel über Jean Genet, Elias Canetti und afrikanische Autoren, während seine Frau bei einem Kunstwettbewerb der Firma Esso 100 Liter Benzin gewann. |
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Tokio1967 kehrten die Watsons für kurze Zeit nach England zurück. Nachdem seine Bewerbung um eine Dozentenstelle in Kamerun abgelehnt wurde, gingen sie noch im selben Jahr nach Tokio, wo Ian Watson an verschiedenen Universitäten Vorlesungen über Englische Literatur hielt. Da in jener Zeit ein Studentenstreik stattfand, hatte er viel Zeit, Tokio zu Fuß zu erkunden. Nachdem er bereits während des Studiums phantastische Geschichten verfaßt hatte, inspirierte ihn die moderne Kultur Japans dazu, Science-Fiction-Storys zu schreiben. Seine erste Kurzgeschichtenveröffentlichung war »Roof Garden Under Saturn«, die 1969 in der Zeitschrift New Worlds erschien. Im selben Jahr kam Japan: A Cats Eye View heraus, ein englisches Lesebuch für Japaner. Der Titel bezieht sich auf ihren langhaarigen, getigerten Kater, der die Reise nach Japan mitmachte, und ein Jahr nach der Rückehr nach England verstarb. In dieser Zeit schrieb Ian Watson einen Artikel, der 1970 in New Worlds erschien und die spätere Cyberpunk-Bewegung beeinflußt haben soll. |
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Oxford1970 reisten die Watsons per Schiff über Hamburg nach Europa zurück und mieteten ein Haus in Oxford. Während Ian als Dozent für Science Fiction an der Birmingham Polytechnik lehrte, kam er in Kontakt mit der Trotzkistischen Sozialistischen Arbeiterliga, experimentierte mit LSD, beschäftigte sich mit Anthropologie und Linguistik und schrieb zusammen mit seiner Frau den »dekonstruktivistischen pornographischen« Roman The Woman Factory alias The Woman Plant, der bislang nur auf französisch als Orgasmachine (1976) und 2001 in Japan veröffentlicht wurde. 1973 kam ihre Tochter Jessica zur Welt, die heute als Textildesignerin arbeitet. Watsons erster regulär erschienener Roman war Das Babel-Syndrom (The Embedding 1973). Das Buch belegte in der Endausscheidung zum John W. Campbell Memorial Award den zweiten Platz und gewann den französischen Prix Apollo. Während dieser Zeit zeichnete seine Frau Judy für Oz und andere britische Underground-Comics. 1974 wurde Ian Watson Mitglied der Science Fiction Foundation und ein Jahr später Redakteur der Zeitschrift Foundation. Im nächsten Jahr war er zum ersten Mal Ehrengast auf einer SF-Convention im französischen Angoulême und veröffentlichte den Roman Der programmierte Wal (The Jonah Kit 1975), der ebenfalls mehrere Preise gewann. 1976 gab er seine Dozententätigkeit auf, um als freier Schriftsteller zu arbeiten. In den nächsten Jahren erschienen weitere preisgekrönte Romane, darunter Zur anderen Seite des Mondes (Miracle Visitors 1978), in dem sich herausstellt, daß das UFO-Phänomen durch einen speziellen Bewußtseinszustand erzeugt wird. |
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Moreton Pinkney1979 kauften sich die Watsons ein Haus in Moreton Pinkney, einer kleinen Ortschaft in Northamptonshire. Sie traten der Labour Party bei und engagierten sich in einer Bürgerinitiative für nukleare Abrüstung. Außerdem gewannen sie ab 1980 dreimal in Folge den ersten Preis der Moreton Pinkney Horticultural Society für den schönsten Blumengarten. Als Ausgleich zum beschaulichen Landleben begann Ian Watson, Horrorstorys zu schreiben. In dieser Zeit erschien unter anderem der Roman Die Gärten des Meisters (The Gardens of Delight 1980), in dem Raumfahrer in einer Umgebung landen, die exakt den Bildern von Hieronymus Bosch entspricht, und Tschechows Reise (Chekhovs Journey 1983), in dem eine Expedition das Rätsel der Tunguska-Explosion löst. Einen größeren Publikumserfolg landete er mit der Yaleen-Trilogie, die mit Das Buch vom Fluß (The Book of the River 1984) eingeleitet wird und ein ähnliches Thema wie Philip José Farmers Flußwelt-Zyklus aufgreift. Außerdem gab Watson in den achtziger Jahren einige Anthologien wie beispielsweise Das unentdeckte Land (Afterlives 1986) heraus. |
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Kalifornien und Finnland1985 und 1989 ließ sich Ian Watson als Kandidat der Labour Party aufstellen, wurde jedoch nicht gewählt. Während er den Sercon 1987 in Oakland/Kalifornien besuchte, erhielt er die Gelegenheit, die bewußtseinsverändernden Auswirkungen eines Isolationstanks zu erleben, was ihn zur Novelle »The Flies of Memory« inspirierte, die er später zum Roman Die Fliegen der Erinnerung (The Flies of Memory 1990) erweiterte. In diesen Jahren kamen neben seinem ersten Horror-Roman Die Macht des Bösen (The Power 1987) weitere SF-Romane und Storysammlungen heraus, von denen eine Auswahl in der deutschen Originalzusammenstellung Kreuzflug (1987) erschien. Von 1990 bis 1991 arbeitete er mit dem Kultregisseur Stanley Kubrick an einem Treatment für das Filmprojekt A. I. Künstliche Intelligenz (A. I. Artificial Intelligence USA 2001), das erst zwei Jahre nach Kubricks Tod von Steven Spielberg realisiert wurde. Anschließend schrieb Watson vier Bände der Strategiespiele-Serie Warhammer 40,000 (1991-1995). Der Besuch des Jyväskylä Arts Festival in Finnland inspirierte ihn 1991 zu seinem bislang ehrgeizigsten Werk, dem zweibändigen Mana-Zyklus (The Book of Mana 1993-94), der in Deutschland in drei Teilen erschien. Darin stellt Watson eine magisch-exotische Welt vor, die nach dem finnischen Nationalepos Kalevala gestaltet ist. Bei seinen neueren Werken Hard Questions (1996) und Orakel (Oracle 1997) handelt es sich um bodenständigere Techno-Thriller. Für den Roman Mockymen konnte er bislang noch keinen Verleger finden; dafür erschien 2001 The Woman Plant, eine überarbeitete Fassung seines Erstlings aus den frühen siebziger Jahren, in japanischer Übersetzung. Am 14. April 2001 starb seine Frau Judy Watson im Alter von 61 Jahren, nachdem sie lange Zeit unter einem Lungenemphysem gelitten hatte. |
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Watsons WeltenIan Watson schreibt intellektuelle und politisch engagierte Science Fiction, die mit zahlreichen kulturgeschichtlichen Anspielungen und subtilem britischen Humor gespickt ist. Sein wichtigstes Thema ist das Verhältnis zwischen Sprache und Realität und die Frage nach der gegenseitigen Beeinflussung von Wahrnehmung und Realität. Obwohl Ian Watsons Geschichten eher im »inner space« spielen und er im New-Wave-Magazin New Worlds debütierte, hebt er sich stilistisch und thematisch von den typischeren Vertretern der um 1970 aufgekommenen SF-Strömung der New Wave ab. |
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