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| Das Magazin für Science Fiction & Fantasy • Ausgabe 63 • |

Dirk Lang hat ihn für Alien Contact in seiner Villa in Beverly Hills, Hollywood besucht und einen Mann kennen gelernt, der freundlich und ausführlich auf seine Fragen antwortete.
Clive Barker: [lacht] Da steht ja viel zur Auswahl. Meiner Meinung nach ist es sehr schwer, beim kommerziellen Kino einen Anspruch auf Kunst erheben zu wollen. Weil ich sehr unterschiedliche Kunst in den verschiedensten Medien produziere, gelange ich selten an den Punkt, an dem ich mich gleichzeitig als Künstler und auch als Hure fühle.
Als Maler betrachte ich mich als Künstler; als Schriftsteller betrachte ich mich ebenfalls als Künstler. Als Filmemacher gab es tatsächlich Situationen, in denen ich meinen Namen hergegeben habe, weil ich das Geld brauchte. Bei »How Is the Treat« beispielsweise. Im Grunde genommen hat man mir mehr Geld gezahlt, als mein tatsächlicher Beitrag zu diesem Film wert war. Es war nicht mein Film, also habe ich mich wirklich nicht als Künstler gefühlt.
Wenn man einen Film macht, gibt es so viele andere Menschen, die Einfluss nehmen, Ratschläge erteilen, dich gelegentlich herumkommandieren und dich manchmal sogar ersetzen. »Wenn du nicht bereit bist, es so zu machen, bist du den Film los, und wir machen es, wie wir es für richtig halten«, heißt es dann. Es ist sehr schwer, sich als Künstler zu fühlen, wenn man von so vielen Leuten umgeben ist, die einem auf die Schulter tippen.
Wenn ich ein Buch schreibe, gebe ich meinem Verleger einen einzigen Satz. Manchmal nicht einmal einen Satz, sondern nur einen Titel, und ich sage: »Das muss reichen. Wir sehen uns in fünfzehn Monaten wieder.« Niemand mischt sich in diesen Vorgang ein. Es ist ein sehr unberührter, reiner Vorgang. Und ich denke, um der Kunst willen braucht es diese Unberührtheit. Ich weiß nicht, warum ich das glaube – es ist einfach so. Viele Argumente sprechen dagegen. Shakespeare wusste, wie man mit dieser Reinheit schreibt, aber die Stücke, die wir als Shakespeare-Stücke kennen, sind genau genommen aus Fragmenten entstandene Stücke – Skizzenbücher oder Dinge, die er in die Proben einbrachte, und vermutlich sagte dann ein Schauspieler: »Weißt du, mir hat es besser gefallen, als du es auf diese Weise gemacht hast.« oder »Weißt du, es hat mir besser gefallen, als du es auf jene Weise gemacht hast.«
Falls du zufällig Burbage gelesen haben solltest, weißt du, dass Burbage eine ganze Menge über Shakespeares Schreibtechnik zu sagen hatte. Es ist also ganz offensichtlich, dass Shakespeares Schreibmethode dem Prozess des Filmemachens sehr viel näher stand als der Art und Weise, in der Bücher entstehen. Er schrieb unter großem kommerziellen Druck. Aber ich denke, dass wir seit dem 19. Jahrhundert das Ideal der Kunst mit einer gewissen Reinheit der Absicht, der einzigartigen Vision gleichsetzen. Ich möchte behaupten, dass spätestens seit dem 19 Jahrhundert der Künstler derjenige ist, der in die Wildnis seiner Psyche geht und aus jener Wildnis etwas zurückbringt, das für ihn oder sie von entscheidender Bedeutung ist.
Barker: Ja. Ziemlich oft ein Wort oder ein Reim. Die Anfangsworte von Das Sakrament: »Jede Stunde birgt ihr Geheimnis«, der gesamte Absatz kam nahezu in seiner Gesamtheit zu mir. Doch fast augenblicklich folgte das Bild von Will, wie er von einem Eisbären angegriffen wird.
Aber jetzt fällt mir noch eine Sache ein, die vorher stattgefunden hatte. Ich hatte eine Dokumentation über Eisbären in Churchill gesehen, jener Stadt an der Küste der Hudson Bay. Es war kein besonders respektvoller Film. Sie brachten einige Bilder von den Eisbären, die sich während ihres jährlichen Marsches nach Norden in der Stadt Churchill herumtreiben. Jedes Jahr treiben sie sich dort herum. Sie gehen zur städtischen Müllhalde und ernähren sich vom Abfall der Stadt. Genau das tun sie. [An David gewandt] »Hast du das gesehen?« Klar, jetzt erinnere ich mich. David sagte: »Oh, guck mal. Ist das nicht lustig, wie der Eisbär auf der Müllhalde herumturnt?« Weißt du, er war riesig. 800 Pfund Eisbär. Aber es war nicht lustig. Es war rührend. Es war traurig. Ich weiß noch, dass ich dachte, dass das genau die Geschichte war, die ich erzählen wollte.