ALIEN CONTACT

Fundgrube für Sammler

Das Buchdorf Mühlbeck-Friedersdorf

von Hardy Kettlitz

Science Fiction > Alien Contact

Die Lieblingsbeschäftigung der Büchersammler ist die Jagd nach alten, seltenen oder besonders schönen Büchern. Doch die Antiquariate in der Nähe kennt man meist schon auswendig. Und hat man einmal eine begehrte Kostbarkeit gefunden, bekommt man zu Hause möglicherweise zu hören: »Schleppst du schon wieder Bücher an?!«

Die Alternative ist ein erholsamer Wochenendausflug in das Buchdorf Mühlbeck-Friedersdorf in der Nähe von Bitterfeld. In reizvoller Landschaft findet der Besucher hier zwei aneinandergewachsene Dörfer mit inzwischen elf Buchläden, die wirklich jedem Interesse etwas bieten.

Die Idee des Buchdorfes stammt aus Großbritannien, wo bereits 1961 in einem kleinen Dorf in Wales in einem ausgedienten Kino ein Laden eröffnete, zu dem sich bis heute 36 weitere gesellten. Inzwischen gibt es in vielen europäischen Ländern Buchdörfer. Der Förderverein Buchdorf Mühlbeck-Friedersdorf e. V. gründete im September 1997 das erste deutsche Buchdorf. Der Verein hat sich die Pflege der deutschen Sprache und Kultur zur Aufgabe gemacht und führt dazu unter anderem die Veranstaltungsreihe »showFenster« an allen »Schnapsdaten« (1.1., 2.2., 3.3. usw.) mit Dichterlesungen, Puppenspiel, Jazz-Nacht und vielem mehr durch.

Im Laufe des Jahres 1999 werden in Mühlbeck voraussichtlich noch zwei weitere Buchläden eröffnet. In den ersten 18 Monaten haben bereits mehr als 20.000 Besucher die umfangreichen Buchbestände des Dorfes durchstöbert. Die einzelnen Läden haben sich, den Neigungen der Besitzer folgend, auf Fachgebiete spezialisiert. Man findet Weltliteratur und Klassiker, Bildbände aus aller Welt, Noten und Schallplatten, Nachschlagewerke, fremdsprachige Literatur, Biographien und Reisebeschreibungen, Sagen und Märchen, Kinderbücher - und natürlich auch eine ganze Menge Science Fiction. Hans-Jürgen Schmidt führt in seinem SF-Antiquariat (Buchladen 6) neben neueren Taschenbüchern sehr viele DDR-SF-Bücher und Vorkriegs-Phantastik.

Die Öffnungszeiten der Läden sind sehr besucherfreudlich und erleichtern auch entfernt wohnenden Interessenten die Anreise. Täglich, auch an Sonn- und Feiertagen, von 10 bis 18 Uhr im Winter und während der Sommerzeit bis 20 Uhr, ist der Besucher willkommen.

Wenn man vom Stöbern in den alten Büchern hungrig und müde geworden ist, muß man am späten Abend nicht sogleich die Heimreise antreten. Direkt in den beiden Dörfern und in der näheren Umgebung gibt es über zehn Restaurants und Cafés, ebenso ein knappes Dutzend Hotels und Pensionen mit moderaten Preisen. Demnächst wird sogar noch ein weiteres Café hinzukommen, das die Mitgründerin des Buchdorfes und Inhaberin des Antiquariats »Bücher con sum« Heidi Dehne eröffnen wird.

Erholen kann man sich bei Spaziergängen am Mulde-Stausee, wo derzeit ein ausgedehntes Naherholungsgebiet entsteht. In Sommer gibt es dort auch Bademöglichkeiten.

Anfang März haben sich SF-Fans aus Halle, Erfurt und Berlin im Buchdorf getroffen und nach der Büchersuche bei einem gemütlichen Bier beschlossen, dieses Treffen vierteljährlich zu wiederholen. Der nächste Termin ist am 26. Juni 1999. Gäste sind willkommen.

ALIEN CONTACT 34 • 1999

Die Anfahrt nach Mühlbeck-Friedersdorf ist recht einfach. Von der Autobahn A 9 (Abfahrt 11, 12 oder 13) gelangt man über die Bundesstraßen 100, 183 oder 184 bis Bitterfeld. Von dort aus geht es weiter Richtung Bad Düben und Wittenberg, und nach 5 km erreicht man das Buchdorf. Wer lieber mit der Bahn fährt: ein Taxi von Bitterfeld nach Mühlbeck kostet weniger als 20 DM.

Weitere Auskünfte erteilt der
Förderverein Buchdorf Mühlbeck-Friedersdorf e.V.
Dorfplatz 61 • 06774 Mühlbeck
Telefon: (0 34 93) 95 00 43
Telefax: (0 34 93) 95 00 45
Internet: www.buchdorf.de
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