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von Siegfried Breuer
| Science Fiction Alien Contact |
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| Die Veranstaltungen der
letzten Wochen - von den »19. Wetzlarer Tagen der Phantastik« bis zum PentaCon in
Dresden - drehten sich allesamt um das Thema SF in der DDR. Wurde die DDR aber nicht 1990
aufgelöst, eingemeindet in den westdeutschen Konkurrenzstaat BRD? Warum also jetzt, zehn
Jahre nach dem Mauerfall, diese Thematik? Vielleicht sind es die DDR-SF-Fans, die nicht
von ihrer Lieblingslektüre lassen wollen, die sich in den gewachsenen Traditionen ihrer
SF-Clubs immer noch heimisch fühlen und auf der Anerkennung eigenständiger Entwicklung
und nachweislicher Lebensleistung der DDR-SF-Autoren beharren. Auf den ersten Blick mögen
ostdeutsche SF-Conventions etwas ostalgisch anmuten, vielleicht gar dem Retrodenken
verhaftet sein. Das aber ist eine zu vereinfachte Sicht auf eine Entwicklung, die gerade
erst in Gang gekommen ist. Einst waren wir das Volk - und haben so den Mauerfall
ermöglicht, nun sind wir tatsächlich ein Volk, aber der Prozeß des
Zusammenwachsens heißt ja nicht, daß wir unser Leben vor der Wende löschen müßten wie
einen mißlungenen Textentwurf. Darum ist es legitim, jetzt, zehn Jahre nach der
»Herbstrevolution«, die DDR-SF auf den Prüfstand zu stellen und ein erstes Fazit zu
ziehen, was von ihr historisch und literarisch Bestand hat, und was zu Recht nur noch für
Komplettsammler von Interesse sein wird. Die Phantastische Bibliothek Wetzlar hat einen guten Ruf als eine Institution, die das Genre Science Fiction als ernsthaften Forschungsgegenstand betreibt. So ist es keine Überraschung, daß auch die diesjährigen »19. Tage der Phantastik« diesem Anspruch gerecht wurden. Man kann sich die Veranstaltung vorstellen als einen Con ohne Fans, bei dem das Insider-Literaturpublikum und die Referenten unter sich bleiben, ungestört von einem fannischen Rahmenprogramm. So kann man sich ganz auf die Referenten und ihre Vorträge konzentrieren, und die waren kontrovers und kompetent. Das Spektrum der Urteile schlug den Bogen von der vernichtenden Kritik Olaf R. Spittels zum vorsichtigen Optimismus Karlheinz Steinmüllers, der deutliche Parallelen in der Entwicklung der Science Fiction in beiden deutschen Staaten analysierte. Angefangen bei technischen Zukunftsszenarien und dem Weltraumfahrt-Enthusiasmus in den 50er und 60er Jahren über nachdenklichere ökologische Themen und Katastrophenszenarien in den 70ern bis zur Suche nach gesellschaftlichen Alternativen in den 80ern und der heutigen allgemeinen Utopiemüdigkeit. Die alternativen Vergangenheiten, sei es nun im Gewand der Fantasy-Literatur oder als Alternativ- und Parallelwelten, haben Konjunktur, was sich auch in der Auswahl für diese Seiten niederschlägt. Der österreichische Herausgeber Franz Rottensteiner faßte beim PentaCon das drängende Problem, dem sich die Science Fiction zur Zeit gegenübersieht, sehr prägnant zusammen: »Es gibt keine Krise der SF, sondern eine Krise des Lesens überhaupt.« Und Karlheinz Steinmüller mutmaßt, daß »Lesen als Kulturfähigkeit nicht mehr notwendig sein wird«, er sieht die Zukunft der Literatur als Hyperliteratur, in der man herumklicken kann, globalisiert, multimedial, internetfähig, aber eventuell keine Literatur mehr im jetzigen Sinne. ALIEN CONTACT 36 1999 |