![]() |
von Siegfried Breuer
| Science Fiction Alien Contact |
|
| Von der Krise der deutschen
SF-Literatur (deutsche SF-Filme gibt es ja ohnehin kaum) war an dieser und anderer Stelle
in ALIEN CONTACT schon des öfteren die Rede. Eine Folge
sowohl der Krise selbst als auch der allgemeinen Diskussion darum ist wohl eine gewisse
Schreibmüdigkeit seitens der Autoren, die irgendwann auch den größten Vorrat an
Idealismus und welkem Lorbeer vergangener Zeiten aufgebraucht haben. Solcherart
Resignation war in den SF-Veranstaltungen der letzten zwei Jahre fast schon der Grundtenor
aller Diskussions-Podien. Karlheinz Steinmüller
prognostizierte der SF nur ein »Überleben in der Nische«, für Michael Szameit »äußert sich
die Krise in der SF darin, daß sie zur intergalaktischen Moorhuhnjagd verkommen ist«,
und Heiner Rank schließt aus all dem drastisch: »Wenn ich Geld verdienen will, gehe ich
als Putzfrau.« Da mutet es fast schon optimistisch an, wenn Erik Simon der deutschen Science Fiction zumindest ein
»Zusammenwachsen in der Szene der fandomisierten SF« attestiert. Der Markt für Science Fiction wurde in Deutschland seit den 80er Jahren kleiner, nicht nur durch den Wegfall der DDR-Verlage, der Boom ist generell abgeflaut. Wer vom Schreiben leben und trotzdem der SF treu bleiben wollte, dem blieb nichts weiter übrig, als ins Herausgeber-Lager zu wechseln oder hauptberuflich vom Dichter zum Nachdichter (sprich Übersetzer) zu werden. Eigene Arbeiten sind für die SF-Autoren der 50er-Jahrgänge nur noch ein Luxus, den sie sich selten leisten können oder wollen. Zum Glück gibt es aber trotz aller negativen Prognosen immer wieder Wagemutige, die unbekümmert die Phantastik für sich neu entdecken, von ihrer beginnenden Patina befreien und mit frischen Ideen und viel Energie neue Leserkreise jenseits des Fandoms erschließen (Leserkreise, die nicht einmal ahnen, daß es so etwas wie 'Fandom' überhaupt gibt). Wenn denn Science Fiction in Deutschland als reine Unterhaltungsliteratur definiert wird, so hat sie doch den Krimis und Liebesschnulzen ein kreatives Potential voraus, das endlich von der Stigmatisierung durch die Gesellschaft und das Feuilleton befreit werden muß. Und wenn dies um den Preis geschieht, daß eben nicht mehr »Science-Fiction-Roman« in großen Lettern auf dem Cover prangt, dann ist so etwas vielleicht kein Rück-, sondern ein Fortschritt. Die phantastische Literatur war lange Zeit ganz selbstverständlich Teil der Belletristik, und wenn sie es wieder wird, öffnet sich die SF ebenso einer weitaus größeren Zielgruppe. Der Elfenbeinturm des »SF-Ghettos« taugt nicht für das neue Jahrtausend. ALIEN CONTACT 39 2000 |