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| ALIEN CONTACT 46 |
| Science Fiction Alien Contact |
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| Gregor Jungheim
beklagt sich in seinem Beitrag »Wer will schon
was von Aliens wissen?« zu Recht über das mangelnde Ansehen der
Science Fiction außerhalb eines kleinen, eingeschworenen Leserkreises. Innerhalb dieser
Leserschaft wird allerdings auch regelmäßig der Vorwurf laut, die SF befinde sich
qualitativ im Niedergang. Vor allem im deutschsprachigen Raum würden immer weniger
lesenswerte Bücher erscheinen. Grundsätzlich trifft das durchaus zu, darüber kann auch
Hermann Urbaneks wie immer rein quantitativ argumentierender Jahresüberblick im neusten SF-Jahr
nicht hinwegtäuschen. Dass an dieser Entwicklung jedoch nur die Verlage schuld sein
sollen, ist eine Behauptung, der es heftig zu widersprechen gilt. Fast bin ich gewillt, noch einen Schritt weiterzugehen: Gerade die lautstarken Fans und Sammler sind es, die für die augenblickliche Misere mitverantwortlich sind. Denn sie verhalten sich nur selten wie mündige Leser, die durch ihre Kaufentscheidung die Programmgestaltung der Büchermacher beeinflussen. Ihr Lebensinhalt scheint darin zu bestehen, möglichst obskure Publikationen aufzuspüren, für die sie eine erkleckliche Summe hinzublättern bereit sind. Andererseits beschweren sie sich unablässig darüber, der neue Roman von XY bei Heyne sei zu teuer, und die ungekürzte Neuausgabe des einflussreichen Klassikers Z bräuchte auch kein Mensch, schließlich wäre das Buch schon anderorts erschienen. Nehmen wir Das Sternenprogramm von Ken MacLeod, der Erstling eines britischen Autors, der im angloamerikanischen Raum bereits angemessen für Furore gesorgt hat. Natürlich wird das Buch nicht jedem gefallen, aber es dürfte Einigkeit darüber bestehen, dass es zu jenen anspruchsvolleren SF-Werken gehört, die eine Übersetzung ins Deutsche verdient haben. Trotzdem konfrontieren Fans ihren einschlägigen Buchhändler oder befreundete SF-Leser im Brustton der Überzeugung mit der Feststellung, das Buch sei zu teuer. Ohne an dieser Stelle im Einzelnen auf die Kalkulation des Heyne-Verlages einzugehen, ist zu konstatieren, dass Lektor Sascha Mamczak mit der Publikation von Das Sternenprogramm zweifellos ein Risiko eingegangen ist. Ken MacLeod entspricht genau dem Autorentypus, der im deutschsprachigen Raum unter kommerziellen Bedingungen nur dann publizierbar ist, wenn der entsprechende Verlag über Gegengewichte in Gestalt von handelsüblicher Massenware verfügt Star Trek, Battletech und dergleichen. Stößt ein solcher Autor auf entsprechende Resonanz, kann man ihn weiter aufbauen, vielleicht wirft er sogar irgendwann Gewinn ab. Meistens gehen solche Titel allerdings sang- und klanglos unter, weil sie dem Gros der Leserschaft »zu merkwürdig« oder »zu anstrengend« sind. Anspruch wird zwar meist gefordert, aber leicht verdaulich sollten die Bücher eben trotzdem sein. Ein weiteres Beispiel? Einschlägige Versandbuchhändler, deren Kundschaft hauptsächlich aus SF-Fans und langjährigen Sammlern besteht, haben wiederholt angemerkt, die Neuausgaben vergriffener SF-Klassiker des Hamburger Argument-Verlages seien bei diesem Publikum nur schwer abzusetzen (jawohl, der Autor dieses Beitrags ist Herausgeber dieser Reihe, und nein, er hat nie behauptet, diesbezüglich objektiv zu sein!). Die meisten hätten sie schlicht schon im Regal stehen. Daraus lässt sich eigentlich nur die Schlussfolgerung ziehen, dass es eben genau darauf ankommt: Ein bestimmtes Buch im Regal stehen zu haben, eine bestimmte Lücke im Nummernkreis einer SF-Reihe zu schließen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob die Erstausgabe des hochgelobten Klassikers gekürzt oder stümperhaft übersetzt daherkommt (Beispiele auf Anfrage die Liste ist endlos). Schließlich will man das Buch ja gar nicht lesen ... Überspitzt formuliert: Wer seinen Lesestoff zum Großteil von den einschlägigen Ramschantiquariaten oder den Restetischen der Kaufhäuser bezieht, sollte sich eines Urteils zu diesem Thema möglichst enthalten. Bücher zu machen ist eine aufwändige und teure Angelegenheit, die sich verglichen mit anderen Medien durch eine geradezu lächerliche Rentabilität auszeichnet. Da die Gemischtwarenkonzerne in München und Frankfurt nun endgültig dazu übergegangen sind, sich auf die Jagd nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu beschränken, wird anspruchsvolle Science Fiction in absehbarer Zukunft fast nur noch in kleinen engagierten Verlagen erscheinen (wobei Heyne augenblicklich noch die einzige löbliche Ausnahme darstellt). Wer nicht bereit war und ist, diese Verlage durch den Kauf neuer Bücher zu unterstützen, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Krise mitverursacht zu haben. Wen der neue Roman von Ken MacLeod nicht interessiert, soll ihm um Himmels willen die kalte Schulter zeigen. Noch sind wir in der glücklichen Lage, dass jeden Monat mehr gute SF- (und ja, gelegentlich auch Fantasy-)Romane erscheinen, als ein Mensch für gewöhnlich lesen kann. ALIEN CONTACT gehört zu einer Reihe von Publikationen, die möglichst viele Leser über möglichst viele gute Bücher informieren und manchmal auch vor Schrott warnen möchten. Zu einer fundierten Meinung gehört ein gewisses Maß an Geschichtsbewusstsein und breit gestreuter Information. Zu kaum einem anderen Thema wird im Internet so ausführlich beraten wie zur Science Fiction. Jeder sollte diese Chance nutzen und eine eigenständige Auswahl treffen. Damit das Gejammer endlich aufhört ... |
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Zwei grundlegende
und ausgesprochen spannende Bücher zur derzeitigen weltweiten Krise des
Verlagswesens (weil wir gerade von fundierter Meinung gesprochen haben):
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