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Interview mit Norman Spinrad


Norman Spinrad eilt der Ruf voraus, vor allem ein kontroverser Science-Fiction-Autor zu sein. Darüber wird oft übersehen, dass es ihm weniger um die Vermittlung von Botschaften, als um die erzählerische Erschließung unserer Wirklichkeit geht. In einem Exklusiv-Interview sprach er mit ALIEN CONTACT unter anderem über seinen neusten Roman Die Transformation, seine Erfahrungen mit dem Filmgeschäft und seine Befürchtungen hinsichtlich einer Amok laufenden USA unter Bush.

ALIEN CONTACT: Hier in Deutschland könnte es einige Menschen geben, die noch nie von Ihnen gehört haben. Wenn Sie diesen Menschen sagen müssten, wer Norman Spinrad ist, in fünf oder zehn Sätzen, was würden Sie ihnen erzählen?

Norman Spinrad: In fünf bis zehn Sätzen? Nun, ich schreibe seit 1965, ich bin der Autor von Der stählerne Traum, und mein letztes Buch Die Transformation wird zuerst in Deutschland erscheinen, bisher wurde es nirgendwo anders veröffentlicht. Der englische Titel würde He Walked Among Us lauten. Ich habe an die acht Bücher in Deutschland veröffentlicht, ich schreibe Drehbücher, ich schreibe Lieder, manchmal trete ich live auf, gelegentlich spiele ich Lieder ein. Ich bin der gegenwärtige und auch der frühere Präsident der »Science Fiction Writers of America«, ich bin in New York geboren und lebe seit zwölf Jahren in Paris.

AC: In Deutschland sind zur Zeit zwei Spinrad-Bücher auf dem Markt, also lassen Sie uns über diese beiden reden. Das erste heißt Das tropische Millennium. Sie sind als Autor mit politischen Vorstellungen bekannt, mit einer Botschaft im positiven Sinne, was meiner Meinung nach in Das tropische Millennium gut rüberkommt.

NS: Nun, Botschaften oder Idealvorstellungen, da bin ich mir nicht so sicher, aber ich denke, wenn man über eine zukünftige Gesellschaft schreibt, eine zukünftige Welt, muss man sich Gedanken über alle Aspekte machen, auch die politischen Aspekte. Das Wichtigste für mich ist, dass man eine Geschichte hat, und im Fall von Das tropische Millennium habe ich eine kultivierte, romantische, witzige Story genommen, etwa wie ein Spencer-Tracy/Katherine-Hepburn-Film, als Geschichte an der Oberfläche, und diese Geschichte habe ich benutzt, um in tiefere Schichten vorzudringen. Diese oberflächlichen Personen werden in immer ernstere Ereignisse hineingezogen und müssen moralische Entscheidungen treffen, mit einem möglichen Tod der Biosphäre, der Erwärmung des Planeten als Konsequenz.

AC: Wenn Sie einen solchen Roman schreiben, fangen Sie mit der Geschichte an und kümmern sich dann um die Hintergründe und Details, oder ist es umgekehrt?

NS: Das kommt ganz darauf an. Ich meine, normalerweise passieren diese Dinge gleichzeitig, weil man keine Geschichte ohne handelnde Personen haben kann, und die Personen können nicht ohne eine Welt existieren, in der sie leben. Also tauchen für gewöhnlich alle Aspekte zur gleichen Zeit auf. Im Fall von Das tropische Millennium saß ich in meiner Wohnung in Paris, es war ein fürchterlicher, kalter Novembertag, und ich las in der Zeitung, wie schrecklich die Erwärmung des Planeten doch sei. Da saß ich nun und dachte: »Von mir aus kann das hier gar nicht früh genug passieren«, und da wurde mir klar, dass es Orte geben wird, die davon profitieren werden, und andere Orte werden davon Nachteile haben. - Ich liebe Paris, aber ich hasse das Klima.
   Ich stellte mir Paris als New Orleans oder Los Angeles oder dergleichen vor, wissen Sie, ein tropisches Paris. Nun, wenn Paris so ähnlich wie New Orleans wäre, dann müsste es Schaufelraddampfer geben, und dann bräuchte man noch einen unechten Prinzen, der das Schiff betreibt - und daraus entwickelte sich die Geschichte. Normalerweise entstehen die Personen und die Umgebung gleichzeitig, und daraus entwickelt sich die Geschichte weiter: Was passiert mit diesen Personen in jener Situation?

AC: Das zweite Buch, das gerade in diesen Tagen erschienen ist, heißt Die Transformation. Bisher wurde es im englischen Sprachraum noch nicht veröffentlicht, also ist die deutsche Ausgabe die erste Ausgabe, die jemals gedruckt wurde. Können sie uns sagen, wie es dazu kam?

NS: Das war ein Buch, dass vertragsgemäß für Bantam Books geschrieben wurde. Da Bantam Books zu Bertelsmann gehört und Bertelsmann ein anderes meiner Bücher herausbringen wird, kann ich nicht allzu viel dazu sagen. Aber Bantam Books hatte wirklich sehr sehr schlechte Arbeit bei einem früheren Buch von mir geleistet, Bilder um 11, und aus verschiedenen Gründen nahm ich ihnen das Buch wieder weg, weil ich dachte, es wäre leicht, es woanders zu verkaufen.

AC: Können Sie uns sagen, was alles falsch gelaufen war?

NS: Die Leute haben ihre Versprechen gebrochen! Sie haben gelogen! Das passiert dauernd. Ich wollte, dass sie bestimmte Dinge tun, und sie weigerten sich! Also wollte ich kein weiteres Buch bei diesem Verlagshaus veröffentlichen. Wie sich herausstellte - vielleicht war es eine schlechte Entscheidung, vielleicht eine gute -, jedenfalls wurde Bantam Books, das früher ein gutes Verlagshaus war, immer schlechter. Zur Zeit sind sie nicht sehr gut. Jedenfalls sah ich das kommen und rechnete damit, dass ein weiteres Buch dort verheerend für mich wäre.
   Nun, es war sehr schwer, das Buch an einen anderen Verlag zu verkaufen. Vielleicht liegt das daran, dass es ein kompliziertes Buch ist. Es geht um viele verschiedene Dinge: Es ist - schon wieder - ein Buch über den Tod der Biosphäre, über einen Komödianten, der vielleicht aus einer Zukunft mit einer toten Biosphäre stammt, man hat ihn zurückgeschickt, um die Geschichte zu ändern. Man hat einen Komödianten anstatt eines Wissenschaftlers oder eines Politikers zurückgeschickt, weil man weiß, dass niemand glauben wird, dass jemand wirklich aus der Zukunft kommen kann. Na ja, einem Komödianten glaubt auch niemand, aber das gehört zu seiner Rolle, und damit kommt er ins Fernsehen.
   Dieses Buch ist eine Komödie. Auf Deutsch ist es über tausend Seiten lang, ein lustiger Roman. Aber es ist auch ein ernsthafter Roman. Und es ist ein Roman über Komödianten, ein Roman über die Welt der Science Fiction und über Science-Fiction-Fans, und das ist, glaube ich, der Grund, warum Science-Fiction-Verlage in den Vereinigten Staaten das Buch nicht herausbringen wollten. Der Roman ist witzig, aber er erzählt die Wahrheit. Die Wahrheit ist eben ziemlich witzig. Und vielleicht mögen sie es nicht, wenn sie einen Spiegel vorgehalten bekommen. Der Roman versucht auch, eine Synthese zwischen Phantasie und Mystizismus einerseits und einer wissenschaftlichen Weltsicht andererseits herzustellen, zwischen Science Fiction und Fantasy. Es ist ein sehr, sehr kompliziertes Buch. Es steckt eine Menge Quantenphysik drin, ziemlich viel Hollywoodkram, es geht um das Showgeschäft, es ist ein ein Roman über Science Fiction, vielleicht ist es ein Science-Fiction-Roman, ein Roman über die Straße, über Crack, Kokain und ...
   Aber in erster Linie ist es ein amüsanter Roman.

AC: Wenn Sie sagen, darin ist eine Menge über die Science-Fiction-Gemeinde enthalten, ist das überhaupt verständlich für Leute, die keine Science-Fiction-Fans sind?

NS: Absolut! Darum geht es doch. Dieser Aspekt des Buches erzählt wahrheitsgemäß sowohl Gutes als auch Schlechtes, worum es in der Welt der Science Fiction und dem Kult, der darum gemacht wird, und der Science-Fiction-Literatur wirklich geht. Für Leute, die entweder nichts über Science Fiction wissen, eine falsche Vorstellung davon haben oder nur einen Teil davon sehen, und das Ganze auf eine amüsante Art. Und es ist lustig! Also ist dieses Buch nicht für Science-Fiction-Fans geschrieben. Und das ist nur ein Aspekt des Buches. Aber dieser Aspekt handelt von einem Aspekt der Welt, über den viele Leute nichts wissen.

AC: Sie sind unter anderem dadurch bekannt geworden, dass Sie eine Star-Trek-Folge geschrieben haben. Eindeutig eine der Besten. Hatte Ihre Entscheidung, damit aufzuhören, wirtschaftliche oder künstlerische Gründe?

NS: Nun, ich habe eine Folge geschrieben, und dann habe ich für die nächste Staffel noch eine geschrieben. Dann hieß es: »Wir möchten etwas Bekanntes, und wir möchten, dass wir ein altes Set, das wir eingelagert haben, nutzen können, das sollte im Drehbuch vorkommen.« Also schrieb ich ein Drehbuch - es hieß übrigens »He Walked Among Us«, obwohl es nichts mit meinem neuen Roman zu tun hat, ich klaue nur von mir selbst. Es war ein ernsthaftes Drehbuch über einen Mann, der auf einem fremden Planeten strandet und dort Gott spielt, und sie müssen ihn wieder vom Planeten wegbekommen, ohne dabei die Kultur zu zerstören, verstehen Sie? Anthropologische Science Fiction. Ich habe das Ding fertig geschrieben, und dann bekam Gene Coon, der von Roddenberry als Produzent engagiert worden war, einen Anfall.
   Sie müssen verstehen: Jedes Mal, wenn eine Fernsehserie wiederholt wird, ein zweites, drittes, viertes Mal, bekommt der Drehbuchautor eine Wiederholungsgage, das kann eine ganze Menge Geld sein. Also, Gene Coon war der Produzent, und er hatte die Angewohnheit zu sagen: »Nun, dieses Drehbuch muss noch ein wenig überarbeitet werden. Wem kann ich diese Arbeit anvertrauen? Ich weiß es: mir!« So stahl er die Hälfte der Gage bei einer Reihe von Star-Trek-Folgen. Ich meine, dieser Bursche verdiente ein Vermögen! Also schrieb er mein Drehbuch in eine dumme Komödie um, die überhaupt nicht witzig war. Als ich das las, sagte ich zuerst zu Gene Coon: »Das ist wirklich Mist, weißt du, ich meine, es ist grauenhaft«. Und er sagte: »Halt den Mund und im nächsten Jahr wirst du hunderttausend verdienen, du weißt schon, du wirst mehr Aufträge bekommen«. Aber ich in meiner naiven Unschuld oder was auch immer ... obwohl, wer weiß, wie viel Geld ein Star-Trek-Drehbuch wirklich wert ist. Jedenfalls habe ich Roddenberry angerufen, den ich kannte, und habe gesagt: »Gene, hast du das gelesen? Das kannst du nicht verfilmen. Es ist wirklich fürchterlich«. Und Gene Roddenberry hat es gelesen und stimmte mir zu. Auf diese Art habe ich mein zweites Drehbuch selbst verhindert. Und danach war Gene Coon nicht mehr geneigt, mich noch einmal für Star Trek zu engagieren.

AC: Jahrzehnte später sind Sie zum Filmemachen zurückgekehrt, mit einem Buch über ein völlig anderes Zeitalter, über Cäsar und Vercingetorix. Wo kam diese Idee her?

NS: Nun, das war auch wieder ein versautes Drehbuch. Ich schrieb das Drehbuch für Vercingetorix, der außerhalb Frankreichs unter dem Titel Druiden gezeigt wurde. Ich habe mit dem Regisseur und Produzent Jacques Dorfmann zusammengearbeitet, der ebenfalls als Co-Autor fungierte, zumindestens dachte er das. Die dritte Fassung des Manuskripts gefiel mir wirklich, und andere Leute sagten mir, sie sei wirklich gut. Aber tatsächlich gedreht wurde dann Fassung 14 oder etwas in der Art. Und wie die wenigen Leute, die diesen Film tatsächlich gesehen haben, wissen, war er ausgesprochen schlecht.

AC: Allerdings war es ein Film mit einigen bekannten Schauspielern.

NS: Ein Film mit großen Schauspielern und eine große Katastrophe. - Na ja, jemand muss es sagen, also sage ich es jetzt hier in Deutschland: Das, was den Film hätte retten könne, das Beste im Film, hätte Klaus Maria Brandauer als Julius Cäsar sein können. Er war fuuuurchtbar, schreeeeeeecklich. Und Brandauer ist ein Schauspieler, den ich wirklich bewundere, ein großer Schauspieler. Aber er war ätzend. Ich meine, die französische Fassung war besser, weil er dort synchronisiert war. Es war erbärmlich, und Menschen, die mit ihm gearbeitet hatten, erzählten mir, dass Brandauer gewöhnlich mit starken Regisseuren arbeitet, damit er auch wirklich gut spielt, aber Dorfmann war nicht in der Lage, Regie zu führen oder eine gute Vorstellung aus Brandauer herauszuholen.
   Natürlich hat die Tatsache, dass das Drehbuch völlig versaut war, nicht unbedingt geholfen. Es ist eine lange Geschichte, aber ich will darauf hinaus, dass mir die dritte Fassung des Drehbuchs wirklich gefiel. Freunde von mir sagten, dass das nicht verloren gehen sollte, ich sollte ein Buch daraus machen.

AC: Und Sie haben ein Buch daraus gemacht?

NS: Ich wollte mit einem Buch nicht anfangen, ehe ich nicht noch einmal alles gelesen hatte, und dann wurde ich ärgerlich und traurig und enttäuscht, dass all das verloren gehen sollte und alles, was bestehen bleibt, dieser verheerende Film sein sollte, also habe ich es meinem Agenten in New York geschickt, der genauso wie ich reagierte, und das Drehbuch als völlig neues Buch verkauft. Nicht als ein Buch zum Film, nichts, was mit dem Film zu tun hat. Das Buch soll zwei Jahre, nachdem der Film in der Versenkung verschwunden ist, herauskommen. Es wird nicht den gleichen Titel wie der Film haben, und auch sonst wird es keine Ähnlichkeiten geben.

AC: Aber es wird in Deutschland erscheinen?

NS: Nun, ich weiß nicht, wann, weil ich die endgültige Fassung noch nicht fertig habe, und ich weiß nicht, wie lange die Übersetzung dauert. Aber Bertelsmann hat es gekauft und es soll in Deutschland erscheinen. Ich weiß nicht, wie der deutsche Titel lauten wird, die Verlage machen, was sie wollen, aber der englische Titel lautet The Druid King - hoffentlich wird daraus auf Deutsch Der Druidenkönig oder so ähnlich, sicherlich nicht Vercingetorix.

AC: Aber warum nicht? Wir Europäer können uns an Vercingetorix aus den Asterix-Comics erinnern.

NS: Ja, richtig. Aber Sie könnten sich auch an den Film erinnern ...

AC: Sie haben zwei Romane mit einer ähnlichen Thematik geschrieben: Champion Jack Barron und Bilder um 11. In beiden Büchern geht es um die Medien, aber Sie haben da unterschiedliche Dinge probiert, oder?

NS: Eigentlich ist Pictures at 11 so etwas wie Champion Jack Barron 25 Jahre später. Ich habe nicht versucht, eine Fortsetzung von Champion Jack Barron zu schreiben, das war nicht die Idee. Es gibt eine Beziehung in Jack Barron: die Politik übernimmt das Showgeschäft. Und in Bilder um 11, 25 Jahre später, haben sich die Machtverhältnisse verändert, es ist das Showgeschäft, das die Politik bestimmt. Natürlich stimmt das mit dem überein, was in den Vereinigten Staaten tatsächlich passiert ist. Jack Barron nutzt schließlich das Fernsehen für seine politischen und idealistischen Zwecke. In Bilder um 11 fängt alles mit idealistischen Terroristen an, und es endet damit, dass die Terroristen mit dem Fernsehen zusammenarbeiten. Ich bin sicher, 25 Jahre später entspricht das der Wirklichkeit. - Im Buch Bilder um 11 gibt es sogar eine Zeile, wenn ich mich richtig erinnere, in der Eddie Franker etwas sagt wie »Hollywood beherrscht Washington«, und das trifft eindeutig zu.

AC: Ein Blick in die Zukunft: Woran arbeiten Sie im Augenblick?

NS: Ich überarbeite den Druid King. Ich weiß noch nicht genau, was ich danach machen werde. Ich habe drei Projekte. Gewöhnlich denke ich nicht über ein Buch hinaus. Ich wollte schon immer über die Eroberung von Mexiko schreiben, im Stil eines Medienromans. Ich würde den Roman The Feathered Serpent (Die gefiederte Schlange) nennen. In Amerika ist das ein Wortspiel, weil »feather merchants« (Federhändler) ein altmodischer Ausdruck für Madison-Avenue-Werbung ist, und gleichzeitig ist das die mexikanische Gottheit Quetzalcoatl. Meine Idee war, dass Cortez Mexiko tatsächlich durch eine Art Medienkampagne erobert hat. Er fand eine indianische Geliebte, die ihm die mystische Struktur der Ereignisse erklärte, und damit konnte er Gott spielen. Das wird ein Buch über eine seltsame Art von Magischem Realismus, wenn ich es als Nächstes schreibe.

AC: Eröffnen sich Ihnen aufgrund der Tatsache, dass Sie Druid King verkauft haben, nicht noch andere Möglichkeiten, um nicht »nur« als Science-Fiction-Autor zu veröffentlichen?

NS: Ja, vielleicht, aber Feathered Serpent wollte ich schon viele Jahre machen, ich wollte es sogar als Bühnenstück gestalten. Allerdings habe ich das nie geschafft. Ich wußte wirklich nie, wie ich es anfangen sollte. Und dann dachte ich über die Idee nach, dass es eher ein Roman als ein Bühnenstück werden könnte.
   Die andere Idee, die ich habe, die ich laut meinem Agenten zur Zeit nicht verkaufen kann, ist ein Buch mit dem Titel Pax Americana, was wohl aus sich heraus verständlich ist. Über die Zukunft mit George W. Bush ... und Amerika als das neue Rom.
   Es gibt einige Sachen, die in diese Richtung zielen. Es enspricht dem Amerika der Gegenwart, bis etwas passiert. Die Analogie dazu ist Rom. Vielleicht kam mir diese Idee durch den Druidenkönig, weil ich ein Menge über Rom und Julius Cäsar gelesen habe. Durch Julius Cäsar begann die Veränderung der Römischen Republik hin zu einem Imperium, obwohl Cäsar selbst das nicht wollte. Aber Sie wissen, sein Sohn Augustus führte das weiter. Amerika ist das neue Rom, und die Dinge, die Bush tut, verwandeln es rasch von einer Republik in ein Imperium und in einen wirklich bösen faschistischen Staat. Ich war vom 11. bis 18. September in New York, also während der Attentate und der folgenden Ereignisse, ich bin im November zurückgekehrt und habe alles beobachtet, und es passiert sehr, sehr, sehr, sehr schnell. Schneller, als ich es mir vorgestellt hätte. Das ist etwas, worüber ich schreiben möchte, aber das ist etwas, dass man beim jetzigen politischen Klima in den Vereinigten Staaten nicht mit einer Mistgabel anfassen würde!

AC: Ja, aber es gibt einige Bücher von Ihnen, bei denen ich gedacht hätte, die würde niemand anfassen. Angefangen mit The Iron Dream (Der stählerne Traum) bis zu Men in the Jungle und dergleichen. Ich betrachte Sie als einen Autor, der sich gewöhnlich einen Dreck darum schert, ob irgend jemand ein Buch möchte - wenn es denn geschrieben werden muss.

NS: Nun, es muss gelesen werden, und wenn es nicht veröffentlicht werden kann, wird es nicht gelesen. Das ist das Problem, das ich in den Vereinigten Staaten mit He Walked Among Us hatte. Aber dieses Thema ist sehr wichtig. Es gab ganze Filme, die bereits fertig waren, bei denen die Starttermine durch den 11. September verschoben wurden. Sie müssten in der letzten Zeit in den Vereinigten Staaten gewesen sein, um zu verstehen, was da vorgeht. Die Atmosphäre dort ist wirklich erschreckend, und die Presse wurde wirklich durch die Administration unter Bush eingeschüchtert. Leute wurden aus Fernsehsendern gefeuert, weil sie Bush vorsichtig kritisiert hatten. Ein Buch mit diesem Thema jetzt zu schreiben, jetzt zu veröffentlichen, wäre unmöglich. Vielleicht in sechs Monaten oder einem Jahr, vielleicht nicht, es hängt davon ab, was passiert.

• Das Interview führten Hannes Riffel und Hardy Kettlitz am 13. April 2002 auf dem DortCon in Dortmund.
Transkription und Übersetzung: Anita Winkler.
Mit herzlichem Dank an Norman Spinrad.


Foto: Peter Fleissner
Erschienen in
Hardy Kettlitz u.a. (Hrsg.): [[buch.kettlitz-hardy-1966.alien-contact-jahrbuch-2002|Alien Contact – Jahrbuch f
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