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Auf nach Zamonien!

Die Romane des Walter Moers

Science Fiction
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Der Autor

Der 1957 in Mönchengladbach geborene Walter Moers ist seit vielen Jahren als einer von Deutschlands besten Comiczeichnern bekannt. Bereits 1985 erschien sein erstes Buch im Eichborn Verlag, den Durchbruch schaffte er jedoch 1990 mit dem Comic Das kleine Arschloch, das zum besten deutschen Comic des Jahres gewählt wurde und sich innerhalb von acht Monaten ca. 90.000-mal verkauft wurde. Zahlreiche Comics folgten in den nächsten Jahren, ebenso weitere Auszeichnungen. 1997 startete der Film Das kleine Arschloch und wurde von über drei Millionen Zuschauern gesehen.

War Das kleine Arschloch schon respektlos und wurde vom Regensburger Generalvikar wegen »böswilligen Verächtlichmachens eines religiösen Bekenntnisses und behinderter Menschen« angeklagt, so setzte Moers mit Adolf, das in der Zeitschrift TITANIC vorabgedruckt wurde und später als Buch erschien, noch eins drauf. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG bezeichnete Adolf als »Meisterstück von Moers« und verglich ihn mit den Comic-Legenden Charles Schultz und Bill Watterson.

Doch mit der Arbeit als erfolgreicher Comiczeichner war Walter Moers' Phantasie bei weitem nicht ausgelastet. So konzipierte und gestaltete er für den WDR »Käpt'n Blaubärs Seemannsgarn«, das in Form einzelner Geschichten in die Sendung mit der Maus integriert wurde, und erhielt dafür 1994 den Adolf-Grimme-Preis, die höchste Auszeichnung für »Qualitätsfernsehen«.

Da die Geschichten in der Sendung mit der Maus aber immer nur wenige Minuten lang waren, beschloss Moers, selbst einen ganzen Roman über das wundersame Land Zamonien und die Abenteuer seines Blaubären zu schreiben. Im März 1999 erschien dann Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär und entwickelte sich in kurzer Zeit zum Bestseller. Über 60 Wochen war das Buch auf der Spiegel-Bestsellerliste vertreten und wurde in der gebundenen Ausgabe 400.000-mal verkauft. Bislang erschien der Roman in Übersetzungen in vierzehn Ländern.

Der überwältigende Erfolg des Romans forderte eine Fortsetzung geradezu heraus, doch Moers wäre nicht Moers, wenn er nicht wiederum vollkommen neue Ideen hätte. Und so erschien im Juni 2000 das Märchen Ensel und Krete, das zwar auch in Zamonien spielt, jedoch unabhängig von Käpt'n Blaubär eine eigenständige Geschichte erzählt.

Durch diese beiden Werke hat sich Moers den Ruf erschrieben, zu den besten deutschen Phantastikautoren zu gehören.

In seinem bislang letzten Roman verband Moers seine Vorliebe für Grafik mit einer unglaublichen Geschichte. Im September 2001 erschien Wilde Reise durch die Nacht, nach 21 Bildern des französischen Grafikers Gustave Doré.

Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär

Das umfangreiche Buch schildert die erste Hälfte der Abenteuer des Käpt‘ns, denn bekanntlich haben Blaubären 27 Leben. Das Feuerwerk an Ideen, das Moers verschwenderisch verschießt, ist nicht in wenigen Zeilen wiederzugeben. Die Geschichte beginnt, als Klein-Blaubär in einer Walnussschale ausgesetzt mitten auf dem Meer auf den tödlichen Malmstrom zuschwimmt. Er wird von den Zwergpiraten gerettet, doch als er ihnen zu groß wird, setzen sie ihn auf der Insel der Klabautergeister aus. Von den Tratschwellen lernt er das Sprechen, von einer fleischfressenden Feinschmeckerinsel wird er fast verschluckt, als ihn ein kurzsichtiger Flugsaurier in letzter Sekunde rettet. Bei Prof. Dr. Abdul Nachtigaller in den Finsterbergen geht er zur Schule. Schließlich reist er durch den Großen Wald, ein Dimensionsloch, die Süße Wüste, wohnt eine Zeitlang in der Tornadostadt, durchquert den Kopf eines Riesen und erreicht Atlantis.

Der Kontinent Zamonien ist so übervoll mit skurrilen Wesen und abenteuerlichen Gefahren, dass trotz des gewaltigen Umfangs des Romans an keiner Stelle Langeweile aufkommt. Moers erschafft ein ganzes, in sich geschlossenes Universum, phantasievoll, überschwänglich und einfach unglaublich. Dabei ist der Blaubär keineswegs der durchweg gute, strahlende Held, den der Leser aus unzähligen Fantasy-Romanen kennt, sondern schlitzohrig und zuweilen gar unmoralisch.

Zudem ist das Buch einfach zauberhaft vom Autor selbst illustriert und typografisch sehr liebevoll gestaltet.

DIE ZEIT kommentierte: »Der Blaubär-Roman, das ist Tolkien ohne die Gut/Böse-Dichotomie und Michael Ende ohne esoterische Heilsbotschaften.«

  • Walter Moers, Die 13½ Leben des Käpt'n Blaubär (Frankfurt/M.: Eichborn, 1999) Bestellen
    Taschenbuch bei Goldmann, 2001 Bestellen

Zamonien im Internet

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Ensel und Krete

Ensel und Krete sind zwei Fhernhachen-Kinder, die mit ihren Eltern Urlaub im zamonischen Großen Wald machen. Doch sie langweilen sich und wollen etwas erleben - also ziehen sie auf eigene Faust los, um Abenteuer zu suchen, verlaufen sich jedoch nach kurzer Zeit. Und nun beginnt ein rasantes Märchen-Abenteuer, bei dem selbst den Gebrüdern Grimm Hören und Sehen vergangen wäre. Die beiden Zwergenkinder treffen auf den gefährlichen Laubwolf, Erdgnömchen, Geheimbären, Fledertratten, Schuhus, Einhörnchen, einen sprechenden Meteor und allerlei andere Seltsamkeiten. Natürlich gibt es auch ein Hexenhaus, und der phantasievolle Showdown hat mehr mit dem Blair Witch Project als mit unseren alten Hausmärchen gemein.

Erzählt wird die Geschichte übrigens vom berühmtesten und umstrittensten zamonischen Dichter Hildegunst von Mythenmetz, einem tausend Jahre alten, aufrecht gehenden Zwergsaurier, der die Handlung - meist an ihren spannendsten Stellen - unterbricht, um weiterführende Erläuterungen zu geben, die sogar noch interessanter und witziger sind als die Handlung selbst. Diesem Stilmittel gab der Dichter sogar einen Namen: die »Mythenmetzsche Abschweifung«. Und so erfährt man ganz nebenbei haarsträubende Details über zamonische Zahlensysteme, die sieben Grundtugenden des Dichters oder auch Insiderinformationen über den zamonischen Literaturbetrieb. Abgerundet wird das Buch durch die halbe Biografie des Hildegunst von Mythenmetz unter dem Titel »Von der Lindwurmfeste zum Bloxberg«.

Im Interview befragt, wieso dieses Buch keine direkte Fortsetzung des Blaubär-Romans sei, antwortete Moers: »Das hat verschiedene Gründe. Erstens glaube ich, daß ein Buch mit über 700 Seiten für eine Figur genügen sollte. Zweitens war für mich schon beim ersten Buch der eigentliche Held nicht der Blaubär, sondern der Kontinent Zamonien. Dessen Geschichte - und die seiner Bewohner - möchte ich weitererzählen, in alle möglichen Richtungen.«

Und so besteht die Hoffnung, daß es auch weitere Zamonien-Bücher geben wird, selbst wenn Walter Moers die zweiten 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär im Geheimen läßt.

DIE ZEIT urteilte über Ensel und Krete: »Eine Satire auf den Literaturbetrieb, größenwahnsinnige Dichter, blutleere Avangardisten, missgünstige Kritiker und Erbsen zählende Literaturwissenschaftler. Und eine weitere Demonstration des unfassbaren Erfindungsreichtums von Walter Moers ... Wenn alle Schriftsteller so viele Zutaten in ein Rezept rührten, gäbe es keine langweiligen Bücher mehr.«

  • Walter Moers, Ensel und Krete (Frankfurt/M.: Eichborn, 2000) Bestellen

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Wilde Reise durch die Nacht

Der dritte Roman von Walter Moers basiert auf einer ungewöhnlichen Idee. In einem Sachbuch über Kinderbuchillustration stieß er auf Bilder von Gustave Doré und war beeindruckt. Doré (1832 - 1883) war der meistgedruckte Illustrator des 19. Jahrhunderts. Er stattete 221 Bücher, darunter Cervantes' Don Quichote, Dantes Inferno, Rabelais' Gargantua und Pantagruel und die komplette Bibel mit seinen Zeichnungen und Holzschnitten aus.

Walter Moers hat 21 Doré-Bilder ausgewählt, losgelöst von dem Werk, für das sie ursprünglich entstanden, und entlang der Bilder eine Traumgeschichte des zwölfjährigen Gustave ersonnen.

Der Junge befindet sich als Kapitän an Bord der Aventure und segelt durch die Nacht, als ein Siamesischer Zwillingstornado angreift und das Schiff zerstört. Als es sinkt, erscheinen der Tod und seine reichlich verwirrte Schwester Dementia. Gustave schließt mit dem Tod eine Wette ab: Er muss noch in dieser Nacht sechs fast unlösbare Aufgaben lösen, um weiterleben und seine Seele behalten zu dürfen. Und schon beginnt die wilde Reise, bei der der Junge auf Traumprinzessinen, Drachen, Dämonen, Amazonen und das schrecklichste aller Ungeheuer trifft. Er reist durch Raum und Zeit, zum Mond und sogar quer durch das ganze Universum.

Die Phantasie des Autors scheint unbegrenzt. Er erschafft immer neue Fabelwesen und lässt sich von Naturgesetzen nicht beeindrucken - schließlich handelt es sich um ein Märchen. Allein durch das atemlose Erzähltempo wird die Geschichte tatsächlich zu einer wilden Reise durch die Nacht.

Der Eichborn-Verlag hat, auf Wunsch des Autors, ein relativ großes Buchformat für diesen Roman gewählt, wodurch die 21 wunderschönen Bilder von Doré in erstklassiger Qualität zur Geltung kommen. Somit ist der Roman für jeden Leser etwas: für Kunstliebhaber, für Erwachsene und auch für Kinder, die ein spannendes Märchen vorgelesen bekommen wollen.

  • Walter Moers, Wilde Reise durch die Nacht (Frankfurt/M.: Eichborn, 2001) Bestellen

Vom Tagtraum zum Traumbuch - Walter Moers über seine Arbeit an Wilde Reise durch die Nacht
Web-Site zu Wilde Reise durch die Nacht

Die Hörbücher

Hörbücher sind für gewöhnlich CDs, auf denen ein Schauspieler ein Buch vorliest. Je nach Text kann das Ergebnis langweilig bis ermüdend sein. Nicht so die Hörbücher zu den beiden Romanen Die 13 ½ Leben des Käpt‘n Blaubär und Wilde Reise durch die Nacht. Die wunderbare Sprache, ein schnelles Erzähltempo und die Aufeinanderfolge immer neuer Abenteuer prädestinieren die beiden Bücher geradezu zum Vorlesen. Und der Lido-Verlag hat vermutlich die bestmögliche Wahl getroffen, als er Dirk Bach als Vorleser verpflichtete. Walter Moers sagte selbst: »Ich kann mir keinen besseren Interpreten für meine Bücher denken als Dirk Bach. Wenn man nach Vergleichen für seine stimmlichen Leistungen sucht, muss man schon Namen wie Klaus Kinski oder Oskar Werner bemühen. So hätten die vielleicht vorgelesen, wenn sie Dirks Humor gehabt hätten.«

Und tatsächlich geht Bach in den Texten völlig auf. Er liest nicht nur, er spielt, versetzt sich in die Figuren, lässt sie durch verstellte Stimmen zum Leben erstehen. Es ist eine uneingeschränkte Freude, ihm zuzuhören. Und das sowohl auf den 15 ½ CDs der 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär, als auch auf den vier CDs der Wilden Reise durch die Nacht.

Zudem sind die CD-Booklets sehr schön gestaltet, denn jedes einzelne hat ein Cover mit einer anderen Abbildung, beim Blaubär von Moers, bei der Wilden Reise natürlich von Gustave Doré.

Zum Blaubär-Hörbuch gibt es als Dreingabe sogar das 64-seitige und von Walter Moers illustrierte Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller, dessen Leitspruch lautet: »Wissen ist Nacht!«

Noch ein Tipp: Teilen Sie sich Moers in kleinere Portionen ein, sonst macht er süchtig. Sollten Sie dieser Sucht aber gern erliegen: Die Bücher oder Hörbücher machen auch beim zweiten, dritten und vierten Lesen noch ebenso viel Spaß wie beim ersten Mal.

Hardy KettlitzALIEN CONTACT

Walter Moers, Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär
Gesamtlesung, gelesen von Dirk Bach (Frankfurt: Lido, 2002) Bestellen
16 CDs, 1101 Minuten (ca. 18 ½ Stunden)
Jewelbox mit 64seitigem Booklet im Schuber
Walter Moers, Wilde Reise durch die Nacht
Gelesen von Dirk Bach (Frankfurt: Lido, 2001) Bestellen
4 CDs, 275 Minuten
Siehe auch
Walter Moers: Rumo & Die Wunder im Dunkeln (2003)
Leser-Service
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