epilog.de > Alien Contact > Alien Contact 47 > Alexander Weis: Appell für die bemannte Weltraumfahrt [Story]
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Alexander Weis

Appell für die bemannte Weltraumfahrt

Ich werde oft gefragt, warum ich in der heutigen Zeit noch Weltraumfahrten unternehme. Sicher, die Weltraumfahrt birgt für den Raumreisenden manche Unannehmlichkeiten, Gefahren und Kosten, aber in den letzten Jahren hat sich auf diesem Gebiet doch einiges getan. Allein die Verpflegung: vorbei sind die Tage, in denen der Astronaut aus Platzgründen sämtliche Nahrungsmittel in Tubenform mitführte. Man möge sich beispielsweise meine unangenehme Überraschung vorstellen, als ich bei einem Raumflug immer dicker wurde, bis ich schließlich feststellte, daß es sich bei der vermeintlichen Zahnpasta mit den beigen und grünen Streifen in Wirklichkeit um Rehbeinkonzentrat mit Pfefferminzsoße gehandelt hatte! Nie werde ich den Gesichtsausdruck der Diplomaten der Erdkolonien an meinem Bestimmungsort vergessen, als der Vertreter der Erde sich ihnen als ein aus der Uniform quellender Fettsack, der unter einem monströsen Fall von Karies litt, vorstellte.

Heute dagegen ist so etwas vollkommen unmöglich. Im Gegenteil, seit neuestem gibt es Astronautennahrung, die zur Raumersparnis nicht nur eine feste und flüssige, sondern dank der modernen Biokybernetik auch noch eine lüsterne Phase kennt, was zudem ganz nebenbei das Problem übergroßer Einsamkeit auf längeren Weltraumflügen löst. Angesichts der von mir geschilderten vorherigen Zustände wird der Leser sicher meine nie versiegende Befriedigung verstehen, wenn sich eine exotische Schönheit vor meinen Augen in eine exotische Speise verwandelt. Was macht es da schon aus, wenn ihr Geschmack zuweilen ein wenig fade oder gar merkwürdig ist? Und so ist denn auch so gut wie jedes moderne Raumschiff vollgestopft mit Produkten wie Spaghatti, Pimperoni oder Bumsletten, deren wohlklingende Namen ebenso auf ihre kulinarischen Werte hindeuten wie auf die anderen (die sogenannte Koncuisine). Nun soll aber niemand denken, die heutige Astronautik sei eine sexistische Angelegenheit. Vielmehr hat auch die Astronautin die Wahl zwischen einer ganzen Palette eigener Produkte wie Hanswürsten, Dödelknödeln oder den eher als romantisch beschriebenen Schmatzeln. Und selbst der ausgefallenste Geschmack kann sich zum Beispiel an Pädofilet, Babycue, Chicken Mac Nakeds oder Rehrücken à la Bambi erfreuen. Natürlich ist nicht jede bewohnte Welt solchen Neuerungen gegenüber so aufgeschlossen wie der gewogene Leser, und daher sollte man sich stets genau überlegen, wo man mit seinen Astronautenspezialprodukten landet.
Muß man den Astronauten deshalb jedoch gleich unterstellen, sie gingen nur ins All, um dort ihre anderswo nicht tolerierten Neigungen auszuleben? Zugegeben, die Zahl der Weltraumfahrer wächst, die ohne erkennbaren Grund den Weltraum durchstreifen oder zu besonders abgelegenen Stellen fliegen. Aber genau das ist doch der eigentliche Sinn von Entdeckungsreisen! Oder sollte man die biokybernetische Astronautennahrung verbieten? Wäre es denn besser, Astronauten würden Außerirdischen voller Wollust (oder gar hungrig) gegenübertreten? Schallt das Universum denn nicht schon genug von den Hilferufen der Nippelkugelkäfer von Omiga 7 wider, deren schmerzerfüllte Schreie in menschlichen Ohren unglücklicherweise wie ein lustvolles Stöhnen klingen? Und spricht die panische Angst der Körperbeutler von Tremor 5, deren Inneres mit alkoholhaltiger Flüssigkeit gefüllt ist, vor irdischen Besuchern etwa keine beredte Sprache? Natürlich könnte man auf menschliche Raumfahrer verzichten und an ihrer Stelle nur einen Bruchteil kostende Roboter ins All schicken. Doch wäre dies wirklich ein Ersatz für den persönlichen Kontakt? Oder sollte es an sich schon pervers sein, den Menschen mit all seinen Bedürfnissen ins All zu befördern? Daher, trotz der bereits erwähnten Gefahren, Beschwerlichkeiten und immensen Kosten: Schützen wir die staatlichen Weltraumfahrtprogramme vor Streichungen! Sorgen wir dafür, daß die bemannte Weltraumfahrt erhalten bleibt!
© Alexander Weis 2002 • Erstveröffentlichung
Erschienen in
Hardy Kettlitz u.a. (Hrsg.): [[buch.kettlitz-hardy-1966.alien-contact-jahrbuch-2002|Alien Contact – Jahrbuch f
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