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| Das Magazin für Science Fiction & Fantasy • Ausgabe 49 • Story |
Es war einmal ein König, der wurde vom Kaiser zum Reichstag gerufen. Er war aber schon davor oft lange auf Reisen gewesen, und seine junge Frau mochte es nicht leiden, daß er sie wieder allein ließ. Da frug sie ihn, ob er nicht bei ihr bleiben oder sie mitnehmen könnte.
»Das geht nicht, liebe Frau«, antwortete er. »Alle Fürsten des Reiches müssen dem Rufe des Kaisers folgen, und sogar aus den Ländern, die ihm nicht untertan sind, werden Könige und Herzöge kommen oder ihre Gesandten schicken. Denn wichtige Dinge sind zu beraten; da ist keine Zeit für Bälle und Feste, daran Frauen ihre Lust haben. Ich glaube aber, daß ich diesmal nicht lange fort sein werde, nur zwei oder drei Monate, und vom Reichstage will ich nach einer Zeit den Heinrich schicken, daß er nach dem Rechten sehe, den Ministern meine Befehle bringe und dir meine Grüße.« Heinrich war der Vertraute des Königs, der ihn auf all seinen Reisen begleitete. Die Königin aber hieß Bianca.
Wie nun der König mit Heinrich und seinem Gefolge von dannen geritten war, dachte die Königin bei sich: Diesmal will ich nicht einsam hier sitzen und Trübsal blasen, sondern Boten in die Nachbarländer senden und die Königinnen einladen, daß wir miteinander Kurzweil haben, denn ihre Männer sind ja auch auf dem Reichstag. Und so tat sie, und bald schon kehrten die Boten zurück und meldeten, daß zwei Königinnen die Einladung angenommen hätten und über eine Woche zu Besuch kommen wollten. Da ließ die Königin das Schloß schmücken, die Zimmer für die Gäste richten und ein Festmahl bereiten.
Nach einer Woche war alles fertig, von den Zinnen des Schlosses wehten die Banner, die Königin aber stand in einem prächtigen roten Gewand, einen Silberreif mit Rubinen in den schwarzen Haaren, am Fenster und sah die beiden Kutschen mit den Gästen ankommen. Die eine war silbern und hatte ein Wappen mit zwei weißen Vögeln auf blauem Grund, und blau war auch das Kleid der aschblonden Frau, die aus der Kutsche stieg, und es waren goldene und silberne Sterne darauf, an den Füßen aber hatte sie goldene Pantoffeln. Die andere Kutsche war ganz von Gold, und die junge Königin darin trug eine kleine goldene Krone im braunen Haar und ein aus Goldfäden gewirktes Kleid, darauf rote Rosen gestickt waren.
Die Gastgeberin ließ die beiden Königinnen hereinbitten und begrüßte sie. Dann befahl sie, das Gefolge der beiden, Diener, Zofen und Kutscher, zu speisen und die Pferde zu versorgen.
Als die Gäste sich von der Reise ausgeruht und erfrischt hatten, war es Abend geworden, und das Festmahl begann. Mit den drei Damen saßen die sieben Minister an der Tafel, und Bianca stellte sie den anderen Königinnen vor, erzählte auch, wie sie sie kennengelernt hatte und wie gut sie das Land regierten, wenn der König in der Ferne weilte. Und sie beklagte, daß er sie so oft allein ließ, und die Gäste sagten, mit ihren Gemahlen sei es ganz genauso. So plauderten sie eine Weile, indes sie von den köstlichen Speisen aßen, Wein tranken und den Musikanten lauschten. Dann entschuldigten sich die sieben Minister, daß sie am anderen Tage wichtige Arbeit zu tun hätten, kletterten von ihren hohen Stühlen und gingen aus dem Saal.
Bianca fragte ihre beiden Gäste, ob sie nicht müde seien von der Reise, aber die Königin in Gold, die Rose hieß, sagte, sie habe reichlich Vorrat geschlafen, sie werde so bald nicht müde und bliebe gerne noch auf. Die blonde Königin meinte, ihr sei's recht, denn daheim hätten sie abends oft große Feste, und sie sei es gewohnt, des Nachts erst richtig munter zu werden. Und indes die Diener in ihren weiß, rot und schwarzen Röcken (denn das waren der Gastgeberin eigene Farben) die Tellerchen der Minister abräumten, erzählte sie von ihrem Manne, wie er in drei Nächten auf drei solchen Bällen mit ihr getanzt und sie alsbald zur Frau genommen hatte. Dann sagte sie noch: »Damals waren wir immerzu beisammen, und ein Herz und eine Seele. Und sein alter Vater gab ihm das Reich, und wir wurden König und Königin. Doch bald darauf begannen die Heiden vom Süden her die Länder der Christenheit zu bedrängen, und mein Gemahl muß jedes Jahr in den Kampf wider sie ziehen, denn er ist des Kaisers Feldmarschall. Seither ist mir der Winter die liebste Jahreszeit, da weilt er lange bei mir, und wir feiern viele Bälle; sonst aber kommt er immer nur für kurze Zeit.«
»Mir ergeht es nicht besser«, sprach darauf die Königin Rose. »Mein Gemahl, der nun im Reich meiner Vorfahren herrscht, stammt aus einem fernen Land, wo seine alten Eltern noch leben. Jedes Jahr besucht er sie, die seiner Hilfe bedürfen, und weil der Weg so weit ist, dauert die Reise viele Monate.«
»Aber warum holt er die Eltern nicht zu sich?« frug Bianca.
»Das kann er nicht, denn der Weg ist nicht nur weit, sondern auch gefährlich«, erhielt sie zur Antwort. »Er führt durch einen Sumpf, über einen bodenlosen Abgrund und durch eine steinige Wüste. Der Abgrund aber hat weder Brücke noch Steg, doch wohnt auf einem Felsen nahebei ein alter Vogel, der ist so groß, daß er einen Mann wohl hinübertragen kann. Dem hat einst ein Jäger sein Weibchen erlegt, daß seine Frau sich mit den bunten Federn schmücken könnte; darum ist der Vogel allen Menschenfrauen gram und will keine tragen, er ließe sie denn in den Abgrund fallen. So kann meine Schwiegermutter nicht zu uns kommen und ich nicht zu ihr, und muß oft des Nachts schlaflos liegen voll Sehnsucht nach meinem Gemahl, der noch jung ist wie ich und gewiß der Schönste von den Königen in allen Ländern.«
Das aber wollten die beiden anderen Damen nicht zugeben, denn jede liebte ihren eigenen Mann inniglich und meinte, er müsse der Schönste und Beste sein. Um ein Haar wäre ein Streit angegangen, doch Bianca gebot ihnen Einhalt. Sie sagte, sie hätte in einer abgelegenen Kammer unterm Dache des Schlosses einen Spiegel, der wäre zauberkräftig und wollte ihnen schon verraten, wer der Schönste war. Und sie schickte einen Diener, daß er den Spiegel suche und herbeibringe.
»Oh«, sagte die Königin Rose, »ich habe eine böse Ahnung. Solche Dinge, die man in abgelegenen Kammern findet, bringen nichts Gutes. Man sticht sich damit, und ehe man sich's versieht «
»An einem Spiegel kann man sich doch nicht stechen«, entgegnete die blonde Königin, »höchstens sich schmutzig machen, wenn er so lange gelegen hat.« Und sie schnippte ein Stäubchen von ihrem blauen Kleide.
»Doch schneiden mag man sich wohl, wenn der Spiegel entzwei geht«, versetzte Rose.
Bianca aber antwortete: »Dieser Spiegel kann nicht entzwei gehen, denn er ist nicht aus Glas, sondern von blankem Silber.« Und sie hub an, zu erzählen, was es mit dem Spiegel für eine Bewandtnis hatte: Wie einst ihre Mutter am Fenster gesessen und genäht hatte, und wie sie sich in den Finger stach
»Oh«, sagte die Königin Rose, »ich habe es ja gewußt. Wie lange hat sie geschlafen?«
»Wieso geschlafen? Sie hat mich zur Welt gebracht, und bald darauf ist sie gestorben.«
»Oh«, sagte die Königin Rose. Doch da kam schon der Diener zurück und brachte einen großen, reich verzierten Spiegel mit. Sie hießen ihn den Spiegel an die Wand hängen und ihn putzen, bis er glänzte und funkelte wie neu und gar prächtig anzusehen war. Dann schickten sie den Diener weg, und die Königin Bianca frug den Spiegel:
wer ist der Schönste im ganzen Land?«
das macht: er ist zum Reichstag fortgeeilt.«
Da war es Bianca zufrieden und sagte: »Seht ihr, ich habe es ja gewußt. Es ist mein Gemahl, der vor zwei Wochen zum Reichstag gereist ist. Denn er ist Reichsvikar und ein naher Vertrauter des Kaisers und weilt oft an seinem Hofe, um mit ihm zu beraten, und der Kaiser schickt ihn auch als Gesandten in andere Länder. Darum kann er nur selten bei mir sein, und fehlt mir doch so sehr.«
»Was meinst du wohl, wo unsere Gatten jetzt sind?« entgegnete die blonde Königin. »Und wie kann dein Gemahl ein naher Vertrauter des Kaisers sein, da doch der Reichstag längst begonnen hat und der meine schon vor zwei Monaten an den Hof des Kaisers gerufen ward?«
»Vielleicht, daß seine Rosse nicht so geschwind sind«, antwortete die Königin Bianca. »Doch wir wollen uns die Zeit verkürzen, da wir auf unsere Männer warten müssen, und uns nicht streiten. Laßt uns also den Spiegel abermals fragen.« Und sie befahl dem Spiegel, den Namen des schönsten unter allen Königen zu nennen.
Da antwortete der Spiegel:
erlaßt sie mir, sonst gehe ich kaputt.«
am schönsten schmeckt, man weiß es wohl,
ein alter Gänserich mit Kohl.«
»Oh«, sagte die Königin Rose. »Jetzt ist er verrückt geworden.« Der Spiegel aber war mit einem Male blind und wollte nicht mehr sprechen, so sehr Bianca auch drohte und bat. »Er ist entzwei«, gestand sie schließlich.
»Dabei ist er nicht aus Glas und kann eigentlich gar nicht entzwei gehen«, meinte die Königin Rose. Die aschblonde Königin aber sprach: »Grämt euch nicht, bei meinem Gefolge ist eine alte Zofe, die versteht sich ein wenig aufs Zaubern. Vielleicht vermag sie den Spiegel wieder zu richten.«
Da riefen sie einen Diener und trugen ihm auf, die alte Zofe herbeizuholen. Sie schlief aber schon und mußte geweckt werden. Als sie in den Saal zu den drei Königinnen trat, sagte Bianca gerade: »Vielleicht sollten wir jetzt doch zu Bett gehen?«, und die blonde Königin sagte zu ihrer Zofe: »Schau dir den Spiegel an und sieh, ob du ihn richten kannst«, die Königin Rose aber sagte: »Oh!«, dann verstummte sie, zu Tode erschrocken.
»Ja, Kindchen, was machst du denn hier?« sprach da die Zofe zur Königin Rose. »Solltest du nicht längst schlafen? – Nicht doch, hab keine Angst, so war es ja nicht gemeint!«
Die Zofe war nämlich niemand anders als die Fee, die einst die Prinzessin Rose hundert Jahre lang hatte schlafen lassen. Sie war es leid geworden, Menschen zu verzaubern oder ihre törichten Wünsche zu erfüllen, wie es Feen tun müssen, hatte sich eine gute Herrin gesucht und war eine tüchtige Zofe geworden. Nur manchmal, wenn ihre Königin lange allein war, zauberte sie noch ein wenig, um sie aufzuheitern.
Wie sie nun sah, daß Rose sich immer noch vor ihr fürchtete, sagte sie: »Meine Liebe, hast du schon einmal nachgedacht, was dir in den hundert Jahren, da du geschlafen, alles erspart geblieben ist? Viermal ist der Krieg über dein Land hinweggegangen und zweimal die Cholera, und haben dir nichts anhaben können. Hättest du nicht geschlafen, so wäre gewiß kein schöner junger Prinz gekommen, um dich zu freien, sondern deine Eltern hätten dich mit einem der Schlagetote aus einem Nachbarreich verheiratet. Nicht, daß die Männer inzwischen besser oder friedlicher geworden wären, aber sie möchten gerne fein und gebildet scheinen, darum halten sie wenigstens in unseren Ländern meistens Frieden und machen ihre Kriege hinten fern in der Türkei ab. Und sieh mich an: Ich bin eine Fee und lebe lange, und bin doch alt geworden. Du aber, wenn du nicht geschlafen hättest, wärst nicht jung und in Gesellschaft dieser anderen jungen Damen, sondern längst unter der Erde.«
Also sprach die Fee, die Zofe bei der blonden Königin geworden war, und sie alle verwunderten sich sehr darüber. Schließlich aber besannen sie sich, warum sie sie gerufen hatten, und wiesen ihr den Spiegel, daß sie ihn betrachte und womöglich wieder zum Sprechen bringe. »Das will ich wohl versuchen«, sagte sie, und zu dem Spiegel:
komm doch wieder zu Verstand!
Wenn du willst, so magst du schweigen,
sollst dafür die Antwort zeigen.
Schlangenblick und Drachensaat,
Eh' ist Emm' mal Zeh-Quadrat ...«,
und sprach noch viele geheimnisvolle Worte mehr, indes sie mit den Händen magische Zeichen machte.
Die drei Königinnen schauten ihr zu und gewahrten, wie der Spiegel allmählich wieder zu glänzen begann. Doch noch ehe die Fee ihr Werk vollenden konnte, erklang draußen vor dem Schloß, wo es schon dunkel und still war, Hufgetrappel, sie hörten den Pförtner hinabeilen und das Tor öffnen, und bald darauf erschien ein Diener und meldete, Heinrich, der Vertraute des Königs, sei gekommen und lasse fragen, ob er der Herrin noch heute Botschaft von ihrem Gemahl bringen oder bis zum Morgen warten sollte.
»Er soll sich eilen«, befahl Bianca, »und mir sogleich Kunde von meinem Liebsten bringen!«
Wie aber Heinrich in den Saal trat, müde und staubig von dem weiten Ritt, da waren die beiden Gäste, als sie seiner ansichtig wurden, baß erstaunt. »Oh«, sagte die Königin Rose, »Heinrich!«, und »Heinrich!«, rief auch die blonde Königin. »Welches Geschick führt dich hierher?« Am erstauntesten aber war Heinrich selbst, und es verschlug ihm die Sprache. In die Stille hinein aber sprach die Zofe, die eigentlich eine Fee war:
zeig uns den Schönsten im ganzen Land!«
Da erschien auf dem Spiegel das Bild des Königs mit einem hermelinbesetzten Hut auf dem Kopfe, wie er ihn nur bei großen Beratungen vor dem Kaiser trug.
»Mein Gemahl!« sprach die König Bianca stolz.
»Mein Gemahl!« rief die blonde Königin.
»Oh!« sagte die Königin Rose. »Aber das ist meiner!«
Die Fee aber sagte: »So ist das also. Wie ich sehe, Heinrich, kennst du uns alle. Sprich!«
Und Heinrich erzählte, wie sein Herr einst das aschblonde Mädchen gefreit hatte, dann aber auf seinen Reisen erst der Prinzessin Bianca und später der Prinzessin Rose begegnet war, sie beide aus todgleichem Schlafe erweckt und sich in beide heftig verliebt hatte, und wie er sie nacheinander schließlich beide heiratete, ohne in seiner Liebe zu seiner ersten Frau nachzulassen.
»Ha!« sagte da die Fee. »Ohne in seiner Liebe nachzulassen! Dreiviertel des Jahres ist er fort, oder bei den anderen, das heiße ich Liebe! Sie lügen und betrügen alle, aber daß einer so dreist betrügt! Und du, Bube, hast dabei mitgespielt, und wahrlich, du sollst es büßen!«
Heinrich aber bat sie alle um Gnade und sagte, allein sein weiches Herz sei schuld, denn wäre sein Herr einer von den dreien treu geblieben, so hätten sich die beiden anderen bitterlich gegrämt, und wohl gar alle drei, wenn er, Heinrich, einer die Wahrheit verraten hätte.
»Und nun?« rief da die Königin Bianca. »Er gehört mir allein!«
»Wieso dir?« entgegnete die blonde Königin. »Ich bin seine rechtmäßige Gemahlin, denn mich hat er zuerst gefreit.«
»Und mich zuletzt«, versetzte die Königin Rose. »Also habt ihr beide ihm nicht genügt, daß er sein Glück bei mir suchte und fand; darum muß er mein sein!«
»Mein! Dies ist mein Schloß, und ich bin hier die Herrin! Wenn ich nur will, kann ich euch alle ins Verlies werfen lassen!«
Um ein Haar wären die drei Damen handgemein geworden, doch die Fee gebot ihnen Einhalt und sprach: »Was seid ihr nur für Närrinnen! Ihr liebt ihn noch immer und glaubt, er müsse auch euch lieben, immer nur die eine allein, dabei ist er doch von einer zur anderen gesprungen, wie es ihm beliebte, hat sich's bei einer jeden gut gehen lassen und nicht auf euer Flehen gehört. Und er hat euch in euren Schlössern sitzen und vor Sehnsucht vergehen lassen, und durftet nicht die Welt sehen noch selbst Taten tun, daß ihr ihm nicht auf die Schliche kämet und erkanntet, wie er als König von drei Reichen einer der mächtigsten in allen Landen ist, ja beinahe dem Kaiser selbst gebietet, und Groß und Klein vor ihm zittern. Meint ihr, er möchte darauf verzichten um einer von euch willen? Und wenn sie ihm auch gleich verziehe und er ihr fortan Treue schwüre, er müßte sie abermals betrügen, denn so sind die Männer, zumal die Könige. Ist er euch wirklich so lieb, so müßt ihr euch zusammentun und euch einigen, daß er euch fortan gemeinsam gehört, und nicht ihr ihm.«
Das aber bedachten die Königinnen nicht lange, sondern sagten, wenn er nicht einer allein gehören könnte, so sollte ihn denn keine haben.
»Das, meine Kinder, heiße ich klug gesprochen, und will wohl Sorge tragen, daß er euch fortan nicht behelligt. Und so ihr wieder heiraten wollt, seht, daß ihr einen findet, der euch gehorchen muß. Doch in Wahrheit braucht ihr keinen neuen Gemahl, denn es ist viel besser, wenn ihr eure Reiche selbst regiert. O ja, das deucht mich wahrlich wunderbar: drei mächtige Reiche, in denen Frauen friedlich herrschen, einander in Freundschaft verbunden und mit gutem Rat wohl versorgt, denn daran will ich's nicht fehlen lassen.«
Die Königinnen meinten aber, um der glücklichen Zeit willen, die sie doch mit dem König verbracht, wollten sie nicht leiden, daß es ihm ans Leben gehen sollte. Und die Fee versprach ihnen, er sollte Leben und Freiheit behalten: »Aber ich will einen Zauber auf ihn legen und ihn verwandeln, bis daß eine andere Frau ihn erlöst.«
»Ich weiß«, sagte die Königin Rose. »Er bleibt verzaubert, bis eine sich seiner erbarmt und ihn trotz seiner abscheulichen Gestalt heiraten will.«
»Nicht doch, meine Liebe«, antwortete die Fee. »Er bleibt verzaubert, bis eine Prinzessin – eine echte Prinzessin, damit es nicht gar zu leicht wird – zu ihm so treulos ist, wie er gegen euch war, ihm ein Versprechen gibt und es bricht, da er schwach ist und hilflos. Die mag ihn, wenn er wieder Mensch geworden ist, zum Manne nehmen, sie könnte ihm ebenbürtig sein. Bis dahin aber soll er, der von einer zur anderen hüpfte und jeder, wenn sie ihn halten wollte, durch die Finger glitschte, weiter hüpfen, glitschig sein und so kalt, wie sein Herz es gewesen. Du aber, Heinrich, sollst drei eiserne Bande um dein allzu weiches Herz tragen, damit es keinen Schaden nehme.«
Und so geschah es.

