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| Das Magazin für Science Fiction & Fantasy • Ausgabe 51 • Story |
Nachdem ich gerüchteweise gehört hatte, dass die Bewohner des Epsilon-Armes die am stärksten durchgeistigte Zivilisation der gesamten Milchstraße begründet hatten, drängte es mich mehr und mehr dorthin. Schließlich gab ich meiner Neugier nach und flog los.
Meine Erkundung der Grenzregion des Epsilon-Arms ging ebenso ereignis- wie ergebnislos vonstatten, bis ich meinen Kühlschrank öffnete und ein winziges Geschöpf, das sich offenbar gerade an meinem Kuchen gütlich tat, überraschte. Es zuckte zusammen, schaute mich ängstlich an und fragte: »Werden Sie mich jetzt fressen?«
»Aber nein«, beruhigte ich es gutmütig und versuchte herauszufinden, wo es hergekommen war. Aber es war zu verstört, um mir vernünftig Auskunft geben zu können. Also entfernte ich es aus meinem Kühlschrank, setzte es in eine Ecke, legte ein Stück Kuchen hinzu und tätschelte seinen Kopf. Dann ließ ich es allein, um den Vorfall weiter zu untersuchen ohne Ergebnis. Als ich wieder in die Küche zurückkehrte, war die Ecke mit dem Kuchenstück über und über mit Kreaturen wie der aus dem Kühlschrank bedeckt, und eine Abteilung von ihnen versuchte gerade, den Kühlschrank zu öffnen igitt!
Ich rief: »Was geht hier vor?«
»Hast du es immer noch nicht erraten? Wir sind Ungeziefer und wollen an deine Vorräte«, antwortete mir jemand.
Als ich sie daraufhin bedrohte, erklärten diese Wesen mir überzeugend, dass sie dann mein Raumschiff sabotieren würden. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich in meine Kabine zurückzuziehen und nachzudenken. Dabei kratzte ich mich am Kopf, und Schuppen rieselten auf mein Bett. Überhaupt war mir eine Zunahme meiner Kopfschuppen aufgefallen, seit ich in diesen Teil der Galaxis vorgedrungen war. Doch während ich sie nun gedankenverloren betrachtete, stellte ich fest, dass sie auf dem Bett leicht zappelten und versuchten, zu mir zurückzukrabbeln.
Das war zu viel. Ich sprang auf und hastete unter die Dusche, wo ich mir mindestens ein Dutzend Mal den Kopf wusch. Was sollte als Nächstes kommen? Den Weg zu meinem Handtuch versperrte eine undefinierbare, wogende Gestalt. Sie sagte: »Ergib dich, oder ich dringe mit Gewalt in deinen Körper ein!« Aha, intelligente Krankheitserreger.
Während die Krankheit und ich uns misstrauisch umkreisten und sie mich zu beruhigen versuchte, indem sie behauptete, sie wäre nicht viel mehr als eine Art harmloser Schnupfen, dem Widerstand entgegenzubringen mehr Schaden anrichtete als Kooperation, und überhaupt, mich umzubringen könne ja gar nicht in ihrem Interesse liegen, da sie sonst den Ast absägen würde, auf dem sie säße, und so weiter, versuchte ich langsam, mich immer weiter in die Nähe der Tür vorzuarbeiten. Schließlich war es so weit: Ich stieß das riesige Bakterium um, riss die Tür auf und rannte weg. Als ich so durch das kühle Raumschiff lief, musste ich mehrfach niesen. Ich hoffte nur, dass es sich dabei um einen normalen Schnupfen handelte.
Mein Ziel war der vordere Stauraum. Dort suchte ich nach Kleidung, die ich glücklicherweise in Form eines Bademantels und Schuhen fand, außerdem nahm ich einen Kanister Desinfektionsmittel sowie eine Spritzpistole mit. Derart bewaffnet machte ich mich auf, von einem Ende der Rakete zum anderen zu gelangen, um die Ausstiegsluke zu erreichen.
Und so bahnte ich mir meinen Weg durch Ungeziefer, das sich mir entgegenstellte und mich bedrohte, durch gigantische Bakterien, die mir ob des Beschusses mit Desinfektionsmitteln ewige Rache schworen, und durch Geschwader seltsamer kleiner Propellerflugzeuge einmal sah ich, wie eines an einer Wand zerbrach, woraufhin eine feine, weiße Masse aus dem Inneren zu Boden schwebte. Offenbar hatte das Streben nach meiner Kopfhaut bei meinen ehemaligen Kopfschuppen zu einem erheblichen technologischen Schub geführt. Endlich hatte ich es geschafft, die Ausstiegsluke zu erreichen. Ich zog den Raumanzug an, der dort für Notfälle deponiert war, stieg aus der Rakete aus und befestigte mich mit einem Seil an der Außenhülle. Dann öffnete ich die Tore der Luftschleuse, beide gleichzeitig. Durch meinen Raumanzug spürte ich die Erschütterungen, die die Luft verursachte, als sie explosionsartig aus dem Raumschiff entwich und gleichzeitig alle möglichen unbefestigten Dinge gegen das Innere des Schiffes schlagen ließ, bevor sie in den Weltraum gerissen wurden, und schließlich Stille.
Ich wartet noch ein paar Minuten, bevor ich mich am Seil wieder in das Raumschiff zurückzog. Auf einmal bemerkte ich einen Gegenstand, der aus dem Weltall kommend gemächlich auf die Rakete zutrieb. Dann prallte er gegen die Hülle und schwebte nur wenige Zentimeter entfernt langsam rotierend an mir vorbei. Ich fing ihn auf. Es war ein Artefakt, ein Joghurtbecher. Die Beschriftung war noch lesbar. »Pneumighurts lebende Joghurtkulturen siedeln sich in Ihrem Magen-Darm-Trakt an und gründen dort nützliche Zivilisationen!« Mir drehte sich der Magen um.
