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| Das Magazin für Science Fiction & Fantasy • Ausgabe 53 • Interview |
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Martina Pilcerova zeichnete zahlreiche Titelbilder, unter anderem für Myra Çakans Downtown Blues und Barbara Slawigs Flugverbot. Die AC-Redakteure Gerd Frey und Bernhard Kempen befragten die vielseitige slowakische Künstlerin nach ihren Lieblingsmotiven, Arbeitsmethoden und geplanten Projekten.Frage: Haben Dich, als Du mit dem Zeichnen anfingst, schon immer Science-Fiction- und Fantasy-Motive fasziniert, oder entstand diese Begeisterung erst später? Antwort: In gewisser Weise ja. Bereits im Alter von sechs Jahren, als ich noch gar nicht wusste, was Science Fiction ist, wollte ich Astronautin werden, und ich weiß noch, dass ich die ganze Zeit Raketen gezeichnet habe. Später interessierte ich mich mehr für Western und Indianer, woran natürlich Karl May schuld war, und meine Zeichnungen beschäftigten sich hauptsächlich mit Winnetou. Doch irgendwann kehrte ich zur Science Fiction und Fantasy zurück. Ich mag alles, das sich von der »grauen Realität« unterscheidet. Frage: Welche Motive und Themengebiete bevorzugst Du? Antwort: Das kommt ganz darauf an. Manchmal beschäftige ich mich vielleicht ein Jahr lang mit eher technisch orientierter Science Fiction, dann tauche ich wieder in die Fantasy ein. Zum Beispiel gab es eine Zeit, in der ich hauptsächlich gigantische futuristische Städte gemalt habe. Jetzt bin ich viel zu sehr von Tolkien fasziniert, und da ich im Augenblick vorwiegend für Spieleverlage arbeite, mache ich mehr Fantasy als je zuvor. Wenn ich mit den Entwürfen für das nächste Wizards-of-the-Coast-Projekt fertig bin, würde ich gerne mit der Arbeit an eigenen Gemälden beginnen. Diese Ideen sind sehr fantasylastig und durch Tolkiens Silmarillion inspiriert. Darin sind der Fluss Sirion und sehr viele Elfen zu sehen. Frage: Wirst Du bei Deinen Arbeiten eher von Filmen und Büchern inspiriert oder entspringen die Ideen für Deine Bilder allein Deiner Phantasie? Antwort: Ich benutze hauptsächlich meine eigene Phantasie, was die beste Möglichkeit ist, Copyrightverletzungen zu vermeiden. Natürlich werde ich auch von Filmen und Büchern inspiriert - so funktioniert Phantasie eben. Das Gehirn scheint alle visuellen Informationen zu speichern und später auf bizarre Art zu vermischen. Wenn ich Bücher illustriere, arbeite ich am liebsten sehr eng mit dem Autor zusammen, weil ich gerne zeigen möchte, was er oder sie beim Schreiben im Sinn hatte. So haben wir mit George R. R. Martin zusammengearbeitet, am Sammelkartenspiel auf der Basis von A Game of Thrones [Die Herren von Winterfell/Die Erben von Winterfell]. Frage: Gibt es Grafiker und Illustratoren, die Dich beeindruckt und beeinflusst haben? Antwort: Es mag seltsam klingen, aber das ändert sich ständig. Ich mag die Werke von Michael Whelan, Todd Lockwood und Donato, aber viel mehr bewundere ich die Entwürfe von Syd Mead und Craig Mullins und die Gemälde von John Harris und John Howe. Ich schätze die Arbeiten vieler Künstler, aber ich versuche, mich von niemandem beeinflussen zu lassen, damit ich meinen eigenen Stil weiterentwickle. Frage: Viele professionelle Illustratoren und Covergestalter für SF- und Fantasy-Produktionen arbeiten inzwischen mit dem Computer, um ihre Bilder zu gestalten oder nachzubearbeiten. Gehst Du diesen Weg auch, und was hältst Du davon? Antwort: Ich liebe Computer. Ich fertige häufig Skizzen am Computer an oder mache einige Nachbearbeitungen im Photoshop, nachdem ich die Zeichung oder das Gemälde eingescannt habe. Ich habe sogar mit Lightwave experimentiert. Aber für Illustrationen und Buchcover male ich lieber richtige Bilder, die ich an die Wand hängen kann. Und ich muss sagen, dass ich mit echter Farbe viel schneller arbeite. Frage: Mit welcher Zeichentechnik gestaltest Du Deine Arbeiten am liebsten? Antwort: Meistens arbeite ich mit Acryl, aber ich male auch in Öl und benutze den Zeichenstift für Entwürfe. Mit Öl bin ich schneller, aber die Farben brauchen sehr lange zum Trocknen. Wenn der Termin drängt, ziehe ich Acryl vor. Frage: Siehst Du neue Möglichkeiten für SF- und Fantasy-Grafiker in den neuen interaktiven Medien, die ja häufig in SF-Umgebungen spielen? Antwort: Ja, natürlich. Alle neuen Medien bieten neue Gelegenheiten und Herausforderungen. Frage: Du hast zwei Kurzfilme gedreht und an der Filmproduktion von Myra Çakans When the musics over mitgewirkt. Würdest Du gerne weiter im Filmgeschäft arbeiten wollen? Antwort: Ja, Filme waren schon immer mein Traum. Es fasziniert mich, wie phantastische Filme realisiert werden. Ich suche weiter nach Möglichkeiten, im Bereich Design tätig zu werden. Jetzt mache ich Entwürfe für Wizards of the Coast, was ich großartig finde, weil ich gehört habe, dass viele Spieledesigner später für Filmprojekte wie Matrix oder Star Wars gearbeitet haben. Ich stehe in Kontakt mit Filmemachern wie Volker Engel oder Patrick Tatopoulos und hoffe, dass sie mir die Gelegenheit geben, meine Träume wahr werden zu lassen. Ich habe sogar vor, diesen Sommer in Los Angeles zu verbringen, nur um dort zu sein, wo neue Dinge geschehen. Frage: Hast Du eine künstlerische Vision, die Du unbedingt realisieren willst? Antwort: Oh, ja! Mein großer Traum ist die Vollendung der Story »Niki«, zu der ich ein illustriertes Buch produzieren oder einen Film drehen möchte. Ich arbeite seit 1989 daran, aber irgendwann wird mein Traum vielleicht Realität. Wenn der Tag doch nur 48 Stunden hätte ... Das Interview führten Gerd Frey und Bernhard Kempen |
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