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Interview mit Edmond Hamilton

von Patrick Nielsen Hayden

Science Fiction > Alien Contact
Interview
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Als ich im Februar 1975 meinen ersten Science-Fiction-Con besuchte, um Material für mein erstes Fanzine zu sammeln, war ich sechzehn. Ich hatte das Glück, dort Edmond Hamilton und Leigh Brackett kennen zu lernen, und Hamilton willigte ein, sich von einem Teenager mit einem Kassettenrekorder interviewen zu lassen. Mit Vierundvierzig läuft es mir angesichts der Fragen des Sechzehnjährigen gelegentlich kalt den Rücken hinunter. Aber das war bei weitem nicht das erste Mal, dass eine der grauen Eminenzen der SF Nachsicht mit einem vorlauten Jungen übte.
- Patrick Nielsen Hayden, Februar 2003
Dieses Interview wurde am 22. Februar 1975 während des DesertCon III in Tucson auf der gemeinsamen Party der LepreCon- und Tus-Con-Kommitees geführt. Es ist aus einem längeren Gespräch gekürzt wiedergegeben und enthält keine großen Analysen von Hamiltons Texten. Aber es enthält einige faszinierende Erinnerungen an die weit zurückliegende Geschichte der Science Fiction. Hamilton erwies sich als sehr charmanter und unvoreingenommener Mann. Und er isst nicht jeden Tag einen Asteroiden zum Mittagessen ...
Patrick Nielsen Hayden: Lassen Sie uns darüber sprechen, wie Sie mit dem Schreiben angefangen haben. Was hat Sie dazu veranlasst, vom Schreiben leben zu wollen?

Edmond Hamilton: Das lässt sich schwer erklären. Das ist lange her. Diesen Monat sind es 50 Jahre, dass ich meine erste Geschichte verkauft habe. Das war im Februar 1925, und ich musste sie noch einmal überarbeiten, bevor sie 1926 veröffentlicht wurde.
   Wenn man von allen möglichen Dingen träumt, sollte man meinen, dass diese Träume meistens künstlich sind, von Geschichten stimuliert, die man gelesen hat. Dann denkt man noch etwas weiter und weiter, es kommt noch etwas mehr Vorstellungskraft hinzu und irgendwann spürt man, dass man unbedingt noch dieses oder jenes ausprobieren sollte. Also setzt man sich hin und liest die Geschichten anderer Leute und lässt sich von ihnen anregen - nicht von den guten, sondern von den schlechten, man sagt sich: »Das kann ich besser« und fängt an, draufloszuschreiben.
   Ich hatte mehr Glück als die meisten meiner Kollegen. Obwohl ich nicht über allzu viel Selbstbewusstsein verfügte, kaufte WEIRD TALES meine ersten vierzig Geschichten, ohne eine einzige Absage - einfach, weil es nur wenige Autoren gab und eine große Nachfrage nach Material herrschte. Tatsächlich lehnte WEIRD TALES keine meiner Geschichten ab. In gewisser Hinsicht war das nicht immer gut.

PNH: Wie hieß Ihre erste Geschichte?

EH: Ich nannte sie »The Monster-God of Mamurth«. Es war eine Geschichte über eine unsichtbare Stadt in der Sahara und eine unsichtbare Kreatur, die darin herumgeisterte, und dergleichen. Ich denke, sie war an eine Geschichte von Abraham Merritt angelehnt, die »People of the Pit« hieß. Die meisten Autoren, die ich kenne, fangen an, indem sie jemand anderen nachahmen. Wenn sie gut genug sind, kopieren sie nicht, sie schreiben kein Plagiat, sondern ... (Pause)
   Jahre später erzählte ich Merritt davon, und er meinte: »Ich fühle mich geschmeichelt.« Er war ein netter Mensch. Ich antwortete: »Es freut mich, dass Sie es so aufnehmen. Ehrlich gesagt, ich dachte, dass Sie sich ärgern würden.«
   So habe ich angefangen.
   Was ich vorhin sagen wollte: Es ist nicht immer gut für einen Autor, wenn man von Anfang an allzu sehr verwöhnt wird und alle Geschichten verkaufen kann. Denn er bekommt die fixe Idee, dass er unfehlbar ist. Die erste Ablehnung ist dann ein fürchterlicher Schock. Andererseits, wenn man über wenig Selbstbewusstsein verfügt, ist es natürlich gut, weil es einem Auftrieb gibt. »Ich mache es ganz gut, also werde ich weiterschreiben«, so in der Art.

PNH: Wann wussten Sie, dass Sie vom Schreiben leben konnten?

EH: In den ersten Jahren konnte ich nicht vom Schreiben leben. Nach drei oder vier Jahren ging es, auch wenn es nicht gerade üppig war.

PNH: Sie waren der erste Autor, der über interstellaren Raumflug schrieb, nicht wahr?

EH: Ich denke, ja, allgemein gesprochen jedenfalls. Im Lauf der Jahre habe ich eines herausgefunden: Jedes Mal, wenn man denkt, man hat eine neue, originelle Idee, so nach dem Motto »Ich war der erste, der das gemacht hat«, findet man einen alten Hasen, der das schon damals, 1895 oder so, vorgemacht hat. Jedes verdammte Mal!
   Das ist mir mehr als einmal passiert. Einmal habe ich eine Geschichte über eine verlorene Zivilisation von Nordmännern in der Arktis geschrieben. Diese Geschichte kam nicht unter meinem Titel heraus. Sie haben sie »A Yank at Valhalla« (»Ein Yankee in Valhalla«) genannt, ein fürchterlicher Titel. Jedenfalls, ein oder zwei Jahre später, als ich in Forrest Ackermans Wohnung in Los Angeles seine damals schon riesige Sammlung durchsah, fiel mir ein Buch in die Hände: Clara: A Romance of the Polar Pit. Ich habe es mir genauer angesehen und, bei Gott, dieser Kerl war mir ungefähr 40 Jahre voraus. Er hatte dieselbe Idee einer nordischen Zivilisation, die in der arktischen Wildnis verloren gegangen war. Glücklicherweise kam er nicht wie ich auf die Idee, die alten mythischen Gottheiten dort weiterleben zu lassen. Ich hatte niemals zuvor von dieser Geschichte gehört. Es war eine ziemlich offensichtliche Idee, aber ich dachte, dass sich niemand vor mir ihrer bedient hatte. Dergleichen ist mir mehr als einmal passiert.

PNH: Ich denke, sie sind auch der erste Autor, der sich zuerst Außerirdische vorstellte, die tatsächlich freundlich zu Menschen waren und uns nicht einfach nur aufessen wollten oder ähnlich fürchterliche Dinge.

EH: Ja, in gewissem Sinne war ich das. Ich fing damit 1932 an, mit der Geschichte »Renegade«. Sie wurde unter dem Titel »Conquest of Two Worlds« veröffentlicht. Sie dachten wohl, mein Titel klingt nicht genug nach Science Fiction. Und wirklich, das war eine der ersten Geschichten jener Zeit, die ... Sam Moskowitz hat gesagt, das wär die erste Geschichte in der Science Fiction, die sich gegen den Kolonialismus ausspricht. Ich möchte hinzufügen, dass ich nach heutigem Verständnis nicht antikolonialistisch eingestellt bin. Aber es erscheint mir falsch, dass die Menschen immer Recht haben sollten. Ich wollte der Geschichte einen anderen Dreh geben. Ich kann stolz sagen, dass sich Arthur C. Clarke nach dreißig Jahren noch an diese Geschichte erinnert hat. Er erzählte mir: »Ed, weißt du, ich habe diese Geschichte gelesen, als ich ein Fan war. Ich bin jetzt schon lange in diesem Geschäft, und das ist eine Geschichte, die ich niemals vergessen habe.« Das ist das größte Kompliment, das ich jemals für diese Geschichte bekommen habe.

PNH: Sie schienen häufig unter Titeländerungen von Herausgebern gelitten zu haben?

EH: Ja, das kann man so sagen.

PNH: Wer war dabei der Schlimmste?

EH: Das machten alle. Gernsback war der Schlimmste.
   Ich bin kein großer Bewunderer von Herrn Gernsback. Ohne Zweifel, er war wirklich der Vater der modernen Science-Fiction-Magazine. Aber, lassen Sie es mich einmal so sagen: Er behandelte seine Autoren nicht unbedingt großzügig. Manchmal musste man ein Jahr warten, um 50 $ für eine Geschichte zu erhalten, die 10.000 Wörter lang war. Ich musste ihn persönlich anmahnen, wenn ich in New York war, um wenigstens so viel von ihm zu bekommen. Er hätte uns etwas besser behandeln sollen. Ich gestehe ihm allerdings zu, dass er für die SF von Bedeutung war.

PNH: Ich frage mich, ob es noch andere Autoren und Herausgeber aus früheren Zeiten gibt, an die Sie zurückdenken ...?

EH: Ja, natürlich. Einige von ihnen sind seit fürchterlich langer Zeit meine Freunde. Jack Williamson ... E. Hoffmann Price, mein ältester Freund, er ist jetzt 76, und er fährt immer noch den ganzen Weg von Redwood City bis in die Wüste, um mich zu besuchen. Am meisten bewundere ich - und ich bin sehr stolz darauf, dass ich ihn gekannt habe - Abraham Merritt. Er war einer der besten Autoren, die ich jemals kennengelernt habe und natürlich liebe ich seine Bücher.

PNH: Inwieweit hat er Sie beeinflusst?

EH: Mich gar nicht so sehr. Jack Williamson hat er mehr beeinflusst als mich. Meine Ideen gingen in eine andere Richtung. Ich schrieb Geschichten, die im Weltraum spielten, während Merritt so etwas niemals schrieb. Jack verehrte ihn genauso wie ich. Als Neuling, der nur ein paar Geschichten verkauft hatte, schrieb Jack tatsächlich an Merritt, bot ihm eine Zusammenarbeit bei einer Geschichte an und schickte ihm dazu Material. Dann ging ich eines Tages mit Jack zusammen Merritt besuchen und Jack sagte zu ihm: »Ich möchte mich für meine Dreistigkeit entschuldigen, Mr. Merritt - dafür, dass ich ihnen diese Texte zugeschickt und mir eingebildet habe, wir würden zusammenarbeiten. Ich war sehr jung und wusste es nicht besser.« Aber Merritt, der ein sehr freundlicher Mensch war, meinte: »Nun, Jack, es waren gute Texte und vielleicht werden wir eines Tages doch noch zusammen daran arbeiten.« Er hat es ihm nicht übel genommen.

PNH: Hatten Sie jemals Kontakt zu H. P. Lovecraft?

EH: Nein, Lovecraft habe ich nie kennengelernt. Wir haben uns gelegentlich geschrieben. Ich hätte ihn treffen sollen. Ich habe ein paar Einladungen sausen lassen, heute tut mir das Leid. Die einzige Person, die ich kenne, die sowohl Lovecraft als auch Howard kannte, war E. Hoffman Price. Er kannte beide sehr gut. Mit Howard habe ich ebenfalls korrespondiert. In WEIRD TALES waren wir damals so eine Art Club. Price schrieb an Howard, und Howard schickte mir den Brief von Price, und dann schickte ich ihn weiter an Lovecraft, Sie wissen schon. Wir hatten so eine Art Wettbewerbskorrespondenz, jeder gegen jeden. Ich muss leider sagen, dass ich nicht alle Briefe aufgehoben habe. Heutzutage könnte das veröffentlicht werden.

PNH: Das stimmt ... heutzutage würden sie alte Wäschelisten von Lovecraft veröffentlichen.

EH: Nun, Sprague de Camp erzählte, dass Lovecraft Millionen von Briefen schrieb und bettelarm starb. Sprague warnte alle, nicht zu viele Briefe zu schreiben. Sprague selbst schrieb immer - Postkarten. (allgemeines Gelächter)

PNH: Ich kann mir die Gedankengänge dieses strengen, militärischen Colonel de Camp vorstellen. Verschwende keine Zeit. Denke im Telegrammstil. Fasse dich kurz. Schreibe Postkarten. - Können sie sich an Farnsworth Wright erinnern?

EH: Oh ja, sehr gut. Ich verehrte ihn ebenfalls. Zunächst einmal kaufte er 1931 erstmals eine Geschichte von mir. Ich hatte fünf Jahre lang für WEIRD TALES geschrieben, als ich für eine Woche nach Chicago ging, zum ersten Mal. Ich war jung, schüchtern und wollte mich mit Jack Williamson in Minneapolis treffen ... wir wollten zusammen den Mississippi hinabfahren. Jedenfalls war ich ein zurückhaltender und eher naiver junger Mann, und ich kam nicht auf die Idee, bei Wright anzurufen. Endlich, am Tag bevor ich Chicago verließ, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und rief im Büro an. Bill Springer, der damals das Büro von WEIRD TALES leitete, meinte, ich sollte sofort vorbeikommen. »Sind sie sicher?«, fragte ich nach und er sagte »Ja, Farnsworth würde sich freuen, sie kennen zu lernen. Kommen sie vorbei, Farnsworth hat oft über sie gesprochen, sie haben ihm so viele Geschichten verkauft. Ach ja, wir haben noch einen Besucher: E. Hoffman Price aus New Orleans.« Also bin ich in die Redaktion gegangen, Price war da, Otis Adelbert Kline kam dazu, und Wright war sehr nett und wir wurden sofort Freunde. Am nächsten Tag fuhr ich nach Minneapolis, am Abend traf ich Jack Williamson das erste Mal. Ich kannte ihn vorher nicht, aber wir hatten die Mississippireise zusammen geplant. So legte ich den Grundstein für einige Freundschaften, die das ganze Leben hielten, an zwei Tagen im Juni 1931.
   Wright war ein wundervoller Mann. Er war nicht gesund, müssen Sie wissen. Er litt unter ... was zum Teufel war es? Er hatte eine Kriegsneurose aus dem ersten Weltkrieg. Er war ein großer, ehrwürdiger und sehr gutaussehender Mann und saß manchmal an seinem Schreibtisch mit den Händen auf dem Tisch und versuchte, sie still zu halten, aber sie zitterten, wie meine jetzt manchmal, auf Grund des Alters. Wenn wir zusammen in ein Restaurant gingen, musste ich ihm das Fleisch klein schneiden. Er trug es mit Würde und meinte einfach nur: »Ich kann das nicht«, und ich schnitt es für ihn. Er verließ WEIRD TALES, weil das Magazin an andere Eigentümer verkauft wurde. Ich war schockiert, als ich davon hörte. Als ich 1940 in New York war, erfuhr ich von einem Freund, dass Wright in einem Ort namens Jackson Heights auf Long Island lebte. Ich verbrachte einen großen Teil des Tages im Auto, um ihn zu besuchen. Wir sprachen über die gute alte Zeit von WEIRD TALES und er sagte, dass er hoffte, einige dieser Geschichten würden eines Tages nachgedruckt werden. Ich habe oft daran gedacht, weil, mein Gott - fast alles aus diesem Magazin wurde tatsächlich nachgedruckt.
   Außerdem war ich sehr glücklich, dass ich ihn besucht hatte, denn zwei Wochen später erhielt ich die Nachricht, dass er gestorben war. Es war eine ziemlich lange Anfahrt, und eigentlich wollte ich in New York einfach etwas Spaß haben. Aber ich wollte ihn auch unbedingt besuchen. Er war mit anderen Projekten beschäftigt und so weiter, aber wir haben uns lange über dergleichen unterhalten. Wir dachten über eine Sammlung mit dem Titel The Weird Tales Omnibus nach. Und jetzt ist tatsächlich vieles nachgedruckt worden.
   Ich habe mir oft gewünscht, dass er gewusst hätte, dass er Tennessee Williams’ erste Geschichte gedruckt hatte. Williams’ erste gedruckte Geschichte hieß »The Vengeance of Nitocris«. Es war keine sehr gute Geschichte, aber ...
   Wright war immer sehr stolz, wenn er Leute entdeckte. Bradbury? Ray konnte zunächst nichts an WEIRD TALES verkaufen, aber Wright schrieb an Ray nette Briefe und forderte ihn auf weiterzumachen, weil er glaubte, dass Ray noch ein guter Autor werden könnte. Ich glaube, nachdem Wright WEIRD TALES verlassen hatte, verkaufte Ray dort tatsächlich seine erste Geschichte.

PNH: Lassen Sie uns über Campbell reden. Haben Sie ihn gut gekannt?

EH: Oh ja. Wir hatten über Jahre eine irgendwie merkwürdige Beziehung. Sehen Sie, wir kannten uns noch aus Zeiten, in denen wir alle schrieben. Das war lange bevor er Astounding Stories herausgab. Ich traf ihn zur gleichen Zeit wie Sprague de Camp, der damals noch überhaupt nichts geschrieben hatte, und wir waren sehr freundlich zueinander. Als er dann anfing, Astounding Stories herauszugeben, wollte er, dass ich für ihn schrieb. Ich schickte ihm eine Geschichte und er bat mich, sie zu überarbeiten. Er war eben ein gewissenhafter Lektor. Seine Ideen waren gut, also überarbeitete ich die Geschichte. Naja, er schickte sie noch einmal zurück und meinte: »Es ist mir peinlich, um eine weitere Überarbeitung zu bitten, aber meiner Ehefrau gefällt dieser Abschnitt nicht.« Inzwischen war ich wirklich sauer, schließlich versuchte ich, vom Schreiben zu leben. Aber ich hatte schon so viel Zeit in diese Geschichte investiert, dass ich die zweite Überarbeitung auch noch machte. Ich schickte sie ihm - sie gefiel ihm und er kaufte sie - und ich schickte ihm nie wieder eine Geschichte. Warum? Ich konnte nicht davon leben, nur für John Campbell zu schreiben, und er mochte es nicht sehr, wenn seine Autoren auch noch für andere Magazine schrieben, es trieb ihn zur Weißglut. Henry Kuttner war der einzige, der für andere Magazine schreiben durfte und bei John damit durchkam. Die Zeit verging, ich sah John auf Science-Fiction-Conventions, aber irgendwie schaute er durch mich hindurch, das konnte er ziemlich gut. Vor einigen Jahren habe ich ihn dann in New York einmal alleine mit seiner Ehefrau dasitzen sehen. Ich ging schließlich zu ihm und fragte ihn: »John, wir kennen uns, seit wir sehr jung waren. Nun, wenn sich die Zeiten geändert haben ...« Ich hatte gehört, dass er auf mich sauer war, weil ich nichts mehr an ihn geschickt hatte. Ich wusste, er hätte es sowieso abgelehnt, aber er wollte eben die Möglichkeit haben, irgend etwas abzulehnen. Seine Frau sagte: »Er hat doch nichts für Astounding geschrieben, oder?« und ich sagte: »Das liegt daran, dass ich mich zu wenig mit Naturwissenschaften auskenne.« Und Campbell meinte: »Das kaufe ich dir nicht ab!« Schließlich hätte ich in dieser oder jener Geschichte genug wissenschaftliche Ideen untergebracht. Darauf ich: »Ich ziehe es eben vor, für einen Markt zu schreiben, der etwas weniger anspruchsvoll ist.« John sagte kein Wort. Nun, irgendwann konnten wir wieder freundlich miteinander umgehen. Zum letzten Mal habe ich ihn in Berkeley auf einer Convention getroffen, kurz bevor er starb. Aber zu jener Zeit waren die Schatten zwischen uns verschwunden. Er kam zu mir, klopfte mir auf den Rücken und meinte: »Wir Veteranen müssen zusammenhalten.« Er war zufrieden, dass ich die Initiative ergriffen hatte, diese unnötige Missstimmung zwischen uns zu bereinigen. Leigh verkaufte ihre erste Geschichte an John Campbell und er ignorierte Leigh, weil auch sie ihm keine weiteren Geschichten anbot.

PNH: Themawechsel - woran arbeiten Sie gerade?

EH: Ich arbeite an einem weiteren Starwolf-Roman. Ich war fast fertig mit ihm, als ich mich fragte, ob ich ihn wirklich ganz fertig stellen sollte, weil mich diese Serien anöden. Man ist so festgelegt, geradezu gefangen und kommt nicht mehr von ihnen los. Das ist die zweite Serie, die ich geschrieben habe, die andere war Captain Future, die im übrigen niemals für normale SF-Leser gedacht, sondern nur für Jugendliche konzipiert war. Aber die Leute erinnern sich eben an Serien. Also werde ich den letzten Starwolf-Roman nicht fertig schreiben, ich denke, ich mache zur Abwechslung mal etwas anderes.

PNH: Noch ein Themawechsel. Welcher Autor hat Sie und ihr Werk am meisten beeinflusst, was meinen Sie?

EH: Das war eindeutig Homer Eon Flint. Forrest Ackerman hat herausgefunden, dass sein Name eigentliche Homer Flindt lautete. Er hat seinen Nachnamen geändert, und das »Eon« fügte er nur ein, weil es gut aussah. Er schrieb Geschichten darüber, dass die Erde zum Jupiter bewegt wurde und dergleichen. Das regte meine Phantasie an. Ich habe immer gerne zugegeben, dass ich dieses oder jenes Herrn Flint verdanke.

PNH: Sie hatten einmal den Spitznamen »Der Weltenzerstörer«.

EH: Genau, der stammte von Mr. Flint. Er ist unter äußerst merkwürdigen Umständen gestorben. Er war ein ausgeglichener, ruhiger Mann, und plötzlich klaute er ein Auto, fuhr damit in die Berge von Kalifornien und stürzte sich von einer Klippe. Niemand konnte das jemals erklären.

PNH: Vielleicht wollte er die Erde bewegen ...?

EH: Austin Hall hat einiges darüber geschrieben. Und Sam Moskowitz hat darüber recherchiert.

PNH: Was halten Sie von Roger Elwood? Ich habe vieles über ihn in Fanzines gelesen und die Geister scheiden sich. Einige finden Roger Elwood schlecht, andere dagegen finden ihn toll. Was denken Sie über ihn?

EH: Ich glaube, dass er ein brillanter junger Mann ist, der sich etwas übernommen hat, wie auch andere brillante junge Männer in diesem Geschäft. Er hat sich übernommen, weil er versucht hat, zu viele Dinge gleichzeitig zu tun. Seine Geschäftsmethoden sind schlampig. Ich bin ihm niemals persönlich begegnet, er hat mich nur angerufen, weil ich eine Geschichte für diese Anthologie und eine für jene Anthologie schreiben sollte. Ich bin es gewohnt, alles brieflich zu erledigen. Einmal habe ich eine Geschichte für ihn geschrieben, er hat mich angerufen und gesagt: »Das ist eine gute Geschichte« und hat mich bezahlt. Aber die Tatsache, dass er mir niemals etwas Schriftliches zukommen ließ, störte mich, ebenso wie der Umstand, dass er mir niemals ein Belegexemplar der Anthologie schickte. Irgendwann brachte Leigh einmal ein Buch aus der Bücherei mit nach Hause und so konnte ich diese Geschichte gedruckt sehen. Er hat den letzten Absatz einfach weggelassen! Für mich sind die letzten Zeilen einer Geschichte heilig. Ich schreibe niemals etwas, wenn ich nicht weiß, wie der letzte Satz lautet. Darauf läuft alles hinaus. Und er lässt diesen letzten Satz einfach weg, das hat mich geärgert. Außerdem hatte ich den Verdacht, dass er mir das Buch genau aus diesem Grunde nicht schicken wollte. Desweiteren hatte er einiges ... verändert. Solche einfachen und harmlosen Sachen wie ein alter Raumfahrtkapitän, der im Raumhafen herumsitzt, Bier trinkt und sich erinnert. Nun, das Biertrinken - Elwood ließ das nicht durchgehen, er änderte es in Steakessen, und so etwas stört mich. Ich war schon immer ein professioneller Autor; damit will ich sagen: Wenn jemand etwas will, sagt er es mir, und ich schreibe es. Es gab einige Beschwerden über ihn, aber ich habe einfach keine Geschäfte mehr mit ihm gemacht. Leigh hat ebenfalls zwei oder drei Geschichten an ihn verkauft, und sie hat fast genau die gleichen Erfahrungen gemacht.

PNH: Er änderte auch ihre Geschichten?

EH: Ja. Ich habe die Einzelheiten vergessen, ich erinnere mich nur, dass sie begann, sich wie alle anderen auch über Roger Elwood ärgern.

PNH: Noch ein Themawechsel. Wenn Sie sich die SF der vergangenen fünfzehn oder zwanzig Jahre ansehen, welcher Autor hat Sie am meisten beeindruckt?

EH: Den britischen Autor John Wyndham bewundere ich am meisten. Nach einem nicht eben herausragenden Start unter seinem eigenen Namen hat er drei Romane geschrieben, die ich wirklich toll fand: Rebirth, The Midwich Cockoos und Day of the Triffids. Ich denke, die waren wirklich gut. Aber natürlich hatte ich immer eine Schwäche für bestimmte Autoren.

PNH: Wie sehen Sie die Zukunft der WorldCons? Ich denke hier an die Kommentare in Fanzines, in denen ein Horrorszenario mit über 5.000 Besuchern heraufbeschworen wird.

EH: Ich mag diese riesigen Conventions nicht. Das sind einfach zu viele Menschen. Ich war auf dem so genannten ersten WorldCon 1939 in New York. Er hatte eine angenehme Größe, jeder kannte jeden. Es waren ungefähr 150 bis 180 Menschen da, wir trafen uns in einem Saal und hatten nicht einmal ein sperates Hotel. Auch zu diesem Con gab es Meinungsverschiedenheiten. Einige Fans der New Yorker Gruppe hatten lautstark gegen die Veranstaltung protestiert, weil sie nicht daran teilnehmen durften. Diese Gruppe nannte sich selbst »The Futurians«, und sie waren eher links ausgerichtet, während die Veranstalter der Convention, Moskowitz und andere, deutlich rechts waren. Jedenfalls verteilten die Futurians am Eingang Flugblätter mit der Aufforderung: »Nehmen Sie nicht an dieser Convention teil!« Fred Pohl und Donald Wollheim und einige andere gehörten zu der Gruppe, die Saalverbot hatte. Der junge Ike Asimov hatte noch keine einzige Geschichte verkauft, war aber damals schon redegewandt und brillant, stand auf und hielt eine flammende Rede im Sinne von »lasst uns die Trennung innerhalb der Science Fiction beenden« und forderte zum Schluss: »Lasst die fehlgeleiteten Brüder ein«. Und die gesamte Convention sagte NEIN. Es ist noch nicht lange her, da habe ich mit Fred Pohl darüber gesprochen. Er konnte sich daran erinnern und sagte: »Damals hatte ich noch Haare.«

PNH: Mit Ihrer galaktischen Sichtweise hatten Sie einen ziemlichen Einfluss auf Asimov, kann man das so sagen?

EH: Ich hoffe es jedenfalls. Ein Bekannter hat ein Buch über Isaacs SF-Storys und -Romane geschrieben und war so freundlich, es mir zu widmen. Er hat mir ein Exemplar geschickt und ich habe es mit großem Interesse gelesen.
   In Before the Golden Age schrieb Asimov über seine Jugendlektüre und eine Serie von Edmond Hamilton mit dem Titel »The Universe Wreckers«. Die ganze Geschichte basierte auf der damals anerkannten Tatsache, dass Neptun der äußerste Planet des Sonnensystems war. Nachdem der erste Teil veröffentlicht war, wurde Pluto entdeckt. Ikes erster Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss, lautete: »Das wird Hamiltons Geschichte ruinieren.« Ich habe Isaac vor nicht allzu langer Zeit erzählt, dass das genau der Gedanke war, der auch mir durch den Kopf ging. Es erschien mir sehr unfair, dass sie einhundert Jahre lang keinen neuen Planeten entdeckten und es dann ausgerechnet in genau diesem Sommer passierte.

PNH: Was denken Sie über Heinlein?

EH: Es ist schwer, den Menschen von seinen Storys zu trennen. Ich mag Bob sehr gern, er ist ein alter Freund, obwohl ich ihn seit einigen Jahren nicht mehr gesehen habe. Aber einige von seinen Geschichten mag ich nicht. Es amüsiert mich auch, dass er in den letzten Jahren so konservativ, um nicht zu sagen reaktionär geworden ist. Als ich ihn kennen lernte, war er ziemlich liberal eingestellt. Er glaubte stark an Upton Sinclairs epischen Plan für Kalifornien, und er hat sich mit einem ähnlichen Vorhaben zur Wahl gestellt. Dann sehe ich ihn einige Jahre nicht und höre Beschwerden, dass er so konservativ geworden sei.
   Er war der gastfreundlichste Mann der Welt. Einmal in der Woche hielt er ein offenes Haus, und wir besuchten ihn alle. Ich fuhr damals in einem Hudson Sedan Kabriolett herum und spielte den Busfahrer, um alle SF-Fans zu ihm zu schaffen. Niemand hätte gastfreundlicher und netter sein können. Jedenfalls, alle kamen und saßen vor Heinlein auf dem Boden, nur ich meinte: »Bob, ich bewundere dich, aber ich will verdammt sein, wenn ich dir zu Füßen sitze!« Vor einer Weile habe ich ihn wiedergesehen und er war so freundlich, mir zu sagen, dass ich mich kaum geändert habe.
   Jemand hat behauptet, Heinlein hätte das Design für den ersten Raumanzug entworfen. Er und Asimov arbeiteten während des Krieges in den Regierungslaboratorien in Philadelphia. Es hat mich gerührt, als Bob erzählte, dass die Idee dazu ursprünglich von mir stammte. Er sagte: »Sieh dir das Titelbild dieses Magazins an, da kannst du einen sehr praktischen Raumanzug sehen.« Es stimmt, aber es hat mich sehr gefreut, dass er sich tatsächlich daran erinnerte.
   Damals war das immerhin so neu, dass Harry Bates, der zu jener Zeit ASTOUNDING herausgab, forderte: Das ist es, was wir wollen: Neue Ideen! Männer, die in ihre Raumanzüge steigen und ihr Schiff verlassen. Das ist brandneu!

• Erstveröffentlichung im März 1975 im Fanzine TWIBBET #7
© 1976, 1998, 2003 Patrick Nielsen Hayden
Mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Übersetzung © 2003: Anita Winkler


Foto: Haffner Press
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