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Alien Contact Interview |
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| Gerd Frey zählt nicht nur zu den aktivsten Mitgliedern der Berliner Science-Fiction-Szene, sondern ist seit über einem Jahrzehnt auch als Autor und Illustrator tätig. Für seinen Erzählungsband Dunkle Sonne, der 2002 bei Shayol erschienen ist, wurde er mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Aus diesem Anlass hat Sara Schade mit Gerd Frey, der als Art Director auch der ALIEN CONTACT-Redaktion angehört, ein Interview geführt. | |
| ALIEN
CONTACT: Seit geraumer Zeit sind Sie in der Science-Fiction-Szene
aktiv, unter anderem waren Sie fünf Jahre lang Vorsitzender des SF-Clubs »Andymon« in Berlin. Seit 1990
veröffentlichen Sie selbst SF-Erzählungen. Was fasziniert Sie an diesem Genre? Gerd Frey: Was mich an Science Fiction so stark fasziniert, ist schwer zu beschreiben. Vielleicht war es zu Beginn nur naturwissenschaftliche Neugier. Als Jugendlicher war ich begeisterter Amateur-Astronom und beschäftigte mich mit Theorien über die Entstehungsgeschichte des Universums, verschlang Beiträge und Bücher über die Erforschung des Sonnensystems und beobachtete mit einem selbstgebauten Fernrohr (bestehend aus einem Zeiss-Objektiv und einer Handvoll Okulare) Jupiter, Saturn oder unseren Mond. Ich wollte wissen, ob es Wasser auf dem Mars gibt, oder wie es unter der giftigen Wolkendecke der Venus aussieht. Die Science Fiction bot mir die Möglichkeit, über die vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse hinauszudenken. Zu dieser Zeit bekam ich auch einen Bildband des russischen Weltraummalers Andrei Sokolov in die Hände. In vielen Bildern Sokolovs mischen sich realistische Weltraumthemen mit Science Fiction. Diese Bilder haben mich damals sehr fasziniert und lenkten mein Interesse stärker auf die SF. Später änderten sich meine Ansprüche diesbezüglich. Ich wollte keine reine Zukunftsprognostik mehr - die die SF ohnehin nur in beschränktem Maße bietet. Heute erwarte ich von einem Science-Fiction-Roman vor allem interessante und glaubhaft geschilderte Figuren, eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen und eine gut erzählte Geschichte. AC: Gibt es Autoren, die Sie besonders schätzen oder die Sie eventuell beim Schreiben beeinflussen? GF: Zwei Autoren, die mich als Autor und Leser besonders beeindruckt haben,
waren Robert Silverberg und Jack
Vance. Robert Silverberg vermittelt in fast jedem seiner besseren Bücher ein
humanistisches Weltbild und spannt den Bogen von der Unterhaltungs-SF zur
Mainstream-Literatur. Zudem ist es ihm häufiger als anderen Autoren gelungen, gängige
SF-Klischees aufzubrechen und diesen Themen neue Perspektiven hinzuzufügen (in Dying
Inside, A Time of Changes oder Star of Gypsies). AC: Fantasy scheint Ihnen ebenso zuzusagen wie SF - das zeigt sich unter anderem an einigen der Geschichten in Ihrem Erzählungsband Dunkle Sonne. Worin liegt für Sie der Reiz dieses Genres? GF: Ich muss an dieser Stelle eingestehen, dass ich kein typischer Fantasy-Leser bin. Gerade mit der Heroic Fantasy kann ich nicht viel anfangen. Fantasy macht mir dann Spaß, wenn Konventionen gebrochen werden, ein wenig Humor im Spiel ist oder mit dem Absurden gespielt wird. Auch Elemente der Dark Fantasy mag ich sehr. Ich würde sogar die »Geschichten am Ende der Zeit« von Michael Moorcock diesem Genre zuordnen - das ist genau die Sorte Fantasy, die mir gefällt. Auch der Episoden-Roman Die Mars-Chroniken von Ray Bradbury zählt für mich zu den schönsten Fantasy-Werken. AC: Bisher haben Sie hauptsächlich Kurzgeschichten verfasst. Liegt Ihnen diese Form besonders, oder haben Sie vor, auch einmal einen Roman zu schreiben? GF: Ich schreibe ziemlich langsam und bin ein recht selbstkritischer Autor. Eine
Kurzgeschichte ist relativ leicht zu überblicken und kommt meiner Art zu schreiben sehr
entgegen. Leider lässt sich mit Kurzgeschichten kaum etwas verdienen. AC: 2002 ist erstmals eine Sammlung Ihrer Erzählungen unter dem Titel Dunkle Sonne erschienen, die den diesjährigen Phantastikpreis gewonnen hat. Wie kam es zur Entstehung dieses Buches? GF: Ein Kurzgeschichten-Autor hat es schwer, im Gedächtnis des Lesers einen
bleibenden Eindruck zu hinterlassen. So haben mir einige Leser von Dunkle Sonne
erzählt, dass sie einen Teil der dort abgedruckten Geschichten aus ALIEN CONTACT
und anderen Publikationen kannten, aber vorher nicht mit mir als Autor in Verbindung
gebracht haben (obwohl ihnen mein Name geläufig war). Eine Story-Kollektion hat da eine
wesentlich nachhaltigere Wirkung. Zudem bot sich mir als Autor die angenehme Möglichkeit,
eine Werkschau meiner besseren literarischen Arbeiten zu präsentieren und einen Teil noch
unveröffentlichter Storys zu publizieren. AC: Die in Dunkle Sonne enthaltenen Kurzgeschichten decken ein breites Spektrum innerhalb des Genres von Hard SF bis hin zu Cyberpunk ab. Gibt es bestimmte Themen in der SF, über die Sie besonders gerne schreiben? GF: Spezielle Lieblingsstoffe gibt es für mich eigentlich nicht. Meiner Ansicht
nach ist es für einen Autor wichtig, vielfältige Themen ansprechen zu können. Bisher
habe ich jedoch in all meine Geschichten phantastische Elemente einfließen lassen. Der
einzige Versuch, eine reine Gegenwartsgeschichte zu schreiben, endete kläglich. Ich war
einfach nicht mit Herz und Seele dabei. AC: Wodurch zeichnet sich für Sie eine gute SF-Geschichte aus? Würden Sie sagen, dass die SF Möglichkeiten eröffnet, die eine reine Gegenwartsgeschichte nicht bietet? GF: Eine gute SF-Geschichte sollte den Leser in erster Linie überraschen. Eine
Story, die in der Zukunft angesiedelt ist, müsste auch in der Lage sein, nicht nur die
technischen Entwicklungen glaubhaft zu beschreiben, sondern auch die gesellschaftlichen
und sozialen Veränderungen. Hier enttäuschen leider viele SF-Geschichten. AC: Sie beschäftigen sich auch intensiv mit interaktiver SF und Fantasy und verfassen regelmäßig Rezensionen zu Computerspielen. Was begeistert Sie an dieser Spielart der Phantastik im weiteren Sinne? Würden Sie sagen, dass sie Auswirkungen auf Ihr Schreiben hat? GF: Computerspiele bieten für mich die Möglichkeit, Science Fiction und
Fantasy auf eine sehr direkte Art zu erleben. Ein gutes Computerspiel fordert aktives und
bisweilen auch recht komplexes Handeln. AC: Auch beruflich haben Sie durch Ihre Arbeit in der IT-Branche mit Computern zu tun. Womit genau beschäftigen Sie sich dort? GF: Der Begriff IT-Branche ist vielleicht ein wenig zu hoch gegriffen. Ich arbeite in einem reprografischen Betrieb in Berlin und betreue dort als technischer Mitarbeiter den Kleindigitaldruck. Die Arbeiten sind da sehr vielseitig. Vom einfachen Layout über die Vorbereitung von Rohdaten bis hin zum Druck kleinerer Auflagen von Broschüren, Büchern und Plakaten und der Hardwarebetreuung mache ich eigentlich alles. AC: Was macht Gerd Frey, wenn er nicht schreibt oder Computer spielt? GF: Soweit ich neben meinen anderen Beschäftigungen noch Zeit und Muße finde,
wird auch mal eine Grafik entworfen oder ein Bild gezeichnet. Dem »Malen« fröne ich
sogar noch länger als der Schreiberei. Auch hier habe ich viele Stilrichtungen (Feder,
Kohlestift, Öl, Collage, Computer) ausprobiert. Meine letzte Arbeit (das Titelbild des Alien
Contact Jahrbuchs 2003) ist eine Mischung verschiedener Techniken. Ein Teil wurde per
Hand gezeichnet und eingescannt, andere Bildelemente habe ich - natürlich ohne
vorgefertigte Modelle - mit einem Echtzeit-3-D-Programm (mit dem ich außerdem ein ALIEN
CONTACT-Computergame entwickeln möchte) entworfen. Dann wurden die
einzelnen Elemente mit einer Bildverarbeitungssoftware - ähnlich einer Collage -
montiert, die Schatten eingezeichnet (das macht die meiste Arbeit) und zum Schluss die
Lichter gesetzt. AC: Haben Sie derzeit neue Projekte in Planung? Können wir uns auf neue Storys oder andere Texte von Ihnen freuen? GF: Neue Projekte sind der schon angesprochene Roman und ein Sachbuch über
Computerspiele. Wegen Letzterem bin ich gerade in Verhandlung mit einem Verlag und hoffe,
dass sich hier alles zu meiner Zufriedenheit entwickelt. AC: Vielen Dank für dieses Gespräch. |
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