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| Science Fiction Alien Contact |
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| Nicht umsonst
werden in den Genres Science Fiction,
Fantasy und Horror eigene Literaturpreise
verliehen, denn mit anderen, »allgemeinen« Auszeichnungen werden die Autoren der
phantastischen Zunft für gewöhnlich nicht sehr oft bedacht. Sollte dieser Fall doch einmal eintreten, so scheint ein gewisser Wirbel in der Literaturszene vorprogrammiert zu sein - besonders, wenn der Preisträger Stephen King heißt! Als Stephen King im Herbst 2003 die prestigeträchtige »Medal for Distinguished Contribution to American Letters« der National Book Foundation erhielt, löste dies eine höchst kontroverse Diskussion unter Kritikern, Autoren und Lesern aus. Während die einen die Entscheidung der Jury mit dem Argument anzweifelten, dass Stephen King lediglich ein zu Bestsellerehren gekommener Unterhaltungsschriftsteller sei, unterstützten die Befürworter diese Entscheidung, gerade weil King populär sei und damit auch einmal ein Autor, der von der großen Masse gelesen wird, mit einem angesehenen Preis bedacht werde. Diese Medaille erhielten vorher u. a. Phillip Roth, Saul Bellow und Arthur Miller, also Schriftsteller, die zwar durchaus auch populär sind, deren Bücher jedoch keinesfalls zur Unterhaltungsliteratur gezählt werden. In seiner Dankesrede verteidigte King sich und seine von der sogenannten ernsthaften Literaturkritik geschmähten Kollegen. Er habe keine Geduld für Leute, die sich damit brüsten, noch nie etwas von John Grisham, Tom Clancy, Mary Higgins Clark oder jedem anderen populären Autor gelesen zu haben. Stellvertretend für den Streit, der sich aus dieser immerhin ungewöhnlichen Entscheidung der Jury ergab, möchte ich auf zwei beispielhafte Artikel eingehen, die auch im deutschen Sprachraum in der österreichischen Literaturzeitschrift VOLLTEXT (Nr. 6, 2003) nachzulesen sind. In seinem mit »Die Verblödung der amerikanischen Leser« betitelten Kommentar nennt Harold Bloom (so eine Art amerikanischer Kritikerpapst) die Vergabe des Preises an King einen »... Tiefpunkt im schockierenden Prozess der Verblödung unseres kulturellen Lebens ... Er (King) ist ganz einfach ein unfähiger Autor, Satz für Satz, Absatz für Absatz, Buch für Buch.« Im Verlauf seines insgesamt ziemlich gehässigen Artikels beklagt Bloom, dass seiner Ansicht nach wirklich gute Literatur nicht genügend gewürdigt und verbreitet werde, während beispielsweise J. K. Rowling, deren Harry Potter und der Stein der Weisen er als »schrecklich« bezeichnet, von viel zu vielen Lesern verschlungen werde. Ihm antwortet der US-Autor Steve Almond in seinem Artikel »Bloom schießt daneben«, indem er ihm unter anderem vorwirft, kaum mehr zu tun, als mit Beschimpfungen um sich zu werfen. Er entlarvt Blooms Tirade als das, was sie ist, als Hetzschrift. Was in Blooms Kommentar fehlt, ist eine sachliche Argumentation, die auch sozio-ökonomische Argumente einschließt. Es reicht eben nicht aus, geifernd oder tränenreich die »Verblödung der Jugend« und den »Niedergang der Kultur« zu bedauern. Wesentlich hilfreicher wäre es zu untersuchen, ob das tatsächlich so ist, und wenn ja, warum. Und an diesem Punkt darf man es sich nicht zu leicht machen. Literatur wie die Stephen Kings lässt sich nicht mit ein bisschen Polemik abtun. Dass zunächst trivial scheinende Literatur im Laufe der Zeit von der Literaturkritik und -wissenschaft als bedeutend eingeordnet wird, ist kein neues Phänomen. So waren etwa in Deutschland Erich Maria Remarque und Hans Fallada nicht immer die modernen Klassiker, als die sie heute bezeichnet werden. Beide wurden häufig von zeitgenössischen Kritikern als populäre und triviale Schriftsteller angefeindet, die man nicht ernst nehmen dürfe. Wenn man sich bewusst macht, dass der gesamte Literaturbetrieb nicht in einem akademischen Elfenbeinturm abläuft und die Bewertung von Literatur einem stetigen Wandel unterliegt, erweist man der Literatur einen besseren Dienst, als elitär über etwas zu urteilen, was man nicht versteht. Das soll natürlich nicht heißen, dass Stephen King nicht genügend Angriffsflächen für Kritik bietet, jedoch besteht nur allzu oft der Verdacht, dass über etwas geurteilt wird, was man gar nicht kennt. So begründet Bloom sein Urteil, dass Kings Bücher schlecht seien, streng genommen lediglich damit, dass Harry Potter auch schlecht sei. Harold Bloom gilt als angesehener Literaturkritiker und lehrt an der Universität von Yale. Sein Aufsatz würde jedem Schüler der 5. Klasse eine schlechte Note wegen Unsachlichkeit oder gar Themaverfehlung einhandeln! Vielleicht wäre Blooms Urteil anders ausgefallen, wenn er Kings Es gelesen hätte. Darin ist beispielsweise eine der beeindruckendsten belletristischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Rassismus aus der Feder eines amerikanischen Autors enthalten. King schreibt über den Status schwarzer GIs in der US-Army, wie es manch einem seiner von Bloom so geschätzten Autorenkollegen alle Ehre gemacht hätte. Überhaupt trifft King oftmals sehr genau den Punkt. Er schreibt nicht nur über irgendwelche Monster, sondern er schreibt über Menschen. Und darin ist er ein Meister, der duchaus an die bereits erwähnten deutschen Autoren Fallada und Remarque erinnert. Wie weit er seine Leserschaft positiv oder negativ formt, ist schwer zu sagen; doch sollte man den nichtakademischen Leser nicht generell als unmündigen Idioten abtun. Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, ob King diesen Preis tatsächlich verdient hat. Immerhin gibt es viele bedeutende Autoren, die hier übergangen wurden. Und ein allzu großer Meister der Sprache ist King mit Sicherheit nicht. Dass er diesen Preis erhalten hat, wertet seine Werke nicht automatisch auf, denn die Jury stand offenbar unter Druck von Seiten der Verlage und hat sich somit (wie wohl jede Jury) als manipulierbar erwiesen. Das zeigt vor allem, dass man auch die bedeutendsten Literaturpreise hinterfragen sollte. Den Maßstab, nach dem der Leser seine Lektüre aussucht, muss jeder Einzelne letztlich selber setzen. Damit wäre eine Diskussion, wie man dem Leser mehr Mündigkeit und Kompetenz verleiht, eine wesentlich interessantere als die in diesem Fall geführte. © Christian Hoffmann |
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