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| ALIEN CONTACT 65 |
| Science Fiction Alien Contact |
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| Die Faszination, die ich für Science Fiction allgemein empfinde: Es
ist eine Literatur der Visionen. In ihr kann alles geschehen und gedacht werden, sie
umschließt alle anderen Genres. Aspekte von Wissenschaft, Krimi, Western oder Liebesroman
werden in ihr Bestandteil eines größeren Ganzen, das Ausblicke gibt auf das, was
möglich ist. Ob Mondlandungen oder Begegnungen mit fremden Lebewesen es deutet
immer auf das Gleiche hin: die Begegnung mit dem Unvertrauten. Ein gewaltiges Konzept, wie
ich finde! SF ist für mich eine Literatur, die Verständnis schafft für fremde Situationen, so dass sie nicht mehr gar so fremd und bedrohlich erscheinen. In meinen Augen besitzt SF ohne deshalb schulmeisterlich zu sein einen hohen aufklärerischen Wert. Sie ist nicht so sehr eine Literatur der Prognosen, sondern eine Literatur, die sich darum bemüht, das, was gerade gedacht wird, weil es neu und spannend ist, einzubinden in neue Erfahrungshorizonte. Das macht für mich ihren Charakter als Ideenliteratur aus, und das hat nichts mit Fantasterei, mit abgehobenem Spintisieren zu tun, sondern einfach mit der Freude am Denkbaren. Ein Beispiel: Schon 1914 wurde im Modell die erste Magneteisenbahn gebaut also zu einem Zeitpunkt, als in der SF (die damals noch gar nicht so hieß!) ein solches Fortbewegungsmittel noch als utopisch beschrieben wurde. Es fand dann in der SF immer häufiger Verwendung, und später kam der Transrapid. Aber ursprünglich hat die SF damit gar nicht sehr weit in die Zukunft gegriffen, sondern einfach ein Thema aufgenommen, das gerade aktuell war. Was auch sonst? Ihre Autoren können schließlich nicht in die Zukunft schauen, sie leben nicht in einer künftigen Welt, sondern in ihrer ureigenen Gegenwart. Ihr Blick ist lediglich geschärft für die vielen unglaublichen und ungeheuerlichen Dinge, die sich um uns herum abspielen, Tag für Tag, in unserer Umgebung und in uns selbst, und das denken sie dann weiter. Ihre Überlegungen bekommen einen utopischen Anstrich, weil erst wenige Denker und noch weniger Autoren sich damit beschäftigt haben. So wie diese Magneteisenbahn: Schon 1914 hat sie im Modell funktioniert sogar dermaßen heftig, dass sie eine Wand durchschlug. Und die Literatur konnte es bekannt machen und durch den spielerischen Umgang die Angst vor dieser Technik nehmen. Das Gleiche geschah durch die Schilderung herkömmlicher Bahnfahrten, bevor die erste Bahnstrecke Nürnberg-Fürth eröffnet wurde. Die Leute fürchteten damals, durch den Luftwiderstand zerquetscht zu werden. Literatur kann also das Neue und Einsichten über das Neue vermitteln und den Umgang damit erleichtern, so dass wir Menschen darauf aufbauen können. Das macht ihre Vorreiterposition aus. Deshalb ist Science Fiction die Speerspitze literarischen Denkens. In der SF wird auch verhandelt, was Leben alles sein kann und zu leisten vermag, und es werden Lösungsmöglichkeiten für Probleme durchgespielt. Dabei kann es sein, dass wir Leben gar nicht als solches erkennen. Nicht mit unseren altvertrauten Sinnen, unserer Ratio. Und wenn es einmal so weit sein wird und dass dieser Augenblick kommt, daran zweifle ich nicht wird die Kontaktaufnahme ganz anders ablaufen, als wir uns das heute vorstellen, vermutlich auf mentaler Ebene. Die SF kann dafür Szenarien anbieten und sie durchspielen. © 2004 Michael Nagula |
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