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ALIEN CONTACT Sonntags-Chat mit

Andreas Gruber

am 29. Mai 2005 im Chat-Kanal des SF-Netzwerk

Science Fiction > Alien Contact
Interview
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ChatMod: Wir begrüßen aufs Herzlichste den Autor Andreas Gruber im Kanal des SF-Netzwerk. Diese Runde steht unter der technischen Leitung von Werner und der redaktionellen Leitung von Ronni.

Andreas Gruber: Hallo, alle zusammen.
   Ich hoffe, ihr hattet alle ein schönes Wochenende und es freut mich, dass sich trotz des heißen Badewetters so viele Leute eingefunden haben, um das Wochenende gemeinsam bei einem Chat ausklingen zu lassen. Ihr wisst: Es gibt keine Tabuthemen, und ich freue mich auf eure Fragen. Ich bin bereit.

ChatMod: Die erste Frage von Starbreeze: Warum sind alle Andreas-Gruber-Bücher bei unterschiedlichen Verlagen erschienen?

Andreas: Hallo Starbreeze – du hast Recht, es sind bisher vier Bücher in vier Verlagen: Medusenblut, Shayol, Basilisk und Festa. Das liegt erstens daran, dass ich Horror, Science Fiction und Thriller schreibe, und nicht jeder Verlag alle Genres bringt, und dann passt auch nicht jedes Thema in jede Verlagsschiene.
   Zweitens habe ich mich bemüht, mich als Autor zu entwickeln und größere Verlage zu erreichen. Letztendlich bin ich mit dem aktuellen Roman bei Festa gelandet. Das ist ein Verlag, den ich mir vor Jahren nicht einmal erträumt hätte. Also hat es sich so ergeben, dass vier Verlage meine Sachen bringen.

ChatMod: Frage von Jueps: Wann hast du mit dem Schreiben von Science Fiction angefangen?

Andreas: Hallo Jueps, mit neun Jahren. Damals lief gerade Star Wars - Krieg der Sterne im Kino. Ich sah den Film und begann eine Space Opera zu schreiben, mit Bleistift in das Notizheft meines Vaters. Soweit, dass ich die fünf Seiten Heyne anbot, ist es dann mit neun Jahren nicht gekommen.
   1997 habe ich dann ein zweites Mal versucht, SF zu schreiben (mit einigen nicht erwähnenswerten Versuchen dazwischen) – zu dem Zeitpunkt war ich 29 Jahre alt. Meine erste SF-Kurzgeschichte hieß »Neurochips«, und sie erschien auch tatsächlich 1997 in einer SOLAR-X Ausgabe. Wilko Müller, der Herausgeber, machte mir Mut, und so schrieb ich weiterhin SF.
   Das hat sich bis jetzt nicht geändert, bloß dass es heute länger dauert, die Stories fertig zu stellen.

ChatMod: Frage von Starbreeze: Der Judas-Schrein ist dein erster Roman. Wie viel schwieriger war es, ihn zu schreiben als zum Beispiel eine lange Erzählung?

Andreas: Viel, viel schwieriger, als ich jemals gedacht hätte. Zunächst ist da der enorme Berg an Recherchen, denn wenn 460 Buchseiten in sich stimmig sein sollen, muss man (zumindest ich) eine Menge Leute befragen. Dann braucht man einige Protagonisten mit komplett ausgearbeiteten Dossiers, damit die ein dickes Buch tragen, das nicht langweilig sein soll. Und die Handlung, ja die Handlung ... die ist um ein Vielfaches komplexer und verschachtelter als beispielsweise meine beiden längeren Novellen »Die letzte Fahrt der Enora Time« und »Der fünfte Erzengel«.
   Zuletzt kommt die meiner Meinung nach größte Schwierigkeit: Bei meinen Novellen muss ich bloß darauf achten, dass ich die Erzählperspektive und den Erzählstil auf sechzig Seiten beibehalte, und nicht wie ein Känguru herumspringe. Bei 460 Buchseiten, die während einer Zeitspanne von eineinhalb Jahren entstanden, ist man eher versucht, den Erzählton zu variieren. Der sollt jedoch gleich bleiben, da der Leser das Buch innerhalb eines Monats liest und dir keinen Fehler verzeiht.

ChatMod: Frage von Heschu: Hast du dich schon mal an einem Drehbuch versucht?

Andreas: Hallo Heschu, nein, habe ich nicht. Ich weiß leider nicht einmal, wie ein Drehbuch aussieht, ich könnte mir aber vorstellen, dass es eine ziemlich abgespeckte Version eines Romans ist. Mit Maximal-Dialogen und Minimal-Beschreibungen. Da mir aber sowohl das Beschreiben von Szenen und Situationen gefällt wie auch das Ausarbeiten und Ausfeilen von Figuren, glaube ich nicht, dass ich der richtige Mann für ein gelungenes Drehbuch bin.
   Und wenn dann beispielsweise die »härteren« Szenen bei der Zensur geschnitten werden, kommen mir wahrscheinlich die Tränen. Allerdings habe ich einmal die Hörspiel-Fassung von einer meiner Kurzgeschichten überarbeiten dürfen. Das hat mir Spaß gemacht, aber Drehbücher sollen besser andere schreiben, die es besser können.

ChatMod: Frage von Starbreeze: Apropos: Woher kommt der Name »Enora Time«?

Andreas: Wie möglicherweise die wenigsten wissen, arbeite ich halbtags im Büro einer Firma, die Spritzgießmaschinen herstellt. Das sind tonnenschwere, vollautomatische Geräte, die kleine Kunststoffteile spritzen, wie beispielsweise die Playmobil-Figuren oder Lego-Steine. Einer unserer Kunden aus Israel heißt »Ellora Time«. Dieser Name hat mich fasziniert, und ich habe ihn lediglich in »Enora Time« abgeändert. Bisher kam keine Klage aus Israel.

ChatMod: Frage von Nekropole: Hast du eine Ausbildung als Schreiber, oder bist du Self-made-Autor?

Andreas: Hallo Nekropole, wenn es 1997 in Österreich oder Deutschland ein Ausbildung zum Autor gegeben hätte, wäre ich der Erste gewesen, der teilgenommen hätte. Aber leider waren die Angebote damals ziemlich rar. In den USA gab es da bereits seit Jahrzehnten die so genannten creative writing-Workshops, die jetzt langsam auch in unseren Landen Fuß fassen.
   Nachdem ich also Kritiken wie: »Andreas, bitte lass das Schreiben bleiben« geerntet habe, wusste ich, dass ich es mir selbst beibringen musste. Da waren einerseits die SF-Schreibbücher von Ben Bova, Orson Scott Card, Brian Stableford, die ich jedem Jung-Autor empfehlen möchte, andererseits hatte ich das Glück, bei Autorenrunden reinschnuppern zu dürfen, habe lektorierte Manuskripte von Verlegern retourniert bekommen, und habe bei den ersten Schreib-Workshops in Deutschland teilgenommen, die Klaus Frick und Andreas Eschbach veranstaltet haben.
   All das hat mir weitergeholfen, die Millionen von Stilfehlern, die es gibt, der Reihe nach auszumerzen ... aber es gibt noch so viel zu lernen, und ein Ende ist nicht in Sicht.

ChatMod: Frage von Nekropole: Wie schwer tut man sich als österreichischer Autor in Österreich?

Andreas: Kommt drauf an, was man schreibt. Schreibt man intellektuelle Texte, experimentelle Lyrik, originelle Sprachmuster ohne Interpunktion und derlei Sachen, ist die Chance für eine Veröffentlichung in einem Literaturmagazin sehr hoch. Schreibt man aber Phantastik, also alles, was auch nur annähernd nach SF oder Horror schmeckt, hat man sofort den Ruf eines Trivialliteraten, der für die große Masse schreibt. Für solche Texte ist in den wenigsten Magazinen Platz.
   Aber es gibt Ausnahmen, wie das DUM-MAGAZIN oder etcetera, die auch lesbare, spannende Texte bringen. Und bei Romanen gibt es in Österreich bloß den Ueberreuter Verlag, der damals Wolfgang Hohlbein rausgebracht hat. In der Kleinverlagsszene sind der Aarachne Verlag und die Edition Mono zu nennen.
   Tja, und mehr Möglichkeiten hat man als Phantastik-Autor in Österreich nicht. Ich denke gerade schwer nach, aber ich fürchte, mehr fällt mir dazu nicht ein.

ChatMod: Frage von Michael: Was hältst du von Literaturagenten? Viele renommierte Autoren schwören darauf ...

Andreas: Hallo Michael, bisher bin ich in die Welt der Literaturagenten noch nicht so richtig vorgedrungen, daher kannst du diese Antwort eines Laien nur mit Vorsicht genießen. Meiner Meinung nach kann man als Autor von seiner Schreiberei nur dann leben, wenn man einen Literaturagenten hat.
   Eschbach, Marrak und Thiemeyer haben Thomas Schlück, und Kai Meyer hat Michael Meller. Der Agent kümmert sich darum, dass die Taschenbuchrechte deiner Werke verkauft, die Bücher übersetzt und verfilmt werden, was das nötige Geld bringt. Ohne diese Kontakte ist man glaube ich als kleiner Autor hilflos im Strudel der Mega-Verlage verloren. Also so gesehen, schwöre ich natürlich auch auf Literaturagenten, bin allerdings noch nicht unter Vertrag.

ChatMod: Frage von Starbreeze: Wie wichtig ist das Lektorat deiner Texte für dich?

Andreas: Das Lektorat ist das Um und Auf eines guten Textes. Beispielsweise lehne ich Auftragsarbeiten für Texte ab, wo von vornherein feststeht, dass es kein Lektorat gibt. Ich kann natürlich nur für mich sprechen, und ich weiß, dass ich - auch wenn ich meine Texte hundertmal lese - nie alle Schwächen, Fehler und Unplausibilitäten finden kann. Ich als Autor habe meine Scheuklappen, ein Lektor ist da unheimlich hilfreich. Auch wenn es manchmal schmerzt, dass ein Text komplett auseinander genommen wird, aber es ist notwendig.

ChatMod: Frage von Jarod: In einem Interview erwähntest du einen fertigen SF-Roman, mit dem du seit einiger Zeit auf Verlagssuche bist. Bist du inzwischen fündig geworden?

Andreas: Hallo Jarod, das Manuskript, das du ansprichst trägt den Werkstitel »Der siebte Monolith« und ist eine Space Opera mit Raumschiffen, Raumschlachten und ziemlich viel Action. Eine abenteuerliche Jagd im Weltraum. Mittlerweile habe ich den Text dreimal überarbeitet, doch er wurde von den größeren und mittleren Verlagen abgelehnt.
   Ich hätte vielleicht die Möglichkeit, den Roman in einem Kleinverlag bzw. als E-Book bei ReadersPlanet rauszubringen, aber vom Lektorat der Großverlage und von meinen Testlesern weiß ich, dass ich einige Dinge in der Handlung und der Erzählperspektive ändern muss, damit die Handlung so richtig »fetzt«.
   Diese Änderungen dauern geschätzte vier bis fünf Monate. Seit zwei Jahren habe ich die Zeit leider nicht, da ich ständig neue Projekte um die Ohren habe. Aber ich habe »Der siebte Monolith« nicht aufgegeben - seine Zeit wird kommen, bestimmt.

ChatMod: Stichwort Testleser. Du hast diese, du nanntest sie »wise reader«, auch in Interviews erwähnt. Wer sind diese Testleser?

Andreas: Es sind drei, die mir sehr nahe stehen: Günter Suda (ein Freund), Jürgen Pichler (mein ehemaliger Arbeitskollege) und meine Frau Heidemarie. Die Armen müssen alle meine Texte probelesen, bevor ich sie einem Magazin oder Verlag anbiete.

ChatMod: Worauf sollen diese Testleser achten?

Andreas: Ja, das ist unterschiedlich. Günter wirft ein Auge auf den Stil, ob ich mich in Floskeln und zu langen Beschreibungen verliere, ob ich dem Leser zu viel erkläre oder zu wenig zeige. Jürgen schaut sich den Inhalt an. Ist die Story plausibel? Könnte man sie flotter, spannender erzählen? Gibt es Ungereimtheiten in der Handlung? Heidemarie betrachtet vor allem die Protagonisten. Sind es interessante Figuren, haben sie eine spannende Hintergrundgeschichte? Agieren und reagieren sie, wie es »echte« Menschen auch tun würden?
   Ich habe also drei Ansatzpunkte, wo ich in der Story etwas korrigieren kann. All diese Meinungen sind mir wichtig. Was ich gut finde, übernehme ich, anderes natürlich nicht.

ChatMod: Frage von Starbreeze: Auf deiner Homepage stellst du zahlreiche CDs vor. Welche Rolle spielt Rockmusik für dich?

Andreas: Rockmusik spielt für mich eine große Rolle. Ich fahre im Jahr an die 15.000 km im Auto, und da höre ich selten Radio, fast immer CDs. Angefangen von Supertramp, Rolling Stones, über AC/DC und Iron Maiden bis Metallica und Megadeth. Ein guter Tag beginnt dann, wenn ich im Autoradio ein brutales Gitarrensolo höre. Während des Schreibens am PC herrscht aber absolute Stille, bis auf das Gezwitscher der Vögel und das Plätschern des Baches, sonst kann ich mich nicht konzentrieren. Ich glaube auch nicht, dass die Musik mein Schreiben sehr beeinflusst, möglicherweise unbewusst.

ChatMod: Frage von Jarod: Woran arbeitest du gerade. Können wir bald mit neuen Veröffentlichungen rechnen?

Andreas: Neue Veröffentlichungen gibt es demnächst, einige in Anthologien der Verlage Midas Publishing (von Christian von Aster), dem Andreas-Schröter-Verlag, bei SPACE VIEW, Helmuth Mommers Visionen 2005 und in einigen Magazinen.
   Zur Zeit arbeite ich auch noch an einem neuen Roman-Exposé, ähnlich dem Judas-Schrein, ein Phantastik-Thriller mit etwas Action. Davon existieren im Moment 40 Buchseiten, allerdings habe ich noch keinen Verlag dafür gefunden. Ich suche noch und hoffe, dass ich in vier bis fünf Monaten schon Näheres dazu sagen kann.

ChatMod: Deine Texte nutzen die gesamte Bandbreite der phantastischen Genre, von der SF bis zum Horror. Was liegt Dir am besten?

Andreas: Astreine SF liegt mir weniger. Das lese ich zwar wahnsinnig gerne (beispielsweise die Mark-Brandis-Serie), doch wenn ich über ein Setting schreibe, mit dem ich vertraut bin, beispielsweise eine Story im Wien, Paris oder Venedig der Gegenwart, sehe ich alles viel konkreter vor meinem geistigen Auge und kann dementsprechend auch »realistischer« schreiben. Ein Autor entwickelt sich ja ständig weiter, und im Moment sieht es so aus, als lägen mir phantastische Thriller, die in der Gegenwart angesiedelt sind, am meisten.

ChatMod: Frage von Starbreeze: Was hältst du von physischem Horror bzw. Splatter?

Andreas: Ich selbst liebe es, Splatter zu lesen. Die alten Stories von Joe R. Lansdale, die Romane von Shaun Hutson oder dem leider verstorbenen Richard Laymon sind unheimlich gut. Sie sind shocking, dass mir das Blut gefriert, rütteln mich auf, bringen mein Hirn komplett durcheinander. Aber selbst würde ich einen astreinen Splatterpunk nie schreiben, da mir (wie ich ja weiter oben schon geschrieben habe) viel daran liegt, ausgefeilte Figuren zu entwickeln und ich auch viel Wert auf eine komplexe Handlung lege.

ChatMod: Du hast für deine Werke auch einige Preise bekommen. Für wie wichtig hältst Du die SF-Literaturpreise?

Andreas: Ich halte die SF-Preise für wichtig, aber nicht deswegen, weil den ein bestimmter Autor gewinnt, sondern weil allein die Nominierungen und dann das spätere Abstimmen die Szene am Leben erhalten.
   Viele Leute machen sich darüber Gedanken, was gut ist, was nominiert werden könnte, Texte werden diskutiert, und das bringt frischen Wind. Ob man nun als Autor gewinnt oder nicht, ist für mich nebensächlich. Schon allein die Nominierung ist etwas Schönes, und es zeigt, dass es jemanden gibt, dem der Text am Herzen liegt.

ChatMod: Letzte Frage im offiziellen Teil: Hast du literarische Vorbilder? Wen?

Andreas: Ja, die habe ich. Ich schätze die Arbeiten von Michael Marrak, Michael Iwoleit und Marcus Hammerschmitt. Das sind große Stilisten, die gewaltige Wortkreationen vollbringen können. Ich weiß aber auch, dass ich derart »große Literatur«, wie ich sie jetzt einmal nenne, nie vollbringen kann. Dazu fehlen mir einfach die nötigen Synapsen im Hirn.
   Deshalb versuche ich es erst gar nicht und halte mich da an stilistisch »einfachere« oder »mainstreamigere« Autoren wie beispielsweise David Morrell oder Dennis Lehane, deren Arbeit ich ebenso schätze. Ich hoffe, dass ich auch eines Tages mal so gut schreiben kann, und damit sind wir wieder bei einem Thema, das wir zuvor schon einmal hatten ... der Weg ist noch weit, und es gibt noch vieles zu lernen.

ChatMod: Wir bedanken uns bei Andreas Gruber für sein Erscheinen im Kanal des SF-Netzwerk und wünschen ihm weiterhin große Erfolge als Autor.

• Moderation: Werner Losert
Redaktion: Ronald Hoppe

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Nach dem »offiziellen« Chat gab es noch ein nettes Gespräch zwischen Andreas Gruber und Michael Marrak, das wir den Alien Contact-Lesern natürlich nicht vorenthalten wollen und hier in Auszügen wiedergeben.

Andreas: Hallo Michael. Michael Marrak?

Michael: Jap

Andreas: Oh, mir treibt es die Schamesröte ins Gesicht. Grüß dich.

Michael: Muss doch hören, was die Konkurrenz so alles erzählt ... ;-))

Andreas: Und vor allem über dich, das gab es auch etwas zu erzählen.

Michael: Ich konnte es mir ja nicht verkneifen, dich nach Literaturagenten zu fragen (kannst du dir denken, warum?)

Andreas: Ja!

Michael: ;-)

Andreas: Spricht sich rum, oder?

Michael: »Man« rief mich an und fragte nach meiner Meinung ...

Andreas: Und?

Michael: Ich musste gestehen, dass ich zu wenig von dir kenne ...

Andreas: Wirst du Der Judas-Schrein lesen? Sei aber gewarnt, kommt nicht viel SF drin vor.

Michael: Dein Roman kam erst zwei Wochen später ...

Andreas: Verstehe!
   Ich freue mich schon auf Morphogenesis. Denn ich hatte leider nie Die Stadt der Klage gelesen, aber in der überarbeiteten Fassung ist es bestimmt noch um eine Ecke besser. Wie lange hast du daran geschrieben, Michael?

Michael: Insgesamt? Neun Jahre ;-)
   Nun, immerhin hast Du nun das dickste Festa-Buch ...

Andreas: Kostet aber auch am meisten. 24,- Euro ist leider nicht wenig.

Michael: Ich hab aus dem Judas-Schrein 60 Seiten rausgeschnitten, jetzt ist es wieder dünner als Imagon ... ;-)))

Andreas: Hättest die 60 Seiten in Imagon reinkleben sollen! Dann ist es noch dicker! Aber im Ernst, Michael – ich glaube, ein altes Werk neu zu überarbeiten, kostet mehr Energie, als einen komplett neuen Roman zu schreiben.

Michael: In der Tat. Mache ich auch nie wieder.

Andreas: Daher fürchte ich mich ein wenig davor, »Der siebte Monolith« ein viertes Mal zu überarbeiten. Da schreibe ich vorher ein neues Buch.

Michael: Welches Konzept hattest du eigentlich Schlück angeboten?

Andreas: Ein neues Exposé, ca. 350 Buchseiten, Werktitel »Sibirion«, ein phantastischer Abenteuerroman, der auf Spitzbergen spielt, mit viel Action. Schlück wollte, dass ich den Roman beende und er wollte DANN entscheiden. Ich möchte aber den Roman erst schreiben, WENN ich einen Vertrag habe. Ziemliches Dilemma.

Michael: Schlück hat Recht.

Andreas: Das fürchte ich auch, doch ein Jahr Arbeit, ohne zu wissen, wie es weiter geht ...

Michael: Für die erste Bewerbung brauchst du ein abgeschlossenes Werk.

Andreas: Ich arbeite daran, bin gerade bei Buchseite 40-60.

Michael: Wenn ich den Verlag wechseln wollte, könnte ich es ebenfalls nur mit einem neuen, unveröffentlichten Roman.

Andreas: Scheint so, als wären das die Regeln, oder?

Michael: Auf gut Glück und Vertrauen arbeitet heute kein großer Verleger mehr, und Literaturagenten haben beim Misslingen eines Projekts einen Namen zu verlieren.

Andreas: Tja, deine Meinung bestätigt mir nur, dass ich wohl in den sauren Apfel beißen muss und »Sibirion« beende, auch wenn es bedeutet, dass ich dann möglicherweise auf zwei unveröffentlichten Skripts sitze.

Michael: In den Apfel beißt du nicht als einziger.

Andreas: Ich weiß, die Verlagsszene ist hart. Aber als Autor habe ich es ja so gewollt.

Michael: Und noch etwas: Bei einem renommierten Literaturagenten unter Vertrag zu kommen ist schwerer, als bei einem Verlag wie Lübbe oder Heyne einen Vertrag zu kriegen

Andreas: Gibt es eigentlich Autoren, die ohne Agenten arbeiten und alle Verträge selbst aushandeln? Kann ich mir aber nicht vorstellen – entweder schreibt man, oder man verhandelt.

Michael: Aber der Literaturagent ist nötig. Kommst du bei einem großen Verlag unter Vertrag, kannst du dir darauf vielleicht etwas einbilden, bist aber für den Verlag kaum mehr als die Nummer 597 ... hast du einen Agenten im Rücken, wird auf jeden Fall alles, was du einreichst, im Verlag gelesen und beurteilt, und du hast die Garantie auf intensiven Verlagskontakt.
In Frankreich beispielsweise gibt es keine Literaturagenten. Da haben die SF-Autoren unter der Führung von Ayerdahl nach vielen Einbußen und Knebelverträgen eine Art »Gewerkschaft« gegründet, um sich gegen die Verlagsausbeute zu wehren.
Ich kenne jetzt aber aus der Profiverlagsszene keinen Autor ohne Agent. In Deutschland, wohlgemerkt

Andreas: Okay, das bedeutet »saurer Apfel« und Daumendrücken, dass es klappt.

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Beiträge von Andreas Gruber bei epilog.de
Ex Libris: Achtzehntausend Gigabyte [Story]
Die letzte Fahrt der Enora Time [Story-Auszug]
Die zwölf cleversten Filme in meiner Videosammlung
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Andreas Gruber: Die letzte Fahrt der Enora Time
Andreas Gruber: Der fünfte Erzengel
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