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Ein Aldiss, eine Utopie, ein Marsroman, eine Enttäuschung. Was hatte man nicht alles erwarten können an Weltentwurf nach Helliconia, an Gegenentwurf nach The Dispossessed, an Marsgeschichten nach Burroughs, Weinbaum, Bradbury, Dick oder zuletzt Bova und Robinson. Versprochen wurden neue Denk- und Handlungsmodelle, herausgekommen ist ein moralinsaures Alterswerk, das seine Enttäuschung über den Spätkapitalismus und die Gier nach Macht, Sex und Extremen mit Pornographie und Gewalt und einem eklektischen Zitatenkonvolut aus der Weltliteratur zu rechtfertigen sucht.
Um 2050 bleiben eine größere Touristengruppe, ein Wissenschaftlerteam sowie das Servicepersonal auf dem Mars hängen, weil ein Spekulant das irdische Finanzsystem zum Einsturz gebracht hat. Die Versorgungslage scheint gut, wenn auch nicht üppig, so hat man Zeit zum Schwadronieren über ein neues Gesellschaftssystem ohne Geld, ohne Waffen, ohne die menschlichen Schattenseiten. Es gibt keine Gesetze, aber alle halten sich dran. Es gibt keine materiellen Anreize, aber alle arbeiten. Es gab nie demokratische Wahlen, aber alle respektieren ein Lenkungsgremium. Ein paar Jüngere mucken ab und zu auf, wollen zurück zur Erde, aber weitere gesellschaftliche Konflikte finden nicht statt. Einzelne spannende Ereignisse - ein Unfall im Sandsturm, die Entdeckung von Kavernen und Wasserreservoirs - bleiben ohne Folgen für die Handlung. Denn es gibt keine Handlung, nicht einmal durchgängig handelnde Personen. Nur eine exotische Mixtur aus Wissenschaftlern, Esoterikern und Autodidakten, aber es ergibt sich keine explosive Mischung, nur undisziplinierte Diskussionen. Notgedrungen betreibt der eine die Biogasanlage, eine andere widmet sich der Teilchenphysik
Ach ja, und das ist der Auftritt des Koautors: Der Physiker Penrose hält einige Vorlesungen in Teilchenphysik, ganz unterhaltsam und anschaulich - sofern man keinen Roman, sondern eine populärwissenschaftliche Abhandlung über die letzen Geheimnisse des Atoms lesen möchte. Die Wissenschaftler sind nämlich auf dem Mars, um den neuesten Teilchenbeschleuniger zu testen und zu den tiefsten subatomaren Strukturen vorzudringen. Weil der Nachschub von der Erde ausfällt, bleibt das ein Provisorium. Dafür entdeckt man, daß der Olympus Mons gar kein Vulkankegel, sondern ein uraltes symbiontisches Lebewesen ist, das zudem für die absurdeste unter den lächerlichen Sexszenen dieses Romans herhalten muß, wenn es am Schluß mit dem Teilchenbeschleuniger (!) kopuliert. Äußerst seltsam wird es, wenn beim Herumstochern mit Nano- und Neuronensonden im Gehirn auf dem Bildschirm plötzlich das Bild (wirklich, das Abbild) des übermächtigen Vaters als Ursache der Neurose entsteht. Dann sind die Grenzen von Hard Science zu Esoterik weit überschritten. Am Ende synchronisieren sich nicht nur die Menstruationszyklen, sondern auch die Herzen schlagen im Gleichtakt - welch eine Utopie
Hinzu kommt eine Übersetzerin, die mit einem belesenen Autor wie Aldiss wohl überfordert ist. Sie scheitert schon am Namen des russischen Raumfahrttheoretikers Konstantin E. Ziolkowski, der uns als Scholkowski dargeboten wird (S. 20).