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Science Fiction History

Phantastik-Ereignisse 1952

von Hardy Kettlitz & Siegfried Breuer

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Weltgeschichte

  • Der englische König Georg VI. starb am 6. Februar 1952, worauf seine Tochter Elisabeth II. seine Nachfolge antrat.
  • Dwight David Eisenhower (1890-1969) wurde der 34. Präsident der USA. UNO-Generalsekretär Trygve Lie trat im gleichen Jahr zurück.
  • Großbritannien wurde Atommacht, und in den USA entwickelte man die Wasserstoffbombe, die man am 1. November 1952 auf einem Atoll im Pazifischen Ozean testete. Das Atoll wurde dabei komplett zerstört. Die Bombe hatte die Sprengkraft von 10 Millionen Tonnen TNT – dem 500fachen der Hiroshima-Bombe.
  • Der ehemalige Generalsekretär der tschechoslowakischen kommunistischen Partei Rudolf Slansky wurde bei einem stalinistischen Schauprozess zum Tode verurteilt. In der DDR löste man die dortigen fünf deutschen Länder auf und schuf stattdessen vierzehn Bezirke. Mit der Unterzeichnung des Deutschlandvertrages durch die USA, Großbritannien, Frankreich und die BRD wurde der Besatzungsstatus in den drei Westzonen aufgehoben und die Bundesrepublik (mit Ausnahme West-Berlins) souverän.

Dwight D. Eisenhower

Wichtige SF-Ereignisse

  • Isaac Asimov, der sich bereits in den Jahren zuvor durch Foundation einen Namen gemacht hatte, veröffentliche den zweiten Band der Foundation-Trilogie Foundation and Empire (dt. Der galaktische General bzw. Foundation und Imperium bzw. Stiftung und Imperium) in Buchform. Außerdem erschien sein Roman The Currents of Space (dt. Der fiebernde Planet bzw. Ströme im All) vom Oktober bis Dezember 1952 in ASTOUNDING. Das Buch wird heute als dritter Band der sogenannten Frühen Foundation bezeichnet.
  • Daneben betätigte sich Asimov allerdings auch als Jugend- bzw. Kinderbuchautor, um wissenschaftliche Fakten über das Sonnensystem in spannender Handlung verpackt zu vermitteln. Er benutzte dazu das Pseudonym Paul French und veröffentlichte 1952 den ersten seiner sechs Lucky-Starr-Romane David Starr, Space Ranger (dt. Lucky Starr, der Weltraumranger).
  • Auch Arthur C. Clarke wandte sich dem Jugendbuch zu und schrieb seinen Roman Islands in the Sky (dt. Inseln im All), der wie Asimovs Jugendromane gleich in Buchform erschien.
  • Leigh Brackett, die bisher vor allem durch ihre exzellenten Mars-Geschichten aufgefallen war, konzentrierte sich mehr auf interstellare Space Operas und schrieb The Starmen (dt. Das Schiff von Orthis).
  • Jack Vance trat im Magazin STARTLING STORIES durch seinen Roman Big Planet (dt. Planet der Ausgestoßenen) hervor. In Buchform erschien der Roman fünf Jahre später.
  • Der leider viel zu früh verstorbene Cyril M. Kornbluth war Anfang der 50er Jahre sehr aktiv. 1952 erschien sein erster allein verfaßter Roman Takeoff (dt. Start zum Mond), eine Nah-Zukunfts-Geschichte über den Bau der ersten Mondrakete. Viel wichtiger jedoch war der gemeinsam mit Frederik Pohl verfaßte Roman Gravy Planet (Juni bis August 1952 in GALAXY), der in Buchform ein Jahr später als The Space Merchants (dt. Eine Handvoll Venus und ehrbare Kaufleute) erscheinen und SF-Geschichte schreiben sollte. The Space Merchants ist eines der ersten sozialkritischen Werke der amerikanischen Genre-SF und prangert die Arbeitsweise von Werbeagenturen an.
  • Aber Kornbluth arbeitete nicht nur mit Frederik Pohl, sondern auch mit Judith Merrill zusammen, und so erschienen ebenfalls 1952 unter dem gemeinsamen Pseudonym Cyril Judd die Romane Outpost Mars (vorab Mai bis Juli 1951 in GALAXY als Mars Child; dt. Kinder des Mars) und Gunner Cade (März bis Mai 1952 in ASTOUNDING; dt. Die Rebellion des Schützen Cade).
  • Henry Kuttner und C. L. Moore hatten die SF-Leser in den vierziger Jahren durch ihre Robotergeschichten um Galloway Gallegher im Magazin ASTOUNDING begeistert. 1952 erschienen diese Storys gesammelt unter ihrem gemeinsamen Pseudonym Lewis Padgett in Buchform mit dem Titel Robots Have No Tails (dt. Science Fiction Stories 56).
  • Clifford Simak hatte bereits in den vorherigen Jahren seine City-Geschichten in Magazinen publiziert. Darin geht es um eine ferne Zukunft, in der sich intelligente Hunde und Roboter über die Zeit unterhalten »als es noch Menschen gab«. 1952 erschienen diese Erzählungen gesammelt als City (dt. City bzw. Als es noch Menschen gab). Simak erhielt dafür den International Fantasy Award.
  • Im Oktober 1952 erschien in GALAXY die denkwürdige Geschichte »Baby Is Three« von Theodore Sturgeon über eine Gruppe außergewöhnlich begabter Kinder, die erst durch ihren Zusammenschluß, Homo Gestalt genannt, ihre ganz besonderen Kräfte sinnvoll nutzen können.
  • Kurt Vonnegut jr., der zwar kein typischer SF-Autor ist, in seinen Werken jedoch sehr häufig SF-Elemente verwendet, schrieb 1952 seinen ersten Roman, Player Piano (dt. Das höllische System), eine der finstersten Dystopien der fünfziger Jahre.
  • Nachdem bereits This Island Earth (dt. Insel zwischen den Sternen) zwei Jahre zuvor in THRILLING WONDER STORIES erschienen war, veröffentliche Raymond F. Jones 1952 die Buchversion seines Romans, der schließlich zwei Jahre später zu einem höchst peinlichen Film umgesetzt wurde (dt. Metaluna 4 antwortet nicht).
  • L. Ron Hubbard gehörte in den vierziger Jahren zu Campbells Stammautoren des Magazins ASTOUNDING und verbreitete dort auch mit Unterstützung des Herausgebers seine Idee der »Dianetik«. 1952 gründete er seine bis heute sehr umstrittene »Church of Scientology«.
  • Arthur Bagemühl veröffentlichte mit Das Weltraumschiff den ersten populärwissenschaftlichen SF-Roman in der DDR.
  • Ekkehard Redlin nahm 1952 seine Tätigkeit als Lektor beim Verlag Das Neue Berlin auf. Er wurde einer der wichtigsten Förderer der Science Fiction in der DDR.

Debüts

  • Algis Budrys (geb. 1931), der später vor allem durch seine Romane Rogue Moon (1960; dt. Projekt Luna) und Michaelmas (1977; dt. Michaelmas) bekannt wurde, debütierte im November 1952 in ASTOUNDING mit der Story »The High Purpose«.
  • Philip K. Dick (1928-1982) debütierte mit »Beyond Lies the Wub« (Juli 1952 in PLANET STORIES; dt. »Und da liegt dann das Wobb« bzw. »Und jenseits - das Wobb«) und startete damit eine Karriere, die ihn zu einem der wichtigsten und einflußreichsten amerikanischen SF-Autoren machen sollte.
  • Philip José Farmer (geb. 1918) hatte zwar bereits 1946 eine Geschichte veröffentlicht, publizierte jedoch ab 1952 regelmäßig und hatte mit »The Lovers« (August 1952 in STARTLING STORIES; dt. später in Romanform Die Liebenden) einen Achtungserfolg, der ihm 1953 den Hugo als meistversprechender neuer Autor einbrachte. Außerdem erschien im gleichen Jahr seine exzellente Geschichte »Sail On! Sail On!« (Dezember 1952 in STARTLING STORIES; dt. »Weitersegeln! Weitersegeln!«).
  • Daniel Francis Galouye (1920-1976) debütierte mit »Rebirth« (März 1952 in IMAGINATION). Später wurde er vor allem durch seinen Roman Simulacron-3 (dt. Welt am Draht bzw. Simulacron Drei) und dessen Verfilmung durch Rainer Werner Fassbinder bekannt.
  • Frank Herbert (1920-1986), der Schöpfer von Dune (dt. Der Wüstenplanet), debütierte mit »Looking for Something?« (April 1952 in STARTLING STORIES; dt. »Suchen Sie was?«).
  • Daniel Keyes (geb. 1927) war 1951 Redakteur bei MARVEL SCIENCE FICTION und debütierte dort mit seiner Erzählung »Precedent«. 1960 sollte er für seine Erzählung »Flowers for Algernon« (dt. Blumen für Algernon«) den Hugo Award erhalten.
  • Michael Shaara (1929-1988) gehört nicht zu den bekanntesten, jedoch zu den guten amerikanischen SF-Autoren. Er debütierte mit »All the Way Back« (Juli 1952 in ASTOUNDING; dt. »Da Capo«).
  • Robert Sheckley (1928-2005), war in den fünfziger Jahren sehr produktiv und beeindruckte durch seine satirischen, pointierten Geschichten, die hauptsächlich in GALAXY erschienen. Er debütierte mit »Final Examination« (Mai 1952 in IMAGINATION).

Personalities

1952 wurden viele SF-Autoren geboren.

  • Douglas Adams wurde vor allem durch seine herrliche Serie Per Anhalter durch die Galaxis bekannt, die auch als Hörspiel und Fernsehserie erschien. Er starb bereits 2001.
  • Diane Duane ist vor allem durch ihre Fantasy-Romane bekannt geworden, schrieb aber auch über ein halbes Dutzend Star-Trek-Romane. Sie ist mit dem Autor Peter Morwood verheiratet.
  • Megan Lindholm ist das Pseudonym der Amerikanerin Margaret Astrid Lindholm Ogden. Sie schrieb zahlreiche Fantasy-Romane. Hierzulande war sie mit ihrer unter dem Pseudonym Robin Hobb erschienenen Serie Die Legende vom Weitseher (3 Bände) enorm erfolgreich.
  • Tim Powers gilt als Erfinder und wichtigster Vertreter des Steampunk, also einer Richtung der Phantastik, die ihre Geschichten im 19. Jahrhundert ansiedelt. Neben zahlreichen sehr literarischen Romanen wurde er vor allem mit dem unvergleichlichen The Anubis Gates (1983; dt. Die Tore zu Anubis Reich) bekannt.
  • Kim Stanley Robinson ist seit den 80er Jahren ein Vertreter der »neuen literarischen SF«. Er schrieb zahlreiche Erzählungen und Romane und wurde für seine Mars-Trilogie mehrfach ausgezeichnet.
  • Mary Rosenblum publiziert seit den frühen 90er Jahren. In Deutschland liegen ihre Romane The Drylands (1993; dt. Die verstummten Quellen) und Chimera (1993; dt. Virtuelles Fleisch) vor.
  • Darrell Schweitzer ist ein amerikanischer Kritiker, Herausgeber und Autor, der sich meist mit Fantasy beschäftigt. So gab er Studien über H. P. Lovecraft, Robert Howard und Lord Dunsany heraus. Seine Erzählungen erschienen gesammelt u. a. in We Are All Legends (1981; dt. Wir sind Legende).
  • David J. Skal schrieb nicht allzu viele Romane. Hervorzuheben ist jedoch When We Were Good (1981; dt. Perfekte Geschöpfe).
  • S. P. Somtow heißt mit bürgerlichem Namen Somtow Sucharitkul. In den frühen 80er Jahren tat er sich unter seinem richtigen Namen durch einige Space Operas und seine düstere Inquestoren-Trilogie hervor, von der in Deutschland leider nur die ersten beiden Bände erschienen. Seit Anfang der 90er Jahre widmet er sich als S. P. Somtow mehr der phantastischen und der Horror-Literatur. Hier ist vor allem Darker Angels (dt. Dunkle Engel) hervorzuheben.
  • Phil Stephensen-Payne ist einer der wichtigsten britischen Bibliographen und hat in seiner Reihe Galactic Central bisher Dutzende hervorragende und kompetente Bibliographien zu fast allen wichtigen SF-Autoren veröffentlicht.
  • Lisa Tuttle hat zahlreiche SF- und Horror-Storys geschrieben. Zu ihren schönsten Arbeiten gehört ihr erster Roman Windhaven (1981; dt. Kinder der Stürme), den sie gemeinsam mit George R. R. Martin verfaßte.

Diane Duane
Foto: Frank Güpner

Wissenschaft und Technik

  • Glenn Theodore Seaborg (geb. 1912) und sein Team stellten durch Experimente erstmals einzelne Atome der Elemente mit der Ordnungszahl 99 und 100 her. Die Elemente wurden Einsteinium und Fermium genannt.
  • In der Sowjetunion wurde der Wolga-Don-Schifffahrtskanal fertiggestellt. Die erste planmäßige Verkehrsflugverbindung über die Arktis verband Europa mit Japan.
Siehe auch:
The fantastic Worlds of Science Fiction
Die Definition der Science Fiction
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