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ALIEN CONTACT

Science Fiction History

Phantastik-Ereignisse 1954

von Hardy Kettlitz & Siegfried Breuer

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Weltgeschichte

  • Frankreich verlor an Einfluss als Kolonialmacht. In Nordvietnam wurden die französischen Truppen nach einer katastrophalen Niederlage im Indochinakrieg gezwungen, das Land zu verlassen. Indochina wurde in vier unabhängige Staaten aufgeteilt: Laos, Kambodscha, das kommunistische Nordvietnam und Südvietnam, in dem die Franzosen stationiert blieben. Kurz darauf begann der Kolonialkrieg in Algerien, nachdem an 70 Orten gleichzeitig französische Beamte erschossen worden waren. In Französisch-Marokko kam es ebenfalls zu schweren Unruhen gegen die Kolonialmacht.
  • Mao Tse-tung wurde Präsident der Volksrepublik China.
  • Die UdSSR wurde Mitglied der UNESCO. Im Dezember wurde in Moskau die Wiederbewaffnung der DDR angekündigt.
  • In Basel wurde der Europäische Fußballverein UEFA gegründet, und bei der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz ereignete sich das »Wunder von Bern«.
  • Im Juli nahm ein vollkommen unbekannter Lastwagenfahrer namens Elvis Presley in Memphis seine erste Single auf.

Mao Tse-tung

Wichtige Phantastik-Ereignisse

  • Zweifellos das bedeutendste Ereignis des Jahres war die Erstveröffentlichung von J. R. R. Tolkiens The Lord of the Rings (dt. Der Herr der Ringe), auch wenn die Trilogie zur damaligen Zeit noch nicht so erfolgreich war wie nach der Paperback-Veröffentlichung in den sechziger Jahren. Die Erstausgabe erfolgte übrigens in drei Einzelbänden, von denen die ersten beiden (The Fellowship of the Ring und The Two Towers) 1954 erschienen, der dritte Band The Return of the King ein Jahr später.
  • Fast zeitgleich wurde ein anderer heutiger Klassiker der Fantasy-Literatur veröffentlicht, nämlich Poul Andersons The Broken Sword (1954; dt. Das geborstene Schwert bzw. Das zerbrochene Schwert). Anders als Tolkien lehnt sich Anderson mehr an alte Sagenmotive an, ist jedoch kein so guter Erzähler wie sein britischer Kollege.
  • Edgar Pangborn schrieb mit A Mirror for Observers (dt. Der Beobachter bzw. Der Spiegel des Beobachters) einen außerordentlich lesenswerten Roman über eine düstere politische Zukunft der USA. Pangborn wurde ein Jahr später für dieses Buch mit dem International Fantasy Award ausgezeichnet.
  • Mark Clifton und Frank Riley schrieben gemeinsam den Roman They’d Rather be Right (vier Teile in ASTOUNDING; dt. Computer der Unsterblichkeit), der ein Jahr später mit dem Hugo ausgezeichnet wurde. Aus heutiger Sicht ist diese Entscheidung schwer zu verstehen, da doch einige weit interessantere Bücher im Jahr 1954 erschienen sind, zum Beispiel Mission of Gravity (dt. Unternehmen Schwerkraft) von Hal Clement oder Richard Mathesons Erstling I Am Legend (dt. Ich bin Legende).
  • Frederik Pohl und Cyril M. Kornbluth setzten ihre fruchtbare Zusammenarbeit fort und veröffentlichten den gemeinsam verfassten Roman Search the Sky (dt. Die letzte Antwort).
  • William Golding schrieb The Lord of the Flies (dt. Der Herr der Fliegen), ein Roman über eine Gruppe Schuljungen, die auf einer Insel stranden und zu überleben versuchen, während sich der Rest der Welt in einem Nuklearkrieg zerstört. Das Buch wurde zweimal verfilmt. Golding wurde 1983 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
  • Eine der eindrucksvollsten Kurzgeschichten des Jahres war Tom Godwins »The Cold Equations« (August 1954 in ASTOUNDING; dt. »Die kalten Gleichungen«), eine Geschichte über einen blinden Passagier an Bord eines Raumschiffs, der geopfert werden muss, um eine ganze Kolonie zu retten. Ebenso wichtig ist Alfred Besters Robotergeschichte »Fondly Fahrenheit« (August 1954 in MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION; dt. »Geliebtes Fahrenheit«), die allein in Deutschland mehr als ein halbes Dutzend Mal nachgedruckt wurde.
  • Isaac Asimov war durch seine Foundation- und Roboter-Geschichten ein Star der SF-Literatur. 1954 erschien sein erster Roboterroman mit dem Titel The Caves of Steel (dt. Der Mann von drüben bzw. Die Stahlhöhlen). Darin geht es um einen Kriminalfall, den der Detektiv Baley und sein Roboterkollege R. Daneel Olivaw lösen müssen.
  • In gleichen Jahr erfand übrigens Forrest J. Ackerman die unsägliche Abkürzung »Sci Fi«, die heutzutage von SF-Kundigen für zweitklassige Hollywood-Produktionen benutzt wird. Oder von Fernsehzeitungsredakteuren, die »Sci Fi« noch immer für eine coole Abkürzung von »Science Fiction« halten.
  • Theodore Sturgeon wurde mit dem International Fantasy Award 1954 für seinen Roman More Than Human (dt. Baby ist drei bzw. Die Ersten ihrer Art) ausgezeichnet.
  • In der Bundesrepublik erschien erstmals die Heftromanreihe UTOPIA GROSSBAND, herausgegeben von Walter Ernsting, in der jedoch zunächst eher drittklassige Romane erschienen. Das sollte sich einige Jahre später ändern.

Film

  • Im Kino gab es gleich mehrere interessante Filme. This Island Earth (dt. Metaluna 4 antwortet nicht) ist heute eher ein Trash-Klassiker, den man kaum ernst nehmen kann. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Raymond F. Jones.
  • Auf einem Buch von John Russell Fearn basiert der Jack-Arnold-Klassiker The Creature from the Black Lagoon (dt. Der Schrecken vom Amazonas).
  • Deutlich aufwändiger produziert war 20,000 Leagues under the Sea (dt. 20000 Meilen unter dem Meer) nach dem Roman von Jules Verne, hergestellt in den Walt-Disney-Studios und mit Kirk Douglas und James Mason in den Hauptrollen.
  • Der Vorjahresfilm The Beast from 20,000 Fathoms (dt. Panik in New York) löste wieder eine kleine Welle mit Monsterfilmen aus. In den USA startete Them! (dt. Formicula) von Gordon Douglas über Riesenameisen, die in der Kanalisation leben. Und in Japan kam Gojira (dt. Godzilla) von Inoshiro Honda in die Kinos.
  • Ein Klassiker ist inzwischen auch der tschechische Film Cesta do praveku (dt. Reise in die Urwelt) von Karel Zeman, in dem auch animierte Riesenechsen zu sehen sind.
  • Gene Roddenberry, der spätere geistige Vater von Star Trek, hing 1954 seinen Job an den Nagel und wurde Vollzeit-Drehbuchautor, zunächst hatte er jedoch nichts mit Science Fiction zu tun.

Debüts

  • Brian W. Aldiss sollte einer der bedeutendsten Vertreter der britischen SF werden. Er debütierte mit seiner Erzählung »Criminal Record« (dt. »Polizeibericht«) in Science Fantasy.
  • Avram Davidson debütierte mit »My Boy Friend’s Name is Jello« (Juli 1964 in MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION; dt. »Ich hab ‘nen Freund, und der heißt Jello«), die immer wieder in Anthologien nachgedruckt wird.
  • Andrew J. Offutt debütierte bei einem Preisausschreiben mit »And Gone Tomorrow« in IF. Seine professionelle Autorenkarriere startete dann fünf Jahre später, wobei er hauptsächlich durch Fantasy-Romane bekannt wurde.
  • Robert Silverberg war seit Anfang der fünfziger Jahre im amerikanischen Fandom aktiv. 1954 startete er mit der Erzählung »Gorgon Planet« eine sagenhafte Karriere, in deren Verlauf er zu einem der wichtigsten und interessantesten SF-Autoren der USA werden sollte.

Geboren

  • Ian M. Banks (*1954) ist ein schottischer Autor, der seit 1984 (The Wasp Factory; dt. Die Wespenfabrik) sowohl mit Science Fiction als auch mit Mainstream-Romanen sehr erfolgreich ist.
  • Diane Carey (*1954) ist eine amerikanische Autorin, die eine ganze Reihe Star-Trek-Romane schrieb und damit, zumindest in den USA, in die Bestsellerlisten gelangte.
  • J. M. Dillard (*1954) ist eine der prominentesten amerikanischen Star-Trek-Autorinnen und schrieb u. a. mehrere Romanversionen zu Star-Trek-Kinofilmen und -Fernsehfolgen.
  • Stephen Gallagher (*1954) ist ein britischer Roman- und Drehbuchautor und schrieb u. a. für die Fernsehserie Dr. Who. In Deutschland sind nur wenige seiner Werke erschienen.
  • Colin Greenland (*1954) ist ein britischer Autor, der durch seine farbigen Romane aufgefallen ist, zum Beispiel mit Take Back Plenty (dt. Begegnung auf dem Möbiusband; ausgezeichnet mit dem Arthur C. Clarke Award und dem British Science Fiction Award) oder mit der wunderschönen Abenteuergeschichte Harm’s Way (dt. Sophies Kurs).
  • Michael P. Kube-McDowell (*1954) ist ein amerikanischer Autor, der seit Anfang der achtziger Jahre zahlreiche Kurzgeschichten für SF-Magazine geschrieben hat. In Deutschland ist auch sein Roman The Quiet Pools (dt. Diaspora) bekannt.
  • Paul Park (*1954) lebt in den USA und schreibt seit Mitte der achtziger Jahre eher technisch orientierte Science Fiction.
  • Richard Paul Russo (*1954) ist ein amerikanischer Autor. Für seinen Roman Subterranean Gallery (1989; dt. Die unterirdische Galerie) gewann er 1990 den Philip K. Dick Award. 2002 wurde er für journalistische Arbeiten mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.
  • Bruce Sterling (*1954) ist ein amerikanischer Autor, Essayist und Herausgeber, der neben William Gibson der wichtigste Protagonist der Cyberpunk-Bewegung in den späten achtziger Jahren war. Die von ihm herausgegebene Cyberpunk-Anthologie Mirrorshades (1986; dt. Spiegelschatten) ist legendär, aber auch viele weitere seiner Romane und Erzählungen sind durchaus lesenswert, zum Beispiel Schismatrix (1985; dt. Schismatrix).
  • John Shirley (*1954) wird häufig von der Cyberpunk-Szene vereinnahmt, obwohl sein Werk deutlich vielschichtiger ist. Der amerikanische Autor ist auch Rocksänger und schrieb Horror- und Science-Fiction-Romane, die oftmals soziale oder politische Themen aufgreifen, wie zum Beispiel die Eclipse-Trilogie.
  • David Wingrove (*1954) ist ein britischer Autor, der in den achtziger Jahren vor allem Sachbücher zur Science Fiction verfasste (darunter auch The Trillion Year Spree, gemeinsam mit Brian W. Aldiss; dt. Der Milliarden-Jahre-Traum) und in den neunziger Jahren mit den vielbändigen Chroniken des Chung Kuo erfolgreich war.

Verstorben

  • Thea von Harbou (1888-1954) war eine deutsche Autorin, die vor allem durch Romane bekannt wurde, die auf Drehbüchern basierten, die sie mit ihrem Ehemann Fritz Lang verfasst hatte, insbesondere Metropolis (1926) und Die Frau im Mond (1928).

Thea von Harbou

Wissenschaft und Technik

  • Der amerikanische Mikrobiologe Jonas Edward Salk unternahm Versuche mit abgetöteten Viren, die im Körper Antikörper bilden, und fand einen Impfstoff gegen Kinderlähmung.
  • Bereits 1942 war in den USA der erste Versuchskernreaktor gebaut worden. Der erste Kernreaktor, der elektrischen Strom für friedliche Zwecke lieferte, wurde im Juni 1954 in der Sowjetunion in Betrieb genommen. In den USA wurde das erste atomgetriebene U-Boot in Dienst gestellt.
Siehe auch
The fantastic Worlds of Science Fiction
Die Definition der Science Fiction
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