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Science Fiction History

Phantastik-Ereignisse 1955

von Hardy Kettlitz

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Weltgeschichte

  • Der Ostblock gründete mit dem Warschauer Pakt ein Militärbündnis. Die DDR trat jedoch erst später bei, während die Bundesrepublik Mitglied der NATO wurde.
  • Nach einer Moskaureise Konrad Adenauers ließ die Sowjetunion die letzten ca. 10.000 deutschen Kriegsgefangenen frei.
  • BRD und DDR wurden souveräne Staaten, wobei die BRD am Alleinvertretungsanspruch für ganz Deutschland festhielt.
  • Der Österreichische Staatsvertrag trat in Kraft, wodurch das Land seine Souveränität zurückerhielt. Die Österreicher beschlossen immerwährende Neutralität.
  • Die Lufthansa nahm den ersten Linienflug nach dem Krieg auf. In Kassel fand die erste Dokumenta statt. und in Los Angeles wurde das erste Disneyland eröffnet.

Wichtige Phantastik-Ereignisse

  • 1955 erschien Jack Finneys Roman The Body Snatchers (dt. Die Körperfresser kommen), der heute zu den bekanntesten Invasionsromanen der Science Fiction zählt; nicht zuletzt durch die mehrfachen Verfilmungen, unter anderem 1956 durch Don Siegel und 1977 durch Philip Kaufman.
  • Isaac Asimov schrieb einen der wenigen seiner Romane, die zu keinem Zyklus gehören, und zwar The End of Eternity (dt. Das Ende der Ewigkeit), eine komplexe Zeitreisegeschichte mit allerlei Paradoxa. Viele Kritiker halten diesen Roman für Asimovs bestes Werk.
  • Leigh Brackett, eher für romantische Mars- und Weltraumabenteuer bekannt, verfasste ihren besten Roman, The Long Tomorrow (dt. Am Morgen einer anderen Zeit). Dieser ruhig erzählte Roman spielt in einer USA nach einer großen Katastrophe, in der die Städte zerstört sind in der die Menschen mit den Überresten der Zivilisation leben müssen. Nach diesem Roman kehrte Brackett der Science Fiction für längere Zeit den Rücken zu, um zunächst ausschließlich für Hollywood zu arbeiten.
  • Der witzigste Roman des Jahres war zweifellos Martians, Go Home (dt. Die grünen Teufel vom Mars) von Fredric Brown. Hier lässt der Autor tatsächlich kleine grüne Männchen auftauchen, die sich in die Belange der Erdenmenschen einmischen und zu allem ihre Kommentare abgeben, sei es die große Politik oder das Privatleben der Menschen.
  • Philip K. Dick war in fast allen SF-Magazinen mit Kurzgeschichten vertreten. 1955 erschien sein erstes, bereits zwei Jahre zuvor geschriebenes Buch: Solar Lottery (dt. Griff nach der Sonne bzw. Hauptgewinn: die Erde). Dabei war dieser Roman noch nicht typisch für Dick, sondern vielmehr eine Reminiszenz an die Werke von A. E. van Vogt.
  • Arthur C. Clarke schrieb eine seiner schönsten und eindrucksvollsten Kurzgeschichten, »The Star« (November 1955 in INFINITY SCIENCE FICTION; dt. »Der Stern«). Darin geht es um einen Geistlichen, der herausfindet, dass eine Supernova eine ganze Zivilisation vernichtet hat und als »Stern von Bethlehem« am irdischen Himmel erschienen ist.
  • Ian Fleming war bereits mit seinen James-Bond-Romanen bekannt geworden. In Moonraker (dt. Moonraker – Streng geheim) lässt er seinen Superagenten sogar einmal ein SF-Abenteuer erleben.
  • Der spätere Nobelpreisträger William Golding schrieb mit The Inheritors (dt. Die Erben) einen prähistorisch-phantastischen Roman, teilweise als Reaktion auf »The Grisly Folk« (1921) von H. G. Wells.
  • Frank Herbert war noch ein recht unbekannter Autor. In ASTOUNDING erschien sein erster Roman Under Pressure (späterer Buchtitel The Dragon in the Sea; dt. Atom-U-Boot S 1881) in Fortsetzungen.
  • Eine kommunistische Revolution in den USA beschrieb Cyril M. Kornbluth in seinem Roman Not this August (dt. Nicht in diesem August).
  • Für Eric Frank Russell war es ein sehr erfolgreiches Jahr. Von ihm erschienen zahlreiche Erzählungen in diversen SF-Magazinen, zum Beispiel »Allamagoosa« (Mai 1955 in ASTOUNDING; dt. »Der Offund« bzw. »Allamagoosa« bzw. »Technischer Bluff«), die mit einem Hugo Award ausgezeichnet wurde. Aber auch die Jay-Score-Geschichten, die seit 1941 in ASTOUNDING erschienen waren und stark an Star Trek erinnern, wurden als Buch veröffentlicht: Men, Martians and Machines (dt. Menschen, Marsianer und Maschinen).
  • Der noch sehr junge Robert Silverberg verfasste seinen ersten Roman, Revolt on Alpha C; ein allerdings eher unwichtiges Jugendbuch.
  • Dass die Themen der Pulps noch lange nicht überwunden waren, zeigte zum Beispiel George O. Smith in seinem Supermenschenroman Highways in Hiding (März bis Juni 1955 in IMAGINATION; dt. Weltraumpest).
  • Theodore Sturgeon zeigte mit seiner langen Erzählung »The [Widget], the [Wadget], and Boff« (November/Dezember 1955 in FANTASY & SCIENCE FICTION; dt. »Prognose: positiv« bzw. »Das [Fringding], das [Frangding] und Boff«), dass Science Fiction gleichzeitig hochinteressant und stilistisch glänzend erzählt sein kann.
  • William Tenn war einer der beliebtesten Kurzgeschichtenautoren der fünfziger Jahre. 1955 erschien sein erster Erzählungsband unter dem Titel Of All Possible Worlds (dt. Mögliche Welten).
  • Stanislaw Lem veröffentlichte in Polen seinen Roman Oblok Magellana, der bereits ein Jahr später in deutscher Sprache unter dem Titel Gast im Weltraum veröffentlicht und einige Jahre später in der CSSR sogar verfilmt wurde.
  • In der BRD erschien das erste deutsche Nachkriegs-SF-Magazin, herausgegeben von Walter Ernsting. Das UTOPIA MAGAZIN brachte es von Dezember 1955 bis Mitte 1959 auf 26 Ausgaben. Das Magazin enthielt hauptsächlich Übersetzungen aus dem Amerikanischen, aber auch jeweils mindestens einen deutschen Beitrag.
  • Am 4. August 1955 wurde in Frankfurt am Main der Science Fiction Club Deutschland (SFCD) von Walter Ernsting, Forrest J. Ackerman, Raymond Z. Gallun, Hugo Gernsback, Walter Spiegl und Julian Parr gegründet. Über die Leserbriefspalte im UTOPIA GROSSBAND und im UTOPIA MAGAZIN hatte Walter Ernsting die Möglichkeit, den Club bekannt zu machen und Mitglieder zu gewinnen.
  • Bereits im September erschien die erste Ausgabe des SFCD-Fanzines ANDROMEDA.
  • Von DDR-Autoren erschienen zwei SF-Bücher: Ein Stern verrät den Täter von H. L. Fahlberg und Ultrasymet bleibt geheim von Heinz Viehweg.

Film

  • Gleich drei wichtige Filme enstanden 1955. Zum einen die äußerst gelungene erste Verfilmung von George Orwells Roman 1984 (dt. 1984) von Michael Anderson. Ebenfalls von Orwell stammte die Vorlage für den Zeichentrickfilm Animal Farm (dt. Farm der Tiere) von John Halas und Joy Batchelor.
  • Als der klassische SF-Film der fünfziger Jahre gilt bis heute Forbidden Planet (dt. Alarm im Weltall) von Fred McLeod Wilcox, frei nach Shakespeares Der Sturm.

Debüts

  • G. C. Edmondson ist das Pseudonym des Autors Jose Mario Garry Ordonez Edmondson y Cotton, der mit »Blessed are the Meek« (September 1955 in ASTOUNDING) debütierte und in den folgenden zehn Jahren vor allem Kurzgeschichten in Magazinen veröffentlichte.
  • Carol Emshwiller war die Ehefrau des sehr beliebten Grafikers Ed Emshwiller. Sie debütierte mit »This Thing Called Love« (in FUTURE #28, 1955) und schrieb später gut zwei Dutzend Kurzgeschichten für Magazine und weitere Texte für Originalanthologien.
  • Walter Ernsting debütierte unter dem Pseudonym Clark Darlton mit dem Heftroman UFO am Nachthimmel.
  • Henry Slesar ist vor allem durch seine Kriminalgeschichten bekannt, rund ein Drittel seines Werkes gehört aber zur phantastischen Literatur. Sein SF-Debüt war »The Brat« (September 1955 in IMAGINATIVE TALES).

Geboren

  • Bruce Bethke (*1955) ist ein amerikanischer Autor, der vor allem durch Kurzgeschichten bekannt wurde. Seine Debütgeschichte »Cyberpunk« (November 1983 in AMAZING) veranlasste Gardner Dozois, ein ganzes Untergenre der SF danach zu benennen.
  • W. Michael Gear (*1955) ist ein amerikanischer Autor, der gleich mit einer sehr umfangreichen Trilogie zu publizieren begann: The Warriors of Spider (1988; dt. Spinnenkrieger), The Way of Spider (1989; dt. Spinnenfäden) und The Web of Spider (1989; dt. Spinnennetze). Seither sind in den USA einige neue Romane erschienen, die jedoch nicht übersetzt wurden.
  • Karen Haber ist der Autorenname von Karen Lee Haber Silverberg (*1955), seit 1987 die Ehefrau von Robert Silverberg. Sie schreibt seit 1988 Science Fiction, unter anderem die Mutanten-Trilogie, an deren erstem Band Robert Silverberg beteiligt war. Sie gab neue Ausgaben der Universe-Anthologiereihe heraus und stellte mehrere Essaybände zusammen, u. a. Meditations on Middle-Earth (2001; dt. Tolkiens Zauber) und Exploring the Matrix (2003; dt. Das Geheimnis der Matrix).
  • Pat Murphy ist der Arbeitsname der amerikanischen Autorin Patrice Ann Murphy (*1955), die seit Ende der siebziger Jahre SF publiziert. Ihre bekannteste Geschichte ist »Rachel in Love« (April 1987 in ASIMOV'S; dt. »Rachel ist verliebt« bzw. »Rachel verliebt sich«), für die sie einen Nebula Award und einen Theodore Sturgeon Memorial Award erhielt. Einige ihrer Texte werden dem Cyberpunk zugerechnet. Auf Deutsch erschien auch ihr Roman The City, Not Long After (1989; dt. Die Stadt, nicht lange danach).

Verstorben

  • P. G. Chadwick (1893–1955) war ein britischer Autor, der nur durch ein Buch, The Death Guard (1937; dt. Die Todesgarde), für die SF von Belang ist.
  • Nat Schachner (1895–1955) war ein amerikanischer Chemiker, Rechtsanwalt und Schriftsteller, der durch Biographien US-amerikanischer Persönlichkeiten bekannt geworden ist. Von 1930 bis 1941 erschienen eine Reihe von Kurzgeschichten sowie ein Roman in Pulp-Magazinen wie WONDER STORIES.

Preise

Hugo Gernsback Award 1955

Wissenschaft und Technik

  • Die Entstehung von Sternen wurde weiter erforscht. So konnte der Astronom George Howard Herbig im Orion-Nebel zwei Sterne entdecken, die Jahre zuvor noch nicht zu sehen waren.
  • Erstmals wurden Radiowellen vom Jupiter aufgefangen. Man vermutete, dass die Ursache dafür energiereiche Teilchen in der Atmosphäre des Planeten sind. Diese Vermutung wurde später bestätigt.
  • Durch Beobachtung konnte herausgefunden werden, dass der sonnenfernste Planet Pluto eine Schwankung in der Helligkeit in einem Zyklus von 6,4 Tagen aufweist. Dies entspricht der Rotationsdauer des Pluto.
  • Mit einem neuen Verfahren gelang es, aus Graphit einen synthetischen Diamanten herzustellen, der sich von einem natürlichen nicht unterscheidet. Man benötigte dazu einen Druck von 100.000 Atmosphären und eine Temperatur von 2.500 °C.
Siehe auch
The fantastic Worlds of Science Fiction
Die Definition der Science Fiction
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