Weltgeschichte
- In der UdSSR wurde KPdSU-Generalsekretär Leonid Breshnew auch offiziell Nachfolger des
Staatschefs Podgorny und verabschiedete eine neue Verfassung.
- Die USA sicherten sich mit dem Panamakanal-Vertrag die Kontrolle des Kanals bis zum Ende
des 20. Jahrhunderts.
- In Belgrad begann die Folgekonferenz der KSZE, und in der Zentralafrikanischen Republik
krönte sich der Machthaber Bokassa in einem pompösen Zeremoniell selbst zum Kaiser.
- Die Spannungen in der Welt waren nicht geringer als heute. Während das kleine Land
Dschibuti unabhängig wurde, brach zwischen Libyen und Ägypten ein Grenzkrieg aus, die
UNO-Blauhelme verlängerten ihre Mandate auf den Golan-Höhen und auf Zypern, Vietnam und
Kambodscha brachen ihre diplomatischen Beziehungen ab, und in der BRD erreichte der
RAF-Terror mit der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer einen
Höhepunkt.
- Auch die Krise des sozialistischen Systems verschärfte sich, so wurde in der CSSR von
200 Bürgerrechtlern die »Charta 77« veröffentlicht, was viele mit zunehmenden
Repressalien seitens des Regimes bezahlen mußten. Darunter war auch der Schriftsteller
und spätere tschechische Staatspräsident Vaclav Havel.
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Wichtige SF-Ereignisse
- Die Erstaufführung des Spielfilms Krieg
der Sterne (Star Wars USA 1977) war wahrscheinlich das
aufsehenerregendste und beeindruckendste Ereignis in der Science-Fiction-Welt des Jahres 1977.
Trotz der simplen Geschichte, die an die mittelmäßigen Storys der Pulp-Ära erinnert,
überwältigte Regisseur George
Lucas die Zuschauer mit nie gesehenen Bildern und Special Effects. Star Wars
revolutionierte nicht nur den SF-Film, sondern sorgte in den Folgejahren für eine
Renaissance der Space Opera in der SF-Literatur. Übrigens wurde der Roman Star Wars
von Alan Dean Foster verfaßt, und zwar bevor der Film endgültig geschnitten wurde, so
daß sich einige Szenen unterscheiden.
- Die Magazinlandschaft der USA bekam im Frühjahr 1977 gewichtigen Zuwachs. Isaac Asimov
höchstpersönlich gründete das erste seit den fünfziger Jahren wirklich erfolgreiche
amerikanische SF-Magazin mit dem Titel ISAAC ASIMOV'S SCIENCE
FICTION MAGAZIN. Mit der Herausgabe wurde George H. Scithers
betreut. Er erhielt für diese Tätigkeit, die er fünf Jahre lang ausführte, zweimal
(1979 und 1980) den Hugo Award
als »Best Professional Editor«.
- Eines der wichtigsten Bücher des Jahres 1977 war Frederik Pohls Gateway (dt. Gateway),
das er später mit den Bänden Beyond the Blue Event Horizon (1980), Heechee
Rendezvous (1984), The Annals of the Heechee (1987) und The Gateway Trip
(1990; Storys) fortsetzte. Pohl wurde für Gateway mit dem Hugo Award
ausgezeichnet.
- Nachdem J. R. R.
Tolkiens Lord of the Rings (dt. Der Herr der Ringe) bereits seit
Ende der sechziger Jahre sehr erfolgreich war und die Herzen unzähliger Fantasy-Fans erobert hatte, stellte Tolkiens
Sohn Christopher Texte und Hintergrundmaterialien aus dem Nachlaß seines Vaters zusammen
und veröffentlichte sie 1977 unter dem Titel The Silmarillion (dt. Das
Silmarillon).
- Philip K. Dick schrieb bereits 1973 seinen Roman A Scanner Darkly (dt. Der
dunkle Schirm), in dem er vor allem seine Drogenerfahrungen verarbeitete. Das Buch
erschien jedoch erst im Jahr 1977.
- Das MAGAZIN OF FANTASY AND SCIENCE
FICTION widmete die Juli-Ausgabe des Jahres 1977 Harlan Ellison und seinem
Werk.
- Charles L. Harness
war vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren aktiv. Nach einer langen
schöpferischen Pause veröffentlichte er im MAGAZIN OF FANTASY
AND SCIENCE FICTION Ende 1977 seinen neuen
Roman Wolfhead (dt. Die in der Tiefe).
- Stephen King war bereits auf dem Wege, der erfolgreichste Horror-Autor des 20.
Jahrhunderts zu werden. 1977 erschien mit The Shining (dt. Shining)
einer seiner besten Romane. Das Buch wurde später von Stanley Kubrick verfilmt (
The Shining, GB 1979). Noch
im gleichen Jahr erschien Rage (dt. Amok) unter dem Pseudonym Richard
Bachman, ein Thriller, der gänzlich ohne übernatürliche Elemente auskommt.
- Doris Lessing, die als hochrangige amerikanische Literatin bekannt ist, wandte sich
überraschenderweise der Science Fiction
zu. 1977 erschien ihr für SF-Leser vielleicht etwas gewöhnungsbedürftiger Roman Shikasta
(dt. Shikasta).
- Algis Budrys legte mit Michaelmas einen wichtigen SF-Roman vor, der die
spätere Entwicklung des Internets vorwegnimmt.
- Fritz Leiber, beliebt vor allem durch seine Fantasy-Erzählungen um Fafrd und den Grauen
Mausling, erweckte durch seinen düsteren Roman Our Lady of Darkness (dt. Herrin
der Dunkelheit) Aufmerksamkeit.
- Robin Cook thematisierte in Coma (dt. Koma) skrupellose Machenschaften
der Organmafia, die Dreharbeiten Michael Crichtons zur
Verfilmung des Romanes begannen noch im gleichen Jahr. Kurz zuvor hatte der Regisseur die
Fortsetzung Futureworld zum Filmklassiker Westworld abgeschlossen, die
aber nicht ans Original heranreicht.
- Mike Ashley ist Autor zahlreicher Sekundärwerke zur phantastischen Literatur und
publizierte unzählige Artikel. 1977 erschien erstmals sein umfangreiches Who's Who in
Horror and Fantasy Fiction, das jedoch nicht ins Deutsche übersetzt wurde.
- Lester Del Rey ging 1977 zu Ballantine Books und startete dort die sehr erfolgreiche
Reihe DEL REY BOOKS.
- Michel Demuth beendete 1977 sein Engagement als Herausgeber des französischen
SF-Magazines GALAXIE und veröffentlichte den phantastischen
Erzählungsband Les Anneés Métalliques.
- Herbert W. Franke, der
in den 60er Jahren die deutschsprachige Science
Fiction entscheidend beeinflußte, gab mit der Collection Zarathustra kehrt
zurück erneut eine Probe seines schriftstellerischen Könnens.
- Joe Haldeman brachte einen seiner anrührendsten Romane heraus, All My Sins
Remembered (dt. Der befleckte Engel), der eine einzige Anklage gegen
Unmenschlichkeit und Machtmißbrauch darstellt.
- Reinhard Heinrich und Erik Simon begeisterten in der DDR mit ihrem satirischen
Erzählungsband Die ersten Zeitreisen.
- Alexander Krögers
vielleicht bester wissenschaftlich-phantastischer Roman, Die Kristallwelt der Robina
Crux, kam gleichfalls 1977 heraus.
- Gert Prokop legte mit Wer stiehlt schon Unterschenkel? den ersten Band seines
Episodenromans um den Detektiv Timothy Truckle vor, ein Glanzstück der SF in der DDR,
1983 folgte der abschließende zweite Teil Der Samenbankraub.
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Debüts
- Robert Asprin (*1946) veröffentlichte 1977 seinen ersten SF-Roman
unter dem Titel The Cold Cash War (dt. Der Weltkriegskonzern). Asprin
wurde später vor allem durch seine mehr oder weniger lustige Dämonen-Serie
sowie durch die Shared-Worlds-Anthologiereihe um die Diebeswelt bekannt.
- Orson Scott Card
(*1951) debütierte in ASTOUNDING mit seiner Story »Ender's Game« und
gewann dafür 1978 prompt den John W. Campbell Award als bester Nachwuchsautor. Einige
Jahre später erweiterte er die Kurzgeschichte zum gleichnamigen Roman (dt. Das große
Spiel), was ihm wiederum einen Hugo
Award einbrachte.
- Rainer Fuhrmann (1940-1990) debütierte in der DDR mit dem SF-Roman Homo
sapiens 10-², der bereits sein Lieblingsthema, Genmanipulation und die
damit verbundenen Risiken, aufgreift.
- William Gibson (*1948) verkaufte 1977 seine erste Story »Fragments of
a Hologram Rose« an UnEarth Publications.
- James P. Hogan (*1941) debütierte 1977 mit seinem Roman Inherit
the Stars (dt. Der tote Raumfahrer), der später zu einer Trilogie erweitert
wurde. Hogan gehört zu den besseren Hard-SF-Autoren.
- Barry B. Longyear (*1942) schrieb 1977 seine erste Geschichte, die ein
Jahr später unter dem Titel »The Tryouts« in ISAAC ASIMOV'S
SCIENCE FICTION MAGAZIN veröffentlicht
wurde. Longyear wurde vor allem mit der 1979 erschienenen Geschichte »Enemy Mine« (dt.
»Du, mein Feind« bzw. »Mein lieber Feind«, verfilmt als Enemy Mine --
Geliebter Feind) bekannt.
- George R. R. Martin
(*1948) hatte bereits zahlreiche Erzählungen veröffentlicht, jedoch erschien 1977 sein
erster reiner SF-Roman Dying of the Light (dt. Die Flamme
erlischt).
- Charles Sheffield
(*1935) veröffentlichte in GALAXY »What Song the Sirens Sang«, die erste
seiner ca. 80 Kurzgeschichten.
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William Gibson
Foto: Heyne |
Personalities
1977 sind einige wichtige Persönlichkeiten verstorben.
- Kurt Herwarth Ball (*1903), der eigentlich Joachim Dreetz hieß,
veröffentlichte zusammen mit Lothar Weise in der DDR auch einige SF-Erzählungen.
- Everett B. Cole (*1910) war amerikanischer Berufssoldat und später
Schriftsteller. Ab 1951 veröffentlichte er in ASTOUNDING eine Reihe über
das »Philosophische Corps«, von denen auch einige Titel auf deutsch erschienen.
- Paul W. Fairman (*1916), ein US-amerikanischer Autor, betreute unter
anderem als Redakteur die SF-Magazine IF, FANTASTIC ADVENTURES,
AMAZING und FANTASTIC.
- Edmond Hamilton
(*1904) war einer der beliebtesten Space-Opera-Autoren der frühen Pulp-Zeit, schrieb
Hunderte Erzählungen für WEIRD TALES und so gut wie alle
frühen Pulp-Magazine. Zu seinen bekanntesten Schöpfungen gehörten die Captain-Future-Serie
sowie die Abenteuer der Sternenkönige.
- Wernher von Braun (*1912) schrieb zwar keine SF, hatte durch seine
Arbeit als Raketenentwickler jedoch entscheidenden Einfluß auf das Werk vieler
SF-Autoren.
- Tom Reamy (*1935) war nur eine sehr kurze Karriere als Autor
beschieden. Er debütierte im MAGAZIN OF FANTASY
AND SCIENCE FICTION 1974 mit der Erzählung
»Twilla« und errang mit seinen Texten innerhalb kurzer Zeit soviel Aufmerksamkeit, daß
er 1976 mit dem John W. Campbell Award als bester neuer Autor ausgezeichnet wurde. Er
schrieb nur einen Roman mit dem Titel Blind Voices (dt. Blinde Stimmen),
der erst nach seinem Tod erschien.
- Robert Moore Williams (*1907) war ebenso wie Edmond Hamilton ein sehr
produktiver Autor der Pulp-Ära. Ab 1937 publizierte er über 150 Erzählungen, jedoch
meist in weniger wichtigen Magazinen. Keines seiner Werke zählt zu den Meilensteinen des
Genres.
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Werner von Braun
Foto: NASA |
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Die Hugo-Gewinner
Hugo Gernsback Award
- Novel:
- Where Late the Sweet Birds Sang von Kate Wilhelm (dt. Hier sangen früher
Vögel, Heyne)
- Novella:
- »Houston, Houston, Do You Read?« von James Tiptree jr. (dt. »Houston, Houston, hört
ihr mit?« in Alpers [Hrsg.]: Kopernikus 4, Moewig und Alpers [Hrsg.]: Die
Sterne sind weiblich, Moewig; als »Houston, Houston, bitte melden!« in Tiptree: Sternenlieder
eines alten Primaten, Heyne)
- Novelette:
- »The Bicentennial Man« von Isaac Asimov (dt. »Der Zweihundertjährige« in Asimov: Meine
Freunde, die Roboter, Heyne, in Asimov: Die Asimov-Chronik: Die Menschheit wird
gerettet, Heyne)
- Short Story:
- »Tricentennial« von Joe Haldeman (dt. »Tricentennial« in Haldeman: Unendliche
Träume, Heyne; als »Dreihundertjähriges« in Gunn [Hrsg.]: Von Ellison bis
Haldeman, Heyne)
- Dramatic Presentation:
- kein Preis
- Professional Editor:
- Ben Bova
- Professional Artist:
- Rick Sternbach
- Fanzine:
- SCIENCE FICTION REVIEW (Herausgeber Richard
E. Geis)
- Fan Writer
- Susan Wood und Richard E. Geis
- Fan Artist
- Phil Foglio
- Campbell Award:
- C. J. Cherryh
- Gandalf Award (Grand Master):
- Andre Norton
- Special Award:
- George Lucas für Star
Wars
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Die Nebula-Gewinner
- Novel:
- Gateway von Frederik Pohl (dt. Gateway, Goldmann)
- Novella:
- »Stardance« von Spider & Jeanne Robinson (dt. als spätere Romanversion Sternentanz,
Heyne)
- Novelette:
- »The Screwfly Solution« von Racoona Sheldon (dt. »Die Goldfliegen-Lösung« in
Tiptree: Aus dem Überall und andere seltsame Visionen, Heyne und
»Schmeißfliegen« in Fuchs [Hrsg.]: Straße der Schlangen, Knaur)
- Short Story:
- »Jeffty Is Five« von Harlan Ellison (dt. »Jeffty ist fünf« in Kluge [Hrsg.] Magazine
of Fantasy and Science Fiction 56: Jeffty ist fünf, Heyne, in Ferman [Hrsg.] 30
Jahre Magazine of Fantasy and Science Fiction und in Carr/Greenberg [Hrsg.] Traumreich
der Magie, Heyne)
- Grand Master Award
- Clifford D. Simak
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Weitere Preise
- Kingsley Amis erhielt für seinen Roman The Alteration (dt. Die Verwandlung,
Heyne) den John W. Campbell Memorial Award für den besten SF-Roman des Jahres 1977.
- Die Zeitschrift LOCUS führte 1977 zum zweiten Mal ihre große
Leserumfrage nach den besten SF-Werken aller Zeiten durch. Hier wurde Robert A. Heinlein
bereits zum zweiten Mal zum »besten SF-Autor aller Zeiten« gekürt.
- Der bulgarische Schriftsteller Vladimir Colin (1921-1991) erhielt den Sonderpreis des 3.
EuroCons in Posnan (Posen).
- Eberhard Panitz wurde 1977 mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet.
- Den World Fantasy Award gewannen William Kotzwinkle für seinen Roman Dr. Rat
(dt. Dr. Ratte) und Russel Kirk für die Story Theres A Long Long Trail
A-Winding.
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Foto: NASA |
Wissenschaft und Technik
- 1977 entdeckte der amerikanische Astronom James L. Elliot, daß nicht nur der Saturn,
sondern auch der Planet Uranus ein Ringsystem hat.
- Der Paläontologe Donald Johanson entdeckte ein ca. 4 Millionen Jahre altes Fossil eines
zweibeinigen Hominiden. Es handelt sich dabei um ein ca. 1,10 Meter großes Exemplar des
Australopithecus afarensis. Da es sich offensichtlich um ein weibliches Exemplar handelte,
nannte man es Lucy.
- 1977 wurden in New York die ersten beiden Fälle einer damals unbekannten
Immunschwächekrankheit registriert. Die Krankheit wurde AIDS (Aquired Immune Deficiency
Syndrome) genannt.
- Durch Genübertragung vom Säugetier auf ein Bakterium wurde in den USA das
wachstumsregulierende Hormon Samotostatin erzeugt.
- Der sowjetische Atomeisbrecher »Arktika« erreichte als erstes Überwasserschiff den
Nordpol.
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