ALIEN CONTACT
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Science Fiction History

Phantastik-Ereignisse 1978

von Hardy Kettlitz & Siegfried Breuer

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Weltgeschichte

  • In Bonn findet ein Gipfeltreffen der sieben wichtigsten Industrieländer (USA, Japan, Großbritannien, Frankreich, Kanada, Italien) statt. Wichtigstes Thema ist die Belebung der Weltwirtschaft.
  • Die größte Flutkatastrophe seit Menschengedenken verwüstet Nordindien.
  • Die UN-Friedenstruppen haben Hochkonjunktur. Neben der Verlängerung der Missionen auf den Golan-Höhen, der Sinai-Halbinsel und Zypern kommt ein weiterer Einsatz in der neu geschaffenen Pufferzone zwischen Israelis und Palästinensern im Südlibanon dazu.
  • Das KSZE-Folgetreffen in Belgrad wird ohne wesentliches Ergebnis beendet.
  • Die Beziehungen zwischen China und Vietnam verschlechtern sich, und ein Grenzkonflikt zwischen beiden Ländern bricht aus. Vietnamesische Truppen marschieren in Kambodscha ein. Vietnam intensiviert seine freundschaftlichen Beziehungen zur UdSSR, und die USA verlagern ihre diplomatischen Kontakte von Taiwan nach China.
  • In Afghanistan werden Staatschef Daoud und die königliche Familie ermordet. An ihre Stelle tritt die sowjetfreundliche Regierung des Revolutionsratsvorsitzenden Mohammed Taraki.
  • Großbritannien, Irland und Dänemark werden Vollmitglieder der Europäischen Gemeinschaft.
  • Nach dem Tod von Papst Paul VI. und seinem kurzzeitigen Nachfolger Johannes Paul I. wird im Oktober 1978 der Kardinal von Krakau, Karol Wojtyla, als Johannes Paul II. der erste nichtitalienische Papst seit 1523.
  • Franz Josef Strauß wird Ministerpräsident des Freistaates Bayern.
  • Die Bundesrepublik Deutschland und Italien beschließen Gesetze zur Bekämpfung der terroristischen RAF bzw. Rote Brigaden.
  • Die DDR führt den paramilitärischen Wehrkundeunterricht als ordentliches Unterrichtsfach für die 9. und 10. Schulklassen ein.

Wichtige SF-Ereignisse

  • Douglas Adams war 1978 als Autor noch vollkommen unbekannt. Doch das sollte sich schlagartig ändern, als The Hitch Hiker's Guide to the Galaxy (dt. Per Anhalter durch die Galaxis) von der BBC als Hörspielserie ausgestrahlt wurde. Es waren zwei Kurzserien mit insgesamt zwölf Teilen (1978 und 1980). Der Roman, der Adams weltberühmt machte, erschien 1979.
  • Nach einer längeren Pause und einigen seltsamen göttlichen Erfahrungen schrieb Philip K. Dick den ersten Teil seiner VALIS-Trilogie (dt. Valis), der jedoch erst drei Jahre später veröffentlicht wurde.
  • Alice Sheldon, die unter dem Pseudonym James Tiptree jr. zahlreiche preisgekrönte Erzählungen veröffentlicht hatte, schrieb ihren ersten und einzigen Roman Up the Walls of the World (dt. Die Feuerschneise), eine außergewöhnliche Space Opera.
  • Brian Ash, der für zahlreiche Sekundärwerke bekannt war, veröffentlichte The Visual Encyclopedia of Science Fiction, die nach den wichtigen SF-Themen sortiert war und leider nie ins Deutsche übersetzt wurde.
  • Zwei wichtige Dystopien erschienen 1978: zum einen Anthony Burgess‘ 1985 (dt. 1985), eine Reflektion auf Orwells 1984, zum anderen der Parallelweltroman SS-GB (dt. SS-GB) von Len Deighton, worin Nazi-Deutschland Großbritannien übernommen hat.
  • C. J. Cherryh war bereits für ihre modernen Space Operas bekannt. 1978 erschienen die ersten beiden Bände ihrer Faded-Sun-Trilogie, Kesrith (dt. Kesrith - Die sterbende Sonne) und Shon'jir (dt. Shon'jir - Die sterbende Sonne). Der dritte Band Kutath (dt. Kutath - Die sterbende Sonne) folgte ein Jahr später.
  • Elisabeth A. Lynn, die 1976 debütierte, veröffentlichte ihren sehr stimmungsvollen Erstlingsroman A Different Light (dt. Das Wort heißt Vollkommenheit), worin sie die Weltraumreise eines krebskranken Künstlers schildert.
  • Stephen King schrieb seinen bis dahin umfangreichsten Roman, The Stand (dt. Das letzte Gefecht), über eine Katastrophe in naher Zukunft. Das Buch wurde gekürzt veröffentlicht; eine überarbeitete und ungekürzte Fassung erschien Anfang der 90er Jahre.
  • Bereits 1973 hatte Vonda N. McIntyre für ihre längere Erzählung »Of Mist, and Grass, and Sand« den Nebula-Award erhalten. 1978 erweiterte sie den Text zum Roman Dreamsnake (dt. Traumschlange), für den sie sowohl mit dem Nebula als auch mit dem Hugo Award ausgezeichnet wurde.
  • Michael Moorock, vor allem als Herausgeber des Magazins New Worlds und als Fantasy-Serienautor bekannt, schrieb mit Gloriana, or The Unfulfill'd Queen (dt. Gloriana) einen hochgelobten Parallelweltroman, der zur Zeit Königin Elisabeth I. spielt.
  • Tom Reamy wurde Mitte der 70er Jahre als eines der hoffnungsvollsten neuen Talente der SF-Literatur betrachtet. Als er 1977 viel zu jung starb, hinterließ er den Roman Blind Voices (dt. Blinde Stimmen), der 1978 erschien und der bewusst mit Elementen früherer Romane von Ray Bradbury spielt.
  • Frederik Pohl veröffentlichte seine Autobiographie The Way the Future Was: A Memoir, in der er sehr informativ und ausführlich auf die Anfangstage des amerikanischen Fandoms und den Beginn seiner wechselvollen Karriere eingeht.
  • Der Erzählungsband Ein Kyborg namens Joe von Herbert W. Franke versammelte Dutzende sehr kurzer Pointengeschichten des vielbeachteten deutschen Autors.
  • Hans-Joachim Alpers übernahm 1978 für drei Jahre die Herausgeberschaft der SF-Reihe des Knaur Verlags.
  • Arne Sjöberg legte in der DDR den SF-Roman Die stummen Götter vor, der die Ohnmacht menschlicher Forscher angesichts völlig fremdartiger außerirdischer Artefakte aufzeigt. Eine Fortsetzung folgte 1983 mit Andromeda.
  • Frank Töppes Erzählungsband Regen auf Tyche zählt zu den eindrücklichsten und bemerkenswertesten Büchern der DDR-SF. Er folgt darin der Tradition einer Zivilisations- und Gesellschaftskritik, die prägend für die ostdeutsche SF der 70er und 80er Jahre war.
  • Der Regisseur Philip Kaufman sorgte mit der zweiten Verfilmung von Jack Finneys Invasion of the Body Snatchers (dt. Die Körperfresser kommen) teils für Begeisterung und teils für Enttäuschung beim Kinopublikum. Die erste Verfilmung des Romans entstand 1956.
  • Michael Crichton war seit 1969 mit seinem Roman The Andromeda Strain (dt. Andromeda) ein erfolgreicher Bestsellerautor. 1978 jedoch hatte er als Regisseur großen kommerziellen Erfolg mit dem Film Coma (dt. Coma), der nach dem gleichnamigen Roman von Robin Cook entstand.
  • Eine Kuriosität waren die Novelisationen zum Kinofilm Capricorn One (dt. Unternehmen Capricorn), denn es wurden gleich zwei »Bücher zum Film« veröffentlicht: eines von Ron Goulart, das andere von Ken Follet.
  • Ebenfalls 1978 kam The Lord of the Rings (dt. Der Herr der Ringe) als leider nicht sonderlich geglückter Animationsfilm von Ralph Bakshi in die Kinos.

Debüts

  • David M. Alexander (geb. 1945) ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Er debütierte 1978 mit dem Roman The Chocolate Spy. In Deutschland erschien später sein Science-Fantasy-Roman Fane (1981, dt. Fane)
  • Pat Cadigan (geb. 1953) debütierte 1978 mit »Death from Exposure« im Magazin SHAYOL. Später hat sie vor allem durch ihre Cyberpunk-Geschichten Innovatives zur SF beigetragen.
  • Reinmar Cunis (1933-1989) hat sich einen Namen mit fundierten SF-Romanen gemacht. In seinem Debüt Livesendung beschreibt er die Konfusion angesichts der Landung Außerirdischer auf der Erde. Da man sich auf kein Konzept einigen kann, werden die Aliens am Ende einfach ignoriert.
  • John Kessel (geb. 1950), den man in Deutschland durch den Roman Gute Nachricht von den Sternen kennt, debütierte mit »The Silver Man« in GALILEO.
  • Marc Laidlaw (geb. 1960) debütierte mit »A Hiss of Dragon« (gemeinsam mit Gregory Benford) im Magazin OMNI.
  • Barry B. Longyear (geb. 1942), der durch seinen Roman Enemy Mine und dessen Verfilmung sehr bekannt wurde, debütierte in ASIMOVS mit der Story »The Tryouts«.

Personalities

1978 sind einige wichtige Persönlichkeiten verstorben.

  • Jean Louis Bouquet (1898-1978) wurde insbesondere als französischer Stummfilmpionier bekannt. Als Schriftsteller verband er erotische mit phantastischen Stilelementen.
  • Leigh Brackett (1915-1978) war in den 40er und 50er Jahren vor allem mit ihren Mars-Geschichten eine führende Autorin in den SF-Magazinen. Später schrieb sie zahlreiche Drehbücher für große Hollywood-Produktionen. Kurz vor ihrem Tod verfaßte sie noch die erste Drehbuchversion zum zweiten Star-Wars-Film The Empire Strikes Back (dt. Das Imperium schlägt zurück).
  • Edmund Crispin (1921-1978) trug als Herausgeber von sieben Best-of-Anthologien maßgeblich dazu bei, dass die Science Fiction in Großbritannien salonfähig wurde.
  • Eric Frank Russell (1905-1978) war ein britischer Autor, der ab 1937 als erster europäischer Autor regelmäßig in Astounding veröffentlichte. Er machte sich in seinen oft satirischen und pazifistischen Erzählungen über Bürokratie und Hirarchiedenken lustig. Ein Höhepunkt seines Schaffens war The Great Explosion (dt. Die große Explosion).
  • Sylvia Townsend Warner (1893-1978) gehört zu den Altmeisterinnen der britischen Fantasyliteratur. Ihr Werk wurde erst mit der Aufwertung des Genres seit J. R. R. Tolkien angemessen gewürdigt.
  • Mort Weisinger (1915-1978) war seit den frühen 30er Jahren aktiver Fan und Herausgeber der SF-Magazine THRILLING WONDER STORIES, STARTLING STORIES und CAPTAIN FUTURE. Ab 1941 gab er die Comic-Reihe Superman heraus und rekrutierte dafür Texter wie Alfred Bester, Otto Binder, H. L. Gold, Edmond Hamilton und Manly Wade Wellman.

Die Hugo-Gewinner

Hugo Gernsback Award

Novel:
Gateway von Frederik Pohl (dt. Gateway, Goldmann)
Novella:
»Stardance« von Spider & Jeanne Robinson (dt. enthalten im Roman Sternentanz, Heyne)
Novelette:
»Eyes of Amber« von Joan D. Vinge (dt. »Bernsteinaugen« in Alpers [Hrsg.]: Bestien für Norn, Knaur)
Dramatic Presentation:
Star Wars (dt. Krieg der Sterne)
Professional Editor:
George Scithers
Professional Artist:
Rick Sternbach
Fanzine:
LOCUS (herausgegeben von Charles & Dena Brown)
Fan Writer:
Richard E. Geis
Fan Artist:
Phil Foglio
Campbell Award:
Orson Scott Card
Gandalf Award (Grand Master):
Poul Anderson
Gandalf Award (Book-Length Fantasy:
The Silmarillion von J. R. R. Tolkien (dt. Das Silmarillion, Klett-Cotta)

Die Nebula-Gewinner

Novel:
Dreamsnake von Vonda N. McIntyre (dt. Traumschlange, Knaur; Die Traumschlange, Bastei-Lübbe)
Novella:
»The Persistence of Vision« von John Varley (dt. »Die Trägheit des Auges«)
Novelette:
»A Glow of Candles, A Unicorn's Eye« von C. L. Grant
Short Story:
»Stone« von Edward Bryant (dt. »Stein«)
Grand Master Award:
L. Sprague de Camp

Weitere Preise

  • Ian Watson wurde 1978 mit dem British Science Fiction Award für seinen Roman The Jonah Kit (dt. Der programmierte Wal) ausgezeichnet.

Wissenschaft und Technik

  • Oberstleutnant der Nationalen Volksarmee Sigmund Jähn ist der erste Deutsche im All als Mitglied der russischen Sojus-31-Mission zur Orbitalstation Salut 6.
  • Die NASA startet zwei Pioneer-Sonden, die die Oberfläche der Venus erforschen sollen.
  • Das erste Retortenbaby wird in London geboren.
  • FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoff) wird in den USA als Treibgas verboten, um die Ozonschicht nicht weiter zu zerstören. Alle anderen Klimakiller werden aber bis heute unbekümmert in die Atmosphäre geblasen.
  • Die Karakorum-Straße zwischen China und Pakistan, 800 km lang und bis zu einer Höhe von 4800 m verlaufend, wird nach mehrjähriger Bauzeit fertig gestellt.
Siehe auch:
The fantastic Worlds of Science Fiction
Die Definition der Science Fiction
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