ALIEN CONTACT
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Science Fiction History

Phantastik-Ereignisse 1979

von Hardy Kettlitz & Siegfried Breuer

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Weltgeschichte

  • Die UNO verlängerte die Blauhelm-Missionen im Süd-Libanon, auf dem Sinai und auf Zypern. US-Präsident James Carter und KPdSU-Generalsekretär Leonid Breschnew unterzeichneten das SALT-II-Abkommen. China kündigte den seit 1950 gültigen Friedensvertrag mit der UdSSR auf, und Ägypten und Israel unterzeichneten einen Friedensvertrag in Washington.
  • Grenzkonflikte beunruhigten die Region zwischen China, Vietnam und Kambodscha. Während chinesische Truppen kurzzeitig in Vietnam eindrangen, besetzten vietnamesische Truppen die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh. Anschließend rauchten alle Beteiligten die Friedenspfeife und schlossen entsprechende Verträge, die das Papier nicht wert waren.
  • In Afghanistan errichtete nach der Ermordung des Ministerpräsidenten Taraki dessen Nachfolger Amin ein Terrorregime, das wiederum von dem aus sowjetischem Exil heimgekehrten Bakrak Karmal beendet wurde. Nach der Hinrichtung Amins begann im Dezember 1979 die Invasion durch sowjetische Streitkräfte. Im gleichen Jahr vertrieb der Schiitenführer Ajatollah Chomeini im Iran Schah Mohammed Reza Pahlevi und rief eine Islamische Republik aus. Die Übergangsregierung unter Ministerpräsident Mehdi Basargan warf bald darauf das Handtuch und machte Platz für den noch heute aktiven Revolutionsrat. Die Anhänger des Schahs wurden durch »Islamische Volksgerichte« zum größten Teil zum Tode verurteilt. Im Irak folgte dem Staatspräsidenten al-Bakr dessen Premierminister Saddam Hussein im Amt.
  • Französische Truppen setzten in der Zentralafrikanischen Republik Kaiser Bokassa ab, tansanische den ugandischen Diktator Idi Amin. In Ghana, El Salvador und Nicaragua kam es zu Staatsstreichen. St. Lucia, St. Vincent und die Gilbert-Inseln erhielten die Unabhängigkeit.
  • Das Europäische Währungssystem (EWS) wurde gegründet, außerdem fanden erstmals Direktwahlen zum Europarat statt.
  • Die Grünen beschlossen auf einem Parteitag, sich als Bundespartei »Die Grünen« zu nennen. In West-Berlin eröffnete das Internationale Congress Center (ICC).
  • In der Tschechoslowakei wurden zehn Mitglieder der Bürgerrechtsbewegung Charta 77 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
  • In der DDR veranstaltete zu Pfingsten 1979 die FDJ erstmals ein nationales Jugendfestival, das mehr als eine Million Jugendliche nach Berlin zog. Es hatte den Zweck, die »vaterländische Erziehung« der jungen Generation zu vertiefen. Die 22.000 Häftlinge, die anlässlich des 30. Jahrestags der DDR-Gründung amnestiert wurden, hatten freilich noch nichts von dieser Festivität.

Phantastische Ereignisse

  • Nachdem bereits ein Jahr zuvor die BBC-Hörspielserie ausgestrahlt wurde, erschien 1979 der erste Band von Douglas Adams’ Romanserie The Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy (dt. Per Anhalter durch die Galaxis), eine höchst gelungene Persiflage auf die Themen und Inhalte der Science Fiction. Waren die Hörspiele bereits sehr erfolgreich, so sorgte dieser Roman für Adams’ weltweiten Durchbruch.
  • Peter Nicholls machte sich an die Arbeit, die bis dahin umfangreichste Enzyklopädie der Science-Fiction-Literatur zusammenzustellen. Unterstützt wurde er von John Clute, der Mitherausgeber war und einen Großteil der Einträge schrieb. The Encyclopedia of Science Fiction erschien erstmals 1979, im Jahr 1993 wurde eine erweiterte und überarbeitete Ausgabe veröffentlicht, die bis heute das Standardwerk ist.
  • Isaac Asimov war Ende der siebziger Jahre auf der Höhe seines Erfolgs. In den zehn Jahren seit 1969 waren genau 100 Bücher – zumeist Sachbücher – erschienen, die Asimovs Namen auf dem Titel tragen. In seinem zweihundertsten Buch Opus 200 (1979; dt. Opus 200) hielt der Autor Rückschau auf sein Werk und präsentierte Kurzgeschichten, Essays und Buchauszüge. Im gleichen Jahr erschien auch der erste Band seiner Autobiographie In Memory Yet Green: The Autobiography of Isaac Asimov (1920-1954), die nicht ins Deutsche übersetzt wurde.
  • Piers Anthony war bereits für seine exotischen Space Operas bekannt. 1979 kam der erste Band der Tarot-Trilogie heraus, God of Tarot (dt. Der Gott von Tarot), der sehr erfolgreich war, jedoch nicht zu seinen wichtigsten Werken zählt. Die beiden Fortsetzungen Vision of Tarot (dt. Die Visionen von Tarot) und Faith of Tarot (dt. Die Hölle von Tarot) erschienen ein Jahr später.
  • Gregory Benford, bekannt für seine wissenschaftlich orientierten SF-Romane, wurde 1979 Professor für Physik an der University of California.
  • Arthur C. Clarke landete mit The Fountains of Paradise (dt. Fahrstuhl zu den Sternen) einen Bestseller, der von der Kritik jedoch sehr unterschiedlich beurteilt wird.
  • Mit neuen, sehr ungewöhnlichen Ideen konnte Orson Scott Card aufwarten. Sein Roman Treason (dt. Treason – Der Spenderplanet) thematisierte eine sehr unkonventionelle Art der Organspende.
  • Ein weiterer neuer Autor war John Crowley, der später mit dem Roman Little, Big zu Bestsellerehren kommen sollte. Sein Roman Engine Summer (1979; dt. Maschinensommer) ist ein melancholisches Buch, das in einem pastoralen Amerika nach der Katastrophe spielt.
  • Thomas M. Dischs On Wings of Song (dt. Auf Flügeln des Gesangs) gehört zu den drei wichtigsten Werken des Autors.
  • Ian Fleming schrieb 1955 den James-Bond-Roman Moonraker (dt. Moonraker), der 1979 mit Roger Moore in der Hauptrolle verfilmt wurde.
  • Ein besonders schönes Buch war Harry Harrisons Planet Story (dt. Planetenstory). Es hat ein außergewöhnliches Format und ähnelt eher einem Bildband, denn es entstand in Zusammenarbeit mit Jim Burns, der die Illustrationen anfertigte, die im Buch mehr Raum einnehmen als der Text.
  • Zwar konnte Frank Herbert nie wieder den Erfolg seiner Dune-Serie übertreffen, erfolgreich war jedoch auch die Pandora-Serie, die er gemeinsam mit Bill Ransom schrieb. Der erste Band hieß The Jesus Incident (dt. Der Jesus-Zwischenfall), die Fortsetzungen erschienen 1983 und 1988.
  • Stephen King hatte bereits mit einigen Horror-Romanen Bestsellerstatus erreicht. 1979 veröffentlichte er gleich zwei Bücher mit Science-Fiction-Themen . Zum einen The Dead Zone (dt. Dead Zone – Das Attentat) über einen paranormal begabten Mann, der durch ein Attentat auf einen Politiker eine zukünftige Nazi-Herrschaft in den USA verhindern will, und The Long Walk (dt. Todesmarsch) über den im deutschen Titel benannten Todesmarsch, der als Medienspektakel veranstaltet wird. Letztgenannter Roman erschien unter den Pseudonym Richard Bachman, das King zunächst für fünf Thriller verwendete.
  • Auch Doris Lessing widmete sich eine Zeit lang SF-Themen und schrieb fünf Romane über das Sternenreich von Canopus, beginnend mit Re: Colonised Planet 5, Shikasta (späterer Titel Shikasta, dt. Shikasta). Darin ging es der Autorin weniger um die Schilderung galaktischer Kriege, sondern vielmehr um eine Allegorie auf die Menschheitsgeschichte. Trotzdem ein recht anstrengender Lesestoff.
  • Deutlich unterhaltsamer ist die Novelle »Enemy Mine« (September 1979 in Asimov’s; dt. »Du, mein Feind« bzw. »Mein lieber Feind«), die sowohl mit dem Hugo als auch mit dem Nebula ausgezeichnet und 1985 von Wolfgang Petersen verfilmt wurde.
  • Eines der führenden Magazine mit SF-Storys war OMNI, in dem unter anderem die beiden preisgekrönten Erzählungen »Sandkings« (August 1979; dt. »Sandkönige«) und »The Way of Cross and Dragon« (Juni 1979; dt. »Der Weg von Kreuz und Drachen«) von George R. R. Martin erschienen.
  • Frederik Pohl veröffentlichte den Roman JEM: The Making of a Utopia (dt. JEM - Die Konstruktion einer Utopie) sowie seine hochinteressante Autobiographie The Way the Future Was.
  • Die bereits Jahre zuvor erschienenen Kurzgeschichten von Cordwainer Smith wurden gesammelt in zwei Bänden veröffentlicht. Nach The Best of Cordwainer Smith (1975) folgte 1979 schließlich The Instrumentality of Mankind (dt. Die Instrumentalität der Menschheit).
  • John Varley, der auch durch seine außergewöhnlichen Kurzgeschichten auffiel, wandte sich dem Romanschreiben zu und veröffentlichte den ersten Band seiner Gäa-Trilogie: Titan (dt. Der Satellit). Die beiden Nachfolgebände hießen Wizard (1980; dt. Der Magier) und Demon (1984; dt. Der Dämon).
  • In der BRD erschien ein sehr interessanter Alternativweltroman von Carl Amery, An den Feuern der Leyermark.
  • Die bemerkenswertesten SF-Veröffentlichungen in der DDR waren die Buchdebüts von Karlheinz Steinmüller, Der letzte Tag auf der Venus, und von Erik Simon, Fremde Sterne. Eher ein Tiefpunkt der DDR-SF war Paul Ehrhardts Roman Spuren im Mondstaub. Bemerkenswert war außerdem eine Anthologie mit Erzählungen westdeutscher und West-Berliner Autoren mit dem Titel Das Rheinknie bei Sonnenaufgang.
  • Der wichtigste Film für die Science Fiction war zweifellos Alien von Ridley Scott, der durch die Fremdartigkeit des von H. R. Giger geschaffenen Außerirdischen und einige Horroreffekte zu schockieren wusste. Alan Dean Foster schrieb übrigens das Buch zum Film, das im gleichen Jahr erschien.
  • Hauptsächlich Trekkies begeisterten sich für den ersten Kinofilm mit Captain Kirk, Star Trek – The Motion Picture (dt. Star Trek – Der Film). Der Rest des Kinopublikums wunderte sich darüber, warum in einem Kinofilm – mit durchaus sehenswerten Spezialeffekten – nicht viel mehr als in einer durchschnittlichen Fernsehfolge passiert … und langweilte sich. Auf dem Cover des Romans zum Film, der ebenfalls 1979 herauskam, ist als Autor Gene Roddenberry genannt.
  • Weniger für das große Kinopublikum als vielmehr für Cineasten interessant war Andrej Tarkowskis Film Stalker, der sich an Motive aus Arkadi und Boris Strugazkis Roman Picknick am Wegesrand anlehnt.
  • Nicht sonderlich erfolgreich, dafür aber sehr unterhaltsam war der Film Time After Time (dt. Flucht ins Heute), der auf dem gleichnamigen, 1976 erschienenen Roman von Karl Alexander basiert.
  • Außerdem wurde erstmals der Fernsehmehrteiler The Martian Chronicles (dt. Die Mars-Chroniken) ausgestrahlt, in dem Rock Hudson und Maria Schell nicht gerade glänzten. Die literarische Vorlage von Ray Bradbury wurde übrigens von Richard Matheson zum Drehbuch umgearbeitet.

Debüts

  • Michael P. Kube-McDowell (geb. 1954) debütierte mit der Erzählung »The Inevitable Conclusion« in AMAZING. Er schrieb später zahlreiche Storys, jedoch wenige Romane.
  • Michael A. McCollum (geb. 1946) debütierte in ANALOG mit der Kurzgeschichte »Duty, Honor, Planet«. In Deutschland wurde er mit einem halben Dutzend recht durchschnittlicher Space Operas bekannt, die bei Heyne erschienen.
  • Timothy Zahn (geb. 1951) debütierte mit der Story »Ernie« in ANALOG. Er entwickelte sich zu einem der besseren Hard-SF-Autoren, hatte aber mit seinen Star-Wars-Romanen mehr Erfolg.

Gestorben

  • Lasar Josifowitsch Ginsburg (1903-1979) veröffentlichte unter dem Pseudonym Lasar Lagin in der Sowjetunion die phantastischen Romane Patent "A. V." (1947) und Neujahrsschnee (1966).
  • Werner Illing (1895-1979) schrieb in der Zeit der Weimarer Republik sozialistische Utopien. Am bekanntesten ist sein satirischer Roman Utopolis (1930).
  • Ed Earl Repp (1901-1979) veröffentlichte seit 1929 insgesamt 55 SF-Storys in Pulp-Magazinen. Später machte er Karriere als Drehbuchautor in Hollywood.
  • Arno Schmidt (1914-1979) war für seine sprachlichen Innovationen, seine beißenden Satiren und allerlei experimentelle Texte bekannt. Einige seiner Werke spielen mit phantastischen Themen, auch wenn man sie kaum als Science Fiction bezeichnen kann, zum Beispiel Leviathan (1949), Kaff auch Mare Crisium (1960) oder Schwarze Spiegel (1963).
  • Die niederländische Schriftstellerin Helma Wolf-Catz (1900-1979) war eine Vertreterin des magischen Realismus. Als Ihr Hauptwerk gilt der Sydonia-Cyclus (1960-1964).

Preise

Hugo Gernsback Award
Novel: Dreamsnake von Vonda N. McIntyre (dt. Traumschlange, Knaur; Die Traumschlange, Bastei-Lübbe)
Novella: »The Persistence of Vision« von John Varley (dt. »Die Trägheit des Auges« in Varley: Voraussichten, Goldmann)
Novelette: »Hunter’s Moon« von Poul Anderson (dt. »Jägermond« in Jeschke [Hrsg.]: Heyne Science Fiction Jahresband 1980, Heyne)
Short Story: »Cassandra« von C. J. Cherryh (dt. »Kassandra« in Jeschke [Hrsg.]: Science Fiction Jubiläumsband - Das Lesebuch, Heyne)
Dramatic Presentation: Superman: The Movie
Professional Editor: Ben Bova
Professional Artist: Vincent Di Fate
Fanzine: SCIENCE FICTION REVIEW (herausgegeben von Richard E. Geis)
Fan Writer: Bob Shaw
Fan Artist: Bill Rotsler
Campbell Award: Stephen R. Donaldson
Gandalf Award (Grand Master): Ursula K. Le Guin
Gandalf Award (Book-Length Fantasy: The White Dragon von Anne McCaffrey (dt. Der weiße Drache, Heyne)
Nebula-Award
Novel: The Fountains of Paradise von Arthur C. Clarke (dt. Fahrstuhl zu den Sternen, Bastei)
Novella: »Enemy Mine« von Barry B. Longyear (dt. »Du, mein Feind« bzw. »Mein lieber Feind«)
Novelette: »Sandkings« von George R. R. Martin (dt. »Sandkönige«)
Short Story:»giANTS« von Edward Bryant (dt. »Das New-Mexico-Projekt«)
Grand Master Award: L. Sprague de Camp

Wissenschaft und Technik

  • Im März bzw. Juli 1979 flogen die beiden Sonden Voyager 1 und Voyager 2 am Jupiter vorbei und übermittelten zahlreiche Daten über die Monde des Riesenplaneten zur Erde.
  • Das bemannte sowjetische Raumschiff Sojus 34 umkreiste 175 Tage lang die Erde.
  • Bei der Untersuchung von Sedimentschichten mit der neu entwickelten Neutronen-Aktivierungs-Analyse entdeckte der US-amerikanische Wissenschaftler Walter Alvarez hohe Konzentrationen von Iridium, das ca. 65 Millionen Jahre alt ist. Er stellte die Theorie auf, dass dieses Iridium von einem kosmischen Körper – einem großen Meteoriten oder einem Kometen – stammen könnte, der damals auf der Erde eingeschlagen ist und das Aussterben der Dinosaurier ausgelöst hat.
  • Die am höchsten gelegene Seilbahn Europas nahm auf dem kleinen Matterhorn den Betrieb auf.
  • Die japanische Firma Sony stellte den ersten serienreifen Walkman vor und verkaufte davon in vier Monaten 60.000 Stück.
Siehe auch
The fantastic Worlds of Science Fiction
Die Definition der Science Fiction
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