ALIEN CONTACT
ALIEN CONTACT 65 Inhalt Archiv

Science Fiction History

Phantastik-Ereignisse 1980

von Hardy Kettlitz

Science Fiction > Alien Contact
> History
Momox-Books.de - Einfach verkaufen.

Weltgeschichte

  • Der erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak beginnt mit irakischen Fliegerangriffen auf iranische Ölzentren.
  • Das sowjetische Militär beginnt eine Großoffensive in Afghanistan.
  • In Polen wird nach schweren Unruhen und einer Streikwelle die unabhängige Gewerkschaft Solidarität gegründet.
  • Die britische Kolonie Rhodesien wird unter dem neuen Namen Simbabwe unabhängig und selbstständig.
  • Die Olympischen Sommerspiele finden in Moskau statt, doch wegen der russischen Afghanistan-Politik nehmen 65 Länder, darunter die USA und die BRD, nicht teil.
  • Zwischen der BRD und der DDR wird eine neue Verkehrsvereinbarung getroffen.
  • Im Januar wird in der BRD von linken und ökologischen Gruppen die Bundespartei »Die Grünen« gegründet. In Gorleben wird das atomare Zwischenlager einen Monat lang von Atomkraftgegnern besetzt und schließlich von Polizei und Grenzschutz gewaltsam geräumt.
  • Die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) wird eingeführt.

Wichtige Phantastik-Ereignisse

  • Einer der erfolgreichsten Bestseller des Jahres war The Clan of the Cave Bear (dt. Ayla und der Clan des Bären) der bis dahin völlig unbekannten Jean M. Auel. Der prähistorische Roman spielt während der Eiszeit und erzählt die Geschichte des Mädchens Ayla, das mit ihrem Clan unter anderem auf Neandertaler trifft. Die Autorin hatte 17 Jahre an diesem Projekt gearbeitet. Seit 1980 gab es vier Fortsetzungen.
  • Brian W. Aldiss nahm mehrfach Bezug auf die Werke anderer Autoren. Mit Moreau’s Other Island (dt. Dr. Moreaus neue Insel) schrieb er seine Version des Klassikers von H. G. Wells.
  • Nach langer Pause veröffentlichte Alfred Bester wieder einen Roman. Golem100 (dt. Golem100) war zwar ein sehr ambitioniertes Werk, reicht jedoch keineswegs an Besters Klassiker aus dem fünfziger Jahren heran.
  • Gregory Benford hatte 1980 seinen Durchbruch mit Timescape (dt. Zeitschaft), einem wissenschaftlich orientierten Roman, der ihm sowohl den Nebula als auch den John W. Campbell Memorial Award einbrachte.
  • Robert L. Forward war ein bedeutender Astrophysiker, der in seiner Freizeit Science Fiction mit hauptsächlich astronomischen Themen schrieb. Sein erster Roman Dragon’s Egg (dt. Das Drachenei) beschäftigt sich mit einem Neutronenstern sowie dessen Auswirkungen auf Lebenformen, die sich in seiner Umgebung entwickeln.
  • Aus einigen bereits zuvor veröffentlichten Kurzgeschichten und neuem Material stellte Orson Scott Card den Roman Songmaster (dt. Meistersänger) zusammen, der vielleicht nicht zu seinen bedeutendsten, zumindest aber zu seinen unterhaltsamsten gerechnet werden kann. Wie man es bereits aus früheren Card-Büchern kennt, wird der jugendliche Protagonist zu einer Messiasgestalt.
  • Robert A. Heinlein veröffentliche nach mehreren Jahren Pause und Krankheit den voluminösen Roman The Number of the Beast (dt. Die Zahl des Tiers), in dem er sein Multiversum postuliert. Heinlein beabsichtigte vermutlich ein Gemisch aus Parodie auf und Hommage an die Pulp-SF der dreißiger Jahre, jedoch kann man das Buch als durchweg misslungen betrachten.
  • Stephen King hingegen steuerte dem ersten Höhepunkt seines Schaffens entgegen und schrieb mit The Shining (dt. Shining) einen der wichtigsten Geisterromane, der übrigens einige Jahre später von Stanley Kubrick verfilmt wurde.
  • Eine herausragende Novelle ist »Nightflyers« (dt. »Die Expedition der Nachtfee« bzw. »Nachtflieger«) von George R. R. Martin, eine Horrorstory über Computer und Psi-Kräfte an Bord eines Raumschiffs. Die Geschichte wurde von Kritikern mit Psycho von Bloch verglichen, die gleichnamige Verfilmung von 1987 lässt jedoch jegliche Faszination für den Stoff vermissen.
  • William Gibson behauptete, dass bereits 1980 ein bedeutender Vorläufer des Cyberpunk erschienen war, nämlich der Roman City Come A-Walkin’ (dt. Rebellion der Stadt bzw. Stadt geht Los) von John Shirley, eine fast surrealistische Geschichte über die Stadt, die sich für den Missbrauch an ihr rächt.
  • Robert Silverberg hatte einige Jahre lediglich Sachbücher geschrieben, kehrte nun jedoch zur phantastischen Literatur zurück und landete mit dem Fantasyroman Lord Valentine’s Castle (dt. Krieg der Träume), dem ersten Band der Majipoor-Chroniken, einen Bestseller. Trotz des Erfolges reicht das Buch jedoch nicht an die literarischen Qualitäten seiner Romane aus den späten sechziger Jahren heran.
  • John Sladek war weit weniger erfolgreich, veröffentlichte jedoch seinen wichtigsten Roman: Roderick, or The Education of a Young Machine (dt. Roderick oder die Erziehung einer Maschine), gleichzeitig einer der wichtigsten Roboterromane und ein Entwicklungsroman nach klassischem Muster.
  • Joan Vinge hatte bereits einige Romane publiziert, als 1980 ihr größter Erfolg erschien, The Snow Queen (dt. Die Schneekönigin), der ihr den Hugo Award einbrachte. Natürlich konnte auch sie es nicht lassen, und so erschien rund zehn Jahre später mit The Summer Queen (dt. Die Sommerkönigin) eine voluminöse Fortsetzung.
  • Literarisch hoch ambitioniert ist Gene Wolfes Zyklus Das Buch der Neuen Sonne, dessen erster Band The Shadow of the Torturer (dt. Der Schatten des Folterers) 1980 herauskam. Die drei Fortsetzungen folgten im Jahresabstand.
  • In der BRD wurde Hans Joachim Alpers Herausgeber der Reihe Moewig SF und gab (bis 1988) insgesamt 15 Bände der herausragenden Anthologiereihe Kopernikus heraus, eine Art SF-Magazin im Taschenbuchformat. Neben Werner Fuchs, Ronald M. Hahn und Wolfgang Jeschke war er auch mitverantwortlich für das zweibändige Lexikon der Science Fiction Literatur des Heyne-Verlags, das – auch mangels Konkurrenz – in kurzer Zeit zum Standardwerk in Deutschland wurde.
  • Der wichtigste Roman eines westdeutschen Autors war Die Enkel der Raketenbauer von Georg Zauner, der auch ein Jahr später den ersten Kurd Laßwitz Preis erhielt.

Film

  • Die Fernsehserie Battlestar Galactica (dt. Kampfstern Galactica) war ein sehr billig produzierter Abklatsch von Star Wars. Die Serie zeichnete sich besonders durch dämliche Storys und schlechte Schauspieler aus.
  • Weitaus faszinierender war die 13-teilige Fernsehserie Cosmos (dt. Unser Kosmos) von Carl Sagan, eine Dokumentarserie, die spannend wie eine Spielfilmserie war und Sagan zum neuen Star der Populärwissenschaft machte. Ebenso interessant war übrigens auch das gleichnamige Buch zur Serie.

Debüts

  • David Brin (*1950) gehört heute zu den bekanntesten Hard-SF-Autoren. Er debütierte mit dem Roman Sundiver (dt. Sonnentaucher), der nicht gerade sein bestens Buch ist. Er erschien erst zwanzig Jahre später in Deutschland. Allerdings ist es bereits im später deutlich weiter ausgearbeiteten Uplift-Universum angesiedelt.
  • Rudy Rucker (*1946), der Mathematiker unter den modernen SF-Autoren, debütierte mit der Erzählung »Faraway Eyes« (dt. »Verträumte Augen«) in Analog.

Verstorben

  • John Collier (1901-1980) war ein britischer Autor und Dichter, der gelegentlich phantastische Themen verarbeitete (siehe 1901).
  • Tom Godwin (1915-1980) schrieb rund 30 Kurzgeschichten, von denen »The Cold Equations« (1954; dt. »Die kalten Gleichungen«) berühmt geworden ist (siehe 1915).
  • Lawrence Schoonover (1906-1980) schrieb nur einen wichtigen SF-Roman (siehe 1906).
  • George R. Stewart (1895-1980) war ein US-amerikanischer Autor und Professor für englische Sprache, der nur einen einzigen, dafür umso bedeutenderen SF-Roman geschrieben hat: Earth Abides (1949; dt. Leben ohne Ende) gilt noch heute als einer der gelungensten Nachkatastrophenromane. Er erzählt von Wiederaufbau der menschlichen Zivilisation nach einer globalen Seuche, die den größten Teil der Menschheit dahingerafft hat. Es war das erste Buch, das mit dem International Fantasy Award ausgezeichnet wurde.

Preise

Hugo Gernsback Award
Novel: The Fountains of Paradise von Arthur C. Clarke (Buchausgabe bei Harcourt Brace Jovanovich; dt. Fahrstuhl zu den Sternen)
Novella: »Enemy Mine« von Barry B. Longyear (September 1979 in ISAAC ASIMOV'S SCIENCE FICTION MAGAZINE; dt. »Du, mein Feind«)
Novelette: »Sandkings« von George R. R. Martin (August 1979 in OMNI; dt. »Sandkönige«)
Short Story: »The Way of Cross and Dragon« von George R. R. Martin (Juni 1979 in OMNI; dt. »Der Weg von Kreuz und Drachen«)
Best Non-Fiction Book: The Science Fiction Encyclopedia von Peter Nicholls (Buchausgabe bei Doubleday; nicht auf Deutsch)
Best Dramatic Presentation: Alien (Film)
Best Professional Editor: George H. Scithers
Best Professional Artist: Michael Whelan
Best Fanzine: LOCUS (Hrsg. Charlie Brown)
Best Fan Writer: Bob Shaw
Best Fan Artist: Alexis Gilliland
John W. Campbell Award: Barry B. Longyear
Gandalf Award (Grand Master): Ray Bradbury
Nebula-Award
Novel: Timescape von Gregory Benford (Buchausgabe bei Simon & Schuster; dt. Zeitschaft)
Novella: »Unicorn Tapestry« von Suzy McKee Charnas (1980 in New Dimensions 11, hrsg. von Robert Silverberg & Marta Randall; nicht auf Deutsch)
Novelette: »The Ugly Chickens« von Howard Waldrop (1980 in Universe 10, hrsg. von Terry Carr; dt. »Die häßlichen Hühner« bzw. »Die häßlichen Hühnchen«)
Short Story: »Grotto of the Dancing Deer« von Clifford D. Simak (April 1980 in ANALOG; dt. »Grotte des tanzenden Wildes«)

Wissenschaft und Technik

  • Die Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 fliegen am Saturn vorbei und liefern viele wertvolle Daten und Fotos des Planeten, seiner Ringe und Monde. Der 13. und 14. Saturnmond werden entdeckt.
  • Dornier erfindet den Nierensteinzertrümmerer, und in den USA wird ein Impfstoff gegen Hepatitis B entwickelt.
Siehe auch
The fantastic Worlds of Science Fiction
Die Definition der Science Fiction
ALIEN CONTACT 65 Inhalt Archiv
© copyright 1997-2011 by EPILOGmedia • Alle Rechte vorbehalten
eMail: dialog@epilog.de | Impressum | AGB + Widerrufsrecht