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Achtung,
das Etikett täuscht! Bei Gottes Feuer handelt es sich im strengen Sinne nicht um
Science Fiction, sondern um einen pfiffig gemachten Historienroman, der tief in die
Machenschaften der Heiligen Inquisition und anderer politischer Mächte im Portugal des
Jahres 1667 blicken läßt.Zwar spielen Außerirdische eine gewisse Rolle, zumindest was den Anstoß der Ereignisse anbelangt, aber das ist auch schon alles, denn sie treten nicht als handelnde Subjekte in Erscheinung, sondern sind hilflose und stumme Gefangene der katholischen Kirche. Ein kleiner Provinzort gerät in Aufregung, als unheilvolle Zeichen am Himmel erscheinen und zwei mit übergroßer Phantasie ausgestattete Frauen behaupten, sie wären von himmlischen Mächten verführt worden. Der Inquisitor des Ortes, Manoel Pessoa, ein gleichermaßen mit Menschlichkeit, Vernunft und Charakterfehlern ausgestatteter Jesuit, versucht den Erscheinungen auf den Grund zu gehen, ohne daß höhere Stellen davon Wind bekommen. Pessoa möchte vermeiden, daß die Maschinerie der Inquisition, gleichbedeutend mit Denunziation, Folter und Tod, in Gang kommt. Die brennenden Kreuze am Himmel erweisen sich als abstürzendes Raumschiff. Die orientierungslosen Aliens werden in einem Kerker vor dem Volkszorn geschützt, bis entschieden ist, ob es sich um Dämonen, Engel oder um einen Menschenschlag aus Borneo handelt. Leider überstürzen sich die politischen Ereignisse im noch in frischer Unabhängigkeit von Spanien taumelnden Portugal. Der offiziell anerkannte König Afonso (Alfons VI.) ist schwachsinnig. Die Regierungsgeschäfte werden vom skrupellosen Grafen Castelo Melhor geführt. Doch Pedro, der Bruder Afonsos, bereitet sich durch taktische Allianzen schon auf die faktische Übernahme der Krone vor. Ein weiteres - im wahrsten Sinne des Wortes - Schwergewicht auf der Intrigenseite ist der Generalinquisitor Gomes, der im weiteren Verlauf als antihumanistischer Kontrahent von Manoel Pessoa aufgebaut wird. Das Unheit nimmt seinen Lauf, als König Afonso telepathischen Kontakt mit dem Schiffscomputer aufnimmt und ihn für Gott hält. Als der Großinquisitor von dieser und anderen Ketzereien erfährt, verliert Pessoa im erschütternd geschilderten Inquisitionstribunal fast alle, die er zu retten hoffte, sogar seine jüdische Geliebte Berenice. Auch die Aliens gehen alsbald in Flammen auf. Ab diesem Punkt, dem Machtkampf zwischen Humanismus und Kirchenbürokratie, sind Außerirdische und Schiffscomputer nur noch Fußnoten. Trotz des bitteren realistischen Endes strotzt der Roman vor Humor. Zwar gehen die als Running Gag gemeinten Fürze des Großinquisitor auf die Nerven, aber die zwischenmenschlichen Beziehungen sind warm und komplex geschildert, die Metaphern funktionieren, Geschichtsfans kommen auf ihre Kosten. Lachen und Entsetzen halten sich letztendlich die Waage. Nach der letzten Seite sollte man unbedingt ein Geschichtsbuch aufschlagen, denn was damals in Portugal an Machtkämpfen ausgetragen wurde, ist interessanter als manche Raumschiffschlacht. Michael Conrad ALIEN CONTACT 38 |
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