| Im Jahre 1973 landeten zwei Außerirdische auf der Erde, die seit den 90er
Jahren unter den Namen Boris Koch und Christian von Aster (!) als Autorenteam frischen
Wind in die deutsche Science Fiction
und Phantastik bringen. Die Aliens wurden auch schon oft auf SF-Conventions gesichtet, wo
sie ihre blaue Haut und ihre neugierig blickenden Augententakel hinter der Maske irdischer
Normalbürger verbergen. Ihr neuestes Bändchen Bald umfasst ein Dutzend
Geschichten, die in einer Welt der nahen Zukunft spielen, die man als Dystopie oder auch
logische Fortsetzung der heutigen Entwicklung ansehen kann. Zusammen bilden sie faktisch
einen Episodenroman, der wie die Scheinwerfer vorüberfahrender Autos die eine oder andere
Sequenz jäh aus der Dunkelheit reißt und dann wieder in der Nacht verschwinden lässt. Bald
wird es die totale Überwachungsgesellschaft geben, nicht nur auf den Datenautobahnen des
Internets sondern auch im persönlichen Leben, bis hin zum gespeicherten elektronischen
Fingerabdruck jedes Erdenbürgers. Man kann diesem Utopia nur noch in den Weltraum
entkommen, wo aber längst die Minenfelder vergangener Sternenkriege und Piraten lauern.
Eine solche Welt lässt sich fürwahr nur noch mit dem abgrundtiefen schwarzen Humor der
beiden Autoren ertragen, die auch schräge Parodien auf bekannte Klischees des SF-Genres
in ihrem Repertoire haben. Ein Teil der (besonders kurzen) Kurzgeschichten entstand für
eine Lesungsreihe, die 2002 als Rahmenprogramm für Klassiker des SF-Films in der Z-Bar in
Berlin stattfand. Die »Z-Bar-Chroniken« sind besonders abgedreht und haben nur indirekt
mit dem roten Faden des Bandes, dem Utopia mit kleinen Fehlern, zu tun - viel jedoch mit
einer entfesselten Fabulierlust, die sich von einem Gag zum anderen hangelt. Diese kleinen
Prosastückchen vermitteln ein Gefühl, was eine Lesung tatsächlich an Lebensfreunde zu
erwecken vermag, wenn Autoren und Leser mit dem Herzen dabei sind.
In seinem Vorwort nimmt Dirk Berger, ein Aktivist des Freundeskreises Science Fiction
Leipzig e. V., jegliche Rezension des Buches praktisch vorweg. Besser vermag man die
Faszination der Geschichten nicht in Worte zu fassen, warum hier auch nur ein Lesetipp
abgegeben werden soll.
W. Pankow ALIEN CONTACT
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