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| Eine außerirdische Entität, die sogenannte Exzession, erscheint am
äußersten Rand der Sphäre, die der Kultur bekannt ist, und weckt das Interesse sowohl
der Kultur selbst als auch anderer, nicht zur Kultur gehörender Völker. Diplomatische
Verwicklungen sind vorprogrammiert, zumal man sich nicht sicher ist, ob die Exzession
friedlich oder feindlich gesinnt ist. Die Kultur schickt einen ihrer besten Agenten ins
Rennen, der wiederum eine seit Jahrzehnten im Dauerschlaf liegende Kollegin reaktivieren
soll. Unabhängig davon erforscht ein knappes Dutzend der intelligenten Raumschiffe der
Kultur die Exzession. Als das Volk der Affronter Besitzansprüche bezüglich der Exzession
stellt, droht ein Krieg auszubrechen. Dieser eigentlich sehr einfach gestrickte Handlungsfaden steckt in einem sehr komplexen Buch. In seiner typischen Art, mit literarischen Stilmitteln zu spielen, springt Banks auch hier wieder ständig zwischen einzelnen Handlungs- und Zeitebenen hin und her und macht es dem Leser nicht einfach, ihm zu folgen. Zusätzlich erschwert wird der Lesefluß noch durch die E-Mail-ähnlichen Absenderadressen innerhalb der Kommunikation zwischen den einzelnen Schiffen. Aber auch inhaltlich dehnt Banks viele der durchaus interessanten Rahmenhandlungen über Gebühr aus, so daß man noch drei Seiten vor Ende des Buches gespannt auf die Auflösung wartet. Genial ist sicher die Erschaffung des Universums, in dem die Gesellschaft der Kultur so eine wichtige Rolle spielt. Seinem komplexen Weltentwurf fügt Banks auch in Exzession wieder vielfältige Facetten hinzu. Auffällig ist jedoch, daß im Mittelpunkt von Banks' oft gepriesener Fähigkeit, überaus vielschichtige Charaktere zu entwerfen, diesmal nicht seine menschlichen Protagonisten, die recht blaß bleiben, sondern die vernunftbegabten Raumschiffe stehen. Anders als in Einsatz der Waffen zum Beispiel will weder zum Agenten Genar-Hofoen noch zu der jungen, ungeduldigen und verwöhnten Ulver Seich oder zu der im freiwilligen Exil lebenden Ex-Kollegin Genar-Hofoens Dajel Gelian rechte Sympathie aufkommen. Da fühlt man schon eher mit den Schiffen, zum Beispiel mit dem Exzentriker-Schiff »Sleeper Service«, das als Zwischenlager für Tiefschläfer fungiert, und ist überrascht über so manche Wendung bezüglich des Schicksals dieser Schiffe. Alles in allem ist Exzession ein durchaus interessantes Buch, das sich in der Wahl der Stilmittel wohltuend von durchschnittlicher Science Fiction abhebt. Manchmal wird man allerdings das Gefühl nicht los, daß Banks den Bogen überspannt und eine zu dünne Handlung hinter einem Höchstmaß an literarischen Spielereien versteckt. Zumindest den Lesern, die seine vorherigen Kultur-Bücher kennen und mögen, kann man das Werk empfehlen. Diese werden sich über viele neue Facetten im Kultur-Universum freuen. Leser, die neu in den Banks-Kosmos eintreten, erwartet eine harte Kost. Mindestens zweimal wird man das stellenweise sehr holprig und mißverständlich übersetzte Buch schon lesen müssen, um alle Handlungsbruchstücke richtig zusammensetzen zu können. Exzession ist also eher etwas für fortgeschrittene Banks-Leser. Der Roman erhielt für die deutsche Hardcover-Ausgabe unter dem Titel Die Spur der toten Sonne den Kurd-Laßwitz-Preis 1998 als bester ausländischer Roman. Gleichzeitig erhielt das Buch auch den Preis für die beste deutsche Übersetzung (Irene Bonhorst). Zumindest dies macht es fraglich, ob die Abstimmenden wirklich gelesen haben, was sie prämieren. Berit und Hans-Peter Neumann |
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